Mersin
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Hillmannplatz 1, 28195 Bremen
Restaurant Schnellrestaurant Imbiss Take Away
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GastroGuide-User: DerBorgfelder
hat Mersin in 28195 Bremen bewertet.
vor 4 Jahren
"Imbissempfehlung 1"
Verifiziert

Geschrieben am 19.01.2016 | Aktualisiert am 20.01.2016
Imbisse bewerte ich eher selten.
Bei dreien mache ich eine Ausnahme, denn alle haben berichtenswerte Besonderheiten sowie eine Gemeinsamkeit. Letztere ist ihre Nähe zum Hauptbahnhof in oder an der Bahnhofstraße in Richtung Innenstadt. Keine 5 Minuten zu Fuß und auch in der berühmten Steinwurfnähe untereinander können es gute Alternativen zu den Ketten im Bahnhof sein, wenn es denn schnell und preiswert sein soll.
Ein vierter Imbiss, das Mozail Bistro, sei allgemein erwähnt, da zwischen Nr. 2 und 3 an der Ecke Bahnhofstraße/Herdentorsteinweg gelegen. Betreiber ist ein - nach Eigenbezeichnung - türkisch-ostdeutsches Paar. Folge: Neben Dönerspieß und Pizzaofen findet sich in der Vitrine regelmäßig deutsche Hausmannskost von KöKlo über Nudelauflauf bis zu - na klar - Soljanka. Das schmeckt und ist zumindest erwähnenswert, aber mir selbst für eine Kurzkritik zu wenig.


Am nächsten zum Bahnhof liegt das Mersin, wobei der nächste Kandidat Kültür Kebaphaus schon in Sichtweite ist. An einem kleinem Platz seitlich der Bahnhofstraße gelegen, fiele der schmale Eingang ohne den Stopper kaum auf. Es sind zwei Stufen zu überwinden. Wegen des Ambiente kommt man definitiv NICHT ins Mersin. Nach der recht kurzen Theke öffnet sich ein kleiner quadratischer Raum, in dem eng an eng vielleicht 16 Sitzplätze vorhanden sind. Ungemütlicher Fliesenboden, der Kunstlederbezug der Sitzbänke teilweise beschädigt und nur notdürftig geflickt. Die Wände sind auch nicht gerade Schmuckstücke. Daran ändern die wenige Fotografien nichts, besonders nicht der Klassiker "Junge Frau in traditionellen Gewändern auf Esel", hier in eine Schafherde fotomontiert (Zeichen für Reichtum? Brautpreis? Man weiß es nicht und wendet sich mit Grausen...). Ein stillgelegter Kühlschrank dient als Flaschenlager und auch Leergut findet seinen Platz. Ganz überwiegend türkischstämmiges Publikum, junge Menschen zumeist aller Geschlechter und sozialen Milieus. Trotz des deutlichen Imbiss-Ambientes wird auch hier an der Theke bestellt und am Tisch serviert. Der ältere Herr am Herd scheint mir der Chef, unterstützt von mehreren jungen Männern, die höflich sind. Es fehlt allerdings ganz die aufgesetzte "Hallo, mein Freund"-Attitüde", vielleicht eine Folge des eher seltenen deutschen Publikums.

Erwähnenswert:
Es gibt kein Döner. Der fehlende Drehspieß fällt unbewusst sofort auf. Stattdessen werden alle Zutaten auf der heißen Platte gebraten, auch der dünne Teigfladen Tantuni, in den das ganze später eingerollt wird. Preise ab 2,5€. Die Rollen sind von Teig und Durchmesser dünner als ein Rollo und werden zu einem U mit offenen Enden gebogen. Reichlich Zitrone eingeträufelt und herzhaft in die Spezialität der Mittelmeerregion um Mersin gebissen. Saftiger als das übliche Rollo, das Fleisch ist in der Regel veritabel Geschnetzeltes, das vormittags vor Ort geschnitten wird. Die Holme des U werden abwechselnd abgebissen, bis der Moment der Wahrheit kommt, denn im Bogen sammelt sich ja der leckere Bratensaft. Hier gilt es beherzt schlürfend vorzugehen oder sich wie die aufgebrezelten jungen Damen mit einem ganzen Packen Servietten auszustatten.

Auch die in der Kühltheke ausgestellten Fleischspieße werden ohne anders lautender Order wieder abgestreift und wie oben beschrieben zubereitet. Es lohnt der genaue Blick, letztens konnte ich so Schafsleber probieren.

Das zum Tantuni typische (jedenfalls lt. Wikipedia, aber auf Nachfrage durchaus bekannte) eigenwillige Getränk auf Basis von Roter Bete wird nicht ausgeschenkt. Dafür aber eine ganz wunderbare Alternative: Selbst gemachter Ayran, der viel fetter ist, als das wässrige Zeug aus dem Joghurtbecher. Und viel zauberhafter präsentiert: Man stelle sich eine Popcornmaschine vom Jahrmarkt vor, unten blickdicht, oben Plexiglas. Im unteren Teil befindet sich hier der gekühlte Edelstahlbehälter mit dem erfrischenden Joghurtgetränk. Und eine Pumpe. Die nach Inbetriebnahme den Ayran durch zwei hohe gebogene Hähne im oberen Teil und daraus wieder zurück in den Bottich befördert. Ein Ayran-Brunnen! Warum aber zwei Hähne? Nun, unter dem einen Strahl wird ein Glasseidel (0,3l für 1,5€) gezapft. Und dann mit einem großen Vorlegelöffel eine Portion Schaum auf das Glas geschaufelt, die der zweite Strahl derweil im Becken fabriziert hat. So fest, dass nur wenig zu Sahne fehlt. Vermutlich eine Folge oder gar das Ziel des hohen Fettanteils. Bleibt auch fest, bis das Glas geleert ist. Deshalb wird mit Strohhalm serviert.
Für kleines Geld jedesmal ein Riesenspaß (für das Kind im Borgfelder) und ein leckeres, authentisches Getränk!


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