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GastroGuide-User: Obacht!
hat Schützenhaus in 82467 Garmisch-Partenkirchen bewertet.
vor 5 Jahren
"Erster Test nach der Wiedereröffnung"
Verifiziert

Geschrieben am 17.11.2014
Besucht am 22.10.2014
Im Tagblatt erschien ein großer Artikel, daß das Schützenhaus endlich wieder geöffnet hat. Nach sieben Jahren Dornröschenschlaf wurde es ja auch mal Zeit! Und die Besitzer haben richtig Kohle in die Hand genommen, schlappe 750.000 Euro in die Sanierung bzw. Renovierung gesteckt und kroatische Pächter engagiert, die neben Balkan-Gerichten natürlich auch Bayrisches bieten sollen.

Keine Frage, wo Schatzl und ich heute Abend zum Essen hinfahren. Auf der Zufahrtstraße zur Wankbahn liegt das Schützenhaus linkerhand am Wanderparkplatz des Philosophenweges. Dort stellten wir das Auto ab und stiegen die paar Stufen zum neben der Terrasse befindlichen Eingang hinauf. Gut gefällt mir hier schon mal, daß an eine Rampe für Kinderwägen oder Rollstühle gedacht wurde.

Die Einrichtung des langgezogenen Gastraums würde ich im weitesten Sinne als auf modern getrimmter Landhausstil bezeichnen, dazu ein Designboden mit Holzoptik. Man betritt das Lokal auf der Schmalseite und gegenüber, am anderen Ende, ist die Theke, daneben geht’s zu den Toiletten und einem weiteren Stüberl. An der Längsseite zur Terrasse hin eine riesen Fensterfront. Ein bisserl hat der Raum seinen Bahnhofshallencharakter behalten.

Um die frühe Uhrzeit – 18 h – war wenig los, und wir setzten uns gleich rechts an einen Ecktisch. Die Speisekarten stehen schon auf dem Tisch, so daß wir Zeit hatten hineinzuschauen, bis der Kellner uns entdeckte, der sich zu unserer Überraschung als waschechter Italiener herausstellte. Wir bestellten schon mal einen Ruß (0,5 l. € 3,30) – es wird Ettaler und Bitburger Bier ausgeschenkt - und ein Spezi (0,5 l. € 3,--) und suchten uns dann was zum Essen aus.

Zweimal die Rinderkraftbrühe Flädlesuppe (€ 3,--) (da merkt man den Kroaten, sonst stünde dort Pfannkuchensuppe), Schützenhaus Pfanderl; Schweinefilet mit Champignonrahmsoße, Käsespätzle und Gemüsepfanne (€ 13,90) und Hirschedelgulasch mit Champignons, Preiselbeeren und Butterspätzle (€ 12,50) sowie einen gemischten Beilagensalat (€2,50).
Die Suppen wurden alsbald in Terrinen serviert. Mengenmäßig sehr viel, geschmacklich für mich leider ein Reinfall. Die Brühe schmeckte nicht hausgemacht und lasch, die Pfannkuchenstreifen waren total durchweicht :-( Na ja, das geht ja schon gut los.... und dann kam auch schon der Salat, obwohl ich noch am Suppe löffeln war.

Neben Karotten, Radi, Blattsalaten und ein paar weichen Tomaten, fanden sich auch ungeschälte Gurkenscheiben, Sprossen und Zwiebelringe; das Joghurtdressing war geschmacklich unauffällig. Ich war froh über den Salzstreuer.

Das Hirschedelgulasch kam wie gewünscht ohne Champignons, die Spätzle dankenswerterweise in einem separaten Schüsselchen. Die Soße sah zwar sehr dunkel aus, erwies sich aber als ausgesprochen schmackhaft und kräftig. Das Fleisch war durchwachsen - im wahrsten Sinne des Wortes. Einige Stücke zergingen im Mund, so zart waren sie, andere waren so zäh, daß man sie kaum kauen konnte. Die Spätzle – als Butterspätzle angekündigt – hatten definitiv keine Butter geschweige denn eine Pfanne gesehen, sondern kamen frisch aus dem Wassertopf. Zwar gut abgetropft, aber völlig geschmacklos. Wieder war der Salzstreuer mein bester Freund.
Ich gebe 3 Sterne für das Essen, weil Schatzl sehr zufrieden war mit seinem Pfanderl, das aus lauter frischen Zutaten bestand. Allerdings mutmaßte auch er, daß der Koch nicht verliebt sei.

Die Portionen waren recht groß, wir ließen deshalb einen Nachtisch aus. Stattdessen gab es noch einen Espresso (€ 2,--), der von solider Qualität war.

Für den sympathischen, kommunikativen Kellner gebe ich 4 Sterne, sein Kollege auf der anderen Gastraumseite fiel mir da schon unangenehmer auf. Wobei ich sogar davon ausgehe, daß dies der Chef war, weil er sich neben der Theke einen Tisch als Büro hergerichtet hatte. So betraten z. B. neue Gäste den Raum, durchschritten diesen komplett bis sie vor ihm standen, erst dann hielt er es für nötig, aufzustehen. Wirkt irgendwie nicht sehr gastfreundlich. Und dann hätte es sich auch gehört, mal bei den belegten Tischen vorbeizuschauen und die Gäste zu begrüßen.

Fazit: Ich werde wiederkommen und dem Schützenhaus eine zweite Chance geben, heute hat mich die Küche nicht überzeugt. Es lockt der hausgemachte Kaiserschmarrn, den werde ich mir nach einer Wanderung gönnen.
*
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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