Zurück zu Bella Vista - Winzerhof Golk
GastroGuide-User: Jenome
einen Beitrag zum Bella Vista - Winzerhof Golk in 01665 Diera-Zehren geschrieben.
vor 3 Jahren
"Der Winzerhof in Golk hat jetzt vier Sterne. Und ein kulinarisches Angebot, das in der Region seinesgleichen sucht"

Geschrieben am 08.03.2016
Tamas ist ein Schatz. Sagt Gunter Hühne. Der Nossener betreibt gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Annett Ossadnik den Winzerhof in Golk. Auf ihren 47-jährigen Chefkoch lassen die beiden nichts kommen. „Er braucht kein Rezeptbuch, ist der perfekte Mann, nicht nur, was das Würzen betrifft“, sagt Annett Ossadnik über den 47-jährigen Ungarn. Seit 2011 lebt Tamas Irlanda mit seiner Familie in Deutschland, arbeitet als Koch. Zunächst in Kleinzadel in dem „Puszta Csardas“, das Gunter Hühne damals nebenher betrieb.


Denn er hat noch einen Betrieb in der Autobranche in Döbeln. Zwei ungarische Köche und zwei Kellner hatte er angestellt, wollte sich erweitern, hatte rund 5 000 Quadratmeter Land für einen Biergarten gekauft. Dann aber kam das Hochwasser. Es stand bis zu zwei Meter hoch in den Räumen der kleinen, aber feinen Gaststätte. „Es war das zweite Hochwasser. Danach bin ich weg“, sagt er.

Da traf es sich gut, dass seine Lebensgefährtin seit Ostern 2012 den Winzerhof in Golk gepachtet hatte. Der ist nicht nur absolut hochwassersicher, weil er auf der Anhöhe eines 330 Jahre alten Weinberges liegt, sondern bietet auch einen traumhaften Blick auf das Elbtal. Und so wurden praktisch aus zwei Gastronomiebetrieben einer. Gunter Hühne nahm einige „seiner“ Ungarn mit und bietet seitdem Spezialitäten aus diesem Land inmitten der Weinberge an.

Die Liebe zu Ungarn und dessen Esskultur hat er in 15 Jahren Urlaub entdeckt. „Es gibt sehr viele Ungarn hier, die zu DDR-Zeiten als Vertragsarbeiter tätig waren und nach der Wende geblieben sind. Die nehmen unsere Angebote sehr gern an“, sagt der 52-Jährige.

Doch nicht nur die, auch bei Einheimischen ist der Winzerhof längst ein Geheimtipp geworden. Am Wochenende Plätze zu bekommen, das ist schwierig. Ohne Vorbestellung geht fast nichts. „Wir haben schon mal an einem Novembersonntag 70 Leute nach Hause schicken müssen. Das tat uns sehr leid, aber mehr Kapazität haben wir einfach nicht“, sagt Annett Ossadnik. Die 46-jährige gelernte Restaurantfachfrau hat viele Jahre in den Weinterrassen Kempe in Winkwitz gearbeitet, bevor sie sich selbstständig machte.

Und dennoch: Von der Gastronomie zu leben, ist schwierig bis unmöglich. „Wenn ich nicht noch einen anderen Betrieb hätte, ginge es nicht“, sagt Gunter Hühne. Von November bis Februar ist der Winzerhof nur freitags bis sonntags geöffnet. Jetzt ab März ist montags und dienstags Ruhetag, ansonsten ab 11 Uhr offen. Vier Köche und vier Servicekräfte sind im Winzerhof angestellt. In Spitzenzeiten reicht das nicht, da helfen Familienmitglieder mit. „Es gibt Tage, da wird jede Hand gebraucht“, sagt Hühne.

Seit wenigen Tagen kann sich der Winzerhof mit vier Sternen schmücken. Ein Qualitätssiegel, das der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) vergibt und das an harte Kriterien gebunden ist. Der Winzerhof hat nicht nur Gastronomie, sondern auch Pensionszimmer mit insgesamt 20 Betten. „Der Pensionsbetrieb wird vor allem an den Wochenenden genutzt, besonders bei Hochzeiten“, sagt Annett Ossadnik. Hochzeiten werden im Weinberg gefeiert, drei- bis viermal im Jahr gibt es ungarische Livemusik. Die Geiger gehen dann von Tisch zu Tisch, bringen ungarisches Flair nach Golk. Auch das Kochen über offenem Feuer ist beliebt, ungarische Weine sowieso. „Wir haben unsere Nische gefunden. Die Leute wollen nun mal etwas Besonderes erleben. Mit gutbürgerlicher Küche allein kann man auf Dauer nicht überleben“, sagt Gunter Hühne. Allerdings gibt es auch diese traditionelle Küche im Winzerhof, ebenso wie natürlich Meißner Weine, vor allem Riesling und Spätburgunder.

Dennoch ist es für die beiden schwierig, genügend und qualifiziertes Personal zu finden. Denn manche Ungarn zieht es zurück in die Heimat, sie haben Heimweh. Deshalb sind die beiden Betreiber des Winzerhofes derzeit wieder in Ungarn unterwegs, führen Bewerbungsgespräche. Diejenigen, die bleiben und hier arbeiten, sind sehr engagiert. „Unser Krankenstand ist null“, sagt Gunter Hühne. Mit Tamas Irlanda müssen die Betreiber des Winzerhofes kein Gespräch führen. Er hat sich längst entschieden. „Es ist ein Irrtum zu glauben, ungarische Gerichte seien zu scharf“, sagt er. Wer, wenn nicht er, muss das wissen. 

(C) SZ MEI Jürgen Müller


kgsbus und 3 andere finden diesen Beitrag hilfreich.

simba47533 und eine andere Person finden diesen Beitrag gut geschrieben.