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GastroGuide-User: Gast im Haus
hat MY ANH in 68753 Waghäusel bewertet.
vor 3 Jahren
"Ein TOP- Asiate in weitem Umkreis!"
Verifiziert

Geschrieben am 23.04.2017 | Aktualisiert am 23.04.2017
Besucht am 21.04.2017 Besuchszeit: Abendessen 4 Personen Rechnungsbetrag: 64 EUR
Wie ich der Facebook-Seite des Restaurants entnehmen konnte, hat am 29.Oktober 2016 in Waghäusel-Kirrlach, Lindenallee 29 ein vietnamesisches Restaurant eröffnet- das My Anh.
Es gibt wochentags einen vergünstigten Mittagstisch, das Menu zu 5,50  – die umfangreiche Speisekarte ist unter http://www.my-anh.de/#speisekarte einsehbar.
Freunde von uns, die aus Kirrlach kommen, haben uns auf das Restaurant aufmerksam gemacht, und wir haben uns dort verabredet. Es gibt bereits etliche positive der üblichen Kurzkritiken bei anderen nicht sehr spezifischen „war toll“  Bewertungsportalen, u.a. Tante G. – so bin ich sehr gespannt, was uns erwartet.
 
„My Anh - authentische vietnamesische Küche“ so wirbt das Restaurant. Nun habe ich leider keine Ahnung, nur eine Vorstellung der vietnamesischen Küche – die lt. Wiki als eine sehr feinsinnig gewürz-bestimmte asiatische Küche ohne irgendwelche Nahrungsmitteltabus.
Die wenigen Restaurants, die ich unter dem Label „vietnamesisch“ kennen gelernt habe, zeigten keine besonders ausgeprägten Eigenarten. – eher eine beliebige Mischung diverser asiatischer Einflüsse, die sich von (TK- Convenience) – Frühlingsrollen bis zu Wok-Gerichten chinesischer Art entpuppten. Was positiv auffiel war, dass die Küche sich nicht hinter hohen Scoville-Werten um jeden Preis versteckt. Was also wird uns im My Anh erwarten?
 
Wir parken kurz vor 18:00 Uhr direkt vor dem Restaurant, ein paar Stufen hoch durch einen kleinen Windfang mit Gästebuch betreten wir als fast erste Gäste das offene, etwas kühl wirkende helle Restaurant - schwarze Hochlehner und schwarze Tische bilden einen klaren Kontrast.  Die Tische sind mit gewebten Tischsets, Besteck und gelber Papierserviette schlicht aber zweckmäßig eingedeckt. Wir werden freundlich begrüßt, nach der Reservierung gefragt und an einen aus zwei Zweiertischen zusammengestellten Vierertisch geführt.
 
Die drei bzw. vier von jung bis jungen  asiatischen Damen vom Service (wohl incl. der Chefin Tamara My Anh Vo) tragen ein modernes Ao Dai,  das über die Hüfte seitlich geschlitzte lange Kleid der Vietnamesin zu modernen Jeans (hab ich gegoogelt, wie das heiße Teil heißt, wusste ich vorher auch nicht), hinter der Theke kann man zumindest oberhalb der Theke die Küchenmannschaft (wohl incl. Chef Marcus Vo) geschäftig arbeiten sehen. Im ersten Moment überrascht mich die Anzahl der Bedienungskräfte – doch bereits eine gute viertel Stunde später ist das Restaurant bis auf wenige Plätze voll besetzt, da haben die Damen gut zu tun, werden dann von einem Mann mit unterstützt.
 
Wir haben uns gerade gesetzt und umgeschaut – nun kommt die Servicekraft, die uns begrüßte, freundlich lächelnd mit zwei Karten – hellgrauer starker Filzeinband mit rot aufgesticktem „My Anh - authentische vietnamesische Küche“ – sehr wertig, auch innen auf hochwertigem Glanzpapier – schlicht und klar. Wir haben uns zuvor im Internet die Speisekarte angeschaut, ich hatte über vietnamesische Küche gegoogelt und so war für mich klar, ich werde  Frühlingsrollen nehmen und den Ganzen Fisch – beides wird als typisch für Vietnam bezeichnet.
 
Doch warten wir noch bis unsere Freunde kommen. Zu trinken bestellen wir W5 – Heitlinger Riesling,  0,2l zu 3,90€ und eine Flasche Mineralwasser Classic 0,75l zu 2,80€ - welch angenehme Preisgestaltung. Die Getränke kommen an den Tisch, der Wein kühl im Glas. das Wasser wird eingeschenkt, im kleinen Kelchglas ist jeweils eine feine Scheibe Zitrone – man achtet auf wertige Details.
 
Nachdem wir komplett sind – und auch unsere Freunde, die schon mehrmals hier zu Gast waren, direkt ihre bestellten Getränke bekommen haben, und für uns Vier jeweils ein Stammperl Pflaumenschnaps auf dem Tisch steht (auf Nachfrage was es sei „Pflaumenschnaps, ganz leicht- nur 8%, das kann man problemlos literweise trinken“)  bestellen wir.
Die Karte ist wirklich sehr ausführlich, dabei aber sehr klar gegliedert.  Die Gerichte werden gut beschrieben – das zentrale Thema steht voran, z.B. Mì xào, Gebratene Nudeln mit marktfrischem Gemüse, die Kennzeichnung mit Allergenen oder Zusatzstoffen wird gelistet, dann kommen die diversen Variationen durch den preisbildenden Hauptbestandteil  wie Schweinefleisch, Hühnerfleisch, Rindfleisch, Shrimps, Knuspriges Hähnchen, Knusprige Ente, Vegetarische Ente Seitan (Vịt chay), Gemüse oder  Garnelen.
 
Diese gebratenen Nudeln, das Gericht No.21 Mì xào bestellt meine Frau, möchte Hühnchen dazu, es wird nachgefragt, ob Hühnerfleisch (6,50€) oder knuspriges Hähnchen (6,90€), letzteres wählt meine Frau. Ich habe mich für die No.34 Cá Chiên Nước Mắm Gừng, Ganzer Fisch nach vietnamesischer Art - knusprig gebacken, an gedämpften Kohl, serviert mit frischem Ingwer in Nước-Mắm-Sauce (Fischsauce) (Allergenkennzeichnung D = Fisch) zu 8,90€ entschlossen, möchte aber als Vorspeise noch die No.6 Chả Giò Chay (6 Stück). Frittierte Mini-Frühlingsrollen mit Gemüse, serviert mit Süß-Sauer-Sauce zu 2,50€, meine Frau ordert noch die Krabbenchips, No. 5.2 Bánh Phồng Tôm, Krabbenchips hergestellt aus Hummerfleisch und exotischen vietnamesischen Gewürzen zu 2,00€.
 
Unsere Freunde, die schon mehrfach hier waren ordern als Vorspeise die No.15 Gỏi Xòai Marktfrischer Salat mit frischen Kräutern, Mango und Limetten-Fisch-Sauce und Garnelen zu 6,50€, und die No.12 Gỏi Cuốn (2 Stück) Vietnamesische Sommerrollen aus Reispapier gefüllt mit frischem Salat, Reisnudeln, Sojasprossen und frischen Kräutern, serviert mit Tương-Sauce (Erdnuss-Sauce mit Hoi Sin) mit Rindfleisch zu 2,30€ und als Hauptgerichte No.23 Bánh Canh Xào U-Dong Nudeln, gebraten mit Rindfleisch zu 6,90€ sowie  die No.24 Cà Ri Curry-Vietnam-Sauce mit Bambus, Paprika, Zwiebeln, Kokosmilch, Zitronengras und Limetten, serviert mit Reis und Rindfleisch zu 8,90€.
Was wohl jedem bisher aufgefallen sein dürfte – die Preise sind sagenhaft – die Portionen sehen auch toll aus und scheinen  recht üppig – fragt sich, wie wird die Qualität sein? Nach kurzer Wartezeit werden die Vorspeisen gebracht – die Vorspeisen No.15 und No.12 – die unsere Freunde bestellt haben, sind eindeutig frisch, nett und appetitlich angerichtet, üppig  und sehen hausgemacht aus – leider haben wir da mit unserer Auswahl die Fertigware erwischt – unser Fehler, hätten wir uns denken können. Dennoch, auch die kleinen Frühlingsrollen sind zumindest schmackhaft und richtig frittiert, knusprig, nicht durchfettet, die Bánh Phồng Tôm Krabbenchips sind selbst für zwei eine gute Portion.
 
Nun kommen nach angenehmer kurzer Pause und Abräumen der leergegessenen Vorspeisen zunächst vier vorgewärmte viereckige Teller auf den Tisch – und gleich darauf die No.24 Cà Ri – und die No.21 Mì xào  dann No.23 Bánh Canh Xào mit Rindfleisch. Weiter bringt man uns, da ich beiläufig für meine Frau um „scharf“ gebeten habe, Salz, Pfeffersteuer eine mittelscharfe rote Soßenpaste, extra scharfe frisch geschnittene Chilipepperonischoten und eine Paste wie Sambal oelek jeweils mit kurzem Hinweis auf die Schärfe.
Kurz drauf kaommt auf einer großen rechteckigen Platte mein ganzer Fisch - No.34 Cá Chiên Nước Mắm Gừng. Es sieht gigantisch aus – offensichtlich filetiert sind beide Körperhälften und der Kopf komplett in einem Reismehlteig paniert fritiert worden – die Anrichteweise des aufreecht stehenden Fisches (als würde er aus dem Wasser springen) zeigt, dass keine Nahrungsmitteltabus bestehen, denn wie einen da der auf die Flanken gestützte kleine Fischkopf einen anschaut… - gut, beim Japaner könnte der entbeinte Fisch evtl. sogar noch atmen. . „Was für ein Fisch ist das?“ möchte ich wissen und sofort kommt die Antwort: „Tilapia“ – ein mittelgroßer Buntbarsch. Als Filet ist das nicht „mein Fisch“ zu geschmacklos – gespannt wie es hier ist. Zunächst – der Fisch ist wirklich hervorragend filetiert – keinerlei Gräten, die komplette Hauptgräte bis zum Kopf und alle Seitengräten sind entfernt - nur die Flossen und damit auch deren Gelenke sind mit frittiert, die esse ich nicht mit. Wie zerlege ich nun den Fisch zum Essen?  Ich trenne mir eine Seite vom Kopf ab – was durch den leichten aber festen Panierteig nicht ganz einfach ist – der hintere Kiemenbogen geht mit – den kann ich leicht aus dem beidseitig Panierten ebenso wie die Flosse entfernen. Mit der Teighülle ist es fest zu schneiden, der Fisch, den ich dann in die helle, klare Fischsoße, Nước-Mắm –dippe schmeckt nun eher nach der Soße. Unter dem Fisch sind  grüne und gelbe Paprika, Staudensellerie, roter und weißer Kohl, Zwiebeln als Gemüse schmackhaft gedünstet. Dazu gibt es Reis aus einem extra Topf. Durch den knusprigen Panadenteig füllt der Fisch recht schnell – ich nutze die mittelscharfe Soßenpaste eher als die Fischsoße. Die zweite Seite schäle ich (was sehr leicht geht) komplett aus der Panade – genieße das Filet, das mich so zubereitet nun den Fisch und dessen angenehme Würzung schmecken lässt, sehr nett – nicht so flach, wie ansonsten Tilapiafilets für mich nicht in Frage kommen. Dies Gericht werde ich mir sicher bei einem  nächsten Besuch in diesem Restaurant wieder bestellen.
 
Die No.21 Mì xào – gebratenen Nudeln befinden sich unter einer großen, im Ganzen mit Haut gebratenen Hühnerbrust, die in Scheiben aufgeschnitten ist – ich probiere das Hühnchen von mehreren Stellen der Brust-  es ist saftig gebraten, mit knuspriger Haut – handwerklich gut gemacht, die Nudeln mit dem Gemüse darunter haben etwas vom Hähnchenfett abbekommen – würde mich etwas stören, ist aber lecker zubereitet. Und wider Erwarten schafft meine Frau sogar die ganze Portion - Respekt.
Die Speisen unserer Freunde schmecken auch – besonders reizen mich hier für nächstes Mal die beiden Vorspeisen, sehr üppige muss ich zugeben – aber auch die Hauptgerichte werden probiert werden. Die Servicekräfte haben im Übrigen im Vorbeigehen mehrfach gefragt, ob irgend etwas fehlt, ob es schmeckt und das fragt auch die Servicekraft beim zügigen Abräumen – und ob es noch was sein darf.
 
Was macht man, wenn man gesättigt ist, es gut geschmeckt hat – man noch Lust hat (und natürlich für GG schreiben wird) ? Klar- man fragt nach der Nachtischkarte – noch besser, unsere Freunde fragen danach – also hab ich mich dazu gezwungen gefühlt auch was zu bestellen  gg.  Bei der kleinen Dessertauswahl frage ich, was denn so typisch vietnamesisch wären - Bánh Cam Frittierte Sesamkugel, gefüllt mit Mungbohnenpaste und Kokosstückchen (2,20€),  oder aber die No.105  Bánh Cem Klebreis mit frischer Mango und 1 Kugel Eis zu 2,90€ - die ich bestelle.  Eine ovale kleine Platte mit einer Kugel Vanilleeis, daneben liegt auf einer fingerdicken Schicht kleinkörnigem Klebreis, eine in der Hälfte durchgeschnittene große Scheibe Mango mit Kokosraspel? der Saft der Mango gibt dem Reis etwas Geschmack und bildet einen würdig schmackigen leichten Abschluss eines wunderbaren Abendessens.
Fazit: wir werden hier in jedem Fall öfters herkommen. Das Preis-Leitungsverhältnis ist – ja ich muss das Wort verwenden – phänomenal. Die Gerichte wirken mit Liebe zum Kochen zubereitet, der Service arbeitet schnell, zügig und kompetent, so, wie das auf der Speisekarte als Vorwort der Wirtin steht: „Der Grundsatz, den Gast zu verwöhnen, um ihn damit zur Wiederkehr aufzufordern, ist für uns das gesteckte Ziel, und wir sind glücklich, es immer wieder zu erleben. Seien Sie unser anspruchsvoller Gast. Sie sollen sich jederzeit bei uns wohlfühlen.“
Daher  werden wir in jedem Fall hier wieder herkommen, wenn uns der Sinn mach gut gemachtem asiatischen Essen ist. Das PLV ist in weitem Umkreis einmalig – ein Dreigang-Menu mit Getränken zu durchschnittlich 16€/Person in guter Qualität der Ware ist top. Einziger Schwachpunkt – der aber auch demnächst abgestellt werden soll ist der auf Grund der offenen klaren Struktur mit glatten Wänden erhöhte Schallpegel im Restaurant und da es wirklich sehr gut besucht ist, empfiehlt sich eine vorherige Tisch-Reservierung.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


Jens und 24 andere finden diese Bewertung hilfreich.

marcO74 und 24 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.