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GastroGuide-User: JulPal
hat Waldgericht in 72280 Dornstetten bewertet.
vor 7 Jahren
"Die Dornstetter Verwandtschaft hatt..."

Geschrieben am 13.04.2014
Die Dornstetter Verwandtschaft hatte geladen – zur Familienfeier im Waldgericht zu Aach. Aach… Ach war bislang für mich immer nur „der Ort unterm Viadukt“, über das bis heute fröhlich Züge von Freudenstadt in Richtung Stuttgart rollen. Aach… Der Ort war schnell gefunden, die winkende Verwandtschaft auch.

Das Waldgericht selbst liegt ein wenig im Ort versteckt - an einem kleinen Bächlein, das die perfekte Kitsch-Kulisse für das herrliche Schwarzwald-Fachwerkhaus liefert, in dem das Restaurant untergebracht ist. Der Ort hat Tradition und eine lange Geschichte – auch der Name Waldgericht kommt nicht von ungefähr.

Schon ab dem 7. Jahrhundert und bis ins Jahr 1837 tagte hier zweimal im Jahr das Waldgeding, eine Gerichtsbarkeit, die sich um wald- und forstwirtschaftliche Belange kümmerte. Wer tagt und richtet, hat auch Durst. So entstand 1428 die so genannte Taferei, eine Gerichtsschenke, in der man nach erfolgreicher Juristerei auch der Völlerei frönen konnte. Nach einigen historischen Umbauten wurde das heutige Fachwerk etwa 100 Jahre nach der Eröffnung der Taferei errichtet.

Ein uriges Ambiente mit viel Holz und einem herrlichen alten Kachelofen erwartet den hungrigen Gast. Den wunderbar eingerichteten Gastraum erreicht man über eine Treppe.

Flottes Servicepersonal versorgte alle Anwesenden in Windeseile mit Speisekarten. Die Karte ist weder überfrachtet, noch vom Typ „Sparta“. Die Empfehlung der Verwandtschaft lautete „Wild! Auf jeden Fall Wild!“. Sowas aus dem Mund von Jägern und Förstern zu hören, wertet die Empfehlung nochmals ungemein auf. Wild war auf der Karte schnell gefunden – Rehbraten mit Preiselbeerrahmsoße und hausgemachten Spätzle klang auch sehr lecker. Dazu wurde noch ein kleiner gemischter Salat gereicht.

Der Salat kam als erstes. Das Dressing war sehr lecker, die Zutaten sehr frisch. Es wurde weder die obligatorische Salatfertigmischung aus dem großen Plastikpaket von Vitagemüse verfüttert, noch wurde ein Dressing mit der Konsistenz von Holzleim oder Tapetenkleber angereicht. Top!

Nach der Botanik folgte der Hauptgang. Da fast alle Anwesenden des innersten Familienkreises durch die Bank Wild bestellt hatten, wurde ein hübsch angerichteter Teller serviert, auf dem sich nur der lecker besoßte Rehbraten befand. Und die Beilage? Kaum war der Gedanke zu Ende gedacht, schwebte erneut die Bedienung in den Raum und brachte hausgemachte Spätzle auf großen Servierplatten. Diese wurden (nebst einer Platte Pommes) strategisch auf dem großen Tisch verteilt, um den alle Leute saßen. Da Spätzle immer nach massig Soß verlangen, wurden auch noch weitere Saucieren mit der leckeren Preiselbeerrahmsoße an den Tisch gebracht.

Das Essen begann und bald schon verfielen alle Beteiligten in gefräßiges Schweigen. Der Rehbraten war butterzart und perfekt zubereitet, die Soße war ein Traum und die Spätzle waren spitzenmäßig. Sogar die Pommes-Frevler am Tisch waren voll zufrieden, auch wenn ich mit Preiselbeerrahmsoße mit Pommes nicht so richtig vorstellen mag.

Die Portionen waren genau richtig bemessen – keiner musste hungrig gehen, alle waren pappsatt und fürchteten sich schon vor dem nachfolgenden Kuchenbuffet im Haus der Verwandtschaft. Der Service war aufmerksam, niemand musste minutenlang verlegen hüsteln oder winken, bis ein leeres Glas bemerkt wurde. Die Preise fürs Essen sind im Mittelfeld anzuordnen. Der Rehbraten kostete irgendetwas um die 16 Euro.

Nach dem leckeren Essen stapfte die ganze Meute leicht futterparalysiert die Treppe hinunter und sammelte sich im Freien. Eine hölzerne, in der Wand eingelassene Einbuchtung weckte mein Interesse. Wasserbecken? Figurenstandplatz? Mein Onkel bemerkte mein Interesse und klärte auf: Ein durch das Waldgericht verurteilter Straftäter konnte so lang der Strafverfolgung entgehen, wie er eine Hand in eben jene Wandnische steckte. Sollte jedoch die Hand die Nische verlassen, konnte er sofort seiner ihm angedachten Strafe zugeführt werden. Da gewinnt der Begriff „Einnischung“ gleich einen ganz neuen Sinn.

Parkplätze stehen vor dem Haus in ausreichender Stückzahl zur Verfügung. Wer möchte, kann hier auch übernachten. Ein Gästehaus steht zur Verfügung. Das Waldgericht zu Aach ist ausgewiesen motorradfreundlich und sogar Haustiere sind wohl nach Absprache kein Problem.

Von mir gibt es glatte fünf Sterne. Ich komme gerne wieder. Das Kuchenbuffet war übrigens erwartet üppig – auch, wenn sich meine Tante zigmal dafür entschuldigte, dass für 15 Leute nur sieben Kuchen und Torten zur Verfügung standen. Uff.


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