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GastroGuide-User: Siebecko
hat Haus Unland in 44149 Dortmund bewertet.
vor 6 Jahren
"Großes Balkan-Steakhaus mit über 100 Sitzplätzen. Einrichtung bürgerlich und gepflegt. Ausgezeichnetes Grillfleisch, große Portionen zu ordentlichen Preisen"

Geschrieben am 11.02.2015 | Aktualisiert am 11.02.2015
Besucht am 07.01.2014
Meine Begleitung nörgelte an diesem Abend lautstark Urgelüste wie "Grieche, Grillfleisch, Zwiebeln, Tzatziki!". Oh je, das konnte ja heiter werden für mich. Nach ausführlicher Diskussion einigten wir uns auf das Balkan-Steakhaus Unland unter Verzicht auf das Tzatziki. Mir fielen nämlich bei dem Gedanken an kroatische Küche Speisen wie "Muckalica – scharfes geschmortes Schweinefleisch in Tomatensauce mit Paprika, Zwiebeln, Knoblauch und Ajvar" ein. Vor ewigen Zeiten hatte ich das mal sehr gerne gegessen. Heute wohl auch noch?

Das große Gebäude liegt nur ca. 100 Meter von der A40/B1, Ausfahrt DO-Dorstfeld, entfernt. Etliche Parkplätze findet man vor dem Haus und auf dem gegenüber liegenden Parkplatz. Rechts neben dem Gebäude ein großer Biergarten mit rustikalen Tischen und Bänken unter einer bewachsenen Pergola. Einige Stufen führen zu dem im EG liegenden Restaurant hinauf.

AMBIENTE

Wir öffneten die Eingangstür und plötzlich standen wir in einer Tropfsteinhöhle – zumindest war das der Eindruck des ersten Moments. Eine Art Höhlenverkleidung mit runden geschwungenen Decken und einem kleinen Wasserbecken am Boden davor.
Der große Gastraum war eingerichtet im Stil der 80er Jahre deutscher Wohnzimmer-Inneneinrichtungskultur. Wer hatte das Sitzpolstermuster zuerst? Der Italiener Don Camillo in Dortmund oder dieses Steakhaus?
Dicke Holzbalken an der Decke, künstliche Bäume bis zur Decke, Hydrokulturpflanzen, zahlreiche typische Balkan-Rundbögen zwischen großzügig bestuhlten Nischen. Einiges an Deko-Kitsch.
Auf den blanken Holztischen lagen rote Stoffsets. die bunten Papierservietten mit Glockenmotiven bewiesen, dass hier kürzlich mal Weihnachten war.

SERVICE

Beim Eintritt wurden wir von einem Kellner zurückhaltend freundlich begrüßt und er wies uns den Weg in den rechts liegenden großen Gastraum. Wir konnten unseren Platz frei wählen.
Nachdem wir den Garderobenständer gefunden und die Mäntel dort platziert hatten, reichte man uns zügig die Speisekarten und nahm die Getränke auf.
Der männliche Service agierte während unseres Aufenthaltes professionell, war sehr freundlich und schnell, jedoch ohne Hektik. Wir waren sehr zufrieden. Er hat mir sogar lächelnd verziehen, dass ich bei der Auswahl des Digestif einen kurzen Ausflug von Kroatien nach Griechenland wagte.

ESSEN

Die mehrseitige Speisekarte wies mehr als 100 Positionen aus mit dem Schwerpunkt Grillfleisch- und Steakgerichte mit Beilagen wie z. B. Pommes, Kroketten, Rösti und Djuvec-Reis zu angemessen Preisen. Schnitzelvarianten und irgendwo im Gedränge der Gerichte auf der Karte Fisch. Fisch hier: Nein, wollte ich nicht!
Aber wo war die Abteilung mit den kroatischen Landesspezialitäten? Fehlanzeige, kein Muckalica! Frust bei mir!
Meine Begleitung entschied sich für den Grillteller (€ 13,20), der einen Salat vom Salatbuffet beinhaltete.
Ich fragte den Kellner nach Muckalica. Er sah mich an wie ein Wesen von einem anderen Stern, fasste sich jedoch schnell und meinte, diese Gerichte gäbe es schon ewige Zeiten nicht mehr bei denen.
Nun gut, ich wollte keinen Salat, sondern Gemüse zum Fleisch und entschied mich für ein gegrilltes Putensteak (€ 10,20). Hierbei konnte man die Beilagen nach Wunsch zusammenstellen. Ich wählte Bratkartoffeln (€ 3,20), als Gemüse grüne Bohnen (€ 3,20) und dazu Ajvar (€ 1,10). Damit kam ich für mich auf stolze € 17,70.

Brot und einen Aufstrich haben wir hier nicht erwartet, kam auch nicht.

Also inspizierte ich in Ruhe das Salatbuffet. Sauber präsentierten sich u. a. rote und gelbe Paprika in große Stücke geschnitten, Eisbergsalat, Friseesalat, Tomatenwürfel, dicke Stücke Schlangengurken, roter Bohnensalat mit Zwiebeln, Dosenmais, eingelegte Pepperoni, frische Möhrenjulienne, Krautsalat, Radiccioblätter, klobige Ringe von Gemüsezwiebeln und fast grauer Salat von grünen Bohnen (oh, ob meine gewählten Bohnen wohl auch diese appetitliche Farbe haben?). Daneben zwei Sorten Fertigdressing auf Joghurtbasis. Auf der Ablage über den Salaten stand eine große Auswahl an Essigen, Ölen und Fertiggrillsaucen aus der Flasche.

Und schon flitzte unser Kellner um die Ecke - bewaffnet mit Allem, was wir bestellt hatten.

Der Grillteller meiner Begleitung war üppig gefüllt mit zwei Cevapcici (Hackfleischröllchen), einem Hüftsteak und darunter lagen versteckt noch zwei Schweinecarbonaden-Steaks. Die Cevapcici locker in der Konsistenz und im Kern noch leicht rosa. Das Hüftsteak medium gegrillt und zart. Die dünn geklopften Schweinesteaks nur ganz kurz gegrillt und saftig. Der Duft nach Holzkohle und der dezenten Fleischmarinade ließ das Wasser im Mund zusammenlaufen. Ich sehe glänzende Augen und breites Grinsen!
Eine üppige Portion gut zubereiteter Pommes und Djuvec-Reis füllten den großen Teller und sollten wohl noch den letzten Holzfäller sättigen. Den Teller hatte aber kein Holzfäller bestellt, also wurde er auch nicht leer gefuttert. Der Reis schmeckte gut, meinte meine Begleitung. Das Probehäppchen, das ich mir nahm, fand ich dagegen muffig und fade. So isses.
Den dazugehörigen Salatteller hatte mein gieriges Gegenüber selbstverständlich randvoll gefüllt. Was damit passierte, überlasse ich der Phantasie der Leser!

Meine Bestellungen füllten den ganzen Vierertisch, an dem wir saßen:
Ein großer Teller mit dem mittig positionierten großen Putensteak. Ein großer, tiefer Teller prall gefüllt mit grünen Bohnen. Ein großer Teller prall gefüllt mit Bratkartoffeln. Ein Dessertteller mit einer Sauciere mit rotem Ajvar.
Das flach geklopfte Putensteak nach Röstaromen duftend, zart und saftig in der Konsistenz. Sehr ordentlich.
Die grünen Bohnen noch mit Biss aber wässerig im Geschmack. Zum Schluss in dicken Speckstücken geschwenkt, die versuchten, den faden Bohnen Geschmack zu verleihen. Wenn ich frische Bohnen koche, werden die nie so wässerig.
Die Bratkartoffeln kross goldgelb gebraten mit Zwiebelstückchen, die mir noch zu glasig waren.
Das Ajvar (Paprikapaste) schmeckte genau wie das, was ich im Sommer schon mal zum häuslichen Grillen im Glas kaufe. Ich mag es so.

GETRÄNKE

Selters Mineralwasser 0,75 l zu € 5,80
Brinkhoffs Pils 0,4 l zu € 3,00
Kroatischer trockener Weißwein 0,25 l zu € 4,00
Glas Ouzo zu € 2,20
Glas Slivovitz zu € 2,00
Die Weinauswahl war eigentlich keine. Offener Weißwein in lieblich oder trocken, offener Rotwein in lieblich oder trocken und Roséwein wahrscheinlich lieblich. Mehr nicht.
Der gut gekühlte Weißwein wurde in einem etwas klobigen Glas serviert. Kein Bukett, flacher Geschmack, aber zum Glück nicht sprittig. Die Qualität ähnelt der der meisten einfachen mediterranen Restaurants in Deutschland. Mehr sage ich dazu nicht.

FAZIT

Da hatte ich mengenmäßig in die Sahne gepackt. Fast die Hälfte meines Essens blieb übrig. Also: Sehr große Portionen mit sehr gutem Grillfleisch zu für die Mengen absolut angemessenen Preisen. Ein Paradies für Vielfleisch-Esser. Kein Eldorado für Gemüse- und Weinliebhaber.

ZU MEINEN PUNKTEN

Essen: Meine Begleitung Bier trinkend war subjektiv klar für 4 Punkte. Klar. Ich objektiv für 3 Punkte aufgrund der geschilderten Fakten. Also 3,5 Punkte im Schnitt. Aber es ist meine Kritik. Unter Berücksichtigung der Weinqualität bleibe ich bei 3 Punkten. Basta :-))))

Sind im Laufe der Zeit alle Balkan-Restaurants mutiert zu Steakhäusern???
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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