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GastroGuide-User: DerSilberneLoeffel
hat Schwarzer Adler in 96231 Bad Staffelstein bewertet.
vor 4 Jahren
"Mal so, mal so. Viel Glück braucht man aber schon..."
Verifiziert

Geschrieben am 29.02.2016 | Aktualisiert am 12.03.2016
Besucht am 26.02.2016
Am 26.02. war es mal wieder soweit - Pfanni (Pfannenschwenker) mit Familie und die Kochlöffelschwinger waren in der Region unterwegs. Zeit, sich endlich wieder einmal zu treffen. Mir oblag die schwere Aufgabe, im oberfränkischen Raum ein Lokal auszusuchen, welches für alle Teilnehmenden nicht zu weit weg und zudem - das Wichtigste! - kulinarisch nicht auf dem Zahnfleisch herkommend ist.

Nur ein paar Wochen vorher waren wir (RED und ich) dort und über die Maßen begeistert. Frisch, heiß, lecker. Damals hatten wir das Rumpsteak (butterzart, frische, knusprige Pommes frites dazu) und den Räuberspieß. Beides knapp unter 19 Euro je Portion und als Beilage einen frischen Salat. Vorab einen Klassiker, einen Kir Royal. 3,50 € dafür sind fair, der Geschmack gut, keine Billigsgrundzutaten wie auch schon anderswo erlebt. Dann eine Fischrahmsuppe von der Lachsforelle (ein Traum zu 4,50€).

Dieses Mal sollte es für mich das Bauernschnitzel sein, da ich den Spieß aus eigener Erfahrung und das Rumpsteak vom kleinen Probierhappen her kannte. Beide Speisen ragten damals in der Qualität und der Zubereitung weit über das hinaus, was in der Region sonst serviert wird. Was man für diesen Preis (im Durschnitt kosten Essen hier um die 11 Euro!) in dieser Gegend aber auch erwarten kann.

Während ich von der am Tisch vorab verspeisten Leberknödelsuppe Abstand nahm, da ich a) eine große Portion erwartete und b) diese mir bei einem vorherigen Besuch einen recht trockenen Knödel aufwies, wurde diese am Tisch wohl goutiert.

Der Salat war so, wie auch bei den Besuchen vorher erhalten: frisch, knackig, selbst hergestellt und mit einem leicht knoblauchhaltigen Dressing in einem Chicoree-Blatt serviert. Ich mag nur keine großen, lediglich halbierten Radieschen, diese blieben bei mir übrig.

Am Tisch wurden Rumpsteaks, Spieße und Putensteaks bestellt. Veni - vidi - enttäuschti. Optisch schon kein Vergleich mit dem Essen von Wochen zuvor, irgendwie zwar nicht lieblos, aber auch nicht besonders drapiert. Durchschnitt. Und nicht vergessen, wir reden hier von Speisen, die preislich ca. 40 % über dem liegen, was regional üblich ist.

Das "durch" bestellte Rumpsteak war kalt, die Pommes nur Zierrat, jedoch keine Sättigungsbeilage. Ein weiteres Steak, auf dem Teller meines Nebensitzers, hatte auch eine andere Konsistenz, als die erwartete. Deutliche Anstrengung bei der Zerlegung war zu bemerken. Ob das auch dem Standardmesser geschuldet war, kann ich nicht beurteilen, ich hatte  jedoch Gewissensbisse, dieses Essen voher glühend empfohlen zu haben.

Auch die Spieße waren nur ein Schatten dessen, was ich in der Erinnerung hatte. Kleiner, irgendwie geschrumpft. Auch diese haben bei mir ein ungutes Gefühl ausgelöst. Einer der Spieße wurde beim abservieren bei der ansonsten tollen Servicekraft (3. Lehrjahr lt. Namensschild) als "totgebraten" reklamiert, was leider nur ein Schulterzucken, aber keine weitere Reaktion auslöste. Schade, weil unnötig. Aber, dafür ist ein Lehrling auch vor Ort - um zu lernen. Wird schon...

Die Tochter der Pfannis bekam eine Portion Putensteaks in einer fruchtigen Sauce. Zum Glück hatten sie und FrauPfanni vorher einen Salatteller geteilt, sonst wäre das wohl ein wenig wenig gewesen. Für einen Menschen, der dies als Hauptspeise ohne Vorsuppe oder Extrasalat gegessen hätte, wäre das schief gegangen. Optisch und auf Nachfrage bei der Esserin auch reell - viel zu wenig. Hier bitte UNBEDINGT ein Preis/Leistung überdenken.

Tja, und nach dem guten Salat kam dann meine Hauptspeise. Das Bauernschnitzel.

Rustikal in einer Gusseisernen serviert befanden sich am Boden die auch so avisierten "zwei Schnitzelchen", paniert und dann mit reichlich Bratkartoffeln (sehr gut, knusprig und gut gewürzt) sowie eine ordentliche Menge an frisch gerösteten Zwiebeln. Hätte ich vorher gewusst, dass die Schnitzel paniert sind und durch die Kartoffeln eine leider im Laufe des Essen matschig werdende Hülle haben, hätte ich diese "natur" bestellt. Vielleicht wäre das auch eine Anregung für den Koch? Oder für den Service, den Kunden nach der gewünschten Zubereitungsart zu fragen? Aber im Angesicht des wirklich guten Geschmacks, ist dies lediglich eine Lapalie. Ich muss sagen, dass ich auch an diesem Abend Glück mit meinem Essen hatte. Es tut mir jedoch leid, dass meine Tischgesellschaft durch die Bank wirklich Grund hatte, deren Speisen zu bemängeln.

Mein Fazit: wie Pfannenschwenker es im voraus auch schon befürchtet hat... Im "Schwarzer Adler" ist man wohl auf das Glück angewiesen, welcher Koch am Besuchsabend Dienst hat. Ich habe zwei Mal Glück gehabt, bin aber am überlegen, ob ich den zu einem Geburtstag verschenkten Gutschein für ein "Candlelight-Dinner" nicht doch woanders einlöse.

Kurz noch zur Lokalität selber. Das Lokal ist ebenerdig zu erreichen, ein Parkplatz für Behinderte direkt vor dem Lokal. Dumm nur, dass die Toiletten jedoch im Keller angesiedelt sind. Ich habe allerdings NICHT nachgeschaut, ob eine Behindertentoilette sich ebenerdig befindet, jedoch ist auch keine ins Auge gefallen. Die Einrichtung selbst ist urgemütlich, sehr viel helles, massives Holz, wir saßen zudem am gut eingeschürten Holzofen.

Ich kann also abschließend weder das Lokal uneingeschränkt empfehlen, noch kann ich eine vollkommene Warnung geben. Hingehen, bangen, probieren.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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