"Das "MENMO" stellte sich auch für mich als kulinarisches Juwel mit köstlicher, kreativer, vietnamesisch-basierter Küche für einen fairen Preis heraus, auch wenn der Service etwas irritierte."
Geschrieben am 04.09.2026 2026-09-04
MENMO
€-€€€
Restaurant
494018039727
Mühlenkamp 54, 22303 Hamburg
"Erneutes Aus für den Holzwurm"
Geschrieben am 03.09.2026 2026-09-03
Holzwurm | Kultkneipe
€-€€€
Bar, Kneipe, Imbiss
01712737777
Hafnermarkt 11, 91710 Gunzenhausen
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Umso überraschender ist es dabei, wohl selbst für Einheimische, dass heuer ein bereits seit Sommer 2024 geöffnetes Lokal viel Aufsehen unter den "Foodies" erzeugt. Verstärkt wird die Verwunderung noch dadurch, dass es auch gar kein designierter Anwärter auf neue Michelin-Weihen oder ein bereits berühmter Koch ist, den es in die Hansestadt gezogen hat, noch ist es ein innovatives "Gastro-Start-Up".
In vieler Munde ist hingegen das unscheinbare, asiatisch ausgelegte Restaurant "MENMO", welches sich nur ein paar Häuserblöcke entfernt vom nördlichen Ende der Außenalster im Stadtteil Winterhude befindet.
Ob es vielleicht ein kleiner Fingerzeig des Schicksals ist, dass sich in diesem Ecklokal im weiß gestrichenen Hause vormals das Sternerestaurant "Trüffelschwein" befand? Hinter dem "MENMO", dessen Name in güldenen Lettern auf schwarzem Hintergrund über dem Glastür-Eingang thront, verbirgt sich das junge, aus Vietnam stammende Paar aus dem Koch Phuc Cao und seiner Frau Nguyen Uyen. Mit Blick auf ihre Website versprechen sie dort, mit ihrem Restaurant einen "Hotspot für fine vietnamesische Küche" in Hamburg geschaffen zu haben, in dem das Angebot nicht nur aus "gebratenen Reis oder Sommerrollen" bestehen soll, sondern stattdessen der Gast mithilfe der "Kunst der Fermentation" und den daraus resultierenden "Gerichten mit intensiven, vielschichtigen Umami-Aromen" begeistert werden soll.
Zusammen mit den eingangs erwähnten Empfehlungen waren das also mehr als genug Gründe, mit Vorfreude einen Besuch in Hamburg an diesem Dienstag im September direkt mit einem Abstecher in das Restaurant zur späten Mittagszeit zu verbinden.
Was dekorativ von außen schlicht und unaufgeregt erscheint, überzeugt schon bei den ersten Schritten und Blicken im Innenbereich mit einer Eleganz, die man wahrlich mehr mit "fine" als mit 08/15-Asia-Restaurants verbindet. Stimmig passen die weinrot gestrichenen Wänden mit den in gleichem Farbton gepolsterten Holzstühlen zusammen und auch die hellen Tischplatten und dem grau gefliesten Boden sorgen für eine schöne Grundgestaltung des Innenbereiches. Empfangen wird man dabei gegenüber dem Eingang sogleich mit einer Bar, während sich der Gastbereich dann zu dessen beiden Seiten verteilt. Als Raumtrennende Elemente hat man ebenfalls dunkel gestrichene Regale mit allerhand Weinflaschen und Einmachgläsern der Fermente bestückte Regale platziert, um ein "Hallen-Gefühl" und die damit auch sich verstärkende Akustik zu verhindern. Zusätzlich zu den mit Sitzpolstern und Rückenlehnen versehenen Stühlen, die guten Komfort boten, gibt es auch eine gleichermaßen gepolsterte Wandbank.
Elegante Vorhänge, eine kleine Blumenvasen und auf jedem Tisch und die ballonartig mit Stoff bezogenen Deckenlampen komplettieren das für mein Empfinden gelungene Ambiente, dass wirklich sich in dieser Qualität wirklich eindeutig von dem eines "08/15-Asia-Palastes" abhebt und damit im Einklang zur kolportierten "fine vietnamesischen Küche" steht.
Selbst auf einige Tische im Freien muss man nicht verzichten, die sich erfreulicherweise zudem nicht direkt auf dem Bürgersteig, sondern von einer kleinen Mauer umrandet sind.
Als ich gegen 17:15 Uhr an diesem Donnerstag in das Restaurant eintrat war es in dieser Zeit zwischen Mittag und Abend noch leer. Trotzdem wurde ich sogleich freundlich von einer jungen Dame (evtl. der Besitzerin?) begrüßt und zu meinem kleinen, reservierten Tisch gebracht. In der Folge kam es bei der Bestellung erst zu etwas Verwirrung, da sie mich schon im Vorfeld auf meine Speisen über die Karte im Internet festgelegt hatte und sie mir aber auch andere Speisen schmackhaft machen wollte. Das ließ sich aber gut klären, auch wenn es zugegebenermaßen doch einen sehr unangenehmen Auftakt bedeutete und nicht recht offenherzig, sondern leicht belehrend daherkam, was doch nicht unerwähnt bleiben kann. Im weiteren Verlauf meines Besuches wiederholte sich dieser Ersteindruck zum Glück nicht, doch so ganz mit offenen Armen willkommen wie schon so oft in anderen Restaurants fühlte ich mich nicht so ganz.
Nun aber zum Hauptantreiber meiner Neugier am "MENMO": natürlich der Kulinarik. Wie bereits geschildert, wird hier zwar eine vietnamesisch ausgerichtete Cuisine geboten, doch schon der Blick auf Speisekarte zeigt, dass man sich dabei sowohl abseits von festen Traditionsgerichten, als auch einem möglichst günstigen und aufgeblähten Angebot bewegen möchte. Auch hier verdeutlicht ein Zitat der Betreiber von ihrer eigenen Website am besten, worauf man sich bei den Gerichten freuen darf: "Wir lieben es, mit neuen Zutaten zu experimentieren und gleichzeitig unseren vietnamesischen Wurzeln treu zu bleiben.". Hohe Kreativität und Anspruch an die Qualität der Gerichte zeigt sich deshalb auch bereits beim Umfang der Speisekarte, welche auf eine DIN-A4-Seite passt.
Man unterteilt dabei in "Starter" mit 8 Speisen, sowie 5 Hauptgerichte und 2 Optionen zum Dessert. Preislich kündigt sich dabei der erhoffte Anspruch an geschmackliche Abstimmung, Zubereitung und Produktqualität vor allem im Vergleich zum aktuell üblichen Preisniveau in Restaurants definitiv nicht an. So bewegen sich die Vorspeise im Bereich von 10 - 16 € und selbst die Hauptgerichte schreiten nicht über 32 € hinaus. Lediglich beim Wagyu kann man es "krachen" lassen, da hier pro 100 g berechtigte 25 € aufgerufen werden. Bei den Desserts ist man aber schon wieder mit 9 € erstaunlich günstig unterwegs
Zudem kann man sich auch bei zusätzlichen Beilagen zwischen 3 Möglichkeiten wählen, was obligatorischer Reis, aber Kartoffel Pavê und Fladenbrot sein kann und ebenfalls nicht mehr als 3 - 5 € kostet.
Positiv sei in dieser preislichen Hinsicht auch noch zu erwähnen, dass das Restaurant zu seinen frühen Öffnungszeiten von 11:30 - 16:30 eine Mittagskarte anbietet. Für unisono 12 € werden dabei aber dann doch typischere, schnellere Mittagsgerichte mit klassischer Sättigungsbeilage (Reis, Nudeln) angeboten, was sicherlich nicht mit der Ausgefeiltheit der Abendkarte vergleichbar ist. Diese ist aber nur am Wochenende auch bereits ab 12 Uhr verfügbar.
Alle Speisen stehen häufig mit einer kreativen bzw. mit einem Augenzwinkern gewählten Überschrift auf der Karte und werden darunter in ihren Hauptkomponenten benannt. Ein weiterer klarer Unterschied zu einem asiatischen Restaurant der breiten Masse. So kommt man rein von diesen Titeln her auch nicht zwangsläufig darauf, dass hier eine durchgehend asiatisch und im Speziellen vietnamesisch fundierte Geschmacksausrichtung dahintersteckt. "Thinh n Talk" (sic) steht dabei z.B. Für ein Austernpilz-Tempura mit Malzessig, Shiso und Thinh, was eine geröstete Reiszubereitung ist. "Ich hab doch Hunger!" vereint "Fried Chicken | Chili-Crisp | Viet. Limetten-Kräuter | Teriyaki | Pickles" unter sich. Auch auf der Seite der Hauptgerichte laden die Titel zum Schmunzeln ein, wie z.B. beim Fischgericht "Childhood Menmories" mit "Catch-of-the-day Fisch | XO-Soße | Saisonales Gemüse | Reis". Auch hier werden Vegetarier nicht vernachlässigt mit einem "Veggie Wellington", bestehen aus "Rettich | Blätterteig | Shiitake | Kokoscreme". Die Aufmachung der Karte und Zusammensetzung der Speisen sollte also dann doch jedem Gast klar machen, dass er hier nicht die Nr. 32 süß-sauer vorfindet, sondern sich in der Qual der Wahl vieler kreativ und neuartig daherkommender Speisen verlieren darf, was ich persönlich mit größter Freude ebenfalls immer mache und auch suche.
So entschied ich mich also mit viel Freude für folgende Vorspeise und das daran anschließendes Hauptgericht.
Für den Einstieg belief sich meine Wahl auf eine Speise mit Meeresbezug, nämlich dem erneut umschreibend betitelten "So Deep" für 24 €, wobei es sich um handgetauchte norwegische Jakobsmuscheln im Muschelsud mit Feigenblatt und Zucchiniblüten handelte.
Schon das erste Stück von der Muschel zeigte, dass hier wirklich mit viel Anspruch und Präzision in der Küche gearbeitet wird. Ein makelloses Produkt wurde hier perfekt glasig und doch mit schön gerösteter Oberfläche präsentiert. Der Sud fügte mit seinem ätherisch und zitrisch-säuerlichen Aroma wahrlich etwas geschmacklich Besonderes zur Muschel hinzu. Doch bei diesen weichen Konsistenzen wurde der Biss keineswegs vernachlässigt, was in einer ebenso tollen Qualität die Baby-Zucchini samt Blüten übernahmen. Dieser Einstieg machte definitiv Freude auf mehr.
Bei den Hauptspeisen hat sich das "MENMO" in den Gästekreisen mit seiner Entenbrust bereits sozusagen einen Namen gemacht, die hier in außerordentlich guter Qualität geboten werden soll. So war es auch für mich keine schwere Entscheidung, diesem Ruf der "Duck n Go" für 32 € zu folgen, bei der eine "dry aged Entenbrust" von saisonalem Gemüse und Kartoffel Pavê begleitet und geschmacklich mit dem vietnamesischen Bergpfeffer "M?c Khén" kombiniert wird.
Schon der Anblick dieser Entenbrust ließ meinen Gaumen frohlocken und sorgte für eine innerliches „Wow!“. Glänzend, als käme sie von der KI zeigte doch der erste Biss, dass das einfach hochqualitative Realität ist. Die Haut so knusprig und doch besonders dünn, sodass sich zusammen mit dem saftig-zarten Fleisch in keinster Weise der häufig bei dieser asiatischen Speise gefühlte Fett-Overload im Mund ergab.
Doch damit der geschmacklichen Wolke nicht genug, denn die Sauce stand in ihrer Tiefgründigkeit einer französischen Gourmet-Klassik in nichts nach.
Apropos perfekt und knusprig. Hier kann man die zwei Stücke der Kartoffel Pave wohl nur als exzellentes Erdäpfel-Croissant bezeichnen. Herrlich rösch an der Oberfläche und dank unzähligen Schichten im fast schon Kartoffelpüree-artig cremig.
Als saisonales Gemüse kam Stängelbrokkoli zum Einsatz, der, wie schon die Zucchini meiner Vorspeise, ebenfalls in perfekt knackig gegart und von toller Frische die Freude an der Ente unterstützte.
In allen Komponenten und auch als gesamtes Gericht kann ich das einfach nur als Meisterwerk bezeichnen, das in Erinnerung bleibt.
Somit kann ich meine erste Erfahrung zum "MENMO" also folgendermaßen zusammenfassen.
Die Einrichtung versprüht mit der Qualität der Möbel und der abgestimmten Farbgestaltung, sowie dem Verzicht auf asiatische Folklore-Dekoration eine sehr feine und angenehme Atmosphäre. Dies unterstützt nicht nur den Wohlfühlcharakter, sondern auch den klaren Anspruch, nicht schon im Vorhinein als panasiatisches Allerwelts-Asia-Restaurant angesehen zu werden.
Der für mich aber größte Anziehungspunkt des Restaurants ist definitiv die gebotene, vietnamesisch inspirierte Cuisine, die hier mit viel Anspruch an Qualität, geschmacklicher Komposition und auch Kreativität geboten wird. Vor allem das Gericht um die Ente könnte ich mir ad hoc nicht besser ausmalen, doch auch bei der Jakobsmuschel zur Vorspeise stimmte alles.
Setzt man also diese kompositorische und handwerkliche Qualität mit den Preisen ins Verhältnis, die voll im Durchschnitt der "breiten Masse" an Abendrestaurants liegen, so ist das einfach als außergewöhnlich und phänomenal zu bezeichnen.
Trotzdem kann ich abschließend beim Service nicht die unangenehme Situation am Anfang verschweigen, bei der man auf meine bereits im Vorhinein getroffene Speisenwahl überraschend nicht fröhlich, sondern fast schon etwas belehrend reagiert hat. Auch wenn sich so eine Situation im weiteren Verlaufe nicht wiederholte, spricht es doch nicht für ein entspannt gastliches Gemüt, so sehr über das eigene Menü zu belehren.
Das "MENMO" präsentierte sich mit einer kreativen, köstlichen Kulinarik auf einem geradezu günstigen Preisniveau also wahrlich als ein perfekter Ort für Genussfreunde mit Vorlieben für asiatische Aromen. Dort stimme ich also gerne in die Lobeshymnen mit ein und hoffe aber, dass der angespannte Service-Auftakt vielleicht nur ein Missverständnis und nicht die zu erwartende Regel war.