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GastroGuide-User: DerSilberneLoeffel
hat Bratwurstglöckle in 96450 Coburg bewertet.
vor 2 Jahren
"Wenn die Vorfreude Stück für Stück in Frust umschlägt."
Verifiziert

Geschrieben am 11.02.2018 | Aktualisiert am 12.02.2018
Besucht am 10.02.2018 Besuchszeit: Abendessen 5 Personen
Am vergangenen Wochenende war ursprünglich geplant, einen Griechen im Umland zu beehren. Kurzfristig wurde umgeplant. Innerstädtisch und deutsch sollte es werden. Unterwegs waren also fünf erwachsene Menschen, die ein paar Tage vorher Plätze reserviert haben. Ganz normal, ohne besondere Vorkommnisse. Menschen, die gutes Essen ebenso zu schätzen wissen wie ein gepflegtes Bier. Für uns alle gehört ein gemütliches Umfeld zum essen in aller Ruhe dazu.

So begab es sich, dass wir uns vor dem Lokal zur vereinbarten Zeit - um 19 Uhr am Samstagabend - trafen. Und noch vor dem betreten des Lokales die erste Verwirrung: "Heute ab 21 Uhr geschlossen!". Tja. da standen wir. Mit Hunger, der Erwartung eines schönen Abends mit mehr als einem Gang und Fragezeichen in den Augen.

Wir betreten das Lokal. Plötzliche Stille von der Gruppe am Eingang rechts. Wer kennt sie nicht, die überspitzt dargestellten Situationen in Filmen, wenn die Kapelle verstummt, die Gäste die Neuankömmlinge anstarren und nach gewisser Zeit das Gemurmel wieder anhebt? Hier hat nur die Kapelle gefehlt....

Wir wurden von einer freundlichen Dame an unseren Platz geleitet. Inmitten von zig Pendeluhren, welche mit ihrem TickTickTick auf sich aufmerksam machen. In Gewölberäumen der uralten Art; es handelt sich um ein uraltes, historisches Gebäude am Rande der Altstadt von Coburg, erwartet man keine Wunder an Licht. Hier ist es schummrig, fast postapokalyptisch.

Uns wurden dann auch recht schnell die Karten ausgeteilt. Dazu möchte ich bemerken, dass ich im Internet umsonst auf der Suche nach einer Seite des Restaurants war. Gefunden habe ich dagegen, Bewertungen, die unterschiedlicher nicht sein konnten und mich in ein Wechselbad der Gefühle warfen. Auch die Suche auf Facebook war nur von einem Teilerfolg gekrönt: der Verweis auf die Internetseite führt einen toten Link auf das schon seit langer Zeit abgestellte Portal "Restaurant-Kritik". So ist eine Info nicht wirklich möglich. Und unter uns: hätte ich die aufgerufenen Preise gesehen, ich hätte ein Veto eingelegt. Bei den verzeichneten Preisen gibt es in unserer Region nur zwei Möglichkeiten: es ist entweder sehr viel auf dem Teller, dafür eher einfach gehalten. Oder es ist eine normale Portion, dafür sehr hochwertig. Die Nachlese im Internet hat mich leider Ersteres befürchten lassen.

So kam es, dass wir - man verzeihe mir die ungefähre Angabe der Preise, denn wir haben keine Teilrechnungen ausgehändigt bekommen. - wie folgt bestellt haben:

Grillteller - ca. 19 Euro
Schnitzel ala Chef - ca. 15 Euro
Cordon bleu - ca. 15 Euro
Schnitzel mit Senf-Meerrettich-Panierung - ??? €

Die Getränkepreise waren wohl das, was in Coburg momentan als touristentauglich angesehen wird.

Es hat dann einige Zeit gedauert, bis unsere Essen an den Tisch kamen. Dafür aber frisch zubereitet und - zumindest in meinem Fall - heiß.

Zuerst kam jeweils ein kleines Tablett mit den zugehörigen Beilagen. Bei mir war das ein Salat und Pommes frites.

Der Salat - exakt so, wie ich ihn mag. Rohkost, perfekt gewürzt, ich denke, bei den Karotten habe ich einen Hauch von Knoblauch gehabt. Egal, toll. Die Pommes schön knusprig, nicht zu scharf, toll.


Eines der Schnitzel mit Senf und Meerrettich. Enttäuschung bei den Damen, die das gewählt hatten. Eine Panierung, die - beide Seiten zusammengenommen - doppelt so dick war wie das Schnitzelfleisch selber. Der äußere Teil knusprig, je näher am Schnitzelfleisch, desto "matschiger". Auch die gewisse, sich von der Beschreibung in der Karte her abgeleitete und gewünschte Schärfe, die war abhanden. So begann also der Kampf gegen eine Fleisch-Panierungs-Melange, der nicht zu gewinnen war. Es "stopft" war einer der Begriffe, die fielen. Die Dame rechts neben mir klagte sodann auch über ein gehöriges Sodbrennen. Sehr gut genießbar war dagegen der Kartoffelsalat, auch der dazu gereichte Rettich, drüber waren sich alle die einig, die diesen probierten. Einhellige Meinung der zwei dieses Gericht essenden Damen: nicht mehr!

Der Grillteller für 19 Euro. Wir rufen uns in das Gedächtnis (ja, ich weiß, man SOLL nicht mehr vergleichen, aber ich mache das trotzdem, heult doch...), dass 19 Euro fast 38 DM waren. An den Tisch kamen also Waffelkartoffeln. Matschige, mal mehr, mal weniger gebräunte Kartoffeln, die im Frittieröl schwammen. Mit einem Geschmack nach ... Öl. Ungenießbar. Dies wurde der Servicedame beim abservieren auch gesagt, was mit einem Schulterzucken quittiert wurde. Extrem auffällig war das bei den Speckbohnen. Keine Ahnung wie und warum, aber auch diese schwammen im Fett. Wenn ein sehr guter Esser und Kenner der Materie vorher freiwillig aufgibt (in einem anderen Lokal haben wir uns hernach zum Dessert nieder gelassen....), dann bedeutet das nichts Gutes. Einen Tag danach hat er noch immer das Gefühl in der Magengegend, seinem Bauch nichts Gutes getan zu haben.

Das Schnitzel ala Chef meiner Begleitung bestand aus folgenden Teilen: Paniertes Schweineschnitzel, Pilzsoße, Kartoffelroesti und Salat. Salat und Rösti sehr lecker, eine tolle Sauce und ein sehr dünnes Schnitzel, welches auch hier von einer Panierung im insgesamt fast dreifachen Ausmaß in der Stärke umrahmt wurde. Auch hier war zu viel auf dem Teller. Ein oder zwei Euro weniger und dafür eine angemessene, auch ohne ausgeleiertem Magen bezwingbare Menge, wäre besser.


Mein Cordon bleu. Eigentlich nicht schlecht, ich hätte mir hier nur einen etwas kräftigeren Käse gewünscht, andere Kunden mögen es sicher lieber mild. Geschmackssache also, kein Mangel. Pommes und Salat waren perfekt, meine Panierung recht dünn und bis zum Schluss knusprig. Ich hatte also Glück. Außer: auch meine Portion war viel zu groß. Wer auf XXXL-Portionen steht, der wird hier glücklich.

Die Toiletten sind ebenso wie das Lokal ebenerdig zu erreichen. Zum Ambiente... Für Gäste, die ein Erlebnis brauchen - hervorragend. Das Lokal spricht mit seiner Gestaltung und wohl auch mit der Karte die Menschen an, die Coburg als Touristen besuchen. Und die Vielesser. Uns leider nicht, was auch daran gelegen haben kann, dass wir uns unter Zeitdruck gesetzt gefühlt hatten. Ein kleiner Hinweis am Telefon bei der Reservierung und Tage später bei der Aufstockung der Reservierung hätte dazu geführt, dass wir den Besuch um eine Woche verschoben hätten. So bleibt im Gedächtnis: heiß, fettig, ungemütlich (durch die laut tickenden und alle anders(!) gehenden, teilweise klingenden Uhren). Klar, es heißt BratwurstGLÖCKCHEN, aber übertreiben muss man es auch nicht.

Unser Fazit: Nicht mehr... Man kann es wohl lieben oder hassen, dazwischen wird es nicht viel geben.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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