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GastroGuide-User: Carsten1972
hat Rosenkranz-Genuss in 72793 Pfullingen bewertet.
vor 3 Jahren
"Nicht mehr "nur" ein Café"
Verifiziert

Geschrieben am 09.02.2016 | Aktualisiert am 10.02.2016
Besucht am 06.02.2016
Auf der Flucht vor dem Straßenkarneval in unserer Heimatstadt Rheine hatten meine Frau und ich uns bei den Schwiegereltern in Pfullingen eingenistet.

Und da noch der Geburtstag des Schwiegervaters anstand, kamen wir noch in den Genuss einer Einladung zu einem Essen am Karnevalssamstagabend. Gerne hätte ich das Wald Café vorgeschlagen in Pfullingen oder die Linde in Pliezhausen, aber mein Schwiegervater wollte uns in sein neues Lieblingsspeiselokal in Pfullingen einladen, das Café Rosenkranz. Ich musste und konnte mich also überraschen lassen. Die vorherige Konsultation der HP lies Hoffnung aufkommen, dass wir ein ganz ordentliches Essen serviert bekommen würden.

Außen am Haus firmiert das Rosenkranz zwar immer noch als Café, aber auf der HP führt es sich schon als "Genuss Rosenkranz" mit nicht nur süßen Verführungen. Was man sich dort auf der HP erlesen konnte, wies auf einen Betrieb hin, dem Genuss jeglicher Art am Herzen liegt und der sich um hohe Qualität müht. Es werden Verkostungen angeboten, Küchenparties und sonstige kulinarischen Veranstaltungen, die neben dem täglichen Mittagstisch und einer kleinen Abendkarte laufen.

Pünktlich um 18 Uhr standen wir an der Tür. Ein paar Tische waren besetzt, aber das Lokal war über den Abend nur mäßig besucht. Das mochte aber dem Karneval geschuldet sein. Das Interieur ist kein typisches Caféambiente. Es geht eher in Richtung eines modern eingerichteten Bistros. Warme Holztöne bestimmen den Innenraum, es ist eher zurückhaltend dekoriert. Wir fühlten uns wohl und nahmen auf bequemen Tischen und Bänken Platz.

Die Karte wurde gereicht und offenbarte ca. 30 bis 35 Gerichte insgesamt auf einer DIN A4 Seite angeboten. Das stimmte schon mal freudig, denn mein Schwiegervater als typischer Schwabe neigt dazu, die Größe und den Umfang von Gerichten und Karten mit Qualität gleich zu setzen, insbesondere wenn das dann noch zu einem vermeintlich unschlagbaren Preis angeboten wird. Hier aber wurde offensichtlich eine auf frische Zubereitung hin ausgelegte Auswahl an Gerichten angeboten. Die Karte hat einen Schwerpunkt auf lokaler Küche, mit Kutteln, Maultaschen, Linsen und Spätzle. Man kann aber auch als Norddeutscher fündig werden.

Die Schwiegereltern bestellten vorweg eine der angebotenen Suppen, einmal eine Rindersuppe und eine Tomatensuppe. Beide äußerten sich zufrieden mit dem servierten Gerichten. Meiner Frau und mir hatte es das Carpaccio vom Biorind angetan, serviert mit einem Pflücksalat. Serviert wurde uns ein hervorragendes Carpaccio, frisch und hauchdünn geschnitten. Lecker. Nur der auf dem Carpaccio servierte Salat gefiel mir nicht, zwar war der Salat frisch und gut mit einer Vinaigrette abgeschmeckt, aber dass er auf dem Carpaccio lag, tat diesem nicht so gut im Genuss. Nächstes Mal würde ich darum bitten, den Salat separat zu servieren. Trotz dieses Kombinationsproblems eine gute Vorspeise.

Zum Hauptgang blieben die Schwiegereltern bei einem Klassiker, einem Schweineschnitzel Wiener Art, serviert mit einem schwäbischen Kartoffelsalat, verfeinert mit Endivie. Das Schnitzel machte optisch einen sehr guten Eindruck und schien auch geschmacklich sehr gut anzukommen. Sehr interessant fand ich den schwäbischen Kartoffelsalat mit Endivie. Das war eine gut schmeckende Kombination, ich ließ es mir nicht nehmen den zu probieren. Meine Frau bestellte sich einen Klassiker der schwäbischen Küche, geschmelzte Maultaschen mit einen schwäbischen Kartoffelsalat (dieser ohne Endivie). Aus ihrer Ecke drangen keine Unmutsbekundungen, ihr schmeckte es sehr gut. Ich selber entschied mich für ein vegetarisches (ich glaube sogar veganes) Gericht. Gebratene Albdinkelschupfnudeln mit geschmortem Gemüse. Die Schupfnudeln hatten mein Interesse geweckt. Und ein gut abgeschmecktes veganes Gericht gehört sicher zu den schwersten Aufgaben einer Küche. Das ganze wurde, vermute ich, im Wok zubereitet. Die Schupfnudeln waren schön kross angebraten und das Gemüse eher zurückhaltend gegart. In der Kombination sehr gut und auf den Punkt abgeschmeckt, ganz einfach lecker.

Das Dessert bestellt man sich nach Optik aus der Kuchen und Trüffeltheke. Meine Frau und ihre Mutter orderten einen Erdbeerkuchen a la Café Lund Hörnum/ Sylt, das heißt, ein Mürbeteigboden mit Schokoversiegelung, einer Vanillecreme und frischen Erdbeeren. Ich orderte zum Espresso eine Auswahl an Trüffeln. Der Schwiegervater bekam einen Trollinger-Lemberger halbtrocken.

Zum Essen begleitete uns eine Grauburgunder-Riesling-Cuvee vom WG Aufricht am Bodensee. Den kannten wir schon aus dem Restaurant Beesten in Rheine und wieder waren wir sehr zufrieden mit dem Wein.

Der Service war nicht vom Fach, bemühte sich aber nach Kräften und ich sehe über ein paar Fehler hinweg. Der Anspruch des Hauses geht sicher nicht so hoch, dass nur ausgebildete Kräfte beschäftigt werden können. Das würde der Schwabe dann auch nicht mehr bezahlen, vermute ich.

Fazit: ein geselliges und gutes Abendessen in einem Restaurant und Café, dass im Rahmen seiner Möglichkeiten eine gute und ehrliche Küche anbietet. Ich komme gerne wieder, es hat mir gefallen. Vielleicht dann einmal zu einer der Küchenparties. Für insgesamt 180 EUR für 4 Personen inkl. Getränke ein gutes PLV.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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