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GastroGuide-User: Minitar
Minitar hat Brauerei Hotel Hirsch in 87724 Ottobeuren bewertet.
vor 5 Stunden
"Kloster, Kneipp und Kutscherpfännle"

Geschrieben am 24.05.2026
Besucht am 20.05.2026 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 53 EUR
Eine Reise in den Süden kann schon mal zu einem überraschenden Stop-over und interessanten neuen kulinarischen Entdeckungen führen. Doch nicht nur das. Ottobeuren im Unterallgäu lockt mit einer berauschend schönen Barockbasilika (samt hochrangig besetzten Konzerten), Sebastian Kneipp (der hier geboren wurde) und einer pittoresken Altstadt im Schatten des Klosters.  So hübsch und einladend, dass wir beschliessen, hier zu Abend zu essen.

Die Brauereigaststätte des Hotels Hirsch residiert prominent direkt am Markplatz, mit einer grosszügigen Aussenterrasse und traditionsreichen, teilweise runderneuerten Gasträumen. Wir haben Glück und treffen noch vor dem grossen Andrang ein, so dass freie Tischwahl besteht. Rustikal und zünftig geht es hier zu: viel Holz bei Dielenboden, Tischen und Stühlen, dazu grün-weiss gewürfelte Tischläufer, alte Ortsansichten an den Wänden. Besteck und Servietten stecken in einem Bierseidel auf dem Tisch.

Der Service ist durchgehend jung und männlich – und obwohl wir zuerst nicht ganz sicher sind, ob unsere Bestellungen den richtigen Weg machen, klappt alles hervorragend, ohne lange Wartezeiten. Neben aktuellen Spargelangeboten (die esse ich lieber zuhause), lockt die Speisekarte mit deftigen Gerichten: von der Flädlesuppe in Rinderkraftbrühe über Obatzda und Wurstsalat bis zu Schweinebraten mit Semmelknödel und Biergulasch. Alles zu sehr humanen Preisen. Wer sich nicht recht entscheiden kann, greift am besten zu eine der gemischten Platten, die bei uns daheim wohl „Von Ällem Ebbes“ heissen würde. So schwanken wir zwischen der „Braumeisterplatte“ für 18,90 Euro (Krustenbraten, 1/4 Haxe, Fleischpflanzerl, Bierbratwurst, Kartoffelknödel und reichlich Sauerkraut) und dem „Bierkutscher“ für 15,90 Euro (Legendäre Fleischküchle, mit Kässpatzen, Krautsalat und Dunkelbierjus).

Die Entscheidung fällt auf letzteres – und wir können den Zusatz auf der Karte „Macht richtig satt“ durchaus bestätigen. Die Fleischküchle sind aussen schön kross gebraten, doch innen noch zart und fluffig. Beim Aufschneiden zeigt sich in der Mitte noch überraschend ein Crouton. Eine regionale Besonderheit, so wie der Würfelzucker im Marillenknödel? Oder sollte das eingeweichte Brötchen nicht ganz mit der Frikadellenmasse durchmengt worden sein? Egal. Die dazu servierten Kässpatzen (im Allgäu sollte man bitte nicht Spätzle sagen) gäben allein schon eine vollständige Portion her: sehr rezent, lange Käsefäden ziehend, immens sättigend. Das Ganze schwimmt in einer herrlichen dunklen Biersauce, mit der nicht gespart wurde. Dazu wird ein frischer, leicht süsslich angemachter Krautsalat serviert, mit etwas geraspelter Möhre on top.

Prima dazu: ein süffiges Ottobeurer Helles (4,50 Euro für den halben Liter) aus der hauseigenen Brauerei und ein kräftiges Rotweinschorle (4,40 Euro für 0,2 Liter – natürlich auch im Halblitergebinde bestellbar, wie es hier in Bayern üblich ist). Für die Daheimgebliebenen nehmen wir als Souvenir noch zwei Flaschen Bier mit. Wäre mehr Zeit, würde uns noch eine Brauereiführung mit Verkostung reizen. Danach müsste man aber schon die Hotelzimmer in den oberen Etagen nutzen. Fast bin ich versucht, mir eines davon zeigen zu lassen. Das Frühstückszimmer „Sebastian Kneipp“ wirkt auf jeden Fall sehr adrett, gepflegt und gut bestückt.

Wer deftige Speisen und ein zünftiges Ambiente mag, wird sich im Hirsch mit Sicherheit wohl fühlen. Vom grossen Parkplatz (kostenlos, jedoch bitte Parkscheibe benutzen) vor dem Kloster sind es nur wenige Schritte bis zum Gasthaus. Der kleine Spaziergang ist auch vonnöten, um die Portionen wenigstens ein bisschen zu verdauen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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