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GastroGuide-User: tischnotizen
hat Aldi Pop-Up-Bistro in 50670 Köln bewertet.
vor 3 Jahren
"Kantinenqualität beim Discounter-Bistro"
Verifiziert

Geschrieben am 01.05.2017 | Aktualisiert am 02.05.2017
Besucht am 30.04.2017 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 20 EUR
Wer denkt, dass ein Restaurantbesuch für weniger als einen dreistelligen Betrag bei uns unter Low Budget fällt, wird jetzt möglicherweise schockiert sein. Im folgenden geht es um Low Low Budget. Tischnotizen goes Aldi.

Wenn das bundesweit erste Pop Up Bistro des Discounter-Riesen nur ein paar Schritte von meinem Zweitwohnsitz für drei Monate sein Domizil aufschlägt, mache ich selbstverständlich den Praxistest. Schließlich kaufe ich auch bei Aldi und laufe deswegen nicht mit einer Schuld- und Schamkappe rum.

Die Werbung allerorten in Köln

Im Mediapark in Köln hat Aldi in Containern ein durchaus ansehnliches und gar nicht mal ungemütlich eingerichtetes Bistroambiente geschaffen. Es ist eine schlichtere Mischung aus IKEA und Vapiano mit Kräutertöpfen und Besteckkästen auf dem Tisch. Bei schönem Wetter kann man auch draußen auf der Terrasse auf dem Dach sitzen. Man sitzt wahlweise an wenigen Hochtischen, ansonsten an langen Tafeln auf Drehhockern. Man wird dort platziert, wo eben Platz ist. Ganz in kölscher Manier kommt man sich hier so nahe. Und für das romantische Dinner ist das hier eh nicht gedacht. Wer wie wir bei Sonnenschein nicht im Schatten sitzt, für den wird das allerdings schnell zur schweißtreibenden Angelegenheit und damit recht unangenehm.

Das Interieur

Für 7,99 Euro gibt es ein täglich wechselndes Dreigang-Menü, bei dem es scheinbar vorweg regelmäßig eine Suppe und einen Nachtisch gibt und man im Hauptgang zwischen Fisch, Fleisch oder einer vegetarischen Variante wählen kann. Alle Gänge kann man aber auch einzeln ordern. Getränke gibt es nahezu konkurrenzlos günstig ab 1 Euro für Softdrinks und ab 3 Euro für Weine.

Die Menükarte

Der beschert uns auch einen der denkwürdigsten Service-Dialoge ever. Auf der Karte ist nur Weiß-, Rot- und Roséwein angekündigt. Also frage ich: „Was für ein Weißwein ist das denn?“ Antwort: „Der von ALDI.“ „Aha, Um was genau für einen handelt es sich denn?“ „Der ist leicht.“ Ich: „Geht es etwas genauer? Was für eine Rebsorte ist es denn?“ An dieser Stelle hat es zwar etwas von „Versteckte Kamera“, aber das arme Mädel tut mir eigentlich fast leid. Sie macht sich dann doch noch schlau und wir erfahren, dass es Sauvignon Blanc aus Südafrika ist. Und der ist tatsächlich anständig trinkbar.

Die französische Zwiebelsuppe kommt und schnell wird klar, dass hier viel mit Trockenkräutern gearbeitet wurde. Die etwas labbrige Weißbrotscheibe hat wohl einen Hauch Käse abbekommen. Das ganze ist ziemlich fettig und schmeckt irgendwie nach Studentenküche. Finesse darf man hier nicht erwarten. Ein französischer Koch müsste hierfür um die Aberkennung seines Berufsstandes fürchten. Ich kann das nur zur Hälfte essen.

Französische Zwiebelsuppe (Foto leider erst nach halbem Verzehr gemacht)

Im Hauptgang wählt meine bessere Hälfte Spaghetti mit Chili (kaum schmeckbar) und geröstetem Knoblauch (gut schmeckbar), Zucchini, Tomaten und Garnelen. Ich probiere die Spaghetti und die alleine sind ziemlich gut. Der Knoblauchgeschmack ist deutlich, aber nicht penetrant. Das Gemüse bräuchte ich dazu gar nicht unbedingt, aber es ist in Ordnung. Die Garnelen probiere ich nicht, aber mein Gatte gibt dazu später zu Protokoll, dass sie tot, töter, am tötesten waren. Also furztrocken.

Spaghetti mit Chili, geröstetem Knoblauch, frischem Gemüse und Garnelen

Mein Schnitzel ist anständig gebraten, durchaus noch saftig. Und die Bratkartoffeln sind à la bonheur. Die haben wir anderswo schon weitaus schlechter bekommen.

Schnitzel Wiener Art mit Bratkartoffeln

Ich kämpfe mich dann noch durch den Nachtisch, Milchreis mit Fruchtcocktail, obwohl ich beides nicht wirklich gerne esse. Aber die Chronistenpflicht gebietet es. Der Milchreis ist für sich genommen ganz ok, etwas kompakt und massig zwar, aber durchaus vernünftig abgeschmeckt. Gruselig für mich ist dann aber das Tutti Frutti-Dosenobst, das ich schon in den Siebziger Jahren im Landschulheim nicht mochte. Auch das kann ich nicht zuende essen.

Milchreis mit Fruchtcocktail

ALDI will mit diesem Bistrokonzept beweisen, dass man auch mit günstigen Zutaten gut und geschmackvoll kochen kann. Ich will das gerne glauben, aber – in aller Unbescheidenheit – das bekomme ich besser hin. Als Kantinenessen könnte man mit der Qualität und dem Kampfpreis durchaus zufrieden sein. Und vielleicht ist das ja auch die Zielgruppe, auf die man schielt. Schließlich gibt es in der nahen Umgebung einige Unternehmen, für die das Quartalskonzept eine willkommene Abwechslung darstellen könnte. Dazu gibt es sicherlich genug neugierige Gäste, die für ausreichend Auslastung sorgen und einfach mal sehen wollen, wie ein Discounter ein Bistro betreibt.

Außenansicht

Das läuft bereits nach wenigen Tagen und bei konstant vollem Haus durchaus professionell. Unser „Das ist der Wein von ALDI“-Mädel ist zwar auch beim Zusammenrechnen der 5 Positionen leicht überfordert, so dass ich ihr hierbei tatkräftig unter die Arme greifen muss, aber ansonsten ist der Service sehr sympathisch und herzlich.

Muss ich das trotzdem noch mal haben? Nein, wohl nicht. Mein Mann kommentiert es später mit den Worten: „Es hat schon seinen Grund, warum wir lieber Sterne essen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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