Royals & Rice
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Heiligengeistwall 12, 26122 Oldenburg
Restaurant Vegetarisches Restaurant Veganes Restaurant
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GastroGuide-User: marcO74
hat Royals & Rice in 26122 Oldenburg bewertet.
vor 1 Woche
"Wo die Oldenburger Royals ihren Reis essen…"

Geschrieben am 10.02.2020 | Aktualisiert am 10.02.2020
Besucht am 22.12.2019 Besuchszeit: Abendessen 3 Personen Rechnungsbetrag: 73 EUR
…haben wir uns kurz vor Heiligabend einmal quer durchs panasiatische Streetfood-Angebot gefuttert!
 
Aber immer schön der Reihe nach. Ich war noch nie in Oldenburg und so unternahmen wir zwei Tage vor Weihnachten einen Ausflug in die beschauliche Universitätsstadt an der Hunte. Nachdem wir uns mit Kaffee und Kuchen „auf Saltkrokan“ erstversorgt hatten, schlenderten wir über den Weihnachtsmarkt („Poffertjes!“) und besuchten das im Schloss untergebrachte Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.
 
Nach dem Gang durch die Oldenburger Geschichte, bei der mir Graf Anton Günther als besonders honoriger Repräsentant im Gedächtnis geblieben ist, nahmen wir Kurs in Richtung Waffenplatz, an dem sich das Asialokal befand.
 
Natürlich hatte ich mich im Vorfeld auf diversen Gastroportalen über die kulinarische Situation der Stadt informiert. Das einzige Etablissement, dass mir dort sympathisch erschien, nannte sich „Kleine Burg“. Doch die Legende besagte, dass sich dort ein von mir sehr geschätzter Weserrezensent dermaßen kritisch über das Gebotene geäußert haben soll, dass er forthin als geächteter Schreiberling galt und mit mehrjährigem Hausverbot belegt wurde.
 
Also „Kleine Burg“, sorry, aber dich zu besuchen wäre vermutlich Gift für mein Rezensentenkarma. Da muss die Community schon zusammenhalten. Das DIN-A3-Plakat mit dem satirisch überzeichneten Kritikerkollegen („Wir müssen draußen bleiben“) könnte man allerdings wieder von der Eingangstür nehmen.
 
Na dann mal schnell beim Falstaff meines Vertrauens reingeschaut und die Liste der Oldenburger Genussbuden abgecheckt. Und da meine beiden weiblichen Begleitungen gewisse Affinitäten zur Asiaküche nie leugnen würden und das Royals & Rice dort gelistet war, ging es an jenem vorweihnachtlichen Sonntagabend in die Oldenburger „Saigon Street“.
 
So jedenfalls stand es auf der grell beleuchteten Neonreklame, die über der Glasfront an der Stirnseite prangte. Vielleicht ein absichtlicher Schachzug, nachdem man gemerkt hatte, dass der etwas holprige Namen – sorry, aber unter dem Motto „Royals & Rice“ stellen sich wohl die allerwenigsten vietnamesisches Street Food vor – nicht so recht zum Speisenangebot passen wollte.
 
Wir traten in das von außen sehr einladend wirkende, da stimmig illuminierte Restaurant ein, wurden direkt an der Fensterfront platziert und von einem hippen jungen Mann mit Bart und Strickkäppi in die Gepflogenheiten des Konzeptlokals eingeführt. Wer heute noch hinter (pan)asiatischen Läden gastronomische Einzeltäter vermutet, glaubt auch, dass die hier verwendeten Produkte aus regionalem Anbau stammen.
 
Und tatsächlich findet man unter Zuhilfenahme der allwissenden Suchmaschine mit dem großen „G“ auch ein „R & R“ in der Berliner Torstraße und – wesentlich weniger erstaunlich – in der westdeutschen Gastrometropole schlechthin, in Münster. Kein Wunder also, dass da unser Fachmann fürs Lokalisieren hipper Ess-Umgebungen aus Rheine schon mit Udon-Nudeln und Sommerrollen hantierte. Sein lesenswerter Kurzbericht auf GG ließ mich jedoch mit gemischten Gefühlen in der Saigon-Klause Platz nehmen.
 
Neben der Standardkarte wurde uns zusätzlich eine in Klarsichtfolie gepackte Wochenkarte mit ein paar Specials gereicht. In Tischmitte lag ein Block, um die Anzahl der gewünschten Gerichte einzutragen. So weit, so effizient.
 
Bei einer „lauten“ Flasche Mineralwasser (Viva con agua) für städtische 5,60 Euro, einem Tegernseer Hellen vom Fass (0,5l für 5 Euro) und einer hausgemachten Limonade (3,50 Euro) verschafften wir uns zunächst einen Überblick über das panasiatische Sammelsurium an klassischen und veganen Street-Food-Gerichten.
 
Ein paar gängige Sushi-Rollen hatte man auch noch am Start. Ebenso vietnamesische Pho, hawaiianische Bowls, chinesische Wok-Nudeln, thailändische Curries. Warum also um die halbe Welt reisen, wenn am Oldenburger Waffenplatz das kulinarische Erbe des Fernen Ostens (inkl. Teile des Pazifikraums) in eingedeutschtem Gaumenformat – und dazu noch in Probierportionsgröße – angeboten wird?  
 
Na dann mal munter drauflos geordert! So lautete jedenfalls die Devise der Stunde. Die Preispolitik war bei den kleinen Straßenmahlzeiten und den Sushitellern einheitlich gestaltet. Jedes Gericht kostete 4,50 Euro. Kleinere Aufpreise standen in Klammern angegeben dabei. Die Hauptspeisen oszillierten preislich um die 10-Euro-Marke.
 
Der „Mana grilled Salmon“, eine hawaiianische Bowl mit flambierten Lachs, Tempura-Shrimps, Edamame, Guacamole, Masago (Fischrogen), Gurke, Soja-Sesam-Sauce und Reis, war mit 14,50 Euro das teuerste Gericht auf der Karte. Das war mir aber dann doch des Gemischten etwas zu viel. Da konnte ich mit der reichhaltigen Auswahl an Asia-Petitessen schon mehr anfangen.
 
Und so orderten wir in erster Linie eine Reihe kleiner, appetitlich klingender Tellergerichte. Welcher Fleischfreund kann schon kulinarischen Kuriositäten wie zum Beispiel „Duc’s favourite Chili Chicken“ oder „Crackling Roast Pork“ widerstehen? Ein paar Dim Sum mussten natürlich auch sein. Mit „Crispy Honey Siracha Tofu“ wagte ich sogar den Ausflug ins vegane Neuland. Nur um dann mit einer „Crispy Salmon Roll“ ganz weltmännisch auch die „Sushi-Side-of-Life“ abzudecken.
 
Meiner Frau war das alles eine Spur zu „crispy“, weshalb sie mit einer Portion Kimchi und einem Glasnudel-Salat (9 Euro) von der Empfehlungskarte gegensteuerte. Meine Schwägerin sprang indes auf den transasiatischen Probierexpress auf und bescheinigte mir eine hohe Street-(Food)-Credibility. Beim Hauptgang griff sie dann aber doch auf Bewährtes zurück. Ein Thai-Curry (Farbe stand nicht dabei…) mit Hähnchenfleisch, Bohnen, Kirschtomaten, Kartoffeln, Erdnüssen, Thai-Basilikum etc. für 9,50 Euro wurde auf dem Bestellzettel notiert.
 
Ich hängte an den aus sechs Positionen bestehenden Street-Food-Reigen noch eine wärmende Schüssel Pho (8,90 Euro) dran. Auf diese heiße, mit gewoktem Rindfleisch, Rindfleischbällchen, Reisbandnudeln, Limetten, Chili und Ingwer verfeinerte Brühe freute ich mich ganz besonders, da sie der kalten Jahreszeit ein genüssliches Schlürfen entgegenzusetzen hatte.
 
Wir hatten nun ein wenig Zeit, uns die Räumlichkeiten etwas genauer anzusehen. Es regierte trendiger Industriechic, dessen kühles Betonambiente durch die teilweise holzverkleideten Wände und dem ebenfalls aus hellem Holz „geschnitzten“ Mobiliar etwas an Behaglichkeit gewann. Der häufig anzutreffenden Dekorations- und Verzierungswut asiatischer Läden hatte man hier einen Riegel vorgeschoben.
 
Wer auf Betonpfeiler, freiliegende Lüftungsrohroptik an Decke und Wänden sowie weiß gekachelte Ausschanktresen steht, wird sich im Royals & Rice sicher wohlfühlen. Zumal die Lichtverhältnisse, die von den recht tiefhängenden Pendelleuchten erzeugt wurden, ganz angenehm waren. Irgendwie erinnerten mich einige der Zellophan-Lampenschirme an Tropenhelme. Oldenburg lag scheinbar doch näher am Äquator als mir vorher bewusst war.    
 
Es dauerte nicht lange, da wurde unser Essen geliefert. Scheinbar hatte man unseren Tisch für eine spätere Uhrzeit schon vergeben. Der Service brachte es jedenfalls fertig, alle zehn Gerichte gleichzeitig zu servieren. Was logistisch lobenswert erscheint, war natürlich so von uns nicht geplant und brachte ein schnelleres Verputzen der langsam erkaltenden Speisen mit sich. Wir gingen davon aus, dass die kleinen Street-Food-Happen vorweg geliefert würden. Naja, war nicht so. Dann halt mit allem und scharf.
 
Nun hatte unsere Tischplatte fast schon Büffetcharakter und es wurde eifrig kreuz und quer probiert. Den Anfang machten die passablen Crispy Rolls, die man vielleicht etwas gefälliger fürs Auge hätte anrichten können. Aber da bin ich eben ein verwöhnter „Koza(r)“.
 
Die knusprig frittierten, mit Kimchi und Gemüse gefüllten Teigtaschen badeten in einer leichten Soja-Sesam-Sauce und waren mit etwas Koriander aufgegrünt. Das ebenfalls recht krosse Chili Chicken, das angeblich mit vier Chilisorten abgeschmeckt wurde, war kein Scoville-Missbrauch. Die kleinen Hähnchenstücke lagen auf einem Salatbett. Rote Zwiebel, Sesam und Erdnüsse peppten das eher brave Chili Huhn noch etwas auf.
 
Der knusprige Krustenbraten nach vietnamesischer Art kam mit einer süßlich-pikanten Pflaumen-Hoisin-Sauce in den Napf. Die passte ganz hervorragend zur röschen Schweinerei. Auch hier gaben sich wieder Korianderklein, Erdnüsse, Rettich und Salat die Garniturklinke in die Hand.
 
Die panierten Tofuwürfel aus der Vegan-Abteilung waren zwar schmackiger als vermutet, an die gedämpften, mit Garnelen und Hackfleisch gefüllten Teigtaschen kamen sie aber nicht ran. Schuld war daran in erster Linie die Zitronengras-Chili-Soya-Sauce, in der sie ihre letzten Minuten verbrachten.
 
Der Glasnudelsalat sah recht unspektakulär aus. Meiner Frau hat er jedoch zugesagt. Das farblose Curry wurde von mir getestet und für weitgehend harmlos eingestuft. Etwas mehr Bumms hätte es schon haben können, aber ein kulinarischer Griff ins kalte Klo war es auch nicht. Dafür waren die verwendeten Zutaten einfach zu frisch. Die Unsitte, den Salat in die gleiche Schüssel wie den Reis und die Sauce zu packen, finde ich auch bei anderen Panasiaten nicht so prickelnd, aber meine Schwägerin hat das scheinbar weniger gestört.
 
Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss. Hier kam es zeitgleich mit den anderen Speisen, was dem vollmundigen Pho-Genuss keinen Abbruch tat. Eine heiße Schüssel Pho rettet ja bekanntlich jeden kalten Winterabend. Zumal diese hier mit ordentlich Einlage punktete. Thai-Basilikum, Koriander, Limetten und Chili verliehen der an sich schon intensiv schmeckenden Rinderbrühe noch zusätzliche Frische und aromatische Fülle.
 
In der Summe war es ein entspannter Abend in der Oldenburger Saigon Street. Das verzehrte Potpourri aus diversen kleinen Gerichten panasiatischer Provenienz fiel bei aller Hippness nicht in den Verdacht der Gaumenwischerei. New York – Rio – Tokio war gestern. Berlin – Münster – Oldenburg dahin zieht es den Instagram-Esser mit Vorliebe für Kreuzüberfernöstliches.
 
Uns zog es dann wieder zurück ins Bremer Heimatprovisorium. Der Heiligabend stand vor der Tür und das Treffen mit renommierten GG-Mitglieder in einem bescheidenen Bremer Bistro kurz danach auf dem Plan. Darüber berichte ich zu gegebener Zeit…
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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