Wir verwenden Cookies
Wenn Sie unsere Webseiten besuchen, kann Ihre Systemsoftware Informationen in Form von Cookies oder anderen Technologien von uns und unseren Partnern abrufen oder speichern, um z.B. die gewünschte Funktion der Website zu gewährleisten.

Doch glücklicherweise stand schon ein Cafe-Projekt als Nachfolger in den Startlöchern und wurde mit dem Namen "Cafe Union" im Sommer 2024 eröffnet. Diese Union hat dabei keinen politischen Hintergrund, fußt aber trotzdem auf den Kooperation zweier bereits sehr bekannter Institutionen in Lübeck Gastrolandschaft. Namentlich sind das das "Kaffehaus" und das Eiscafe "Soulmates", die sich in naher Nachbarschaft in der Hüxstraße befinden.
Zusätzlich zu der zentralen Lage macht das Café auch durch seine durchgehend verglaste Front der Gebäudeseite zum Markt hin auf sich aufmerksam, die jeglichen vorbeischlendernden Menschen deutlich und transparent zeigt, dass man hier für Café- und Bistroküche einkehren kann.
Zunächst scheint es sich dabei sogar um zwei verschiedene Lokale zu handeln, denn sowohl auf der zum Marktplatz, als auch zum besagten Rathaus-Innehof gelegenen Seite gibt es einen Zugang.
Dank der Weitläufigkeit dieses Bereiches ergibt sich hier in den warmen Monaten ein großer Aussenbereich, bei dem die Tische am Markt zum Teil von einer Markise geschützt und beschattet werden, während im Innenhof große Schirme dafür aufgestellt werden.
Im Inneren befinden sich zwischen diesen beiden Zugängen noch zwei Wände mit jeweils offenen Durchbrüchen, sodass man sich Barrierefrei durch das gesamte Lokal bewegen kann. Die dadurch entstehenden beiden Hauptbereiche sind dabei ganz ähnlich aufgebaut.
Tritt man vom Markt her ein, so begrüßt einen hier mit einem großen Thekenbereich samt Gebäckvitrine und Kaffeemaschinen doch klar der Café-Teil des Lokals.
An der hier L-Förmig verlaufenden Fensterfront hat man zahlreiche Tischpartien verteilt, die zwar ungepolstert und von eher schlichterer Art sind, aber trotzdem kleine weichere Sitzdeckchen für den Allerwertesten haben und neuwertigen Eindruck machen. Für die normalerweise etwas geringere Verweildauer in einem Cafe-Bistro im Gegensatz zum Abendrestaurant bietet das für mich genug Komfort. Ansonsten hat man sich abgesehen von ein paar Pflänzchen und kleinen Wandbildern mit weiterer Deko zurückgehalten. Das ist jedoch angesichts der Tatsache schlüssig, dass durch die mehrmals erwähnte, volle Verglasung der Fassade die Gäste wohl sowieso eher der historischen Kulisse des Marktes bzw. dem Treiben folgen, wenn sie nicht gerade untereinander in Gespräche vertieft sind.
Auch im zum Innenhof angrenzenden Bereich wird ganz transparent der Ort des Küchenhandwerks direkt in den Gastraum integriert. Hier ist es jedoch sogar eine ganze offene Küche, welche somit die Fusion von Cafe und Bistro nochmals verdeutlicht. Als Gast kann natürlich unabhängig vom in Anspruch genommenen kulinarischen Angebot in beiden Räumen Platz genommen werden, denn auch hier gibt es noch viele Sitzmöglichkeiten. Auch hier geben große, wenn auch nicht bis zum Boden vollverglaste Fenster einen freien Blick zum Innenhof hin. Daher wird auch hier auf großartige Deko oder Lichtinstallationen eher verzichtet.
Ich finde das Ambiente stimmig, macht es doch aus den baulichen Besonderheiten und der ebenso einzigartigen Lage der Räumlichkeiten das Beste.
Für die Toiletten muss man eine Treppe hinunter ins Untergeschoss, womit sich also eine kleine Ausnahme von der Barrierefreiheit ergibt. Diese sind aber betonenswert sehr modern und sauber gewesen.
An diesem späten Freitag-Mittag konnte ich 3 weibliche Mitarbeiterinnen und 2 männliche Mitarbeiter im Café ausmachen. Während sich die Damen um die Cafetheke und den Service im Lokal kümmerten, wurde die offene Küche von einem der Herrn unterhalten. Der zweite Herr war wohl eine Art Manager und daher ohne Aktion im laufenden Betrieb. Nach meinem Eintritt wurde ich dabei von einer der drei jungen Damen mit der Karte begrüßt und mir wurde im zu dieser Zeit nur wenig ausgelasteten Lokal freie Sitzwahl gewährt. Die ganze Zeit über agierten die Servicekräfte freundlich, entspannt und waren dabei trotzdem stets aufmerksam und präsent. Da gibt es für mich nichts auszusetzen, auch wenn sie teilweise etwas schüchtern und damit fälschlicherweise unsicher wirkten.
Die Bandbreite des kulinarischen Angebots lässt sich als sehr umfassend bezeichnen. Schon auf dem Willkommens-Aufsteller zählt das Lokal selber dieses mit Frühstück, Mittagstisch, Kaffee & Kuchen, Drinks (auch alkoholischer Art) und dank des eingangs erwähnten, zur "Union" gehörenden Eiscafes "Soulmates" natürlich auch deren kalte Köstlichkeiten auf.
Die genaueren Aufzählungen der Speisen finden sich dann in Form von weiteren Aufstellern und als Klemmbretter für die Tische bzw. beim Kuchen & Gebäck natürlich direkt an der Cafe-Theke.
Was ebenfalls noch zu erwähnen ist und auch direkt beim Willkommensschild dem Gast angekündigt wird, ist die Tatsache, dass hier mal nur mit Karte bezahlt werden kann.
Schon beim Frühstücksangebot fällt es gleich positiv ins Auge, dass nicht nur hauptsächlich verschieden umfangreiche Kombinationen von Brötchen & Brot mit Aufstrichen und sonstigen Kondiments angeboten werden, die man sich doch wirklich ganz einfach auch zu Hause anrichten kann. Da stellt sich mir sowieso häufiger die Frage, ob man Treffen mit Freunden und Familie doch viel gemütlicher und auch günstiger daheim selbst veranstalten kann.
Vielmehr Neugierde erregen doch eigenständige Kreationen, für die man zu Hause wesentlich mehr Aufwand und auch Kreativität an den Tag legen müsste. Im "Cafe Union" gibt es da z.B interessant klingende Sauerbrot-Gericht mit exotischer Erbsen-Avocado-Kokos-Minze oder Lachs-Creme fraiche-Rührei-Begleitung. Auch an die pochierten Eier mit Spinat und Hollandaise wagt man sich. Das bewegt sich alles im mittleren 10er-Preisbereich und schürt damit schon gewisse Erwartungen an Qualität und eigener Handarbeit.
Ebenso überraschend vielfältig und auch durchdacht präsentiert sich der wöchentlich wechselnde Mittagstisch, der es vor allem war, was mich besonders zu einem Besuch des Cafe-Bistros bewegt hat. Dies umfasst nicht nur einfache deutsche Klassiker, vorzubereitende Eintöpfe und Suppen oder gar Fast-Food-Gerichte, sondern gestaltet sich sehr international und dabei doch handwerklich von den Namen her mit Anspruch versehen. Es unterstreicht somit den Anschein, dass in dieser "Union" definitiv auch eine große Partei der gelernten Restaurant-Küche mitspielt. So sah ich auf den in Social Media wöchentlich angekündigten Angebot bereits neben Nasi Goreng auch deftige Wirsing-Rouladen mit Champignon-Veloute, aber auch französische Vichysoisse und Zwiebelsuppe, sowie selbstgemachte Lasagne Bolognese.
Und auch das geht preislich nie über die 16 € Grenze hinaus und ist damit, sollte sich die vermutete Qualität bestätigen, ein Genuss-Schnäppchen.
Für diese Woche meines Besuches standen dabei folgende Gerichte zur Auswahl: Linsen Dal (8,5 €); Gemischter Salat mit Avocado (9,5 €); Wildschweingulasch mit Kartoffelstampf und Spinat (14,5 €); sowie der von mir gewählte Levantinischer Fischtopf mit Seefischen, Tomaten, Fenchel und Feta (13,5 €).
Nach einer etwas längeren Wartezeit von ca. 20 Minuten klingelte es in der Küche und ich bekam ihn serviert.
Garniert mit etwas Petersilie und Schnittlauch wurde der tomatisierte und mit Feta überbackene, wohl temperierte Fischtopf in einem weißen Schälchen gereicht.
Bei dem in löffelgerechte Stücke geschnittenen Fisch handelte es sich wohl um Seelachs. Er war daher nicht gerade aromatisch, aber dafür noch toll saftig punktgenau zubereitet.
Auch beim in Streifen geschnittenen Fenchel hat man den Garpunkt für koch sehr schön getroffen, da er noch leichten, aber keineswegs harten Biss und milden Geschmack hatte. Die Tomatensauce bettete das alles fruchtig und leicht säuerlich ein, während der Feta für etwas Cremigkeit sorgte.
Handwerklich war das also einwandfrei. Allerdings fehlte mir geschmacklich der „Levantine“-Teil. Gewürzaromen von Kardamon, Kreuzkümmel oder der typisch säuerliche Sumach waren hier schlicht nicht vorhanden, was gegenüber den Erwartungen also etwas Abzug nötig macht.
Dazu gab es drei Scheiben eines schon von der sichtbaren, großen Porung her gelungen gebackenen Focaccias, dass aber leider völlig kalt war, sodass es auch hier noch Raum zur Verbesserung gab.
So nahm ich zusammengefasst also folgende Ersteindrücke aus dem „Café Union“ mit.
Die Einrichtung der für ein Café doch sehr großen Räumlichkeiten spielt die Vorteile der großen Fensterfront voll aus, die nicht nur durch die natürliche Beleuchtung, sondern auch den umfassenden Blick über das Markttrubel das Ambiente und die Eyecatcher für die Gäste bildet. Da braucht es nur das in gutem Zustand befindliche Sitzmobiliar, um sich entspannt und wohl zu fühlen.
Auch die Integration der offenen Küche und Café-Theke lockern das ganze Ambiente passend auf.
Zu dieser zwanglosen und lockeren Atmosphäre trugen das an diesem Tage auch die drei jungen Damen im Service mit ihrer Freundlichkeit und Aufmerksamkeit bei.
Gleich in doppelter Weise hebt sich das kulinarische Angebot erfreulich von denen der meisten Cafés ab. Schon beim Frühstück werden nicht nur etliche Zusammenstellungen durchdekliniert, sondern eigenständige Gerichte (z.B. Lachs-Rilette-Brot, Serrano-Bauernfrühstück) bieten hier schon standardmäßig eine willkommene Abwechslung.
Dieses erstaunliche Niveau setzt sich aber auch im Bistrobereich mit der wöchentlich wechselnden Mittagskarte fort, die klar mit Handwerk verbundene und trotzdem vielfältige, internationale Auswahlmöglichkeiten bietet.
Der bei meinen Besuch gewählte „Levantinische Fischtopf“ zeigte das handwerkliche Können und Produktbewusstsein dabei ganz klar, konnte mich auf Grund der nicht wahrnehmbaren „Levante-Aromen“ und der kalten Brotscheiben nicht vollends begeistern.
Angesichts dieser gezeigten kulinarischen Qualität wirkt das Preisniveau im Bereich für 10-20 € sowohl für die Frühstücks- als auch Mittagsangebot und explizit die 13,5 € für das von mir gewählte Gericht trotzdem noch angemessen.
Meiner Meinung nach hat sich mit dem "Cafe Union" also eine sehr gute Zusammenarbeit ergeben, die die Lücke des traditionsreichen "Maret" mehr als ansprechend füllt und das Cafe-Bistro-Angebot der Innenstadt definitiv bereichert, auch wenn ich geschmacklich diesmal wohl nicht den vollen Jackpot getroffen hatte.