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Einhergehend mit der Schließung mussten sich Gäste und Einheimische natürlich auch vom Hoteleigenen "Restaurant Yachtzimmer" verabschieden, dass die Küche genauso klassisch und traditionell anbot, wie sich auch das Hotel präsentiert.
Ein Jahr später verbreitete sich in gleicher Aufmerksamkeit dann aber die Nachricht, dass dieses historische Gebäude weder leerstehend verfällt, noch komplett zweckentfremdet und dazu umgebaut wird. Selbst seinen Namen haben die neuen Betreiber für ihr Hotel beibehalten und 2025 eben ihr im Kern renoviertes "Hotel Jensen" eröffnet, dass den historischen Anstrich damit also nicht verlieren sollte. Eine gute Entscheidung für die Denkmäler der Hansestadt. Ebenso erfreulich entschied man sich auch zur Wiederbelebung des Hotelrestaurants, welches nun aber unter dem Namen "Travea" eine Veränderung erfuhr. Der Name gibt darauf bereits Hinweise, verbindet er doch sowohl die Lage des Hotels direkt an der Trave mit der nunmehr italienischen und mediterranen Ausrichtung des Angebots.
Im "alten Yachtzimmer" war ich tatsächlich nie. Selbst wenn ich wöllte, würde sich für mich also kein Vergleich mit dem klassische norddeutsch ausgerichteten Vorgänger-Restaurant ergeben, weshalb ich also die im neuen Restaurant feilgebotene Qualität einmal mit "weißem Blatt" erkunden wollte. Dafür bot sich dieser späte Nachmittag im März 2026 an.
Die Einzigartigkeit und Ansehnlichkeit der Außenansicht habe ich ja eingangs bereits geschildert. Das Restaurant an schließt sich dabei gleich rechts, ca. eine Stufenebene tiefer, an das Hotel an und ist äußerlich genauso gestaltet, nur ohne das Vordach über dem Eingang.
Durchschreitet man die große Tür und den noch klassisch mit dunklerem Holz verkleideten Vorraum, zeigt sich ein Ambiente, dass man definitiv als großen Kontrast zur traditionellen Außenansicht des Hotels bezeichnen kann.
Es eröffnet sich dem Gast ein sehr großer, lang nach hinten verlaufender, einziger Gastraum, in den auf der zum Raumende gesehenen rechten Seite noch eine Bar integriert ist. Auf historische Möbelstücke oder Holzgebälk an der Decke trifft man beim Interieur hingegen nicht. Die Decke mit den großen Bögen ist unisono schwarz angestrichen, während die Wände in einem den Tischen entsprechenden Holzfarbton daherkommen. Noch einmal eine Stufe heller ist dann das Parkett. Zusätzliche Deko richtet sich vor allem an die Weinliebhaber, die in den Schränken, Nischen und sogar in Glasvitrinen verschiedene Flaschen bestaunen können.
Für mich optisches Highlight und gleichzeitig auch atmosphärisch sehr gut eingesetzt sind die ringförmigen Deckenlampen, die in Verbindung mit den Wandspots durch die Beleuchtung einen fließenden Übergang von der schweren, dunklen Holzdecke zum hellen Parkett erzeugen. Der Raum wirkt somit weit und man wird nicht scheinbar von der dunklen Decke erdrückt. Doch gleichzeitig kommt auch kein "Bahnhofshallen-Gefühl" auf, da die hochwertigen Sitzpartien in für mich idealen Abständen und vor allem klaren Ausrichtungen verteilt wurden. Bei den Stühlen hat man dabei auf grau bezogene, gepolsterte Sessel sowie gleichartig gestaltete Couch-Partien an den Wänden gesetzt, die auch einen guten Sitzkomfort gewährten. Ich fühlte mich also sowohl willkommen, als auch entspannt privat und kann das Ambiente durchweg als hochwertig und klar strukturiert bezeichnen, was somit trotzdem zur Historie des Hauses passt, auch wenn es nicht antiquiert gewählt ist.
Als ich kurz nach Öffnung den Besuch des Restaurants antrat, waren gerade 2 Mitarbeiter Innen im natürlich noch spärlich besetzten Gastraum präsent. Begrüßt wurde ich dabei von einer jungen Dame, die mir auch ganz aufgeschlossen noch freie Platzwahl gewährte. Nachdem ich genug Zeit hatte, um mich an meinem Tisch einzurichten und es mir gemütlich zu machen, kam sie zu mir um die Bestellung aufzunehmen. Sie agierte dem Ambiente entsprechend dabei sehr versiert, zugewandt und freundlich, ohne dass es je aufgesetzt wirkte. Auch dank ihr fühlte man sich schnell entspannt und angekommen.
Wie eingangs erwähnt stellt der gewählte Name "Travea" eine Verbindung von Lage und kulinarischer Ausrichtung da, die im mediterranen Raum mit Schwerpunkt italienischer Küche liegt. Doch, wie es zum vom Ambiente vermittelten Eindruck passt, kommt die Speisekarte dabei nicht mit einer auf Pizza und Pasta fokussierten Deklinierung aller möglichen Kombinationsarten daher, sondern präsentiert sich in erfreulich reduzierterem Umfang. Dabei wurden zudem auch einzelne typisch deutsche bzw. norddeutsche Gerichte integriert, vielleicht um dem traditionellen Vorgänger-Restaurants noch ein wenig zu huldigen.
Knapp zwei Hände voll Wahlmöglichkeiten werden als Vorspeise gegeben, die sich gänzlich auf mediterrane Klassiker wie Vitello Tonnato, Beef Carpaccio oder Burrata konzentrieren und mit einer Preisspanne von 13 € bis 19 € bereits auch qualitativ eine gewisse Erwartung schüren. Auch zwei Salate lassen sich für den Einstieg bestellen.
Darauf folgt eine Pasta-Selektion, die sozusagen den „Primi Piatti“ Part der rein italienischen Küche ermöglicht. Auch hier gibt es erfreulich frische und alternative Zusammenstellungen als klare Abhebung zum „Standard Deutsch-Italiener“. Keine „Bolo“, keine „Sahne-Carbonara“ sondern z.B. Steinpilz-Ravioli mit Kürbiskernen, Rigatoni mit Rinderfiletspitze, Cognac und rosa Pfefferbeeren und Taglioni aus dem Parmesanlaib mit frischem Trüffel werden für Preise zwischen 13 € und 26 € feilgeboten.
Für den Hauptgang gibt es schließlich jeweils eine Auswahl von 5 Fleisch- und 5 Fischgängen und eben keinerlei Pizzen oder Aufläufen. An Vegetarier und Veganer richtet sich also nur die Vorspeisen- und Pasta-Sektion der Speisekarte. In beiden Hauptgang-Kategorien zeigt sich dabei der eingangs erwähnten Einschub von auch norddeutschen Traditionsgerichten. So findet man neben Dorade und Garnelen "Aglio Olio" auch Matjes nach Hausfrauenart und Backfisch vom Seelachs. Für die Carnivoren gibt es neben Tagliata und Lammkarree auch ein Wiener Schnitzel. Während bei diesen Speisen die preisliche Reichweite durchweg im 30er-Bereich liegt, gibt es bei den Fischgängen auch Gerichte in der 20er-Region.
Bei den Desserts für durchweg unter 10 € darf natürlich ein Tiramisu nicht fehlen, aber auch hier findet sich z.B. mit einem Lübecker Marzipanmousse noch ein regionaler Einschlag.
Zeitweise wird auch ein Tagesangebot auf einer Schiefertafel im Vorraum des Restaurants aufgestellt.
Für diese erste, kurze Kostprobe von der im "Travea" gebotenen Kulinarik wählte ich eine leichte Vorspeise, namentlich das "Rote Beete Carpaccio mit karamellisierten Kürbiskernen, Dill, Petersilie und Zitronen-Vinaigrette" für 11 €. Nach einer kurzen Wartezeit von 10 Minuten bekam ich folgenden Teller serviert.
Das schöne angerichtete Mosaik der Scheiben von der roten Beete wurde dezent vom Dressing überzogen und mit den annoncierten karamellisierten Kürbiskernen, sowie fein gezupfter Petersilie und Dill gekrönt. Was optisch so ansprechend begann führte sich am Gaumen dann nahtlos fort. Der Hauptdarsteller zart und trotzdem mit angenehmen Biss konnte sich geschmacklich dank der dezenten und trotzdem geschmeidigen Vinaigrette voll entfalten. Die Kürbiskerne sorgten Knabberfreude und die feinen Kräuter ergänzten das Geschmacksbild von Mal zu Mal.
Dazu gab es noch zwei Scheiben eines wirklich mit hoher Qualität von einem regionalen Bäcker bezogenes Sauerteigbrotes, dass eine tolle rösche Kruste und fluffig Krume hatte. Zusätzlich lobenswert kann der dazu gereichte Aufstrich erwähnt werden, der nämlich mal nicht ein simpler Kräuterquark oder Butter, sondern wieder mediterran ausgerichtet eine aromatische Kombination aus Aioli und Pesto Verde war.
So war das wirklich in der Gesamtheit eine ganz feine, leichte Kostprobe, die die Qualität und Anspruch der Küche bekräftigte und Lob verdient.
Somit möchte ich meine ersten Eindrücke vom "Travea" im "Hotel Jensen" also noch einmal möglichst kurz zusammenfassen.
Während man glücklicherweise die altehrwürdige Fassade des Gebäudes erhalten hat, ist man bei der Innengestaltung neue Wege gegangen, die dieses traditionelle Ambiente kontrastieren. Nichtsdestotrotz kann diese Modernisierung für mich aber mit der, Dank der Beleuchtung, tollen Verbindung von dunklem und helle, Interieur, sowie dem bequemen Sitzmobiliar und den klaren Linien durchaus als gelungen bezeichnet werden kann.
Diesem qualitativ hochwertigen Interieur passte sich an diesem frühen Abend die Serviceleistung durch die junge Dame voll und ganz an. Sie trug dadurch zum gastlichen Wohlgefühl definitiv bei.
Die mediterran ausgerichtete Speisekarte ist sowohl vielfältig, auch als keineswegs aufgebläht und hebt sich auch preislich mit Vorspeisen und Pastagerichten im 10 € Bereich und Fleisch- und Fisch-Hauptgängen für 20er und 30er Preise von üblicheren italienischen Lokalen ab, was durchaus höhere Erwartungen an die Qualität zulässt.
Das von mir für 11 € gewählte "Rote Beete Carpaccio" bereitete dabei in jeglicher Weise Freude und sogar das Brot mit dem Aioli-Pesto-Aufstrich fügte dem noch etwas Pfiffiges bei.
Das Restaurant hat mich bei diesem ersten kleinen Besuch also absolut zufrieden gestellt und sich als sehr gute Option für feinere, mediterrane Küche in der Altstadt empfehlen können.