Zurück zu Gasthof Raspl · Zur Alten Schmiede
GastroGuide-User: Carsten1972
hat Gasthof Raspl · Zur Alten Schmiede in 84579 Unterneukirchen bewertet.
vor 5 Tagen
"Landgasthof im allerbesten Sinne...."

Geschrieben am 14.02.2020 | Aktualisiert am 17.02.2020
Besucht am 10.02.2020 Besuchszeit: Abendessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 75 EUR
Es hatte mich in die Gegend von Altötting verschlagen. Ein Geothermie-Projekt in Garching an der Alz hatte Ausrüstung bei uns bestellt und ich hatte ein Kick Off Meeting dort vor Ort. In dieser Gegend war ich noch nie. Also hatte ich den Kunden mal gebeten, mir eine adäquate Unterkunft zu empfehlen. Sein Rat lautete Gasthof Raspl im Nachbarort Unterneukirchen. Nach Inaugenscheinnahme der Homepage bot sich ein recht positives Bild, also buchte ich mir unkompliziert ein Zimmer und einen Platz im Restaurant per Mail, die mir Angela, Nachnamen wurde mir vorenthalten, umgehend bestätigte.

So parkte ich also am Montagabend mein Auto vor dem augenscheinlich recht neuen Hotelanbau am Gasthof Raspl. Das Hotel nennt sich Traumschmiede, clever hergeleitet vermutlich aus dem Beinamen des Gasthofs, zur alten Schmiede. Das neue Hotel bietet sehr ansehnlich gestaltete Zimmer und man wird vom Rezeption sehr freundlich in Empfang genommen. Zumindest in Sachen Unterkunft hatte ich eine gute Wahl getroffen.

Mit knurrendem Magen fand ich mich dann um kurz vor 19 Uhr im Gasthof ein, und erblickte einen pickepacke-vollen Gastraum, an einem Montagabend im Februar! wow, gut dass ich einen Tisch reserviert hatte. Man fragte mich, ob ich mit einem hohen Bistrotisch in der Nähe der Theke einverstanden sei, und ob es okay wäre, wenn man an dem Sechsertisch noch jemanden platzieren würde, die Platznot war anscheinend groß! Beides war kein Problem.

Die Karten kamen und ich bestellte erst einmal ein Bier aus der großen Auswahl verschiedener Biersorten und Brauereien. Die Speisenauswahl ist nicht gerade klein, feste Karte, eine saisonale Auswahl und noch ein Steakkarte. Die feste Karte mit bayrischem Schwerpunkt, deftig ausgerichtet, etwas internationaler die Saisonkarte, und sehr bemerkenswert die Steakkarte mit vielen verschiedenen Prime Beefs from all over the world......

Ich brauchte etwas, um mich zu entscheiden. Das zweite Bier war schon serviert, da hatte ich mich final zu einer Entscheidung durchgerungen. Die Bestellung wurde aufgenommen und ich harrte der zu servierenden Dinge. Was für ein Gewusel um mich herum, eigentlich alle Tische besetzt, die Leute, die nicht mehr unterkamen, nahmen ihr Essen mit nach Hause, ein ToGo Angebot gibt es also auch. Irgendwann kam dann die Bedienung mit einer Sardinenbüchse an den Tisch.

Drin ein Nudelsalat als Küchengruß......die Verpackung war jetzt sehr viel kreativer als der Inhalt, aber die kleine Portion schmeckte. Jetzt durfte aber auch langsam mal die Vorspeise kommen. Ich hatte den ganzen Tag nichts zu essen gehabt und mir knurrte der Magen. Vorweg für mich von der Saisonkarte

begleitet von

Bouillabaisse war meine Wahl. Die Karte hatte die servierte Fischsuppe als südfranzösische Variante angeboten. Damit hatte sie jetzt schon optisch nicht viel zu tun. Vergleiche hier:
http://www.gastroguide.de/restaurant/37468/giverny/muenster/bewertung/29439/
Seeteufel, Lachs, Kabeljau, Muscheln und Scampi sollten drin sein in der Suppe, die fanden sich auch alle wider. Dazu viel Tomate, Fenchel, Anisaroma meinte ich auch heraus geschmeckt zu haben. Ein guter Fischfond war in der Suppe verwandt worden. Keine Bouillabaisse, aber eine leckere, mediterran tomatige Fischsuppe hatte ich verzehren dürfen, gut dazu passte das Knoblauchbaguette.Ich war zufrieden. Für den Hauptgang was aus der sehr verlockend aufgestellten Steakkarte. Beilagen bestellt man separat dazu, zum einen für mich ein Salat, die Piementos de Padron waren leider aus.

Der kam etwas vor dem Hauptgang  und war so wie ein Salat sein muss, frisch und knackig, keine eingemachten Dinge. Sogar etwas Kartoffelsalat war auf dem Teller, dazu eine gute Vinaigrette. Mit dem Steak dann noch ein Risotto.

Das war der einzige Punkt an meiner Speisenwahl, bei dem ich haderte. Dieses Risotto war nicht gut! Anders kann man es nicht sagen. Ich habe den verdacht, dass kein Rundkornreis verwandt wurde (Arborio, Carnarolo oder Vialone Nano), sondern ein Milchreis verwandt wurde. Das kann ich auch manchen meiner Freunde nicht abgewöhnen. Milchreis als Risotto zu verarbeiten bedeutet ein viel breiiges Mundgefühl beim Verzehr, keinerlei "al dente" mehr in den Reiskörnern. Dazu kam, viel zu viel Trüffelöl im Risotto, man war schon Geruch erschlagen und der Probehappen wurde kein Genuss. Ich verstehe, dass man keinen frischen Trüffel verwenden kann in einer Gasthausküche, aber wenn man ein Trüffelöl verwendet, muss man aufpassen, dass das Resultat geschmacksmäßig nicht übers Ziel hinausschießt. Ich war etwas enttäuscht, das erwählte Entrecote zu 350 Gramm musste da schon wieder was gut machen.

Medium rare war es bestellt. Das Fleisch war aus den Staaten, Nebraska prime Beef GOP, vom Black Angus Rind, der Cut zu 350 Gramm. Und wie man sieht, dass Resultat war äußerst ansehnlich. Risotto ist des Raspls nicht so sein Ding, aber grillen können sie das hochwertige Fleisch, dass sie anbieten. Saucen hatte ich mir verbeten, Salz und Pfeffer veredelten ein sehr gutes Stück Rindfleisch. Ich war versöhnt mit dem Gasthof Raspl. Und weil es so schön war, bestellte ich noch ein Dessert.

Gebackene Apfelringe, mit Vanilleeis und Sahne der örtlichen Molkerei. Die lokalen und regionalen Lieferanten wurden bei jedem Gericht genannt. Den Namen in der Karte für dieses Gericht kann weder aussprechen noch schreiben.

Die Servicetruppe im Gastraum agierte sehr professionell und warte dabei stets eine zugewandte Freundlichkeit auch gegenüber dem preußischen Herren am hohen Tisch. Viele Gäste wurden sehr direkt angesprochen, offensichtlich hat man sehr viele, sehr treue Stammkunden. Verständlich nach meinem Abend, hier fühlt man sich wohl.

Kann ich also zum Fazit kommen, schönes Hotel, gute Landhaus Küche und freundlicher Service. Einkehren, übernachten und Essen macht Spaß im Raspl. Ich komme wieder, steht schon fest!

PS eine große Freude auch das morgendliche Frühstück, auch hier ausschließlich lokale Lieferanten für die Zutaten. Das Sauerteigbrot macht große Freude mit dem Honig von "Oma und Opa".....fein, so sollte immer sein!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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