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GastroGuide-User: Lavandula
hat Freudenhaus in 20359 Hamburg bewertet.
vor 2 Monaten
"Das Haus macht Freude, aber leichte Mädchen sucht man hier vergebens!"
Verifiziert

Geschrieben am 01.09.2019
Besucht am 02.05.2019 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 49 EUR
Nach einem Jahr wieder mal in Hamburg, Anlass unseres Besuches wieder ein Top-Event, dieses Mal im Operettenhaus an der Reeperbahn „Tina – Das Musical“, die Lebensgeschichte von Tina Turner. Toll!

Vor Beginn der Veranstaltung mussten wir natürlich noch etwas essen, möglichst nahe am Veranstaltungsort. Eine Woche vorher informierte ich mich im Netz und stieß auf das Freudenhaus. Eine positive Bewertung hier bei GG und Hunderte von positiven Äußerungen auf anderen Portalen ließen mich zum Hörer greifen und einen Tisch für uns reservieren.

Am frühen Abend bei (natürlich!) Schietwetter standen wir nach wenigen Minuten vor dem Freudenhaus in einer Seitenstraße der Reeperbahn mit „romantischem Ausblick“ auf das  gegenüberliegende Sex-Kino.

Am Rande der etwas heruntergekommenen sündigen Meile bietet das Freudenhaus von außen keine unbedingt einladende Front, aber im Inneren durchaus auch ein wenig „Sündiges“, so wie man es auf dem Kiez erwartet, etwas aufreizend, ein wenig anrüchig,

Vorbereitet waren wir auf eine "Touri-Abfertigung", doch weit gefehlt! Roter Salon mit Kronleuchter, Spiegel in Goldrahmen, viel Samt und große und kleine Bilder an den Wänden,
Gemütlichkeit wie in den Siebziger Jahren. Es gefällt uns hier! Irgendwo zwischen gehobener Gastronomie und Wohnzimmer, Oldschool im positiven Sinn.

Vieles hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel und trotzdem wirkt alles sehr gepflegt. Die Tische sind mit weißen Stoffdecken bedeckt, dazu weiße Stoffservietten, Brotteller mit -messer, Wassergläser, Teelicht.
Die Tische stehen ziemlich eng beieinander, wichtige private Gespräche sollte man tunlichst meiden. Dafür kommt man aber schnell mit seinen rechten und linken Tischnachbarn ins Gespräch, wenn man das möchte.

Die Servicefrau, die uns mit zwei Speisekarten in der Hand freundlich empfängt, begleitet uns zu unserem reservierten Tisch. Trotz der frühen Stunde war das Restaurant schon gut besetzt, überwiegend Gäste, die vor Beginn einer Vorstellung hier speisen, erklärt die Servicedame später. Und nach den Vorstellungen werde es noch einmal rappelvoll. Und am Wochenende sei es immer voll, ohne Reservierung könne es schwierig sein. Der Service ist insgesamt freundlich, aufmerksam, flexibel und geht gern mit Hamburger Charme auf den Gast ein.

Die Karte ist klein gehalten, fünf Hauptgerichte „Sündiges Fleisch“, zwei mit Fisch, ein paar Vorspeisen, Salate und Desserts, mit bevorzugt regionalen Produkten, bürgerliche Küche mit kreativen Namen nach lokalen Kiezpersönlichkeiten.

Aus dem Bereich „Sündiges Fleisch“ entscheiden wir uns für
Freudenhausteller „Olivia Jones”, rosa gebratene Schweinelende auf Weißbiersauce mit gebratenem Pilzgemüse und Bratkartoffeln (19,50 €) für mich
Roulade „Lilo Wanders” mit Speck und Gurken gefüllt, dazu Apfelrotkohl und Kartoffelklöße (19,50 €) für meinen Mann
2 Flaschen alkoholfreies Weizen für je 5,00 € (sehr sportlicher Preis!).

Die gut temperierten Getränke werden mit einem Küchengruß (belanglose 4 Baguettescheiben und belangloser Quark mit etwas drin) zügig gebracht, die Wartezeit auf unser Essen ist angemessen. Bis dahin können wir beobachten, was die Tischnachbarn gereicht bekommen. Als ein junger Mann zur Rechten das Kalbsschnitzel mit Bratkartoffeln und Salat vor sich sah, war er erstaunt über die üppige Portion an Fleisch, zwei handgroße Schnitzel mit reichlich knusprigen Bratkartoffeln. Doch er lieferte eine gute Performance am Tisch, er schaffte (mit Mühe) alles!

Die beiden Rouladen sehen auf dem Foto aus der Rotkohl-Perspektive kleiner aus als sie tatsächlich sind, sind nach typischer Hausfrauenart klassisch gefüllt, in einer kräftig gewürzten hausgemachten Sauce, das Fleisch von guter Qualität und ausgesprochen zart.
Die große Portion Rotkohl ist vom Gargrad her perfekt, aber nicht unbedingt unser Fall, da für uns der Nelken-Geschmack zu stark dominiert. Unsere Nachbarin zur Linken meinte, das sei hier im Norden so üblich. Bei den Kartoffelklößen ist sich mein Mann nicht sicher, ob diese hausgemacht sind, meiner Meinung nach nur selbst geformt, aber immerhin ein guter Kloßteig. Geschmeckt haben sie ihm auf jeden Fall.

Meine Schweinlendchen sind fast perfekt geraten, drei dicke Scheiben, eine davon hätte noch ein paar mehr Röstaromen vertragen. Gut gewürzt, butterzart und tatsächlich rosa gebraten, die Weißbiersauce deftig-herzhaft, ganz nach meinem Geschmack.

Das gebratene Pilzgemüse mit Okraschoten, Zwiebeln und Paprikaschnitzen liegt im Saucenspiegel, für mich perfekt, denn Gemüse, Sauce und Fleisch harmonieren wunderbar miteinander.

Die Bratkartoffeln sehen nicht unbedingt überzeugend aus, ein Teil ein wenig stark geröstet, ein anderer so gut wie gar nicht. Aber das stört mich dieses Mal wenig, da ich genug damit zu tun habe, dass das gut gelungene Fleisch und Gemüse Platz in meinem Magen finden. Wir sind satt und zufrieden, unsere Tischnachbarn zu beiden Seiten ebenfalls.

Fazit:
Die Qualität der Hauptgerichte hat uns überzeugt, gutbürgerliche Gerichte, reichlich und zu angemessenen Preisen. Und kann man hinterher wahrheitsgemäß sagen "Wir waren im Freudenhaus".
Wir haben uns wohl gefühlt, ein schöner Start vor dem Musical-Besuch.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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