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GastroGuide-User: NoTeaForMe
hat FRIEDA in 04155 Leipzig bewertet.
vor 1 Woche
"„Frieda“, Freude... und ein ganzes, wunderbares Menü."

Geschrieben am 11.10.2020 | Aktualisiert am 11.10.2020
Besucht am 10.10.2020 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 150 EUR
Im Zuge eines erneuten Besuches im schönen Leipzig konnte ich nun endlich die Gelegenheit ergreifen, dem schon lang auf meiner "Leipziger-Gastronomie-Wunschliste" stehenden Restaurant "Frieda" einen Besuch abzustatten.
 
Im nördlichen Stadtteil Gohlis gelegen befindet sich das Restaurant auf jeden Fall nicht in einem "üblichen Fine-Dining-Bezirk" Leipzigs, da doch fast alle gehobeneren Restaurants direkt in der Innenstadt bzw. an dessen Ring zu finden sind.
Küchenchefin Lisa Angermann hat sich hier, nachdem sie einigen bereits durch den Gewinn der Kochshow "The Taste" im Jahr 2017 medial bekannt geworden war, den Traum vom eigenen Restaurant zusammen mit ihrem ebenfalls Gastronomie-erfahrenen Partner Andreas Reinke erfüllt.
Das es das "Frieda" geschafft hat, sich seit der Eröffnung Ende 2018 auch über die Hochphase der Corona-Krise hinweg zu halten und auch einen deutlichen Namen in der Leipziger Gastronomie zu machen, spricht bereits dafür, dass es um die Qualität hier nicht allzu schlecht bestellt zu sein scheint.
Außenansicht.
In hellblauen Lettern prangert der Name des Restaurants über dem Eingang des weiß/rosa-gestrichenen Hauses. Eben dieses Hellblau ist es dann auch, welches den kompletten Innenbereich des Restaurants dominiert. Dabei ist es im wahrsten Sinne des Wortes eine sehr dominante Farbe, an der sich sicher die Geister scheiden. Ich persönlich nahm es recht neutral auf: Es gibt sicherlich gemütlichere Farbwahlen, aber sonderlich gestört hat es mich dann doch nicht.
Ansonsten gefiel mir das moderne und legere Interieur aber absolut, da es dem Restaurant einen individuellen Charakter gab, ohne es zu überladen.
Nach dem Eintritt sieht man sich gleich der ausgeleuchteten Bar gegenüberstehen. Rechter und linker Hand davon befinden sich auf zwei Podesten eine Handvoll Tischpartien. Es ist also wirklich ein kleines, schnuckliges Restaurant, dass sich zum
Glück durch Plexiglaswände zwischen den Tischen eine weitere Nutzung der gesamten Kapazität erhalten konnte.
Das fügt sich sicherlich nicht so stimmig in das Ambiente ein, aber wenn man es positiv betrachtet, sorgt es für eine schöne Privatsphäre.
Die Bar, direkt nach dem Eingang.
Schönes Mobiliar (links die Corona-bedingten Plexiglas-Abtrennungen). 
Um die Gäste kümmerten sich an diesem Samstag-Abend vor allem ein junger Servicemann, aber auch Lisa Angermann persönlich servierte und erklärte dabei einige Gänge. Beide überzeugten mit lockerer Freundlichkeit und beantworteten Fragen zu den Gerichten sehr gerne und vollumfänglich. Den Arbeitsaufwand merkte man dem jungen Mann mit leichter Hektik zwar etwas an, das ließ er sich aber im direkten Kontakt mit den Gästen nie groß anmerken, was ja auch ein positives Service-Zeichen ist.
Beide erkundigten sich auch zwischendurch regelmäßig nach der Zufriedenheit, was, so viele kann vorweggenommen werden, stets bejaht werden konnte.
Sehr gastfreundlich bleibt mir auch die Möglichkeit in Erinnerung, dass ich bei meiner Menü-Auswahl das eigentlich standardmäßige Dessert durch eine weitere Vorspeise austauschen konnte, welche mich kulinarisch wesentlich mehr anlachte. 
Ein kleiner Kritikpunkt wäre vielleicht, dass das von uns für 5,5€ bestellte Wasser sichtbar an der Bar aus dem Wasserhahn in eine Karaffe gefüllt wurde. Irgendwo muss die Gewinnmarge aber wohl doch herkommen. ;-)
 
Während in der Sommerzeit nach der Wiedereröffnung aus der Corona-Zwangsschließung zunächst eine Grillkarte nach Baukastenprinzip das Angebot prägte wurde, konnte zum Zeitpunkt meines Besuches im Oktober zum Glück wieder auf ein mehrgängiges Menü zurückgegriffen werden.
Aus den bis zu 7 Gängen des „Frieda en vogue“ sollten es für mich an diesem Abend genau eine Handvoll der sich bereits appetitlich lesenden Gerichte sein, welche mit 74€ zu Buche schlugen. Mein oben erwähnter Wunsch, statt des Desserts eine weitere Vorspeise einfließen zu lassen, änderte an dem Preis dabei nichts.
 
Den Auftakt legte zunächst ein "Backsteinbrot" hin, welches mit ein paar eingelegten Shiitake-Pilzen, sowie einem Dattel-Curry-Dip und einer Nussbutter den Weg auf den Tisch fand.
"Backsteinbrot" mit Dattel-Curry-Dip, eingelegten Shiitake-Pilzen und Nussbutter.
Das eher an Baguette erinnernde Brot an sich war fluffig, aber nicht warm bzw. so knusprig, wie es frisch aus dem Ofen sein könnte.
Begeistern konnten hingegen allein schon die Shiitake-Pilze die mit einer toll ausbalancierten Marinade mit Säure, Süße und leichter Schärfe spannend aromatisiert waren.
Auch der Dattel-Curry-Dip schmeckte mit deutlicher Curry-Würze und trotzdem leichter Süße sehr gut.
Zu guter Letzt machte die Nussbutter ihr leicht karamelliger Charakter zusätzlich spannender.
Bereits dieser kleine Auftakt war also schon richtig kreativ und dabei geschmacklich trotzdem durchweg gelungen.
 
Vor dem eigentlichen Menü folgte noch ein Gruß aus der Küche in Form eines „herbstlichen Salats mit Kokosschaum“.
Amuse Bouche: „Herbstlicher Salat mit Kokosschaum“.
Der Salat bestand aus schön drapierten, dünnen Schnitten von Karotte und Kohlrabi, welche wunderbar knackig daherkamen. Zu dieser Süße trugen kleine Würfel von roter Bete eine kräftigere Erdigkeit bei. Pur probiert schmeckte der Schaum tatsächlich leicht nach Kokos mit leichter Säure. In Kombination mit dem Gemüse blieb das Kokosaroma hingegen eher weg, sodass der Schaum aber trotzdem eine Art säuerliche Vinaigrette für das qualitativ hervorragende Gemüse bildete.
Abgerundet wurde dieser Gruß noch von ein paar in rote-Bete-Saft gegarten Couscous-Körnern und Kakao-Bits, die eine knusprige Überraschung darstellten.
 
Nun startete also das eigentliche Menü mit „Büffel-Burrata / Grapefruit / Kartoffelfond / grüne Oliven“.
„Büffel-Burrata / Grapefruit / Kartoffelfond / grüne Oliven“
Der Burrata-Käse kam so cremig und leicht fest daher, wie man ihn sich wünscht. Er bildete die reichhaltige Basis, die nun von der säuerlichen Grapefruit, den leicht bitteren Oliven und den aromatischen Sardinen mit Geschmack gefüllt wurde.
Portulak fügte etwas Kräuter-Aroma hinzu.
Auch hier wurde wieder an den haptischen Gesamteindruck gedacht, zu dem Radieschenscheiben und Kartoffelchips eine „crunchiness“ beisteuerten.
Der angegossene Kartoffelfond war mit Petersilienöl aromatisiert und erzeugte somit sofort den Eindruck von klassischen Petersilien-Kartoffeln.
 
Voll und ganz dem Meer widmete sich mit „Heimischer Bouillabaisse / Forelle & Kaviar / scharfe Kresse“ der zweite Gang.
„Heimische Bouillabaisse / Forelle & Kaviar / scharfe Kresse“.
Das Bild lässt schon erahnen, dass die Suppe wahrhaftig eine Wonne an Schaumigkeit und Sämigkeit war. Doch auch geschmacklich stand sie der perfekten Konsistenz mit einem intensiven Aroma nach frischem Fisch und Safran in nichts nach.
Unter einem Hügel von knackigen, kleingeschnittenen Bohnenabschnitte, Saiblingskaviar und etwas Kresse befanden sich kleine Filets von der Forelle. Diese wurden nur durch die Hitze der Suppe gegart und wiesen deshalb eine großartige Saftigkeit auf.
Die Saiblingskaviar-Kügelchen sorgten mit einer an Meerwasser erinnernden Salzigkeit und Säure für eine Abrundung dieses rundum stimmigen Gerichts.
Das war bisher schon ein einfach nur begeisterndes Menü.
 
Nun wurde also mein gegen das Dessert getauschter Gang namens „Kräuterseitlinge / Zwiebel / Mirabellen / Verbene“ serviert.
„Kräuterseitlinge / Zwiebel / Mirabellen / Verbene“.
Erneut bewies das Küchenteam, dass sie die exakte Zubereitung von allerlei Zutaten absolut versteht. Die Kräuterseitlinge waren genauso knackig und typisch fleischig, wie ich sie persönlich liebe.
Den aromatischen Körper dieses Zwischengangs füllten vor allem eine intensiv nach Pilzen schmeckende Creme, sowie die süßlicheren Komponenten namens Mirabellen, Zwiebeln und eine Paste mit schwarzem Knoblauch. Da diesen Komponenten aber auch eine gewisse Schärfe und Würze beiwohnte (z.B. auch durch etwas Chili bei den in Orangensaft eingelegten Mirabellen), driftete das Gericht nie ins zu Süße ab.
Einzig die als Pulver über den gesamten Teller verteilte Verbene offenbarte sich geschmacklich für mich nicht, was ich aber nicht als fehlend erachtete.
Wieder wurde der crunchige Part nicht vergessen, hier in Form von ein paar Mandeln.
 
Es folgte mit „Duroc Flank Steak / Mais / Zitronenschale / Jalapeño“ der Hauptgang des von mir gewählten Menüs.
„Duroc Flank Steak / Mais / Zitronenschale / Jalapeño“.
Das in drei kleinen Schnitten präsentierte Fleisch war, wie nach den bisherigen Gängen fast schon nicht anders zu erwarten, auf den Punkt leicht rosa gegart und überzeugte dadurch mit einer herrlichen Saftigkeit. Die Schwarte hatte man, für mich persönlich zum Glück, nicht entfernt, was den Mini-Steaks noch mehr Eigengeschmack verlieh.
Der geschmeidigen, süßlichen Maiscreme wurde durch Zugabe von Jalapeño ordentlich Pfiff verliehen. Dies geschah aber mit sehr gut abgestimmter Dosierung, die belebend pikant, aber keineswegs betäubend wirkte.
Knackige Brunoise von grüner Paprika lieferten hier wieder angenehme Abwechslung, bei der auch die in dünnem Tempura-Teig knusprig frittierten Frisée-Blätter vortrefflich mitspielten.
Die Sauce rundete diesen Gang mit der benötigten Portion Salz ab, der bei mir ein mehr als breites, kulinarisches Lächeln hinterließ, an dem auch die für mich nicht bemerkbare Zitrone nichts änderte.
 
Damit meine Begleitung und ich auch den letzten Gang jeweils mit eigenem Teller verbringen konnten, schloss das Menü also bei mir noch einmal mit einem herzhaften Zwischengang namens „Salzsellerie / Eigelb / Liebstöckel“ ab.
„Salzsellerie / Eigelb / Liebstöckel“.
Und das war auch ein absolut würdiger Abschluss. Der warme Sellerie gab mit seiner fleischigen Konsistenz dem Gericht das nötige Volumen und begeisterte zudem mit dem typisch süßlichen Aroma, das sich bei langer Garung der Knolle ergibt.
Wachsweiches Eigelb unterstützte die Intensität des Geschmacks mit seiner cremigen Fettigkeit.
Doch natürlich wurde der Biss auch in diesem Gang keineswegs vergessen, wofür sich dieses Mal Champignonscheiben und Streifen von Staudensellerie als verantwortlich zeigten.
Ein Liebstöckel-Pesto würzte die gesamte Kreation erneut genau passend mit ätherischem Kräuteraroma. Nochmals eine kulinarische Wonne zum Abschluss.
 
Zur Verabschiedung gab es noch eine kleine Petit-fours-Auswahl mit einem Canelé mit Passionsfruchtschaum und Himbeere, einem Vanille-Eis auf Streuseln und einem kleinen Brownie, die wir uns durchgehend gerne schmecken ließen.
Petit Fours: Canelé mit Passionsfruchtschaum und Himbeere; ein Vanille-Eis auf Streuseln und kleine Brownies.
Um es in einem finalen Abschnitt noch einmal zusammenzufassen: An diesem Abend konnte das Team des Restaurants "Frieda" seine bereits länger gehegte Position auf meiner gastronomischen Wunschliste für Leipzig nicht nur rechtfertigen, sondern meine Erwartungen kulinarisch auch noch übertreffen.
Bei ausnahmslos jedem einzelnen Gang (und sogar den Grüßen vorweg) gingen handwerkliche Präzision, Kreativität und Sinn für einen rundum gelungenen aber dabei auch überraschenden Geschmack stets Hand in Hand.
Der freundliche und mit umfänglichen Wissen um die eigenen Gerichte ausgestattete Service und das legere Design des Interieurs setzten dem Eindruck an dem Abend noch die Kirsche auf.
Hierhin möchte ich auf jeden Fall wieder zurückkehren und jedem würde ich auch absolut empfehlen, hier einzukehren.
Anschließend bleibt es dem Team des „Frieda“ wirklich nur zu wünschen, dass ihre Ambitionen in Zukunft vielleicht auch mit den entsprechenden Auszeichnungen gewürdigt werden.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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