Zurück zu Weinstube Maulaffenbäck
GastroGuide-User: Minitar
hat Weinstube Maulaffenbäck in 97070 Würzburg bewertet.
vor 10 Monaten
"Mit Wurscht und Weck zum Bäck"
Verifiziert

Geschrieben am 29.10.2019
Besucht am 26.10.2019 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 29 EUR
Längst hat der Würzburger Maulaffenbäck Kult-Status erlangt – und das nicht nur aufgrund des skurrilen Namens. Der Legende nach stand der hier ansässige Bäcker immer dumm und bräsig in der Gegend herum, hielt also Maulaffen feil. Noch viel bemerkenswerter find ich persönlich die hiesige Tradition des „Bäcks“, einer praktischen Kreuzung zwischen Bäckerei und Weinstube, also einem Ort für alle Tageszeiten und alle Bedürfnisse, vielleicht einem fränkischen Pendant zum österreichischen Kaffeehaus. Beim Bäck kann man oft auch seine eigene Brotzeit mitbringen, beim Maulaffenbäck zum Beispiel vormittags zwischen 10 und 12 Uhr. Wie mir erzählt wurde, hat man dazu in der Vergangenheit gerne im Nachbargebäude beim Metzger eine Wurscht gekauft. Leider ist in diesem Haus heutzutage ein „Dean & de Luca“ untergebracht. Die Gentrifizierung hat also auch vor Würzburg nicht Halt gemacht.

Aber wieso eine eigene Brotzeit mitbringen, wenn die Speisekarte voller Köstlichkeiten ist? Weisswürste, Tellersülze, Leberklösschensuppe? Ripple und Knöchle? Flammkuchen und Griebenschmalzbrot? Vom regionalen Wein mal ganz zu schweigen. Dass dem Lockruf der Location die Hundertschaften folgen, müssen wir samstagabends leider selbst erleben. Zwar hat der Maulaffenbäck in den letzten Jahren mehrmals die Betreiber gewechselt (nicht immer zum Besten), aber er gilt nach wie vor als ein Hot Spot in Würzburg. Schon am frühen Abend finden wir keinen Platz mehr in der proppevollen Wirtsstube, die rustikal und zweckmässig eingerichtet ist. Hier steppt der Bär, ähh, der Maulaff! Nur mit eingezogenem Bauch kann man sich durch die Reihen schlängeln, doch eine Nachfrage beim Ober ergibt: keine Chance, alles voll, vielleicht am nächsten Tag erneut versuchen…

Doch wir lassen uns nicht abwimmeln und schnappen uns den letzten freien Tisch im Aussenbereich. Ein mutiger Schritt Ende Oktober. Die beiden Ober haben alle Hände voll zu tun, versorgen uns jedoch schon nach kurzer Wartezeit mit der Speisekarte und danach recht schnell mit dem Bestellten. Vielleicht ist es dem Migrationshintergrund der feschen Kellner geschuldet, vielleicht auch meinen eigenen mangelnden Fränkischkenntnissen, auf jeden Fall landet nicht ganz das Gewünschte auf unserem Tisch, aber das macht fast gar nichts. Getrunken wird auf jeden Fall ein Viertel Grauburgunder vom Teufelskeller für 5,20 Euro (überraschend nuancenreich und blumig) und ein Silvanerschorle für 3,70 Euro (eher flach und nichtssagend). Gegessen werden Blaue Zipfel ( in Essigsud gegarte Bratwürste) für etwas überteuerte 10,50 Euro. Sie entpuppen sich leider als latente Enttäuschung. Ich kenne die Zipfel eigentlich in kleinerer Variante, gut durchgezogen und aromatischer. Hier sind sie eher lauwarm und haben in der allgemeinen Hektik die Brühe nur zu kurz gesehen. Dazu wurde eine Portion Grupfter bestellt (die fränkische Variante des Obatzten), geliefert wird aber ein Rupfbrot (5,70 Euro), was allerdings eine interessante neue Erfahrung ergibt. Auf deftigem, mit Kümmel gewürztem Bauernbrot wird eine würzige Käse-Sahne-Butter-Mischung überbacken und mit Zwiebelscheiben garniert. Ist ziemlich mächtig und deftig, mundet aber gut. Der dazu bestellte Beilagensalat (4,20 Euro) entspricht eher dem Mittelmass, aber wer isst hier schon Salat?

In kulinarischer Sicht entspricht das Lokal nicht ganz seinem langjährigen Ruf, doch man ist sichtlich bemüht, die Legende aufleben zu lassen. An den Schoppengläsern baumelt ein kleines Plastikäffchen, das Wirtshausschild und das Logo tragen einen Affen zur Schau und es sind zahlreiche kostenlose Maulaffen-Postkarten im Umlauf, darunter eine mit dem lesenswerten, passenden Mundartgedicht. Ein Besuch des Lokals gehört daher zum Pflichtprogramm für jeden Würzburg-Touristen. Das wissen auch die vielen Asiaten, die hier zu Besuch sind. Es geht also ziemlich multikulti zu, manchmal auch ziemlich laut und weinselig – spätestens dann, wenn ein Akkordeonspieler die Gaststube beschallt und die schon etwas angeschickerten Gäste zu schunkeln anfangen. Es versteht sich von selbst, dass man hier mit Öffis oder zu Fuss anreisen sollte, aber das ist eh kein Problem bei der besten Innenstadtlage.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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