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GastroGuide-User: Ehemalige User
hat Restaurant Zum Löwen in 51373 Leverkusen bewertet.
vor 5 Jahren
"Lieber auch Selbstverständliches nachfragen -oder: Trau, schau wem!"
Verifiziert

Geschrieben am 14.05.2015
Besucht am 02.05.2015
Anlässlich eines Besuchs bei der Familie sollte es ein nettes aber nicht zu gehobenes Abendessen sein. Angesichts diverser, überwiegend positiver Erfahrungen (Abendessen, Hochzeitsfeier etc.) und besonders der Nähe zum Wohnort der Verwandtschaft fiel die Wahl auf das Restaurant ‘Zum Löwen‘ in Leverkusen. Direkt am Bayer-Werksgelände und in unmittelbarer Nähe zum Japanischen Garten gelegen, bietet die Bayer Gastronomie GmbH ein umfassendes Portfolio. Bei weitergehendem Interesse empfehle ich deren Homepage.

 
Grundsätzlich ist eine Anreise per ÖPNV sicherlich möglich, zum Abendessen jedoch, durch den mutmaßlich ausgedünnten Takt, wenig praktikabel. Kostenfreie Parkmöglichkeiten gibt es, außer für Bayer-Insider, leider keine. Die auf dem kleinen, hoteleigenen Parkplatz ‘gewonnenen‘ Tickets werden aber bei Verzehr im Restaurant bezuschusst. In der Regel fragt der Service von sich aus nach. Da das Restaurant im Souterrain des Kasinohotels gelegen ist, sind augenscheinlich vom Haupteingang aus immer einige Treppenstufen zu überwinden. Zumindest die zum Park hin gelegenen Bankett-Räume sind außen um das Gebäude herum ebenerdig zu erreichen. Höchstwahrscheinlich ist davon auszugehen, dass, wenn entsprechende Einschränkungen bei der Reservierung genannt werden, auch geholfen wird.
 
Das Ambiente ist recht modern und bietet zu dem rosa Marmor-Treppenhaus einen angenehmen Kontrast, mit viel schwarzem Holz, entsprechenden Stühlen und Tischen sowie geschickter, warmer Beleuchtung. Der Restaurantteil ist bei fließendem Übergang in verschiedene Bereiche unterteilt, ein Lounge-bereich mit großem Flachbildschirm (heute Bayer gegen Bayern, 2:0), der Thekenbereich mit einer seitlichen Phalanx von Weinkühlschränken, davor lange Tische für Buffets/Gesellschaften, gegenüber an der Wand diverse Tische und Nischen unter Souterrainfenstern und noch einige Nebenräume. Die Gesamtzahl der Plätze wage ich nicht zu schätzen, denke aber, dass es kaum eine Größenordnung gibt die (zusammen mit den Bankettsälen des Hotels) nicht bewältigt würde. Zum Besuch der gut gepflegten Toiletten muss man den Restaurantbereich verlassen, auf dem Flur davor, vorbei an verschiedenen Garderobenräumen sind diese zu finden.
 
Eine wirkliche Begrüßung gab es beim Betreten des Restaurants nicht, allerdings war die Damenwelt bereits vorgeprescht und hatte wohl den reservierten Tisch okkupiert. Daher wurden wir am Tisch willkommen geheißen und der überwiegend junge und weibliche Service (ø 4,3) fragte sogleich nach den Getränkewünschen. Da wir noch keine Vorstellung zu den Gerichten hatten, beschränkten wir uns zunächst auf die Order stillen Wassers (Selters, 0,75L à 7,- Euronen). Erst danach erhielten wir die Speisekarten. Die Weinkarte musste explizit erbeten werden. Da das Wassereinschenken mittels auflegen des Flaschenhalses am Glasrand geschah, liegt der Schluss nahe, dass man hier recht locker mit den Standartvorgaben in der Gastronomie umgeht, eventuell war das aber nur der Unerfahrenheit der sehr jungen Servicedame (Azubiene?) geschuldet.
 
Zunächst wurden drei verschiedene (hell, dunkel und mit Kräutern) Aufback-Baguettesorten, die sich eher durch Farbe und Konsistenz denn Geschmack unterschieden, mit sehr gutem kretischen (Sitia) Olivenöl kredenzt, was auch später nachgereicht wurde. Mittels der auf dem Tisch befindlichen Salz- und Pfeffermühlen gewürzt, ein schöner Auftakt. Ein amuse gueule gab es nicht.
 
In der Regel besteht das Angebot aus einer Standartkarte mit zum Teil regionalen Gerichten und all-time favorites wie Zwiebelrostbraten oder Schnitzel Wiener Art. Ergänzt durch eine monatlich wechselnde Saisonkarte mit drei Vorspeisen, zwei Suppen, zwei Zwischengerichten, fünf Hauptspeisen und zwei Desserts, begleitet von Aperitif- und Weinempfehlungen. Zusätzlich hätten wir noch von der erst ab kommenden Montag an geltenden Spargelkarte auswählen können, auch wenn die Portionskalkulation nicht immer nachvollziehbar scheint, wird hier wohl jeder etwas finden.
 
Da wir zur Speisenauswahl recht lange brauchten, taten es uns Küche und Service nach und es dauerte eine ganze Weile(>45 Minuten) bis zum Servieren der
| Vorspeisen |
 
Bärlauch-gebeizter Matjes/Salatherzen/Radieschenvinaigrette          10,50 Euronen
Nett angemachte Salatherzen dominieren den Teller das Matjesfilet wirkt fast verloren, scheint aber schmackhaft eingelegt. Das dazu gereichte Chichi, Rotweinschalotten und ein Micro-Kräuter-Semmelknödelchen (ja die doppelte Verkleinerung ist durchaus gewollt), milderte die leichte Enttäuschung der Seniorin am Tisch nicht wirklich. Preis/Leistung scheint hier grenzwertig.
 
Drei Mal Kokos-Curry-Suppe/Garnelenspieß je                                         7,- Euronen
Ein gut abgeschmecktes, sämiges Süppchen, optisch und geschmacklich eine Variation der thailändischen Tom Kha Gei mit üppigem Spieß (fünf Garnelen). Leider für mindestens einen der Besteller nur lauwarm. Zudem erhielten, interessanter Weise, zwei einen perfekten Kurzspieß mit Ausbuchtung zum Anfassen bei einem schien es sich augenscheinlich jedoch um ein abgebrochenes Stück eines größeren Convenience-Garnelenspießes zu handeln. Möglicherweise kam da das ‘mise en place‘ an seine Grenzen und die Küche schien improvisieren zu müssen. Trotzdem, tolle Suppe mit reichlich Einlage.
 
Gratinierte Jakobsmuscheln/Bärlauch-Risotto/Cashew-Kerne           11,50 Euronen
Das sah wirklich gut aus. Sage und schreibe vier (4!) mittelgroße Jakobsmuschel-Muskelstränge schön knusprig gratiniert und innen trotzdem noch wunderbar glasig aber nicht kalt, chapeau, das geht kaum besser. Dazu ‘al onda‘ gegartes Risotto, bissfester Kern aber ‘schlotzig‘, zusammen mit den knackigen Kaschukernen (ja, die englische Schreibweise ist verbreiteter) und der frisch-säuerlichen Sauce eine ideale Vorspeise.
 
Zwischendurch war der Service durchaus präsent, fragte und schenkte nach, wir fühlten uns eigentlich gut umsorgt. Wie eingangs erwähnt wurden nicht immer die tradierten Servicevorgaben beachtet. In Anlehnung an die schnelllebrigeren immer oberflächlicheren Zeiten, muss das Einsetzen von links und teilweises über den Tisch Anreichen der Teller wohl toleriert werden. Nach wiederum einiger Wartezeit (der eher unspektakuläre, spanische Chardonnay war fast ausgetrunken) folgten die


 
| Hauptspeisen |
 
Zwei Rumpsteak/Löwensenf/Speckbohnen/Rissolé-Kartoffeln je       20,50 Euronen
Eine ordentliche Menge auf den Punkt gegarter Buschbohnen mit leichter Specknote und leicht sautierte kleine Drillinge treffen auf ein gerade noch ausreichend dimensioniertes aber ebenso perfekt weil wunschgemäß gegartes (zweimal medium einmal medium-rare) Steak mit schmackhafter Senf-Zwiebelkruste auf süßer Malzbiersauce. >>Dem noch nicht eingedösten Leser wird (hoffentlich) nicht entgangen sein, dass zwei Steaks nur schwerlich drei unterschiedliche Garstufen aufweisen können. Hierzu mehr beim als Letzten beschriebenen Hauptgang. Bis dahin bitte noch ein wenig Geduld<< Außer dass die Kartoffeln etwas besser gebräunt und gewürzt hätten sein können und zu den Bohnen das gleichnamige Kraut eine Verbesserung³ gewesen wäre, nix zu meckern.
 
Schnitzel Wiener Art/Bratkartoffeln/Blattsalatteller                                15,- Euronen
Zwei knusprig panierte und goldgelb ausgebackene Schweinerücken-Schnitzel mit sehr weich gegarten Bratkartoffeln, wenigstens waren die enthaltenen Zwiebeln dadurch nicht verbrannt. Dazu ein in sehr säuerlichem Dressing halb ertränkter, sehr gut gemischter (Rucola, Lollo, Feld, rotstielige Sorten, Sprossen, Kirschtomaten etc.) Blattsalat. In Summe wegen der saftig-crossen Schnitzel gerade noch in Ordnung.
 
Gedünsteter Heilbutt/Trüffel/Aubergine/Rote-Beete-Stampf               24,50 Euronen
Die spannend klingende Kreation war leider nur halbherzig umgesetzt. Der Heilbutt, nicht mehr glasig, schien auch nicht wirklich saftig, ging neben den anderen Aromen leise weinend unter. Die Beilagen waren in Ordnung und besonders optisch gut umgesetzt. Wäre der Fisch glasig gegart gewesen, hätte sich Brüderchen allerdings eine größere Portion gewünscht.
 
Gebratene Kalbsleber/Röstzwiebeln/Kürbis/Teigtaschen                    ca. 18;- Euronen
Drittes Rumpsteak/Löwensenf/Speckbohnen/Rissolé-Kartoffeln           20,50 Euronen
Nun, eigentlich hatte ich mich gefreut mal wieder ein schön rosa gegartes Stück Kalbsleber zu genießen (Madame mag keine Innereien und für mich alleine…). Beim Bestellvorgang ging alles noch klar, meiner Bitte die Leber medium rare zu garen wurde mit huldvollem Kopfnicken entsprochen. Was dann kam war kurz vor Schuhsohle, komplett grau und leicht grieselig. Passender Weise machte sich zu diesem Zeitpunkt der Service rar, die Mädels waren alle irgendwo beschäftigt. Nach einiger Zeit merkte dann doch ein (erfahrenerer?) Kellner, dass etwas nicht zu stimmen schien und fragte nach. Auf meine Reklamation hin kamen sinngemäß so halbherzige Aussagen wie: Wegen der in der Leber enthaltenen Giftstoffe würde die Küche diese immer durch braten. Meine Bitte um Nachbesserung wollte er dann mit der Äußerung, dass der Service keinerlei Kontakt zur sich eine Etage höher befindlichen Küche hätte abwehren. Erst meine ketzerische Aussage, dass sie es wohl nicht hinkriegen, bewegte ihn den Teller mitzunehmen und in der Küche nachfragen zu wollen. Als er dann einige Zeit später mit einer Speisekarte in der Hand zurückkehrte, war schon klar, dass eine Bankrotterklärung folgen würde. Wiederum mit dem Hinweis auf enthaltene Toxine weigere sich die Küche Kalbsleber rosa zu garen. Ich gab auf und bestellte das Rumpsteak, siehe oben. >>Imho sind mehrere Erklärungsansätze möglich. Wenn die Leber frisch ist, enthält sie auch keine Giftstoffe, potentielle Schwermetallbelastung lässt sich mittels durchgaren nicht verringern. Also traut die Küche ihren Lieferanten nicht oder die Leber war bereits sehr abgehangen, da der Speisekartenwechsel unmittelbar bevor stand. Auch möglich wäre, dass es eine entsprechende Vorgabe des Konzerns gibt. Wie auch immer wenn solche Einschränkungen existieren, darf ich entweder das Lebensmittel nicht mehr anbieten oder muss das vorher entsprechend kommunizieren<< Diese Posse war jedenfalls unterirdisch.
 
Durch den nachgereichten Hauptgang konnten mir dann natürlich alle am Tisch beim Essen zusehen. Der Umstand, dass beim Einsetzen des Tellers die Servicedame um sofortige Kontrolle der Garstufe bat, zeigte wiederum, dass das wirkliche Problem (Kommunikation!) weder verstanden wurde, noch zukünftig mit Abhilfe zu rechnen ist. Weitere Kompensationsversuche geschahen in Form des Angebots Weißwein nachzuschenken, was vom Großteil wegen des Erhalts der Fahrerlaubnis und der eher bescheidenen Qualität des Weins kaum in Anspruch genommen wurde. Damit war dann auch der Einfallsreichtum erschöpft, beim Begleichen der Rechnung gab es immerhin noch eine halbherzige Entschuldigung.
Angesichts der vorgerückten Stunde und des mehr oder weniger vergangenen Appetits verzichteten wir auf Desserts. Für drei Flaschen (0,75L) stillen Wassers à 7,- Euronen, eine Flasche spanischen Chardonnays (28,- Euronen), drei Suppen, zwei Vorspeisen und fünf Hauptspeisen wurden 193,- Euronen fällig. Wenn alle Gerichte so gut umgesetzt wären wie das Jakobsmuschelgericht durchaus fair. Bei der heutigen Leistung allerdings völlig überzogen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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