Pfaffenberg
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Pfaffenberger Weg 284, 42659 Solingen
Restaurant Bistro Cafe Ausflugsziel
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GastroGuide-User: Obacht!
hat Pfaffenberg in 42659 Solingen bewertet.
vor 5 Jahren
"Kulinarische Köstlichkeiten in Vollendung - und das Ambiente bietet einen würdigen Rahmen für einen zauberhaften Abend"
Verifiziert

Geschrieben am 15.11.2015 | Aktualisiert am 15.11.2015
Besucht am 13.11.2015
Zweimal im Jahr pauke ich mit mäßigem Erfolg hochdeutsche Vokabeln und verlasse mein bayrisches Bergdorf –dieses Mal wieder in Begleitung Schatzls - in Richtung kulinarisches Bermuda-Dreieck Solingen-Wuppertal-Dortmund.

Liebgewonnene Freunde, kennengelernt durch ein längst entschwundenes Bewertungsportal, treffen sich regelmäßig zum Gedankenaustausch und schlemmen. Dieses Mal fiel die Wahl hierfür auf den Pfaffenberg, versprach doch sowohl Shaneymacs verheißungsvolle Rezension vom April d. J. als auch ein Blick auf die HP einen genußvollen Abend.

Wir wären auch pünktlich eingetroffen, hätte Schatzl beim Programmieren des Navis nicht eine Zahl in der Hausnummer weggelassen und wir dadurch etwas irritiert vor einem unbeleuchteten Wohnhaus landeten. Tante Google half uns aus der Patsche, und mit etwas Verspätung konnten wir unser Schnauferl direkt vor dem Eingang des Restaurants parken.

Stilvoll der Eingang, lässige Eleganz hervorgerufen durch klare Farb- und Materialwahl, unterstützt durch gekonntes Lichtspiel, im Inneren. An dem für uns vorgesehenen Tisch saßen natürlich schon alle und warteten auf uns. First, Shaneymac und sein Weindealer Thomas auf der einen, Siebecko und Uteester auf der anderen Seite. Nach einer herzlichen Begrüßung setzten wir uns auf die freien Plätze und ließen uns von  Herrn Schmid - der mich im Laufe des Abends nicht nur durch sein unauffällig aufmerksames Agieren überzeugte, sondern vor allem durch seine kompetente Weinkenntnis begeisterte – die Karten reichen.

In der Speisekarte findet man neben dem Menü -zu welchem eine passende Weinbegleitung angeboten wird -  und den À-la-carte-Gerichten auch Aperitif-Vorschläge und offene Weine. So gönnte ich mir aus dem Gebotenem ein Glas Cremant de Loire Brut Rosé (€ 8,--). Für mein Empfinden war der Cremant nicht kalt genug, liebe ich es doch, wenn das Glas beschlägt. Davon konnte keine Rede sein. Dafür war das Mineralwasser kalt genug, obwohl es nicht im Kühler stand.

Brot kann eine Köstlichkeit sein, wenn es so wie hier frisch, selbst gebacken und leicht duftend in viererlei Variationen zur Auswahl gereicht wird. Dazu auf einem länglichen Teller Currybutter, Basilikum-Pesto-Butter sowie gesalzene Butter. Mit letzterer hätte man ohne Probleme einen Nagel in die Wand schlagen können, so hart war sie. Soll sich doch First oder Schatzl damit herumplagen, ich genieße die wunderbare Basilikumbutter, obwohl ich die Curryalternative auch nicht verschmähte.

Amuse gueule: Was sich da so appetitlich in einem Schüsselchen vor mir räkelte, enträtselte Herr Schmid als geschabtes Knochenfleisch vom Rippchen mit Röstzwiebeln, Romasalat und BBQ Sauce. Genauso gehört sich so ein Gruß. Er kitzelt den Gaumen, regt die Phantasie an und erhöht die Vorfreude.

Ach wie schön – es folgt Gruß Nummer 2: Frühlingsrolle gefüllt mit Thunfisch auf Gurken-Lauch-Salat, ergänzt durch einen Klecks Soja und Limone.  Hier gefällt mir besonders gut, wie schlüssig sich die einzelnen Komponenten zu einem eindrucksvollen Geschmackserlebnis zusammenfügen.

Unsere Runde hatte die Speisen sehr unterschiedlich gewählt: à la carte für Siebecko, Uteester und mich, 7-Gang Menü für Shaneymac und Thomas und als 4-Gang für Schatzl und First. Es spricht für die Güte des Service, daß wir gefragt wurden, wie wir die Speisen serviert haben möchten, damit es für keinen zu längeren Pausen kommt. Eines möchte ich an dieser Stelle anfügen, was mein Bedauern hervorrief. Muß es wirklich sein, daß man Gänsestopfleber anbietet? Da zahle ich lieber einen Euro mehr und weiß, daß das Tier nicht gelitten hat.

Die Vorspeise: Ich freute mich auf gebeizten und geräucherten Wildschweinrücken mit marinierter bunter Beete, geröstetem Pumpernickel und Feldsalat (€ 16,50). Dazu hätte ich gerne einen passenden Rotwein. Dank Herrn Schmids Ausführungen entschied ich mich für einen kräftigen Franzosen von der Rhône, der auch anschließend den Hauptgang vollmundig unterstützte. Auf der Rechnung schlug das großzügig eingeschenkte 0,1 l. Glas mit € 4,50 zu Buche.

Der Reiz dieser Vorspeise lag darin, daß die Süße und Frische der Beete eine Steigerung in dem rettichartigen Chips fand, und das Bodenständige des Feldsalats den zarten Wildschweingeschmack unterstützte. Nicht zu vergessen die bunte Augenweide, die die Küche da kunstvoll angerichtet hatte.

Brot und Butter wurde stets nachgereicht, sodaß sozusagen niemand auf dem Trockenen saß, während Shaneymac und Thomas ständig am Futtern waren :-)


War meine Vorspeise schon köstlich gewesen, ahnte ich nicht im entferntesten, welche Steigerung ich sodann im Hauptgang erfahren durfte: Zweierlei vom Hirschkalb; sanft gegarter Rücken und Bolognese mit Rosenkohlblättern, Sellerie, gebratene Schupfnudeln und Preiselbeerjus (€ 32,50). Wunderbar zart und rosa der Rücken, geschickt intensiv der ungewöhnliche Bolognese-Geschmack, leicht süß dazu die gezupften Rosenkohlblätter und der Sellerie, perfekt die dünnen Schupfnudelchen – eine Granate aber die in einer Saucière gereichte Jus. Auf der Zunge zergehen lassen und der ganze Fülle dessen, was der Wald zu bieten hat, nachschmecken. Chapeau! Das geht nicht besser.

Besser nicht, aber anders: Sao Thomé Schokolade 70 % mit Haselnußkrokant, Nougat und Glühweineis (€ 12,50). Einzigartig klar im Ausdruck der Glühweingeschmack des Eises. Mein weiches Herz kämpfte gegen meine egoistische Gier, aber schlußendlich bot ich den anderen doch an, davon zu kosten und sich von diesem hinreißendem Meisterstück zu überzeugen. Da trat die federleichte  Nougatschnitte doch tatsächlich etwas in den Hintergrund, obwohl sie jede Würdigung verdient gehabt hätte.

Zum Kaffee bzw. Digestif wurden dann noch kleine Leckereien aus der Pâtisserie gereicht. Bis auf einen ausgesprochen trockenen Keks alles sehr fein.

Leider mußten Siebecko und Uteester uns schon vor dem Dessert verlassen, lag doch eine lange Autofahrt nach Hause vor ihnen. So erlebten sie es nicht mehr, wie nach dem Essen Dominic Gerberding an unseren Tisch trat. Seines Zeichens nicht nur Betriebsleiter sondern auch Herr über die Töpfe, Pfannen mit deren Inhalt.

Die von Shaneymac in Vertretung Uteesters angebrachte Kritik, daß die Panade des von Uteesters bestellten Wiener Schnitzel leider völlig mißraten und nicht im entferntesten mit der fluffigen Lockerheit des Originals zu tun gehabt hatte, nahm Herr Gerberding mit dem nötigen Ernst entgegen.  Mit Lob kann jeder umgehen, wenn man allerdings von fünf aufmerksamen Augenpaaren gemustert wird und sich so einer Kritik stellen muß, dann ist das nicht leicht, und ich erlöste Herrn Gerberding, indem ich zurecht von den großartigen Saucen und dem unverschämt guten Glühweineis schwärmte. Herr G. ist eh nicht ein Ausbund an Fröhlichkeit, aber sein ernstes Gesicht hellte sich dann doch etwas auf. Klar seine Vorstellung, wie er den Pfaffenberg positionieren möchte, und sein Ausblick ins kommende Jahr, wo im Garten eigenes  Gemüse u. a. für ein Veggie-Menü angebaut wird, bestärkten mein Gefühl, das ich schon während des Essens hatte. Frische und hochwertige Produkte sowie ein feines Händchen für Geschmackskombinationen stehen hier im Vordergrund.

Fazit: Ich habe absichtlich nur meine Eindrücke geschildert und resultiere meine Höchstbewertung ausschließlich aus den von mir gewählten Speisen. Shaneymac hat versprochen, auch eine seiner legendären Rezensionen zu verfassen und dadurch den Abend für den interessierten Leser abzurunden.

Anfügen möchte ich noch, daß ich besonders das PLV als top ansehe. Da habe ich anderswo schon weit mehr gezahlt und nichts vergleichbares serviert bekommen.

Und zu allerletzt: es war ein großartiger Abend, sowohl kulinarisch als aber auch durch die wundervollen Menschen, mit denen Schatzl und ich ein paar Stunden verbringen durften. Jeder in seiner Art einzigartig und liebenswert. Dazu bot der Pfaffenberg genau den richtigen Rahmen!
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DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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