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GastroGuide-User: Obacht!
hat Zum Murnauer in 82418 Murnau am Staffelsee bewertet.
vor 2 Wochen
"Absolut empfehlenswert - hier stimmt einfach alles :-)"

Geschrieben am 05.06.2021 | Aktualisiert am 05.06.2021
Das Leben ist zu kurz, um es mit schlechtem Essen zu vermiesen. Und da ja zur Zeit noch nur Außen-Gastro möglich ist, muß man/frau schon genau überlegen, wo es hingehen soll. Nach Murnau z. B. Da gibt’s den „Zum Murnauer“ – für noch-nicht-Kenner würde ich dieses Restaurant mit  „Bayrische Wirtshauskultur 2.0“ beschreiben.  Modernes Ambiente mit kreativer Küche at it’s best.
Schick, gell?
Liegt auf einer Anhöhe mit ausreichend Parklätzen gesegnet, riesiger Wirtsgarten – original mit viel Kies und Brauereiklappstühlen – aber alles sauber aufgepeppt mit knalligem Pink und überraschenden Dekoelementen. Vor dem Eingang der Terrasse standen wir pünktlich zur reservierten Zeit, wurden zu unserem Platz geleitet und mit der Speisekarte versorgt.
Corona konformer Eingang über die Terrasse
nur ein kleiner Ausschnitt der wirklich großen Terrasse
Diese ist glücklicherweise überschaubar, ich hasse es, wenn ich gefühlt 100 Gerichte durchforsten muß.  Dennoch fällt die Auswahl nicht leicht, Schatzl kapituliert gleich und sagt „Such Du aus“. Ich überlege kurz, ob ich das ausnützen soll und für ihn „Wurstsalat von der Regensburger mit Essiggurke, rote Zwiebel und Bauernbrot“ bestellen soll, bring es aber nicht übers Herz. Stattdessen bekommt er eines seiner Lieblingsgerichte „Cordon Bleu in Brezen Panade, Obazda-Speckfüllung / Röstkartoffeln“ (€ 17,--) und für mich einen Vorspeisenportion von den „Hausgemachten Ravioli, Trüffel / Ricotta / Rahm (€  9,50)  und danach bitte „Filet vom Bachsaibling, Spargel-Zucchini Geröstel / Kräuterreis / Riesling Sauce (€ 19,--).  Zu trinken gibt’s eine Rharbarberschorle  (0,5 l € 4,--) ein großes Mineralwasser fürs Gewissen (€ 6,--) und vom Gardasee eine schöne Flasche Bardolino rosé (24,--).

Unser Servicemädel ist mit einem gewinnenden Lächeln, Charme und flotten Sprüchen versehen, das gefällt und verhilft zu glatten 5 Sternen.

Meine Pasta war der Knaller. Den Büschel unnützer Petersilie habe ich unserer Fellnase, der sich unter dem Tisch eingerollt hatte, hingehalten – er hob nicht mal die Augenbraue. Der Ravioli-Teig war hauchdünn gearbeitet und die Ricottafüllung  luftig leicht  mit einem Hauch Trüffelgeschmack, das Sößelchen schmeichelte dem Gaumen und wies dank der kleinen Tomätchen eine feine Säure auf. Glücklich genoß ich jeden Bissen, bis ich Schatzls bettelnden Blick sah – den kenn ich sonst nur von unserem Pelzträger, aber der gab mittlerweile leichte Schnarchgeräusche unter dem Tisch von sich. Also gut, einen kleinen Bissen reiche ich zur anderen Tischseite, was mit einem zufriedenen Seufzer honoriert wurde.
Nicht nur die Italiener können Pasta :-)
Kurze Zeit später erfreuen die Hauptgänge unsere Augen.  Und wie es duftet !! Dann mal los :-) Ich bin nicht der größte Reisfan vor dem Herrn, aber ich weiß es zu schätzen, wenn er noch etwas Biss hat und schön locker ist. Vor allem der feine Kräutergeschmack erwies sich als würdiger Begleiter zum saftigen, noch leicht glasigem Fisch. Als Kontrast dazu hatte das Spargel-Zucchini-Gemüse ordentlich wumms und bot mit einer leicht bitteren Note, die mich an Radicchio erinnerte, dem milden Saibling die Stirn. Es war ein fast perfektes Gericht, einen leichten Abzug gibt’s, weil die Haut nicht so kross gebraten war, wie ich es liebe.
der Bachsaibling - sehr fein
Auch bei Schatzl fehlte nur ein kleines Mü zum 5. Stern für sein „don’t call it Schnitzel“. Die Obazda-Speckfüllung war hinreißend und nachahmenswert, aber das Fleisch selbst war a bisserl arg kompakt. Dafür gab es als Überraschung ein kleines Fäßchen Preiselbeeren. Auch die Röstkartoffeln wiesen genau das auf, was gute Kartoffeln ausmacht, eine feine Röstung, gute Würzung und kein unnützer Fettgeschmack.
gestatten - das Cordon Bleu
Als alles verputzt war und Schatzl und ich uns zufrieden zurücklehnten, reichte ein Blick meines Nebengeräuschs und ich wußte, was ich unserer Serviceperle beim Abräumen mit auf den Weg geben sollte „Bitte einmal eine Créme brûlée und einen Espresso“. 
der krönende Abschluß - die Crème brûlée
Schaut Euch das Foto an und entscheidet selbst, ist das eine Sünde wert oder ist das einen Sünde wert? Ich kann Euch versichern, es schmeckte noch viel besser als Ihr ahnt. Schatzl meinte sogar anerkennend, daß es auf seinem Ranking der Top-Ten ever unter den ersten drei steht. Diese hauchdünne Zuckerkruste knusperte leicht karamellig ohne auch nur den Hauch von Bitterkeit und die vanillige Crème war zum Niederknien. Punkt. Für mich ein zusätzliches Highlight war das Himbeerkompott, das den Teller umspielte. Jaaa, die Küche weiß, wie man Gäste glücklich macht.

Und das ist im Grunde auch das Fazit dieses schönen Abends, der Murnauer ist eine sichere Bank für Freunde des guten Geschmacks.

P.S. in eigener Sache: nach über fünf Jahren seit meiner ersten Rezi ist wohl ein update erlaubt. Und wenn im Sommer die Shaneymacs nach Garmisch kommen, fahre ich mit ihnen hierher und danach gehen wir Schifferl fahren am nahen Staffelsee. Shaneymac, I gfrei mi scho narrisch auf Eich !!!
 


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