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GastroGuide-User: Shaneymac
hat Kiss Salis in 97688 Bad Kissingen bewertet.
vor 5 Jahren
"Pack die Badehose ein, hau ein gutes Steak dir rein…"
Verifiziert

Geschrieben am 21.06.2015 | Aktualisiert am 21.06.2015
Besucht am 21.11.2014
Ich hatte ja geträu dem Motto des Verbandes der deutschen Dia-Vorführer „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er damit quälen!“ angedroht, von weiteren, meinen Kuraufenthalt flankierenden Restaurantbesuchen zu berichten, was ich hiermit gerne tue.

Schon unmittelbar nach meiner Ankunft in Bad Kissingen im Oktober wurde mir die fußläufig zu erreichende Therme des Ortes wärmstens empfohlen: Eine herrliche Sauna- und Badelandschaft, vielfältige Wellness-Angebote und eine gepflegte Anlage seien gute Gründe für einen Besuch, so die einhellige Meinung vieler Kurgäste.

Mein erster sonntäglicher Besuch der Therme mit meinem geschätzten Kurgenossen Klaus, einem liebenswürdigen Münchner Fotografen (ein Wahnsinn wen der Mensch schon alles vor der Linse hatte), verlief eher unentspannt, da wir Trottel im stets nicht unbedingt überbevölkerten Kissingen den Wochenend-Trubel in der Therme sträflich unterschätzt hatten.

Ein Gutes hatte der „lebhafte“ Tag inmitten von Schwimmflügeln und plärrenden Blagen in der Sauna („mei dann ge halt wieda naussi Schakkelin der Opi bleibt fei noch a bisserl drin“) , die vielfältigen Angebote der Therme konnten sondiert und ausprobiert werden, ein zweiter Besuch sollte also deutlich orientierter stattfinden können.

Gesagt getan, etwas später sollte mich die Therme an einem grauen Freitag-Nachmittag wieder sehen, der Plan ging auf, himmlische Ruhe in den teils von offenem Feuer beheizten Erdsaunen, entspanntes Geplansche in den weitläufigen Außenbecken und –whirlpools, klar das solche sportlichen Großtaten auch den Hunger anfeuern.

Wie schön, das zur Therme ein recht ansprechendes Restaurant gehört, man bewirtet die Badegäste im Innenbereich an einer Art Poolbar mit Tischen und Sitzgelegenheiten (separate Karte) und verfügt über einen autarken, separat von außen zugänglichen Gastraum für reguläre Restaurantgäste ohne Sauna-Ambitionen.

Gegen 19:30 war ich neben einem Ehepaar der einzige Gast, das Ambiente überzeugte mit hübsch eingedeckten Tischen, behaglicher Beleuchtung, bequemen Ledergestühl und last not least einem dank der Hügellage der Therme herrlichen Blick über das nächtliche Städtchen.

Die nach ihrer freundlichen Begrüßung von einer gepflegt in Kellnertracht gekleideten Dame in den 30ern gereichten Karte offenbarte vieles, was man von einer „Wellness-Gastronomie“ erwarten würde.

Viel Leichtes rund um Salat und Low-Carb, Fisch und Vegetarisches, etwas Pasta, aber auch erfreulich genug Regionales und Handfestes für hungrige Spitzensportler wie mich, die Preise fränkisch moderat bis günstig für meine diesbezüglich nicht gerade verwöhnten NRW Augen.

Noch etwas unter dem Eindruck der gesundheitsfördernden Maßnahmen des Nachmittages und dem gegen jegliche persönliche Erwartungen gefällten Urteil einer im Saunabereich postierten Personenwaage stehend, die von spürbarer Gewichtsabnahme (Anm. der Red.: Ist leider wieder Geschichte…) kündete, verzichtete ich mannhaft auf eine Vorspeise, obwohl es einige nette Optionen gab.

Einen Gruß aus der Küche gab es nicht, das scheint hier in der Gegend auch nur in höherklassigen Restaurants Usus zu sein. Aber das finde ich auch in Ordnung, wenn die restlichen Gerichte so moderat bepreist sind und dabei qualitativ überzeugen, wie ich es in Unterfranken oft erleben durfte.

UND liebe Gastronomie im heimischen Bergischen Land, SO ist mir es auch viel lieber, als überteuerten Standardmist serviert zu bekommen, dem man als gönnerhaftes Amuse dann belangloses Brot mit meinem verhassten „Mystery-Kräuterpamp“ nach DEHOGA Pflichtrezept voranschickt.

Ich orderte zunächst eine 0,7 Liter Flasche Rhön Sprudel Klassik zu 3,90 € sowie mein erstes Glas Wein nach mehreren Wochen Abstinenz (Teil des Kurkonzeptes war moderates Heilfasten...argh…), eine trockene Cuvee vom Weingut Baldauf, die 0,25 Liter ebenfalls zu moderaten 3,90 €.

| Hauptgericht |

Rumpsteak vom Rhöner Rind mit Kräuterbutter, Kartoffelspalten und Speckbohnen  - € 16,50
2013 Baron Rotweincuvée Qualitätswein trocken, Weingut Baldauf, Franken – 0,25l / € 3,90

An einem Punkt angelangt, an dem mich dank der Vollwert-Tage meiner Kurstätte die Aussprache von Begriffen wie Amaranth, Quinoa oder Leinsamen leicht zu spontanen Gewalttaten hätte hinreißen können freute ich mich diebisch auf mein Steak mit Kräuterbutter – glaubt mir ich hätte unter körperlichen Schmerzen sogar die von Meggle akzeptiert, die Lage war ernst.

Trotz gewisser situativer Fleischeslust war ich bemüht im Rückblich objektiv zu sein, was mit einigem Abstand gar nicht so schwierig war, an diesem Abend jedoch war ich selig.

Das Steak aus regionaler Herkunft wurde von mir wie üblich medium-rare bestellt, dies gelang dem Koch nicht ganz, leider eher einen Hauch über medium landete das Fleisch auf dem vorgewärmten Teller, wenn auch nicht blutig im Kern war ein zartes Rosa doch dominant, so daß ich nicht reklamierte.

Geschmacklich war das Steak zusammen mit der dezent aber ausreichend mit Knoblauch, Petersilie und einfachen Gartenkräutern gewürzten, hausgemachten Kräuterbutter aber eine positive Überraschung. Gut pariert und sehnenfrei das Steak, substantieller Fleischgeschmack zeugte von gutem Reifegrad und wahrscheinlich auch Aufzucht, die Butter cremig und rund abgeschmeckt - Gottseidank musste ich nicht zum Gourmeggle werden.

Leicht enttäuschend die Beilagen, die sehr dezent gebräunten wie gewürzten Drillinge waren zwar tadellos gegart, fungierten dank ihrer geschmacklichen Eigenschaften aber eher als Sättigungsbeilage im Wortsinne – schade, ich half mit Salz und Kräuterbutter nach.

Etwas besser die Bohnen (kein TK!), zwar ordentlich mit Speck und Zwiebeln durchsetzt fehlte auch hier etwas geschmackliche Finesse. Die zwischen den Zähnen quietschenden Hülsenfrüchte waren sehr naturbelassen, der Speck von guter Qualität aber zu hell, die Zwiebeln auch etwas zu glasig, ich glaube einige Minuten länger in der Pfanne hätte dem Gericht gut getan.

Auf dem Grund des Tellers fand sich noch ein feiner Spiegel eines etwas schwachbrüstigen Jus oder etwas sehr schnell aus dem Bratensatz gezogenen, diese Sauce war allerdings weder in Menge und Geschmack in der Lage, dem Gericht eine eigenständige Note zu verleihen.

Alles in allem trotzdem ein grundsolides Gericht, das geht wesentlich schlechter, der Baron, eine Cuvée aus Dornfelder, Regent, Spätburgunder und Schwarzriesling passte gut dazu und ihr glaubt gar nicht, wie gut ein einfacher Wein nach mehreren Wochen Tee und Wasser schmecken kann.

| Dessert |

Fränkischer Pfannkuchen mit Apfelmus, Zucker und Zimt, Sahne und Früchten - € 3,50

In Worten: Dreifuffzig!!! Dafür bekommt man in meiner Ecke der Nation eine Kugel Convenience Eis mit einer Eiswaffel und Sprühsahne wenn man Pech hat, Franken und ich wurden immer mehr zu Freunden!

Ich erhielt einen à la minute hergestellten Pfannkuchen, fluffig, warm und wohlschmeckend - die Kombination von warmem Apfel und Zimt ist für mich sowieso immer eine sichere Bank. Dazu frische Apfel und Orangenspalten, aufgeschlagene Sahne, eine Pysalis erfreute das Auge zusätzlich.

Das einzige, was hier aus dem Glas kam, war das Apfelmus, aber das tat dem Geschmack keinen wirklichen Abbruch und wer bei diesem Preis in diesem Setting noch empört hausgemachtes Kompott einfordert hat m.E. vorher mindestens eine halbe Stunde zu lange in der finnischen 90 Grad Erdsauna verbracht.

Auf dem Bild vielleicht etwas überschaubar erscheinend, war der Pfannkuchen doch ein nicht gerade ätherischer Nachtisch, satt und glücklich bejahte ich die abermalige Zufriedenheits-Frage der Service-Dame Diese hatte sich übrigens vorbildlich um die Gäste gekümmert: immer präsent ohne aufdringlich zu sein, Fragen nach Gerichten wurden wenn nötig in Rücksprache mit der Küche beantwortet, natürlich und freundlich Empfang und Verabschiedung.

Die Bezahlung konnte problemlos per EC Karte erfolgen, ein entspannter 10 minütiger Fußmarsch durch die hügeligen Ausläufer des Kurparkes brachte mich zurück zu meiner Kurstätte und am nächsten Morgen schmeckte mir sogar das dortige Müsli-Buffet wieder ausgezeichnet.

Fazit

Leichte Schwächen beim Hauptgericht hätten mich bei höheren Preisen schnell zu einer 3 – 3,5 beim Essen kommen lassen, so für mich eine klare vier, etwas laffe Drillinge und ein leicht schmalbrüstiges Sößchen hin oder her.

Ambiente und Service sehr angenehm, die Sauberkeit entspricht mit ihrem Standard der gesamten Anlage, hier kann man sich nach einem Sauna-Tag sehr wohlfühlen, wenn man es denn eben wie ich vorzieht nach dem Saunieren und nicht im Bademantel zu dinieren.

Solide Kost zu moderaten Preisen mit guten Ansätzen und spürbarer Regionalität, keine Convenience, alles nicht selbstverständlich in touristischen Gegenden und insbesondere in Publikumsmagneten wie beliebten Thermen, das KissSalis Thermen Restaurant ist daher eine klare Empfehlung!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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