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GastroGuide-User: Carsten1972
hat Klein Marrakesch in 48145 Münster bewertet.
vor 2 Jahren
"Würdiger Nachfolger......"
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Geschrieben am 27.03.2017 | Aktualisiert am 27.03.2017
Besucht am 24.03.2017 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 97 EUR
..in den ruhmreichen Hallen!

Aber von vorn. Freitagabend lag nichts an, ich war mal zwei Tage am Stück im Büro und am Donnerstagnachmittag dachte ich darüber nach, wohin man wohl, angesichts des am Freitagabend leer gegessenen Kühlschranks essen gehen könnte. Irgendwie dachte ich an Münster und dort an das Klein Marrakesch, und das wir dort immer schon mal hingehen wollten. Weder meine Frau noch ich konnten sich unter maghrebinischer Küche etwas vorstellen. Also mal geschaut und bei "open table" den Versuch gestartet, ob man noch einen Tisch ergattern könnte. Das ist in Münster am Wochenende mit einem Tag Vorlauf meistens ein erfolgloses Unterfangen. Aber, es ging, für 20 Uhr konnte ich einen Tisch reservieren.

Um kurz vor 20 Uhr kamen wir also an. Das Klein Marrakesch residiert in der alten Immobilie der Villa Medici, siehe mein Titel. Wir betraten das Haus und registrierten einen Auslastungsgrad von an die 100%, hoffentlich hatte das mit dem elektronischen reservieren geklappt. Ein sehr freundlicher und fröhlicher älterer Herr nahm sich unserer an und fragte noch unserer Reservierung. Mein "niederländischer" Nachname sorgte für einen fröhlichen Moment der Erkenntnis und schon war unserer Reservierung geklärt. Es ging in den "königlichen Salon" am Ende des Raumes. Ein großer Tisch für sicher 16 Personen und zwei kleine Zweiertische standen dort, einen davon bekamen wir zugewiesen. Die Garderobe musste ich selber zum Haken bringen.

Das Innere ist sehr maghrebinisch dekoriert, bis hin zur Tischdekoration.


Es war so gut wie kein Platz mehr frei, und die Servicetruppe hatte extrem viel zu tun. Wir warteten ein wenig auf die Karten, diese lässt sich im Internet einsehen. Tagesempfehlungen oder sonstige Angebote wurden nicht verkündet. Was man in der Karte erlesen kann, soweit man es geschmacklich einordnen kann, schaut sehr verlockend aus.

Schnell waren wir uns einig, einen gemischten Vorspeisenteller für uns Beide zu bestellen, eine Suppe als Zwischengang sowie ein Tajinegericht als Hauptgang, für mich als Nichtkenner das typischste marokkanische Gericht.

Meine Frau wollte zurück fahren und bleib beim Wasser, ich wollte und durfte somit die angebotenen marokkanischen Weine testen. Meine erste Wahl wurde gleich wieder unmöglich gemacht, der erwählte Ksar Blanc Beni Mtir (Rebsorte Ugni Blanc) aus dem Atlasgebirge war aus. Somit wandte ich mich dem angebotenen Sauvignon Blanc zu, Trois Domaines Guérrouane. Dieser ist der weiße Hauswein. Für einen Sauvignon Blanc hatte der zu wenig Bukett, und war sehr mineralisch. MIttelprächtig war das. Aber wenn man schon die marokkanische Küche probiert, dann auch mit marokkanischem Wein. Schön ist, dass alle Weine der Karte sowohl als Flaschen, wie auch als Glasweise angeboten werden.

Mit den Getränken ein erster Gruß der Küche:

Ein sehr trocken geröstetes, gewürztes Brot mit einer Safranbutter und einer Oliventapenade. Beides, sowohl Butter wie auch besonders die Tapenade waren sehr exotisch und wohlschmeckend!

Nach angemessener Wartezeit kam dann unser Vorspeisenteller.

Ich hoffe, ich kriege noch alle Bestandteile zusammen. Ein gebratene Jakobsmuschel, mariniert in Charmoula, dies wurde nicht erklärt, mit Süßkartoffelpüree und Arganöl, gleich ein geschmacklicher Höhepunkt. Sehr gut auch das Auberginenmus, das Blumenkohlpüree und die marinierten Möhren. Natürlich war Couscous mit auf dem Teller. Nicht so meines die Bohnen, mariniert, wie ein Salat serviert, sowie die frittierten Teigtaschen. Ein kalt servierter blanchierter Spinat sowie die Kichererbsen gefielen wieder besser. Insgesamt ein geschmackvoller Vorspeisenteller.

Vor den Hauptgängen hatten wir eine Suppe bestellt, die wir uns teilen wollten.

Soupe Harira et ses dattes, Harira Suppe mit ihren Datteln...nun denn, hier war ich einfach neugierig auf den Geschmack. Und der enttäusche nicht bei dieser traditionellen marokkanischen Suppe. Die Hauptzutaten Kichererbsen, Linsen, Tomaten, Zwiebeln und Hühnerfleisch, zudem frische Kräuter, vor allem Koriander und Petersilie waren gut zu erschmecken. Geschmeckt habe ich auch Pfeffer, Ingwer, Kreuzkümmel, Kurkuma und Zimt, vielleicht auch Safran. Dies war so, wie ich mir diese nordafrikanische Küche vorstelle. Interessant auch, das kaum Salz zu schmecke war.

Das bleib auch bei den Hauptgängen so, in der Tajine wurden serviert:

Souris d´agneau au fenouil et dattes Lammhaxe an Datteln und Fenchel

Épaule d´agneau Artichauts et petits Pois Scheibe von der Lammschulter an Artischockenherzen und Gartenerbsen

In beiden der tönernen Schmortöpfe auf feinste geschmortes Lammfleisch, sowohl die Wal meiner Frau, die Haxe, auch meine Wahl, die Schulter. Meine Wahl, die Schulter in einer würzigen Schmormarinade mit Artischocke und Erbsen. Was Gartenerbse bedeuten soll erschloss sich mir nicht, aber das war okay. Noch ein Stückchen besser, weil exotischer mit süßlichen Noten durch die Datteln die von meiner Frau bestellte Lamm-Haxe. Beide Gerichte sehr lecker! Dazu wird Brot gereicht, aber nutzten es nicht, weil wir nach diesen 2,5 Gängen so gesättigt waren, dass nicht einmal mehr ein kleines Dessert ging.

Zum Schmorfleisch ein sehr ordentlicher marokkanischer Rotwein. 2011 Domaine Riad Jamil. 100% Carignon in französischen Eichenfässern unterschiedlich lange gelagert erklärte die Karte und dieser Wein gefiel mir um Längen besser als der erste Sauvignon.

Extrem gut gefiel uns der Service im Klein Marrakesch. Die Herzlichkeit aller ausschließlich männlichen Servicekräfte, die persönliche Ansprache des Maitre (ich nehme an, dass er es war) erfreuten uns sehr. Man fühlte sich von der ersten zur letzten Minute aufs Beste umsorgt. Vorbildlich war das!

Zum Fazit, für knapp 100 EUR war das ein erfreulicher Abend. Die marokkanische Küche, die wir hier kennen gelernt haben, machte uns sehr viel Spaß und wir kommen sicher wieder.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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