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GastroGuide-User: rr_blaubaer
hat Mai Vien in 60486 Frankfurt am Main bewertet.
vor 4 Jahren
"Das Essen schmeckt auch am Katzentisch…"
Verifiziert

Geschrieben am 22.03.2016
Besucht am 24.02.2016
Nach einem aufreibenden Tag beim Kunden verlangten Magen und Seele nach adäquatem Ausgleich.
Mal was anderes als die Pizza/Paste Variation die ich mir meist gönne wäre auch nicht schlecht. Eine kurze Recherche und 4 Straßenbahnstationen später steh ich vor dem vietnamesischen Restaurant Mai Viên.
 
Von außen ist das Lokal etwas unscheinbar und erst nachdem man den sehr engen Eingangsbereich (Achtung definitiv nicht barrierefrei) hinter sich gelassen hat, findet man ein doch recht schnuckeliges Lokal vor. Es ist heller als man vermutet und durch den alten Holzfußboden, und die zunächst verborgenen Nebenräume wirkt das Ganze recht heimelig.

Es ist noch nicht sonderlich spät und daher sind zumindest im vorderen Bereich die meisten Tische noch frei.
Ich werde nach kurzer Zeit mit einem Nicken begrüßt und auf meine Frage wo ich mich setzen könne verweist man mich an einen kleinen 2er Tisch hinten zwischen Theke und Wand. Den eigentlich besseren Platz mit dem Rücken zur Wand kann ich leider nicht nutzen, da ich Angst habe stecken zu bleiben. Also sitze ich mit dem Rücken zu Gastraum. Etwa 1 Meter vor mir Wand, rechts von mir Wand und links von mir die Theke, die wenn ich sitze aber auch eine Art Wand darstellt.
Die anderen noch freien Tische erweisen sich leider als reserviert, was sich kurz darauf durch schnelle Erhöhung der Gästezahl bestätigt.
 
Im Folgenden werde ich im Wechsel durch einen Herrn (ich vermute der Chef) und eine Dame bedient. Beide sprechen jeweils nur (bzw. nicht mal) das nötigste, was an einigen Stellen zu Verwirrung auf beiden Seiten führt.
Dennoch kann das Wunder der Kommunikation sich zumindest soweit entfalten, dass mir eine Karte sowie ein alkoholfreies Weizen (0,5l 3,50 €) an den Tisch gebracht wird und ich auch meine mutige Entscheidung bezüglich des Bestecks (ich nehme Stäbchen) kund tun kann.
 
Die Karte umfasst in Summe mehr als 100 Positionen, die abgesehen von den vietnamesischen Namen auf den ersten Blick auch in anderen Asia-Lokalen zu finden sein könnten.
Auf den zweiten Blick jedoch findet man doch einige Kombinationen, die ich bei den üblichen Buffet-Asiaten noch nicht gesehen habe. Ein genaues Studium der Karte und mehrfaches Probieren könnte lohnend sein.
 
Letztlich wird meine Vorspeise dann doch ein eher häufig anzutreffendes Gericht,  Tôm Lăn Bôt – Garnelen im Teigmantel (5,50 €) oder die Nummer 11 wie die Bedienung bestätigte.
Als Hauptgericht  sollte es Vit cà ry – Entenbrust mit Currysauce (14,50 €) sein.
 
Als mir die Essstäbchen gebracht wurden, ließ man das bereits gedeckte Besteck Europäer-freundlich liegen.
 
Die gebackenen Garnelen (4 Stück) wurden mit einer laut Karte hausgemachten süß-sauren Soße serviert. Bereits beim ersten Versuch verfluchte ich zwar meinen Stäbchen-Ehrgeiz, schlug mich dann aber doch noch tapfer und erfolgreich, fast ohne zu kleckern.
Die Garnelen waren gut gemacht, zwar keine Gourmet-Qualität (wie auch bei dem Preis) aber dafür optimal gegart. Knuspriger Teigmantel und leicht glasige, saftige Garnele.
Die Soße war ebenfalls richtig gut, das Attribut hausgemacht glaube ich gerne und muss dem häuslichen Macher Respekt zollen. So würde ich mir diese Soße überall wünschen. Schön fruchtig, mit ganz, ganz leichter Schärfe.
 
Bis dann die Hauptspeise an den Tisch kam dauerte es ein wenig länger, das Lokal war mittlerweile bis auf den letzten Platz …, ach nein stimmt ja gar nicht, mir gegenüber wäre ja noch ein Plätzchen frei….

Die Entenbrust in Currysoße kam schon optisch sehr hübsch daher.  Das Fleisch war zwar nicht mehr rosa, aber man sah ihm dennoch an (und man konnte es dann auch schmecken), dass es schön zart und keinesfalls totgebraten war. Die Soße auf Kokosbasis hatte einen runden würzigen und leicht scharfen Geschmack, der mir sehr gut gefallen hat. Ebenso fand ich die beigefügten Gemüse (Auberginen, Bohnen, Zucchini, Kartoffeln und Süßkartoffeln) sehr passend. Alle hatten den richtigen Gargrad, keines war zu matschig bzw. zu hart. Zusammen mit den schön klebrigen Reis (ja so ist er auch mit Stäbchen besser zu essen) würde ich das jederzeit wieder bestellen.
 
Beim Abräumen meinte ich so etwas wie „geschmeckt?“ vernommen zu haben, sicher war ich mir jedoch nicht. Aber ja, es hat geschmeckt.
 
Beim Bezahlen gab es eine ordentlichen Belegt und am Tisch eine leise Verabschiedung.
 
Bewertung:
 
Ambiente:
Schwierig! Zum einen ist da das eigentlich ganz angenehme Lokal mit dem schönen Holzfußboden und der leicht verwinkelten Bauweise. Andererseits ist da die wirklich grausliche Nische neben der Theke in die ich gequetscht wurde. => 3,5 Sterne
 
Service:
Man spricht hier nicht viel, zumindest nicht mit einem Blaubär. Auch wenn teilweise Rückfragen zum Geschmack dahin genuschelt wurden, gibt es hier durchaus Potenzial zur Verbesserung  => 3 Sterne
 
Essen:
Eine wirklich gute Küchenleistung. Hätte ich so nicht unbedingt erwartet.  => 4 Sterne
 
Sauberkeit:
Der Gastraum an sich war sehr gepflegt und sauber, in meiner kleinen Sünderecke versteckte sich jedoch noch das eine oder andere Stäubchen.  => 4 Sterne
 
Preis-Leistungs-Verhältnis:
Das Essen war lecker, ich war satt und das Ganze ohne einen Kleinkredit aufzunehmen, für Frankfurter Verhältnisse also recht gut. => 4 Sterne.
 
Fazit:
Wenn ich künftig an anderer Stelle Sitzen darf, komme ich gerne wieder. Besagte Ecke empfehle ich mit einer schattenliebenden, nicht zu großen Zimmerpflanze zu bestücken.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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