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GastroGuide-User: x2x
hat Restaurant Hopfenkeller in 18055 Rostock bewertet.
vor 1 Woche
"Der Hopfenkeller - im tiefen Keller der Gastronomie"

Geschrieben am 15.10.2020 | Aktualisiert am 16.10.2020
Besucht am 01.09.2020 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen
* Kein Sommerurlaub in südlichen Ländern, stattdessen - Dank Corona - lauwarmen Urlaub an der Ostsee. Vom Urlaubsstandort Warnemünde/Hotel Hohe Düne machten wir uns am Dienstag Vormittag auf, die Hansestadt Rostock zu besichtigen. Die Fahrt mit der S-Bahn dauert nur 20 Minuten, schon erreichten wir Rostock Hbf. Das Wetter war in Ordnung. Viel Sonne, wenig Wolken runde 20 Grad. Wir schauten uns die Stadt an und waren relativ positiv überrascht. Sehr viele Gebäude aufwendig renoviert. Ich konnte mir die Bemerkung nicht ersparen, dass man am Beispiel Rostock schon an sehr vielen Stellen erkennen konnte, wo der Soli zur Anwendung gebracht wurde. Hasimausi strafte mich mit dem Blick, "bitte jetzt keine Politik". Am frühen Nachmittag (etwa 14:00 Uhr) stand ich kurz vor dem verdursten, inklusive eines kleinen Hungergefühl, denn bis zum Abendessen dauerte es noch gute 5 oder 6 Stunden. Mitten im Fußgänger-Zentrum stolperten wir über die Werbung des HOPFENKELLER. Hopfen klingt schon mal gut, dachte ich mir. Wir gingen kurz durch eine Passage, die Werbung verstärkte sich. Eine Plastikfigur (Koch) machte Werbung für den Hopfenkeller. Erinnert etwas an Werbung auf der Kirmes. Ich schaute Hasimausi an, und drückte das aus was wir wohl beide dachten. Wir waren offensichtlich auf dem Weg in eine sehr touristisch orientierte Gastronomie - um es mal vorsichtig auszudrücken. Da ich aber keine Lust hatte jetzt weder live noch im Internet nach Alternativen zu suchen, die Füße schmerzten und wir nur den Wunsch nach einem Mittags-Snack hatten, gab ich mir (und Hasimausi) ein Schubs und einige Treppen tiefer standen wir im Hopfenkeller. Der Keller war leer, kaum ein Tisch war belegt. Service-Kräfte waren nicht sichtbar. Wir bewegten uns etwas durch das Gewölbe, plötzlich erschien eine weibliche Service-Kraft, mit den Worten: "Kann ich helfen". Auf meine Frage nach einem Tisch für 2 Personen meinte die spröde Herzlichkeit in Person: "Suchen sie sich was aus" dreht sich um und verschwand. Wir mussten nicht suchen, fanden gefühlt 30 oder 40 leere Tische. Ich flüsterte Hasimausi zu: "Für ein Bier und einen Mittags-Snack wird es ja reichen".

* Nun saßen wir (einsam) im tiefen Gewölbekeller. Später konnte wir in der Karte nachlesen, dass der Keller aus dem 15. Jahrhundert stammt und damals als Hopfen-und Fasslager einer Brauerei diente. Und heute ? Heute werden hier wohl Touristen abgefüttert. Nach gefühlten 10 Minuten besuchte uns (nur nicht hetzen) die gleiche Service-Kraft die uns schon kalt empfangen hatte. "Schon was trinken ?", so ihre spitze Frage, ergänzt mit einem weiteren Satzfetzen "auch was essen ?". Am Eingang hatte ich die Werbung von KöPi (aus dem Hause Bitburger) gelesen. Also bitte ein KöPi und für meine Dame ein Weizen. Die (tief) gekühlte Service-Dame zog von dannen. Wir blickten in die Karten. Die folierten Karten erinnerten optisch an die gruseligen Karten von Gasthöfen, die von Heizdecken verkaufenden Bustouren gerne aufsucht werden. Eine Kostprobe davon findet man auf der Homepage des Hopfenkeller im Internet. Vieles vom Schwein, viel deftiges, von Sülze bis hin zur Schlachterplatte, schwere rustikal Kost. Aber der kulinarische Höhepunkt des Maitre war folgendes Gericht:

> Schlemmerschnitzel mit Tomate, Hollandaise und Käse überbacken.

Gut mit Käse überbacken mag ja noch okay sein, aber das dann alles noch mit einer Hollandaise zu überbacken ? Diese kulinarische Kreation muss wohl unter Einfluss von 2,5 Promille oder BTM entstanden sein.

* Nun gut, wir mussten es ja weder bestellen noch verzehren. Allerdings schien uns der Wirtshaus-Burger (einziger Burger auf der Karte) auch etwas fragwürdig. Er - so stand es in der Karte - ist mit "knusprig gegrillten Rippchen ohne Knochen belegt". Ein Burger mit Rippchen, immerhin ohne Knochen ? Die Wahl viel uns schwer, schließlich entschieden wir uns für Fisch, denn schließlich waren wir hier an der Ostsee Küste. Unsere Wahl für den heutigen Mittagssnack: * Matjesfilet für meine Dame (13,90 Euro), * Zanderfilet für den KöPi Konsument (20,90 Euro).

* Mein KöPi war leer. Die 0,5 ltr. Weizen-Vase meiner Dame neigte sich ebenso in Richtung Entleerung. Die Entscheidung für das Essen war getroffen, was noch fehlte war die Service-Maid. Und tatsächlich sie kam ! Ihre Interesse an unserer Bestellung lag erkennbar zwischen Langeweile oder der Sehnsucht nach baldigem Feierabend. Aber - alle Achtung - sie übersah nicht die leeren Gläser - Hammer ! 

* Die Getränke servierte sie rasch, das Essen auch. Alles sah so weit ordentlich aus, mehr hatte ich hier nicht erwartet. Da Matjesfilets empfand Hasimausi als "geht so". Was diese Aussage bei meiner Dame bedeutet, weiß ich seit unserer Hochzeit. Hasimausi legte nach und teilte mir mit, dass sie in Holland auf jedem Markt an einer Bude schon frischere Matjes verzehrt hätte. Ich blickte kurz in die Karte und merkte süffisant an, dass in der Karte kein Hinweis auf FRISCHE Matjes vermerkt war. Über die dazu servierte Remoulade wollte sich meine Dame nicht auslassen. -  Nun gut, jetzt zu meinem Zanderfilet. Bei der Bestellung hatte ich übersehen das dort "auf Kartoffelstampf" vermerkt war. Ein solcher "Stampf" den man im Rheinland auch als Püree bezeichnet, ist nicht gerade meine Welt. Aber bin ich ja selber Schuld, hätte ja was anderes bestellen können. Da rackert sich die Kartoffel auf dem Feld 4 oder 5 Monate ab um gut auszusehen und dann wird sie ratz fatz zerstampft - böse Welt. Also konzentrierte ich mich auf mein Filet vom Zander. Das Fleisch war nicht so ganz weiß, wie es bei einem Zander eigentlich sein sollte. Fallweise einige graue Flecken. Ich fragte mich ob das Altersflecken sind ? Hasimausi meinte dazu, dass ich spinne. Ich hielt an meiner Meinung fest, dass der Zander wohl schon viele Jahre im Wasser unterwegs war und bereits im Rentenalter. Die ein oder andere Gräte stimmte mich nicht fröhlich. Der Fischopa sollte auf der Haut gebraten sein - so stand es in der Karte. Das hat dann den Effekt, dass die Haut kross wird und damit gut schmeckt. Ja der gute Zander hatte wohl erkennbar beim braten auf der Haut gelegen, kross ist er dabei leider nicht mehr geworden. Auch hatte der Koch dem Tier keine Gewürze/Kräuter gegönnt, daher war der Zander im Geschmack ähnlich langweilig wie der Service, der den Zander zu Tisch getragen hatte. 

* Und wie fast immer reklamierte ich nichts. Warum auch ? Sollte ich mit der Langsamkeit in Person über die Zubereitung eines Zanders oder die Frische von Matjes sprechen oder mit einem Koch diskutieren, damit mir dieser als Ausgleich ein Getränk auf's Haus serviert ? Das macht die Matjes nicht frischer und den Zander nicht jünger. Nee, auf solche Gespräche habe ich keine Lust. Für mich landen solche Erfahrungen immer im geistigen E-E-E Ordner: Erlebt-Erfahren-Erledigt. Wir bestellten uns noch zwei heimische, doppelte Rostocker Doppelkümmel, freuten uns schon auf ein hoffentlich schickes Abendessen und verließen diesen Betrieb. Nein von solchen Erlebnissen lassen wir uns nicht die Laune verderben. Später stellten wir draußen noch fest, dass unter der gleichen Regie noch ein Steakhaus und ein Hotel betrieben wird. Ganz sicher werden wir in Rostock noch ein Steakhaus aufsuchen, aber ganz sicher nicht das Steakhaus das zum Hopfenkeller gehört. Wie gesagt, Erlebt-Erfahren-Erledigt. Wirklich positives (Achtung Ironie) können wir nur über das KöPi, das Benediktiner Weizen und den Rostocker Doppelkümmel berichten.

Fazit: Ja der 500 Jahre alte Gewölbekeller hat schon was. So etwas findet man eher selten. Insofern ganz knappe 3  Sterne für das Ambiente. Und der Service ? Im Zeugnis würde stehen: "Sie (die Service-Kraft) erfüllte alle Aufgaben die sie auszuführen hatte". Dafür volle 2,5 Sterne ! Und das Essen ? Soll ich 1,5 oder 2 Sterne geben ? Ich lasse mich auf 2,0 Sterne ein. Bleibt der Gesamteindruck ? Bei dem Service, bei dem Essen - sehr, sehr großzügige 2 Sterne.

ps Zurück nach Warnemünde ging es nicht mit der Bahn, sondern 1. Stunde mit dem Schiffchen. Das Wetter hatte sich deutlich verbessert, die Sonne strahlte. Auf dem Außendeck des Schiffchen erlebten wir einen sehr freundlichen, sehr netten Service, der uns mit heimischen Pils vorzüglich versorgte.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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