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GastroGuide-User: kgsbus
hat Metzger & Marie in 50670 Köln bewertet.
vor 2 Jahren
"Ein gelungener Abend mit ansprechenden Speisen und Getränken"
Verifiziert

Geschrieben am 20.04.2018
Besucht am 17.04.2018 Besuchszeit: Abendessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 79 EUR
„Metzger&Marie“ habe ich vor einiger Zeit schon einmal besucht und war ganz angetan. Aber es hat sich bisher kein neuer Besuch ergeben (Anfahrt und Öffnungszeiten).

Nun wurde jedoch von YouDinner ein besonderes Motto angeboten: From Nose to Tail – ein Menu rund um das ganze Kalb.
Also ein (guter) Grund im Lokal endlich erneut einzukehren.

Eigentlich sind Dienstag und Mittwoch die Ruhetage des Hauses. Für unsere Gruppe wurde jedoch extra geöffnet.
 
Ambiente
 
Von außen sieht das Haus nicht besonders attraktiv aus – eher unscheinbar.
Aber Innen macht es einen einladenden Eindruck. Die Theke fällt ins Auge – aber auch die „Holzwand“: Am Ende Ganges ist die Wand von oben bis unten mit kleinen Holzkeilen bedeckt.
An den Wänden hängen im übrigen einige Bilder bzw. Fotos, die sich alle auf das Lokal und seine Betreiber beziehen.
Die Holztische und -stühle erinnern an deftiges Wirtshaus-Mobiliar.
 
Sauberkeit 
 
Alles wirkte gut gepflegt und ordentlich.
 
Service
 
Die Chefin des Hauses wurde von zwei YouDinner-Kräften unterstützt. Zusammen machten sie einen perfekten Dienst.
Zusätzlich kam der Chef ebenfalls zu uns und erklärte seine Zutaten und Speisen.
Heute war das Fleisch im Fokus – und die Produkte kommen alle aus der Familienmetzgerei im Schwabenland.
 
Die Karte(n) 
 
Die reguläre Karte wechselt je nach Saison und ist auf einem Klemmbrett auf einem DIN A 4 Blatt aufgeschrieben. Es gibt also genug Auswahl, aber überschaubar. Eine Abteilung befasst sich auch stets mit Innereien.
 
Die verkosteten Speisen 
 
Für uns hatte Marc Flogaus ein fünf Gänge-Menü rund ums Kalb zusammengestellt.

Gruß: Kalbsleberwurst, Kalbstatar, Butter und Brot

Die Leberwurst war äußerst fein und aromatisch. Sie wird im Hause selbst hergestellt. Zusammen mit dem frischen Brot sehr köstlich.
Mir hat aber das Tatar noch besser gemundet. Es erinnerte mich im Aussehen an feines Hackfleisch mit Gewürzen perfekt abgeschmeckt.

Gang 1: Rosa Tafelspitz & Kopf – grüner Spargel, Sauce Tatar, Pinienkerne

Die feinen Scheiben vom Tafelspitz waren zart und leicht im Mund. Die kleinen Würfel vom Kopf waren frittiert und innen weich. Der Spargelsalat war durch geröstete Pinienkerne, Feldsalat und Tomatenstückchen im Zusammenspiel mit der Sauce ein echtes Gedicht.

Gang 2: Kalbsschwanz-Ravioli – Rote Bete, Morcheln, Portwein

Die Ravioli waren mit einer prächtig gewürzten Farce vom Fleisch des Kalbsschwanzes gefüllt. Das schmeckte auch ohne die Teighülle sehr angenehm. Die Rote Bete war in kleine Stückchen geschnitten und hatte durch die Zubereitung ihre bitteren dumpfen Noten ziemlich verloren. Aber ein weiteres Geschmackserlebnis waren die feinen Streifen von Morcheln. Ihr Aroma kam voll zur Geltung. Die weiße Creme obenauf mit Kräutern garniert war mir etwas zu fest und mächtig. Doch die braune Sauce (Portweinbasis) mundete mir wieder phantastisch.

Gang 3: Kalbsbries – Karotte, Pastinake, Lauch

Mein persönliches Highlight! Die Bries-Stücke lagen wie ein Schaschlik angerichtet zu oberst auf dem Teller. Sie waren zart gebraten, saftig und perfekt gewürzt. Die feinen langen Streifen vom (Schnitt-) Lauch waren leicht gegart worden und hatten ihre natürliche Farbe erhalten. Für mich passte das gut zum Bries. Dagegen waren die etwas gröberen Stücke von der Pastinake eher roh, jedenfalls nicht weich. Vielleicht sollte das ein Kontrast sein zum zarten Möhren-Püree. Da ich kein Freund von Breichen bin, hätte das für mich als leicht blanchierte Kombination aus Möhren und Pastinake sein dürfen.
Insgesamt hat mir das aber sehr zugesagt; insbesondere die feine Balance aus süßen und pikanten Noten war für mich äußerst gelungen.

Gang 4: Haxe vom Kalb – Bärlauch, Kartoffel, Tomate

Der Hauptgang bestand überwiegend aus einem riesigen Stück Fleisch. Es war kein Fett daran zu bemerken. Durch einen langen Gar- bzw. Schmorvorgang waren die wenigen knorpelige Stellen im Inneren zu weichem Kollagen geworden. Die Haxe war zart und weich – ohne zu zerfallen, also noch schnittfest.
Da ich gerne Röstaromen an Fleisch schmecken möchte, war dieses Gericht nicht herausragend für mich. Aber es war sicher grundsätzlich gut gemacht. Die Sauce war auch recht ansprechend. Allerdings war unten wieder ein Breichen amgeordnet. Dieses Mal auf der Grundlage von Kartoffel und Bärlauch. Die Farbe und der Geschmack des Wildgemüses waren dann auch dominant zu sehen und zu schmecken (und auch zu riechen). Ich mag Bärlauch und daher war die relativ starke Aromatik nach Knoblauch für mich nicht störend. Aber es gab – zu meinem Glück – auch noch feste Komponenten: einige Romanesco-Röschen und die sehr aromatischen Tomatenstücke; insbesondere die geschmorte und gewürzte Tomate war für mich sehr gelungen.

Gang 5: Überraschungsei – Cocos, Maracuja, Mandarine
 
Das Überraschungsei sah für mich von Form und Größe eher wie ein Magnum-Eis ohne Stiel aus. Außen gab es eine dicke Schokoladenschicht. Es bedurfte einiger kleiner Schläge mit dem Löffel bis die Hülle aufsprang. Innen sah es dann aber fast wie ein echtes Ei aus: Viel Weißes und einen gold-gelben Kern bzw. eine relativ feste Kugel.
Das „Eiweiß“ bestand aus Kokosflocken in Joghurt aufgelöst. Zuerst dachte ich, es sei eine besondere Form von Kokosmilch. Aber neben dem eher süßlichen Kokos-Geschmack waren saure Töne zu bemerken, die kamen wohl vom Joghurt.
Der Geschmack war für mich ungewöhnlich, aber nicht unangenehm – doch auch nicht so, dass ich ihn unbedingt wieder haben möchte.
Die Maracuja-Sauce war in Ordnung.
Am besten hat mir das Eis geschmeckt. Mich erinnerte es an Vanille; aber es muss ja auch irgendwo die Madarine versteckt gewesen sein. Erschmeckt habe ich diese Note nicht wirklich.
Somit war der Nachtisch für mich etwas durchwachsen im Ergebnis, aber sicher nicht schlecht.

Getränke 
 
Marc&Philipp: Aperol Spritz, Tonic und Grapefruit

Marc Flogaus stellt mit seinem Partner Philipp Cocktails in Flaschen her. Die Produkte werden im Restaurant aber auch im Internet vertrieben - http://marcundphilipp.de.
Der Drink wurde zur Begrüßung gereicht und hat mir durchaus zugesagt.

2016 Wolkentanz – Riesling trocken – Kirsten – Mosel

Ein Wein mit wenig Säure und wenig Alkohol und feinem herben Ton. Gut gekühlt sehr erfrischend und auch ein anständiger Essensbegleiter.

2015 Assemblage unfiltered – Peth-Wetz – Rheinhessen

Der Rotwein ist eine Cuvee aus Cabernet Sauvignon, Dornfelder und Cabernet Mitos. Er passte gut zur Haxe und wusste durch seine Aromen nach dunklen Beerenfrüchten und Kirschen zu überzeugen.

Espresso

Die Bohnen waren wohl stark geröstet, denn die Aromatik des Kaffees war durch leichte Bittertöne geprägt. Aber ich mag durchaus eine solche Richtung.

Wasser (mit und ohne Kohlesäure) von Liz in 0,75l-Karaffe
 
Fazit
 
4 – gerne wieder. Der Abend hat mir äußerst zugesagt. Einige Gerichte fand ich so toll, dass ich sie gerne wieder essen möchte. Kein Teller hat mich enttäuscht. Ich würde dann wahrscheinlich andere Komponenten auswählen.
Auf jeden Fall möchte ich das Restaurant im Auge behalten und weitere Teller verkosten.
Auch bei den Getränken gibt es sicher noch weitere Angebote, die ich probieren möchte.
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)
 
Datum des Besuchs: 17.04.2018 – abends – eine Person (Gruppe)
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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