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GastroGuide-User: x2x
hat Mio³ in 42103 Wuppertal bewertet.
vor 3 Monaten
"Die Gastro-Oase zwischen einer Ansammlung von System-Gastronomie"

Geschrieben am 31.03.2020 | Aktualisiert am 31.03.2020
Besucht am 18.01.2020 2 Personen
* Ja früher war in Wuppertal die Herzogstraße nach dem Wall die zweitbeste Einkaufsstraße. Doch irgendwann kam der Killer - das Online-Shopping. Laden für Laden, Geschäft für Geschäft machte dicht. Der Online-Shopping-Sensenmann radierte den stationären Handel Stück für Stück aus. Die erste Folge, unansehnliche Leerstände, allerdings nicht sehr lange. Stück für Stück nahm die System-Gastronomie Laden für Laden in Beschlag. Heute reiht sich auf geschätzt guten 400 Metern auf der Herzogstraße ein Betrieb an den anderen, einige fast direkt nebeneinander. L'Osteria, Franziskaner (in Vorbereitung), Food Brother, Sausalitos, Hans im Glück, Bar Celona, Donatella und dazu noch außerhalb der System-Gastronomie das Mio3 und das Scoozi. Fehlt da nicht Vapiano ? Richtig, ist nicht an dieser Straße, aber 100 Meter weiter wo sich noch weitere System-Gastronomen angesiedelt haben. Jetzt kommt seit kurzer Zeit die System-Gastronomie aus der Türkei und aus Süd-Ost-Asien dazu.

* Inzwischen hat die System-Gastronomie in Deutschland je nach Betrachtungsweise einen Marktanteil zwischen 35% und 40% am gesamten Gastrovolumen. Tendenz zunehmend. Im Land von Boris Johnson und der Queen sind es schon gute 70%. Man muss allerdings zugeben, dass sich die Qualität der servierten Produkte in Deutschland deutlich verbessert hat. Die "bessere" System-Gastronomie wendet sich immer mehr vom "Convenience-Erhitzer" ab und serviert z.T. auch frisch zubereitetes Essen. Mitten zwischen den oben aufgeführten Gastroketten behaupten sich allerdings sehr erfolgreich auch zwei Inhaber geführte Betriebe. Das Mio3 und das Scoozi. Bevor ich zum Mio3 komme, noch ein "amüsantes Erlebnis" in einem der System-Gastro-Läden.

* Hasimausi hatte mich an einem Samstag zu Shopping genötigt. Nach gut 1,5 Stunden war ich ermattet, hungrig und durstig. Ab ging es in einer dieser Systembetriebe. Auf dem Tisch ein Gestell mit gefühlt 5 oder noch mehr Karten. Eine Frühstückskarte, eine Cocktailkarte, eine Happy Hour Karte, eine Getränkekarte und eine Karte für Pizza + Pasta + Co. Die Karten waren umrandet und gestützt von einer Plastikflasche Mayonnaise und einer Plastikflasche Ketchup. Da freut sich das Ambiente affine Auge. Es erschien eine holde Servier-Maid, vom Typ Studentin der Kommunikations-Wissenschaft, erstes Semester, also eine studentische Aushilfe. Es entwickelte sich folgende Szene. Nennen wir die Maid einfach hier Laura:

> Laura: "Hallo, wollt ihr was trinken ?"
> Ich: Gedanklich beschäftigte ich mit der Antwort, Nö, wir wollten uns hier nur ausruhen und etwas aufwärmen, aber nichts trinken. Da aber Hasimausi solche flapsigen Sprüche nicht mag, lautet meine Antwort: "Ja bitte ein Weizen und was haben Sie noch für Bier ? "
> Laura: "Pils und Kölsch".
> Ich: "Welches Kölsch"
> Laura: "Mh, äh Früh Kölsch, oder nee, wir haben jetzt ein anderes Kölsch, Scheisse Namen habe ich vergessen. Ich mal gucken".

Laura entschwand zum gucken und blieb gute 5 Minuten weg. Plötzlich erschien sie wieder, fröhlich und unbekümmert.

> Laura: "Doch wir haben wieder Früh Kölsch, nur zwischendurch hatten wir mal anderes." 
> Ich: "Okay dann noch ein Kölsch"

Es dauerte und dauerte. Ein 0,2 ltr. Kölsch zu zapfen dauert nicht lange, und die 0,5 ltr. Flasche Weizen in die Blumenvase zu kippen ist auch schnell erledigt, ganz besonders dann wenn der Laden nur zu 50% besetzt ist. Nach gefühlt 10 bis 15 Minuten steuerte eine andere Servier-Maid unseren Tisch an. Typ - Studentin der Sozialpädagogik, oberhalb des 10. Semester. Eingekleidet im Öko-Gewand. Nennen wir sie hier Lena. Sie platzierte mit säuerlichem Gesicht ein Kölsch auf den Tisch, allerdings ohne ein Weizen und verschwand. Sagen wir es mal so, hinsichtlich der Getränkeversorgung ein erster Teilerfolg. Aber oh Wunder, wenige Minuten später brachte sie für Hasimausi die Vase voller Weizen und stellte das Weizen exakt neben mein inzwischen geleertes 0,2 ltr. Kölschglas. Ein geübtes Gastro-Auge hätte das leere Kölschglas erkannt und nach dem nächsten Kölsch gefragt. Aber eine angehende Sozialpädagogin hat dafür kein Auge. Sie dreht ab, ich rief ihr noch hinterher, zwecklos. Keine Auge für leere Gläser und offensichtlich auch Gehör-Ignoranz. Fazit - wir zahlten und gingen, weil wir im Umfeld der anderen Tische auch die ein oder andere Reklamation hörten. Laura und Lena liefen derweil unkoordiniert durch die Gegend. Das System dieser System-Gastronomie muss wohl noch etwas nachgeschärft werden.

* Kommen wir zum Mio3. Hier bin ich schon mal vor vier Jahren mit einem GG Kollegen aufgeschlagen, die damalige Bewertung kann man hier nachlesen. Damals war meine Bewertung ein Verriss. Aber die Welt hat sich inzwischen weiter gedreht und verändert. Seit etwa 2 Jahren besuchen wir das Mio3 fast regelmäßig, immer Samstags zum Citybummel oder nach dem Einkauf, auf ein Bier (oder 2,3) ein Weinchen, einen Salat, frische Pasta oder auch mal einen Burger. Vieles hat sich positiv verändert. Die Küche ist offen und einsehbar, hier wird alles vor den Augen der Gäste frisch zubereitet. Die Inhaber Familie aus Griechenland bietet eine handwerklich ordentliche italienische Küche an, dem Himmel sei Dank keine Fleischberge der GR-Küche. Eine leichte mediterrane Küche, ohne irgendwelche kulinarischen Zusagen abzusingen. Im Service arbeitet der Junior und ein weitere Kellner und jeweils zwei Kräfte hinter der Theke und in der Küche. Die beiden Jungs sind immer präsent - offensichtlich ein 14 Stunden Tag. Den Rest der Zeit verbringen sie erkennbar in der Mucki-Bude. Sie haben die Augen auf für leere Gläser, erfüllen ohne wenn und aber auch Sonderwünsche - der Gast steht im Mittelpunkt. Wie gesagt, das Essen ist keine Offenbarung, aber eine ordentliche Leistung. Das Ambiente hat Stil und Flair. Hier schlagen wir nicht am Abend auf um mal in Ruhe etwas zu essen. Hier ist Leben in der Bude, auch auf der schönen Biergarten-Terrasse. Große fest installierte Sonnenschirme, innen mit Licht, Heizstrahlern und Lautsprechern ausgestattet, aus denen dezent Trendy-Music zu hören ist. Dazu mächtige alte Bäume und in großen Ton-Gefäßen Palmen und andere Pflanzen aus Südeuropa. Am Samstag Nachmittag fühlen wir uns hier häufig wohl, unsere Favoriten sind die Flammkuchen.

Fazit: Mal zum Frühstück, mal zum Päuschen, mal zum plaudern mit Freunden, mal etwas kleines flottes verzehren, in einer angenehmen Atmosphäre, dafür eignet sich das Mio3. Wenn ich mir hier allerdings Laura und Lena vorstelle, der hier verantwortliche Senior Chef (und der Junior Timo Konstantinos sowieso) würden Laura und Lena nach 3 Stunden Einarbeitung wieder in die System-Gastronomie entlassen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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