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GastroGuide-User: Gernundgut
hat Silicium in 56203 Höhr-Grenzhausen bewertet.
vor 5 Jahren
"Interessantes Gebäude, aber sonst ..."

Geschrieben am 23.01.2015
Besucht am 01.10.2013
Industriebrache (alte Keramikfabrik) umgebaut zum Hotel/Restaurant – von außen trist und grau. Nur der Eingangsbereich macht ein wenig mehr her durch mehr Glas und die vorgesetzte Außenbewirtung. Wenige Parkplätze vor dem Haus, ca. 100m entfernt weitere Parkgelegenheiten.

Warum sollte man dieses Haus besuchen?

Wenn man sich dafür interessiert, wie ein solcher Umbau stimmig gehandelt wurde? Hat man nicht.
Um im Restaurant zu essen? Muss man nicht.

Kronleuchter im sonstigen Modern Look mit viel Metall, kahlem Beton und Kunststoff passen für mich nicht zusammen, aber muss auch nicht – ist sich Geschmackssache, da will ich nicht streiten. Auch nicht über Art und Farbe der Vorhänge, die den Raum unnötig verdunkeln. Geschmackssache – abgehakt.

Ein Zweiertisch am Fenster – als einziger Gast kein Problem. Eine (von 2) weibliche Servicekraft brachte die Karte.

Die erste Enttäuschung war die Frage (eine Getränkekarte war nicht dabei) nach einem trockenen Riesling von der Mosel. Fehlanzeige, aber ein solcher vom Rhein war im Programm, ohne dass das Weingut genannt wurde. Probieren geht über … (Preis noch unbekannt).

Die zweite Enttäuschung: von den Gerichten in gedruckter Version war etwa die Hälfte anders als in der Speisekarte laut Internet. Aktualität sieht anders aus! Und natürlich fehlten genau die Gerichte, für die ich mich eigentlich vorab entschieden hatte.
Mein zweiter Name ist nicht Kaninchen, daher entfiel die Hälfte des angebotenen Programms. Die Suche hätte wahrscheinlich mit Rumpsteak und Grünzeug geendet, hätte ich nicht gegen Ende das täglich frische Mittagsgericht mit/ohne Suppe gesichtet, keine Empfehlung vom Service, kein Hinweis auf einer Tafel, … .

„Was ist das denn heute?“ - „Gefüllte Teigtaschen mit Gorgonzola auf (nicht mit) Tomaten-Zwiebelchutney“ war die etwas undeutliche Antwort.

„Und die Suppe?“ - „Weiß ich nicht, muss fragen“ oder so ähnlich kam als Antwort. Es sollte nach geschätzten 2-mal 20m eine „Rinderkraftbrühe mit … klößchen" sein. Klang nicht schlimm, gewählt.

Der Wein war inzwischen angekommen, auch nicht schlimm, aber auch nicht überwältigend gut. Irgendwie kam mir da just der Gedanke, „aber bestimmt teuer“, aufgrund des Wegegeldes. (Die Erhöhung der Fahrpreise bei der Bahn ist sicher auch gerechtfertigt, da jeder Fahrgast wesentlich länger gefahren ist als er bezahlt hat).

Dritte Enttäuschung, als die Suppe kam, die war nicht mehr so richtig heiß. Klar, bei dem Anmarschweg. Klarer, wenn man den nicht vorgewärmten Kühlkörper eines riesigen Tellerrands mit kleiner Vertiefung für die Suppe physikalisch richtig interpretiert. Leider nicht heiß, geschmacklich in Ordnung, eigentlich das Beste am Essen. Ausgenommen das erst auf Nachfrage gebrachte Körbchen mit Brot, nur das Baguette war richtig frisch.

Meine Aufmerksamkeit wurde urplötzlich von den wilden Gesten einer Lady in Black beim Front Cooking in Anspruch genommen, die durch heftiges Beschleunigen einer Plastikflasche mit Tomatenmatsch deren Inhalt in irgendein Becken zu befördern suchte. Erst nach totalem Entleeren der knisternden Flasche schien sie zufrieden, nahm einen Löffel und begann zu rühren.

Vierte Enttäuschung: das fiel mir erst wieder ein, als ich beim Hauptgang auf den Boden der schrägen Schüssel kam, zu einer dünnen, scharfen, sehr sauren Brühe.

Die obere Schicht der gedünsteten Tomaten und Zwiebeln war noch ok gewesen, dieser saure Untergrund für mich nicht (böse Flasche?). Die Teigtaschen sollten der Beschreibung nach etwas mit Gorgonzola zu tun haben, hatten sie für mich nicht, waren eher trocken bzw. sogar teilweise ohne jede Füllung.

Beim Abräumen der noch mit Brühe und Tomatenstücken gefüllten Schlüssel erwähnte ich auf die Standardfrage, dass ich so eine saure Brühe nicht essen könne. Das blieb ohne Reaktion (aufgrund der Deutschkenntnisse?).

Immerhin kam diese Servicekraft nach dem Abräumen noch einmal wieder und fragte etwas mit Kaffee, was ich verneinte und um die Rechnung bat.

Also wieder weg, wieder her mit mit Rechnung, wieder weg mit Geld, wieder her mit Wechselgeld, da sollte man vielleicht die Organisationsabläufe anders strukturieren (siehe auch fehlende Information über das Tagesgericht).

Das Fazit: die Rechnung belief sich auf 17,40€ (gerundet auf 18€ als Zuschuss zur Sohlenerneuerung), darin 4,90€ für einen bestenfalls mittelklassigen offenen Wein 0,2l im Glas, in summa nicht überzeugendem Essen, unrealistischem PLV und Krümel auf dem Boden, Staub auf den Heizkörperthermostaten … .

Laut meinem Intro: ich war heute zweimal dagewesen.

PS. Da werden auch Kochkurse in dieser Location angeboten.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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