Kochu Karu
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Eberswalder Str. 35, 10437 Berlin
Restaurant Lieferdienst Take Away
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GastroGuide-User: DerBorgfelder
hat Kochu Karu in 10437 Berlin bewertet.
vor 3 Jahren
"Berliner Bergwandern: Ungewöhnliche Fusion spanisch-koreanisch"
Verifiziert

Geschrieben am 14.05.2018 | Aktualisiert am 20.05.2018
Besucht am 08.04.2018 Besuchszeit: Abendessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 91 EUR
Eine mehrtägige Schulung führte mich an den Friedrichshain und was lag nach der anstrengenden geistigen Arbeit näher, als etwas Ausgleichssport? Also die Wanderstiefel geschnürt und nüschte wie über’n Prenzlauer Berg, dem - wie manche Ex-Insulaner bekanntlich bedauern - östlichsten Ausläufer der Schwäbischen Alb.

Ziel meiner ersten Tour war das vom Michelin empfohlene koreanisch-spanische Fusion-Restaurant an der Eberswalder Straße, das seine ungewöhnliche Kombination den Herkunftsländern des Betreiber-Ehepaares verdankt.

Das Ambiente entspricht meiner Erwartungshaltung an eine koreanische Kneipe oder ein einfaches Lokal. Blanke Holztische, Zeichnungen an den Wänden, einfaches Gestühl mit einem schlechten Witz von Filzmatte. 
Die Strahler über den Tischen sorgten für insgesamt eher schummriges Licht. Auch ohne Reservierung konnte ich am Sonntagabend einen Hochtisch ergattern, den Abend über war ein geschäftiges Kommen und Gehen, ohne dass alle Plätze besetzt waren. Leider lag mein Tisch direkt am Durchgang zur Küche und die Küchendünste waren deutlich bemerkbar. Neben der Inhaberin wuselten mehrere, ausschließlich weibliche Servicekräfte mit koreanischen Gesichtszügen eifrig umher. Alle Damen waren aufmerksam und freundlich, sagten sowohl die allgemeinen Tagesempfehlungen, als auch den Fisch des Tages an. Das zweite Gedeck wurde ausgehoben. Die Wirtin war stets präsent und gab auf Nachfrage durchaus sympathisch Auskünfte und Beratung. 

Zur Erfrischung orderte ich erst einmal ein Gläschen Riesling Sekt von Schloß Vaux für 7€. Der dreiviertel Liter Völslauer Mineralwasser erhöhte die Rechnung um 6€. Aus der übersichtlichen Weinkarte hätte eine Flasche Molitor Riesling feinherb perfekt zu den fernöstlichen Genüssen gepasst, verbot sich aber im Hinblick auf die bevorstehenden beruflichen Aufgaben. So blieb es bei zwei 0,1l-Pfützchen Blanc de Noir vom Schwarzriesling (Dr. Becker, Rheinhessen, je 6€). Und natürlich einem Sherry Cream der Bodega Florido für (zu teure) 9€ zum Abschluss.

Die Karte auf dem unvermeidlichen, aber eben auch wechselfreundlichen Klemmbrett hielt einiges Unbekanntes bereit. Für einen möglichst breiten Eindruck schlug ich bei den Tapas bzw. der fernöstlichen Beilagen-Variante Banchan zu:
- Die Tagesempfehlung Havelländer Apfelschwein, Kimchi-Gnocchi, Kräuterseitlinge, Chimichuri-Pesto und Sauce Choron (12€)
- Adobo-Makrele, Gerste, eingelegte Aprikose (10€)
- Chori-Bang (What?) zu 10€, gegrillte Chistorrita, Bulgogi, Minz-Chimichurri, Kimchi-Bun, dazu (natürlich hausgemachtes) extra Kimchi (6€)
- Hänsel & Gretel (Pilz-Variationen vegan) (10€)
- kleine Auswahl spanischer Käse (9€)
Das Preisniveau war angesichts der Portionsgrößen, die eher zur Vorspeise tendierten, noch ok.

Ohne Gruß auch der Küche ging´s mit dem Fleisch los:

Die unter einem Wildkräutersalat „versteckten“ dünnen, aber saftigen Scheiben des Brandenburger Borstenviehs waren ein angenehmer Start und zeigten bereits die Handschrift der Küche: Es wird kräftig gewürzt. Dementsprechend wurden die federnden Gnocchi von ein wenig Kimchi begleitet, was mit der nur leicht tomatigen Sauce Choron eine elegante Schärfe brachte. Das südamerikanische Chimichurri brachte viele Kräuter ins Spiel, während die Pilze etwas untergingen. Schmackig!

Weiter ging es mit dem veganen Märchenteller.

Die rohen Enoki neckisch aufgestellt sorgten für den Crunch, gegrillte Seitlinge für Umami. Interessant und gelungen der Crumble nussiger, getrockneter Pilze mit Kakao dazu etwas Sommertrüffel, der noch wahrnehmbar war. Die Krümel standen wohl Pate für den märchenhaften Namen des Tellers. Nicht zufrieden war ich mit der Shitake-Marmelade, die das Gericht zu sehr in die süße Richtung kippen ließ. Etwas schade, aber sicher noch Geschmacksache.

Was meines Erachtens nicht mehr für den Fischteller galt. 

Die gebeizte und danach kurz gegrillte Makrele hatte wenig Röstnoten bekommen und schmeckte vor allem salzig. Von der Adobo-Marinade war wenig zu spüren, erst der breite Pinselstrich an der Schale brachte mich hier geschmacklich auf die Spur. Eine das Salz einbindende Süße war völlige Fehlanzeige. Im Gegenteil: Vorherrschend war viel Säure. Zum einen von eingelegten Aprikosen, zum anderen von einem sehr intensiven Sud und einer großen Schaumhaube, beide von Ponzu. Beide Früchte vom Ansatz vernünftig, war doch jede Fruchtigkeit durch die an der Grenze zum Adstringieren aggressive Säure vertrieben. Die wohl ausgleichend gedachten Gersten-Graupen hatten überhaupt keine geschmackliche Bedeutung. Salzig und sauer mag das zwar ein „typisch“ koreanischer Teller gewesen sein, geschmeckt hat er (mir) nicht.

Da ich bewusst nicht gefragt oder im Netz gesucht hatte, war ich auf Chori-Bang gespannt, das sich schließlich als zwei Mini-Burger heraus stellte. 

Der Teig der Buns war mit Kimchi-Beize versetzt, mit Chimichurri-Pesto bestrichen und daher und ebenso pikant wie wunderbar saftig. 

Das mussten sie auch, denn die aufgeschnittene spanische Wurstspezialität Chistorrita brachte nach dem Grillen mächtig Wumms mit! Das Bulgogi-Rindfleisch und die schon bekannte Würzmischung hatte da einen schweren Stand. Salatstreifen und eine sahnige Sauce sorgten für etwas Beruhigung am Gaumen. Dazu passte natürlich perfekt der Kimchi nach Großmutter Rezept. 

Belebend, aber nicht so höllenscharf, angenehme Säure, wenig Salz (Einmal das Rezept nach Nürnberg ins Sushi Glas, bitte!). Das gab ein Extralob für Oma! Freute die Wirtin, die mir zum übrig gebliebenen Weißkohl noch etwas Reis reichte, denn „Kimchi wird nicht allein gegessen!“ Wieder was gelernt.

Die abschließenden spanischen Käse bewiesen, dass es mehr als Manchego gibt und überzeugten mit einer herrlich angeröstetem Oliven-Brioche, Tapenade und Kaki-Chipotle-Chutney. 


Das war noch einmal sehr überzeugend.

Fazit:
Kein schlechter Tipp. Spannende Kombinationen, einiges Neues. Nicht alles hat geklappt, nicht alles geschmacklich nach meiner Mütze, aber: No Risk - no fun!
Nur zum gemütlichen Verweilen lädt das Ambiente nicht wirklich ein - aber das wäre im Herzen der hippen Republik auch etwas zu viel verlangt.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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