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GastroGuide-User: Gernundgut
hat Hotel Heinz in 56203 Höhr-Grenzhausen bewertet.
vor 5 Jahren
"Hotel-Restaurant Heinz mit all seinen verschiedenen Räumen - wann gelingt die konstante Leistung von Küche und Service?"

Geschrieben am 01.02.2015
Besucht am 31.01.2014
Alle (paar) Jahre wieder besuche ich mal das Kurhotel in Höhr-Grenzhausen, dessen kulinarische Entwicklung ich seit urigen Zeiten begleite. Damals noch in ordentlicher gutbürgerlicher Qualität über die ersten, m.E. misslungenen Versuche in der gehobenen Küche.

In den letzten Jahren stand man bei jedem Besuch vor irgend einer Neuerung auf dem weiträumigen Gelände, so auch dieses Mal mit einem wintergartenähnlichen Vorbau und seit Fertigstellung der Umgehungsstraße mit der festungsähnlichen Umfassung des Gesamtkomplexes durch gewaltige Felsstücke.

Eine (gut beschilderte) Abfahrt von der Umgehung führt nun auf schnellem Weg von der Autobahn zu dem dem Hotel- und Restaurantkomplex gegenüberliegenden Riesenparkplatz. Der Blick von der neu angelegten Außenterrasse erstreckt sich über die ganze Stadt. Wie sich die unterhalb liegende Umgehungsstraße lärmmäßig auswirkt, habe ich noch nicht getestet.

Auch hat es mich heute nicht interessiert, wie sich diese neue Räumlichkeit nennt, denn die Speisen kommen aus einer Küche. Jeden Raum als eigenes Restaurant bei RK auftauchen zu lassen, halte ich für überzogen und kontraproduktiv.

Ambiente „Wintergarten“:
Wenn man den richtigen Eingang zum Essbereich (linkshalten) gefunden hat, steht man bald vor einer Serviceinsel. Von dort wird man dann zu einem freien Platz geleitet. Um kurz vor 13 Uhr war sogar die freie Platzwahl im „Wintergarten“ möglich, einem hellen Raum durch 2 Seiten bodentiefer Fenstertüren in Grau mit Lichtkuppel und überdimensionalem Kronleuchter. Stimmiges Ambiente, etwas hellhörig trotz dicken Teppichen, dezente Unterhaltungsmusik.

Service:
Alle Servicekräfte (überwiegend jung und weiblich) trugen Weiß, Grau und Schwarz mit langen grauen Schürzen. Viele von ihnen machten durch ihr Verhalten den Eindruck von Auszubildenden, keine klaren Ansagen, was serviert wird, kein Setzen von Prioritäten, der Auftritt wirkte häufig eher planlos. Bei Aushändigung der übersichtlichen Karte die direkte Frage nach dem Getränkewunsch, obwohl nicht einmal in dieser Karte ein Wein angeboten wurde.

Verschiedene Kräfte wirkten an einem Tisch, das geschulte Auge eines Restaurantleiters fehlte. Ebenso habe ich eine Grundfreundlichkeit vermisst, die Verhaltensweisen wirkten aufgesetzt, als Gast umsorgt fühlte ich mich in keinster Weise. Der negative Höhepunkt war der Bezahlvorgang, der sich über fast 20 Minuten hinzog, angemahnt werden musste und danach weitere fast 10 Minuten sich hinzog.

Essen:
Nahtloser Anschluss an den Service: ein Körbchen mit verschiedenen Brotsorten und (ja, schon wieder, wenig kreativ) einem Schälchen Frischkäse wurde gleichzeitig mit einem Gruß aus der Küche serviert. Das war ein Schälchen mit eingelegten Käsewürfeln und Cherrytomatenachteln in einem Essig-Balsamico-Dressing, nur leicht peppig, zu kalt.

Die Getränkeverhandlungen mündlich hatten einen trockenen Riesling von der Mosel (WG Kallfelz) als Ergebnis gehabt, der richtig temperiert in der Karaffe serviert wurde, trinkbar, aber nicht behaltenswert, 4,50 € für 0,2l.

Dem Meerrettich war in der Karte sogar ein eigener Auftritt gewidmet, sogar mit eigenem Menü. Aus der Standardkarte hatte mich der Meerrettichcappuccino mit Rote-Bete-Chips angelacht, 5,50 €. Der wurde im Glas auf einem länglichen Teller serviert. Obenauf eine Art Meerrettichsahne mit den Chips als Deko, darunter richtig heiß der Rest der Suppe. Geschmacksmäßig dezent Meerrettich, nicht zu sahnig, wiederholungsbedürftig.

Nach einem Empfang hungermäßig gedämpft, hatte ich nur eine Vorspeise gewählt, Garnelencocktail mit Meerrettichsoße, 10,50 €. Diese Vorspeise bestand aus einem Schälchen Garnelen in dezent würziger Soße auf einem Teller mit 2 gebutterten Toastdreiecken und einem dünnen Häufchen Salat ohne jegliches Dressing, dafür mit einem fast gefrorenen gespritzten Butterklecks. Da der Toast bereits wohlschmeckend gebuttert war, erschloss sich mir der Sinn dieser Butter nicht, zwar mit gutem Geschmack , aber wegen der Konsistenz erst gegen Ende mit dem Rest des Vorbrotes nutzbar (am Nebentisch ganz zurückgehend, da anscheinend unkaputtbar).
Diese Tendenz bei einem mehrgängigen Menü deckt sich mit meinem Vorbesuch. Nach einem fulminanten Auftakt durch eine Suppe ließ die Küchenleistung über Zwischengericht bis zum Hauptgang zusehends nach, damit ging die Entwicklung des PLV stimmig einher.

Trotz positiver Entwicklung bleibt mein Fazit: das Bessere ist der Feind des Guten, an konstanter Leistung muss (immer) noch gearbeitet werden. Die Listenführer und Guides sehen das wohl so ähnlich.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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