Zurück zu Kai 3 · Hotel Budersand
GastroGuide-User: Carsten1972
hat Kai 3 · Hotel Budersand in 25997 Hörnum bewertet.
vor 3 Jahren
"Auf oder neben der Düne.......Teil 1"
Verifiziert

Geschrieben am 07.08.2017 | Aktualisiert am 07.08.2017
Besucht am 04.08.2017 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 435 EUR
Sommer, Sonne, Strand, Rantum....und trotzdem hatte es mich und meine Frau in diesem Jahr doch mal zum Essen nach Hörnum in den Sylter Süden verschlagen.

Seid einiger Zeit hatte ich auf Grund verschiedener Empfehlungen werter Strandkorbnachbarn mal einen Besuch bei beiden Gastronomien des Budersand Hotels auf dem Plan, 2017 hat es nun geklappt. Tische waren unkompliziert über Open Table reserviert und am Tage der Reservierung meldet sich das Hotel auch noch mal und bestätigt die Reservierung telefonisch.

So weit so gut, und so fanden wir und am Freitagabend in Hörnum am Hafen ein. Außer dem direkten Anschluss an den Golfplatz auf dem ehemaligen Kasernengelände in Hörnum gibt es für mich weiterhin kein Argument hinter den Hafenanlagen ein Hotel zu errichten, aber nun ist es da.

Wenn es noch einen Wirtschaftshafen auf Sylt gibt, ist es der von Hörnum. Dicke Miesmuscheldampfer liegen hier, die WSV hat eine große Niederlassung, dann noch ein Yachthafen, dann hat man die Kaianlagen passiert und steht vor dem großen Gebäude, dessen Design meine Frau nicht zitierfähig bewertet. Schön ist aber auch in meinen Augen anders........

Drinnen ist es dann wie erwartet von einem hochklassigen Haus, alles sehr edel. Besonders an unserem Abend, Rolls Royce hatte zum "Summer Meet" geladen und die Kundenklientel konnte sich vor der Tür etliche Limousinen anschauen und innen beim Champagner "Netzwerken". Wir gingen weiter rechts um die Ecke in das "Kai 3" genannte Restaurant des Hotels.

Der Gastraum kann in meinen Augen nicht ganz mit den anderen öffentlichen Bereichen des Hotels mithalten. Zwar läßt sich dieser große Raum durch Raumteiler in kleinere Abschnitte aufteilen, aber es entsteht eine Art Saalklima, wie man es von großen Veranstaltungsräumen her kennt.

So richtig gemütlich ist es nicht, aber unser Tisch war an der Fensterfront, und aus dem Haus auf das Meer zu schauen, ist deutlich schöner, als vom Meer auf das Haus zu schauen:

Wenn die Sonne dann untergeht, wird es auch deutlich stimmungsvoller im Gastraum:

Über die Gestaltung von Gasträumen lässt sich ja trefflich streiten, deswegen will ich meinen sehr persönlichen Eindruck vom Gastraum auch nicht verallgemeinern. Der Tisch selber ist hochwertig eingedeckt, für 2 Personen auch erfreulich groß. Edles Besteck ist auch vorhanden. Somit also zum wichtigsten, dem Essen.

Das Kai 3 hat ja nun dem Sterneanspruch abgeschworen, siehe die Bemerkung unseres Kollegen "carpe.diem" vom Mai 2017, aber das ist jetzt wirklich auch kein Kriterium, an dem ich meine Bewertung ausrichte. Die Küche selber beschreibt sich mit folgender Aussage (Zitat HP):
...... Erleben Sie „Nordic Fusion“ hautnah und vom Feinsten.

Heimische Produkte und Zutaten ausgewählter Erzeuger aus Norddeutschland und Skandinavien sind das Herzstück unserer KAI3......

Öffnet man die Karte, finden sich 2 Menüvorschläge (kleine und große Aromenreise) und ein paar a la carte Gerichte. Zumindest im schnellen Überblick erkennt man das Motto wieder. Ein dicker Wälzer wird dazu gelegt, wie immer auf Sylt, eine äußerst umfangreiche Weinkarte (siehe HP), die bei Nichtbeachtung der VK Preise schnell zur privaten Insolvenz führen kann........sie liest sich aber wirklich verlockend. Aber die Preise einiger VDP Große Gewächse sind dann auch schon atemberaubend. Schnell waren wir uns einig, wir wollten eine Aromenreise antreten, und nach einiger Zeit hatten wir uns auf den großen Ausflug verständigt, nun denn, alle 6 Gänge der großen Aromenreise sollten es sein. Dazu fragte ich nach einer passenden Weinbegleitung für diese 6 Gänge, ein Nicken, dann ging es los.

Zu Beginn der Hausaperitif auf Wermutbasis, lecker herb, mit starkem Thymianaroma. Dazu ein erster Küchengruß

Ein hausgebackenes Roggenbrot, sehr dunkel ausgeführt. Ich vermute, dass war noch nachgefärbt, womit auch immer. Das sah eher aus wie ein Gewürzkuchen, denn wie ein Sauerteigbrot. Schmecken tat es dann sehr gut, vor allen Dingen auf Grund der leicht säuerlich marinierten hauchdünnen Radieschenscheiben obenauf.

Im Hinblick auf das startende Menü dann ein zweiter Küchengruß

Optisch schon mal hochklassig, ich hoffe, ich kriege noch alle Zutaten hin, wurden uns zwei Teller gereicht, auf dem einen eine kleine Scheibe Knäckebrot (siehe Motto) mit Rote Beete, sehr lecker, sowie eine Pellkartoffel mit einem Kaviar, leider weiß ich dessen Herkunft nicht mehr, auch lecker. Hinüber zum anderen Teller, dort eine kalte Tomatenessenz mit durchdringendem Tomatenaroma, perfekte im Säure Süße Verhältnis, noch geschärft durch etwas Chili (auch im weiteren Verlauf des Menüs bemerkte man Küchenchef Felix Gabels Liebe zu einem ausgeprägten Hauch Schärfe), sehr lecker. Dann eine Art pulled chicken auf dem Löffel, und eine ausgebackene Krokette. Leckerer Start ins Menü......

Zu diesem Küchengruß gab es dann einen Rose vom WG Wagner Stempel, der hervorragend paßte, und eigentlich den ersten Gang auch begleiten sollte, aber er war dann so lecker, dass nachgeschenkt werden musste für den nächsten Gang.

Gang 1

Tomate - Einstige Sorten roh und mariniert mit Taschenkrebs, Estragon, Lardo und geeister Krustentier-Konsommee.
Erst mal fiel das Auge auf zwei verlockend dünne Scheiben vom leckersten Speck der Welt....und entsprechend schnell waren die verspeist. Darunter Tomaten, 4 (glaube ich) verschiedene Sorten. Ein paar Zuckerschoten waren auch dabei. Darunter dann ein Creme aus Taschenkrebsfleisch. Darum herum goß der Service einen leckeren Sud...und fertig war ein schöner Sommerabendteller, sehr gut.

Zum Gang 2 wurde uns dieser Wein angeboten:

Ein trockener Riesling aus Rheinhessen vom WG Kai Schätzel.
Der Gang, der dazu passen sollte, kam dann auch an den Tisch:

Paella Essenz Leicht pikante Essenz mit gegrilltem Lauch, karamellisierter Ananas, Erdnuss und Spanferkelbauch
Paella war doch was mit Reis, oder? Den hab ich jetzt optisch oder geschmacklich nicht wieder gefunden. Abgesehen davon roch es aber ganz hervorragend aus dem Teller........ein paar Muscheln nahmen das Thema Paella doch noch auf. Die Essenz selber war ein hervorragend einreduzierter ausdrucksstarker Sud. Darin gut schmeckender Lauch, sehr gute Ananas und ein hervorragend gegarter (Sous vide?) Schweinebauch. Insgesamt? Lecker.....aber für mich kein Bezug zu Paella.

Gang 3, der Wein

Fryer's Cove, Blanc Fumé, 2014. Ich gebe zu, diese Rebsorte kannte ich nicht. Aber sie erinnerte an andere Büketweine wie Gewürztraminer und ähnliches, eigentlich nicht meines in Sachen Weißwein.
Färöer Lachs sollte es dazu geben.

Sanft pochiertes Lachsfilet mit eingelegtem Rettich, Rosinen und Rucola Specksud. Perfekt der Fisch, saftig auf den Punkt serviert. Erstaunlich gut dazu passend der Rettich, der in Kombination mit Rosinen noch besser wurde. Und Höhepunkt hier, wie auch bei den anderen Gängen, der Sud. Herr Gabel kann Saucen in allen Variationen! Sehr, sehr lecker, meinen Frau und Herr Carsten1972.

Rot zum Fleischgang:

Santa Ynez Valley, Weingut Stolpman Vineyards, 2009, eine Cuvee aus Grenache und Syrah.....komplett unbekannt sowohl das Anbaugebiet als auch das WG. Ein typischer, cremiger, gefälliger Kalifornier, passte aber super zum:

Sommerreh - Rosa gebratener Rehrücken mit Teriyakijus, Süßkartoffel, Cashew und gegrillter Mango. Saucenkönig Gabel schlug wieder zu....die Jus hätte mich auch nur mit einem Stück Brot glücklich gemacht. Aber dazu lag auf dem Teller noch ein allerzartestes Stück Rehrücken, sehr fein! Dekorativ drum herum ein paar Stücke und Kleckse von der Süßkartoffel und der Mango. Auch die Nuss war dabei und irgendwas war wieder scharf! Und insgesamt war das sehr lecker!

Hatte ich irgendwo was von Gewürztraminer geschrieben? Den gab es zum Käsegang:

Gewürztraminer von der Domäne Weinbach, bekanntermaßen nicht so meine Rebsorte....und dann irgendwo zwischen halbtrocken und Rest Süß. Mal schauen, wie er hierzu passen würde.......

Kobunder Kaaslust - einjähriger Ziegenhartkäse mit Mandel-Ziegenmilchcreme, Litschisorbet und Sylter Rose. Die Rose war ein kandiertes Heckenrosenblütenblatt auf einer Nusscreme. Dazu das Sorbet und zwei Sorten Käse. Beide Käse verrieten ihre Herkunft nicht olfaktorisch. Geschmacklich dann aber schon, besonders der Hartkäse gefiel mir außerordentlich gut.

Dessert gab es auch noch, und dazu diesen Wein:

wieder hatte der böse Etikettenteufel zugeschlagen, aber man erkannt noch die Frühburgunderauslese 2010, aber nicht von der Ahr, sondern von der Nahe vom WG Klostermühle Odernheim. Den sollten wir hierzu genießen:

Kirsche - Creme und mariniert mit Trüffel, Bitterschokolade und Tonkabohneneis. Das passte alles sehr gut zusammen und irgendwo im Hintergrund war auch der Trüffel am Aromenmix beteiligt. Leckerer Abschluss, oder besser fast Abschluss, denn zum Espresso und den Digestif

Ein rote Beete Brand ist eine olfaktorische Sensation, kam dann noch das hier:

Es war lecker, aber ich weiß nicht mehr, was es war. So waren es 9 sehr gute Gänge, die mir über das Menü alle gut bis sehr gut geschmeckt haben.

Der Service unter der Leitung von Frau Silke Schicker (herzlichen Dank für die ausführliche Darstellung aller Weine zum Menü) agierte fast ohne Probleme, zwei Weine wurden im aller letzten Moment zu ihrem Menügang serviert. Ansonsten waren die gut ausgebildeten Damen und Herren eine Freude.

Kann ich also zum Fazit kommen. Das Ambiente im Gastraum kann mich nicht begeistern. Die Küche schon, egal ob sie nun Sterneanspruch hat oder nicht, es muss eh nur schmecken, sonst nichts. Mir hat der Abend gut gefallen. Teil 1 (neben) von neben oder auf den Dünen war ein schöner Abend. Teil 2 (auf) wird folgen und mit ihm meine persönliche Empfehlung zu neben oder auf den Dünen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


kgsbus und 27 andere finden diese Bewertung hilfreich.

kgsbus und 25 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.