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GastroGuide-User: Hanseat1957
hat Feuerkugel in 99084 Erfurt bewertet.
vor 11 Monaten
"Auch dreißig Jahre später noch solide Hausmannskost und bodenständig"

Geschrieben am 21.10.2019
Besucht am 17.10.2019 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 53 EUR
Allgemein

Kurz nach der Wende waren die ersten Restauranterfahrungen im Osten der Thüringer Hof in Leipzig und die Feuerkugel in Erfurt. Beides nach meiner Fernerinnerung unter Noch-DDR-Bedingungen sehr ordentlich. Zum Saisonabschluss wollte ich meine beruflichen Erfurterfahrungen vertiefen und so kam ein Viertagestrip nach Erfurt Mitte Oktober zustande.

Kulinarisch drängte sich nichts Südländisches in Erfurt auf und so wurde zweimal Thüringer Kost und einmal russisch vorgebucht.

Als erstes die Reminiszenz Feuerkugel.

Als wir eintraten kam die Erinnerung und es schien mir, als wenn sich nichts verändert hätte. Das wird so wohl nicht sein, hat die Feuerkugel nach der Wende doch zwei Sanierungen hinter sich gebracht. Aber das Ambiente wurde erhalten.

Heute zählt die Feuerkugel zu den ersten Adressen für Thüringer Küche bei Touris, aber auch Einheimischen. Eine Einkehr kann ich empfehlen, auch wenn nicht alles voll überzeugte.

Wer einkehren möchte, kann sich erst einmal anhand der Fotogalerie und der Speisekarte auf der Homepage einstimmen und auch gleich eine Reservierung online vornehmen, die schnell beantwortet wird (https://www.feuerkugel-erfurt.de). Am besuchten Donnerstagabend füllte sich die Feuerkugel gegen 18 Uhr schnell und nur auf drei Tischen in der Mittelreihe standen keine Reservierungsschilder. Paare, kleine und mittelgroße Gruppen bevölkerten das überschaubare Restaurant.

Obwohl nur einen Steinwurf von der Krämerbrücke entfernt, also im touristischen Zentrum Erfurts gelegen, sind die Preise zivil und rechtfertigen vier Sterne für das Preis-Leistungsverhältnis.

Service

Zwei jüngere Frauen und zwei Männer verrichteten die Arbeit hinter dem Tresen und an den Tischen. Viel Wert wird auf ein einheitliches und adrettes Erscheinungsbild gelegt: Weiße Hemden resp. Blusen unter einer dunklen Weste, unter der sich lange schwarze Kellnerschürzen anschlossen. Als Farbtupfer dient eine rote Krawatte.

Unsere Kellnerin erklärte anschaulich auf Befragen, was man sich denn unter einem gebratenen Kloßwickel vorzustellen habe. Als dieses Gericht geordert war und am Nachbartisch schon mal zum Anschauen aufgetischt wurde, verließ meiner ständigen Begleiterin der Mut nach der nachmittäglichen Rostbratwurst am Bahnhof und der Vorsuppe und bat um eine Stornierung, was klaglos akzeptiert wurde. Es war auch deswegen unproblematisch, weil eine längere, angenehme Pause nach dem Suppengang gewährt wurde. Die Getränke hingegen kamen immer flott auf den Tisch.

Eine Pfeffermühle flog nach dem Wunsch schnell heran und brav wurde immer gefragt, ob es denn geschmeckt habe. Auch als es gut brummte, kam keine Hektik auf.

Das mündet in vier Sternen, auch wegen der gezeigten Kulanz beim Stornowunsch.

Die von mir in den letzten Monaten registrierten Getränkepreise, insbesondere die Bierpreise, spreizen zunehmend, was daran liegt, dass einige Wirte in ihren 08/15-Betrieben mittlerweile locker die 3-€-Grenze für mein Vergleichsmaß 0,3 l überschritten haben.

Da hebt sich die Feuerkugel wohlwollend ab. Riebeck, Hacker-Pschorr und Köstritzer kommen für 0,3 l auf 2,60 € und die Halbe gibt es für 3,90 €; Weizen 3,80 €. Wasser 0,75 l steht mit 4,80 € auf der Karte und die zwölf offenen Rot- und Weißweine liegen zwischen 4,20 und 4,90 €, darunter auch die nächstgelegenen Gewächse von Saale und Unstrut.

Essen

Die Speisekarte gibt es auf der Homepage zu sehen. Ergänzt wird sie in der Restaurantkarte um drei Spezialitäten von Oma Käthe: Kartoffelsuppe, Haxe und Grießpudding.

Also erst einmal die Kartoffelsuppe mit einer krossen Viertelscheibe Rotwurst und frischen Kräutern (4,20 € auf dem Bon, 3,90 € in der Karte, was mir jetzt auffällt). Sie hätte deutlich heißer sein müssen. Frische Kräuter wurden durch Petersilie repräsentiert. Ein Teelöffel würziges Öl bildete einen Film auf der Suppe. Diese sämig und sehr hell, was aber nicht von einer übertriebenen Sahnezugabe herrührte. Die Würzung war der Küche gut gelungen.

Eigentlich sollte es ein Kloßgericht gegenüber und die Schlachteplatte auf meiner Seite sein, auch um die legendären Thüringer Klöße verkosten zu können. Daraus wurde nun leider nichts und ich musste mit meiner Schlachteplatte zufrieden sein. Sie hatte als Beilagen Kartoffelstampf und Schmandsauerkraut und vom Schwein zwei gebrühte Leber- und Rotwürste und ein gegrilltes Rippenstück.

Der Kartoffelstampf war mir etwas zu trocken geraten und hatte auch keine Buttrigkeit oder Würze (für mich gerne kräftig Muskatnuss). Das Sauerkraut leicht flüssig und mild und gut passend zu den Würsten. Den Schmand hatte die Küche denn wohl doch für die Kartoffelsuppe aufgebraucht.

Die Würste oder besser die Wurstmasse ließ sich sehr schön aus dem Darm streichen. Die Rotwurst sehr kräftig gewürzt, pfeffrig und ich meine auch Piment haben da geholfen. Die Leberwurst etwas milder, aber auch deftig. Das panierte Rippenstück war nur trocken und trug zum Gericht nichts bei. Aber wegen der guten Würste habe ich meine Wahl nicht bereut.

Der Grießpudding spielte gegenüber den zweiten Gang und das Gläschen war schnell mit Wohlgefallen ausgelöffelt.
Festzustellen ist, dass die Küche zu würzen versteht. Suppe richtig erhitzen und Stampfkartoffeln veredeln sollte zudem gelingen. Bis dahin bleibe ich bei 3,5 Sternen. 

Die Kloßgerichte sahen übrigens alle richtig gut aus und die zwei tennisballgroßen Klöße auf den Tellern mit Gemüse- und Fleischbeilage dürften sättigen.

Ambiente

Dunkles Holz dominiert: Wandpaneele bis Brusthöhe, Tresen, offener Gläserschrank, schlichte Stühle und die blanken Tische mit schwarzen Einlagen. Kontrastiert wird das durch helle Wände und einen hellen Parkettboden.
Sehenswert die Decken mit dunklen Holzbalken und Leisten, die eine Art Rautenmuster bilden. Die metallgefassten weißen Decken- und Wandleuchten ergänzten einwandfrei Holz-, Wand- und Deckenfarben. An Deko stach mir nur ein Grammophon ins Auge.

Der Raum ist offen und hoch. Der Geräuschpegel war aber noch erträglich, weil die Gesellschaften entweder noch nicht warmgelaufen waren oder aus sittsamen Zeitgenossen bestanden.

Der Platz auf dem Tisch war gut und eng gestellt ist es in der Feuerkugel nicht.
In einem gänzlich von Hauswänden eingerahmten kleinen Biergarten lässt es sich schattig an der frischen Luft gut essen und trinken.

Sauberkeit

Alles sehr gepflegt; die Toiletten modern, sauber und frisch.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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