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GastroGuide-User: Gast im Haus
hat Zum Schwanen in 72285 Pfalzgrafenweiler bewertet.
vor 6 Jahren
"Die Schwäne von Pfalzgrafenweiler"
Verifiziert

Geschrieben am 17.04.2015 | Aktualisiert am 17.04.2015
Besucht am 14.04.2015
Die Angabe eines Treffpunkts „Restaurant Schwanen in  Pfalzgrafenweiler“  wird vermutlich Probleme bei den Anreisenden verursachen, da es diese Restaurant-Bezeichnung auf Grund der Gemeindereform und Gebietszusammenfassung nun zwei mal gibt.

 
So wurde dem einen Schwanen der Familiennamen des Betreibers, Thome, dazu- gekoppelt, das sich im Pfalzgrafenweiler  Ortteil Pfalzgrafenweiler, Marktplatz 1 befindet und das andere Restaurant erhielt die Identität mit dem Namen des Teilorts, in dem es zu finden ist. Schwanen-Kälberbronn in der Große Tannenstr. 10,  Pfalzgrafenweiler, OT Kälberbronn.
 
Damit dürften alle Unklarheiten beseitig sein – hier geht es um den Schwanen in Kälberbronn.
 
„Right in the middle of no-where“ nach schlechter enger Straße (mit Outdoorcharakter für städtisch ungeübte SUV-Fahrer geeignet)  ist die ehemalige Holzfällersiedlung, in deren bewaldeten Einzugsbereich sich die größten Tannen Deutschlands finden lassen sollen, ein schmucker kleiner Ort. In der „Große Tannenstraße“ steht das große Hotel „Zum Schwanen“, dessen relativ kleinen Gäste-Parkplätze bereits von einem gut situierten Publikum zeugt, das in entsprechend stilvoll aufgemachtem Ambiente eines 4-Sterne Hotels  „Schwarzwaldatmosphäre“ samt Ruhe genießt.
 
Wie man in dieser Umgebung (und bei der Anzahl der entsprechenden Hotels und Restaurants im direkten Umfeld von Baiersbronn) in der Nebensaison erfolgreich einen gehobenen Restaurantbetrieb unterhalten kann, bleibt mir schleierhaft, aber erklärbar – fließt am Ende damit leider auch in meine Bewertung mit ein. (Was in der Hochsaison sicher überhaupt kein Problem sein dürfte).
 
Klar ist, dass die in der Speisenkarte angebotene Breite des kleinen Angebots vorratsmäßig auf TK-Ware basieren wird – von Wild bis Fisch gibt es jeweils wenig Auswahl, aber wie gesagt doch jeder Art, alles vertreten. Klar ist auch, dass man in dieser Kategorie die Speisenkarten auch auf englisch präsentieren muss und kann.  Interessanter Weise aber finde ich die in der rein deutschen, offensichtlich aktuellen Speisenkarte bereits gleich zu Beginn angebotenen regional typischen  „Saure Kutteln“ , aber nicht in der sehr ansprechend gemachten deutsch/englischen Version der Karte . An einer Übersetzung (Sour tripe with fried potatoes) kann es nicht gelegen haben – eher an mangelndem Interesse und marketingtechnischer „Einstimmung“ der Gäste. Die Preise sind – abgesehen davon, dass man in der scheinbaren Abgeschiedenheit versucht ist,“sehr günstig“ zu erwarten und vergisst in einem Hochtourismusgebiet zu sein - auf durchaus normalem Niveau. Die Schwäbische Maultaschensuppe (4,80) sieht sehr gut aus, ist eher mehr Maultaschen mit Brühe als Suppe, und wird vom Esser als sehr lecker beschrieben.  Mich zieht es zum gebratenen Saiblingsfilet "grenobler Art" mit  Petersilienkartoffeln (18,90) – in Butter gebraten, mit Zitronenwürfeln und Kapern  und  weiter werden auch das Lachsforellenfilet mit Champignons in Schnittlauchsoße mit Kartoffeln und Salatteller (18,90), Schwäbischer Zwiebelrostbraten mit hausgemachten Maultäschle, Schupfnudeln und Salatteller (19,50), Geschnetzeltes aus der Rehkeule in Wacholderrahm mit handgeschabten Spätzle und Salatteller (20,50), Gemischtes Filetgeschnetzeltes in Champignonrahmsoße mit handgeschabten Spätzle und Salat (17,50) und ein Rehrücken „Baden-Baden“, natürlich mit Birnen und Preiselbeeren und handgeschabten Spätzle (24,50) bestellt.  Ein Interessant fand sich noch für „Ausgesuchte Blattsalate mit gebratenen Gambas und Jakobsmuscheln in Tomatendressing (17,80), die mich ebenfalls gereizt hätte.
 
Da wir erst am Nachmittag einen Tisch für acht Personen reserviert hatten, war offensichtlich, dass das Restaurant zunächst noch nicht auf den „Ansturrm“ der die Gästezahl im Restaurant beinahe verdoppelte, gerüstet war.  Nach angenehmer Wartezeit wurden –  zunächst nur von einer der beiden Servicekräfte im Restaurant, die bei den wenigen anwesenden Gästen bis dahin sicher mehr als ausgereicht hatten,  zunächst die Getränke in mehreren Zügen  und mit Unterstützung einer jungen Aushilfe nacheinander gebracht.
 
Der Service selbst war insgesamt aufmerksam und recht freundlich, fragte bei leeren Gläsern nach und scheute auch nicht davor zurück, mit einigen Brocken  Englisch oder auf deutsch mit den amerikanischen Gästen freundlich zu kommunizieren.
 
Da bei allen Gerichten (außer der Salatplatte) Beilagensalat dabei war, zeigte die Bedienung mit der Bitte um Selbstbedienung auf das in einer Kühltheke platzierte Salatbuffet: Gemischte Paprika mit Mais, Rettich, Möhrensalat, Gurkensalat mit Saure-Sahne-dressing, Geraspelter Rettich, Tomaten, Sellerie Radieschen, vier verschiedene Blattsalate sowie Joghurt, Sahne und  Vinaigrette standen als Dressings bereit. Jeder nahm sich den gewünschten Salat setzte sich und mümmelte den Teller leer.  Ein Amuse  war dann wohl nicht zu erwarten – weder bouche noch gueule.
 
Mit dem zweiten Bier kamen dann die Speisen – formell mit Cloche einzeln nacheinander mit Abstand serviert. Zunächst der Rostbraten, zu dem anschließend gesondert die Schupfnudeln direkt am Tisch aufgelegt wurden. Danach wurde das zweite  Gericht geholt, die gemischten Geschnetzelten und das vom Reh  gebracht. Auch hier nach dem Abheben und Abstellen der Cloche die Spätzle am TIsch aufgelegt – auf Grund der Tischaufstellung mit einer Wandbank ging dies natürlich nur quer über die Gäste, die nebeneinander saßen – (auch wenn es mit Beistelltisch auch anders ginge ) schlechte Tischzuordnung seitens des Restaurants, die eventuell wegen des FCB-Porto-Spiels nur mit „Trinkgästen“ gerechnet hatten?  Denn mit dem Übertragungsbeginn hatten sich auch die bisher in der Bar wartenden Gäste sich vor den Fernseher begeben und mit einemal war eine weitere Servicekraft für unseren Tisch dabei.
 
Mein Saiblingfilets zwei recht große Filets, aber unterschiedliche Größe. Die genobler Art der Zubereitung mit Zitronenstücken und Kapern wurde nicht nur geschmacklich durch die „hervorschießenden“ großen Kapern zerstört, gegen den der gut buttrige  Zitronengeschmack verlor, der seinerseits  angenehm durch kleine Tomatenstückchen gemildert wurde. Doch auch durch verbliebene Zitronenkerne wurde die Verwendung der Früchte deutlich gemacht. Die Kerne hätten nicht sein müssen – einer falls überhaupt wäre ein Versehen. Doch so störten die schon mal rein mechanisch jeden Genuss. Aufgrund der recht großen Kapern schoß dann zudem beim Zerbeißen ein Schwall des  Einlegeessigs auf die Zunge –ebenso nicht recht angenehm  –(während die großen Kapern natürlich auch leicht auszusortieren gewesen wären – aber eben deshalb hatte ich ja grenobler Art gewählt). Zusammen mit den Tomaten und Kartoffeln dennoch eine interessante Konsistenz- und Geschmacksvielfalt. Während des Essens merkte ich an, der Saibling sei umsonst gestorben, man habe ihn zudem totgebraten – angesichts der zwei unterschiedlich großen Stücke relativ logisch nachvollziehbar: Beide TK auf der Haut in die Pfanne – dann fällt einem der Köche etwas spät ein, dass das kleinere Filet evtl. doch früher raus muss als das andere – also ist dies nun schon überbraten - well-done – und das andere Stück bleibt noch in der Pfanne,  bis wieder einfällt, man habe nur ein Filet aus der Pfanne genommen (das dann wohl noch in der Sonne der Wärmelampe stand ) und da damit noch viel well-doner wurde als es bereits war, tot und trocken. Im Anschnittbild sieht es zwar noch wirklich gut aus, die Zunge wie Gaumen meinten aber, es anders als die Augen melden zu müssen. Beim Lachsfilet gab es Gräten (bei mir nur eine kleine),  der Baden-Badener Rehrücken war, wie mir gesagt wurde zur Hälfte überbraten, zur anderen Hälfte zu roh (aber im Durchschnitt wäre das ja dann richtig gewesen?). Bei der Salatplatte fielen sofort die Abwesenheit der angekündigten Jakobsmuscheln auf, ab-gepilgert? Erst nach der Reklamation sagte  entschuldigend die Servicekraft, ja, der Koch hätte ihr am Pass gesagt, dass er keine Jakobsmuscheln habe aber dafür Gamba s draufgelegt habe - sie hätte vergessen auszurichten. Das wars. Etwas knapp, meine ich, auch die vier Gambas, die ich auf dem Teller sah, wären dann ja noch weniger – (aber ich habe ja erst kürzlich andere  Erfahrungen mit Riesengarnelen machen dürfen).  Dafür war der Spätzlefreund, der gestern kaum eine halbe Portion gegessen hatte, heute ganz begeistert von Spätzle uns Soße – und die Servicekraft legte gerne Spätzle nach.
 
Porto hatte derweil schon einiges an Rundem im Netzquader hinter Neuer platziert, was an der Stille vor dem Fernseher zu bemerken war. Dass auch Bayern in den Hafen von Porto kickte, war dann deutlicher, aber doch zurückhaltend geräuschuntermalt.
 
So sieht auch mein Fazit aus: die Küche gab ihr Möglichstes, dennoch reichte es nicht, der Service agierte nach Kräften, musste  aber unprofessionell wirken. Der von mir diesem Hause (siehe auch deren Webseite) aus dem äußeren Erscheinungsbild und Tun (Cloche, Beilagen gesondert und nachträglich - und dann nicht auf einem Beistelltisch, sondern querübertischundgäste , Zitronenkerne, Gräten, Kerntemperaturen ) zugeordnete  Anspruch lässt mich daher maximal mit „okay“  punkten. Dennoch würde ich dem Haus eine Chance geben und damit nach Küchenreise die 3 – wenn es sich wieder ergibt. 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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