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GastroGuide-User: Minitar
hat Tapas Bar in 71063 Sindelfingen bewertet.
vor 1 Jahr
"Buen apetito!"
Verifiziert

Geschrieben am 13.05.2018
Besucht am 12.05.2018 Besuchszeit: Abendessen 4 Personen Rechnungsbetrag: 111 EUR
Seit Wochen (ach was: seit Monaten!) liegen mir meine Freunde in den Ohren, ich möge endlich mal in die Sindelfinger Tapas Bar mitkommen. Da mein letzter Spanienurlaub schon Jahre zurückliegt und meine letzthin verzehrten Tapas lediglich „ostfriesische“ waren, willige ich gerne an einem freien Abend ein. Das Lokal liegt sehr zentral in bester Sindelfinger Innenstadtlage und firmiert zugleich als „Centro Español“ -  mit entsprechend langer Vereinsgeschichte, da der örtliche Hauptarbeitgeber Daimler natürlich viele Spanier angezogen hat.

Für einen beliebten Samstagabend zwischen Vater- und Muttertag reservieren wir sicherheitshalber einen Tisch auf 19 Uhr, was den Lokalbesitzern sicherlich mitleidige Tränen in die Äuglein treibt. Welcher Spanier würde schon gegen 19 Uhr zu einer Tapas-Runde aufbrechen, geschweige denn an ein Abendessen denken? Wir müssen jedoch früh ran, weil die am nächsten Tag verreisenden Freunde wieder früh raus müssen. Bei meinem Eintreffen sind daher noch fast alle Tische frei. Das Ecklokal mit zahlreichen Plätzen im Außenbereich ist reichlich rustikal eingerichtet: sowohl der Klinkerfußboden als auch das Mobiliar erinnern an die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts (oder an den letzten hier ansässigen Gastronomiebetrieb), aufgehübscht mit liebevoll arrangierten Tisch-Dekorationen, Grünpflanzen, Pokalen und Spanien-Souvenirs aus mehreren Dekaden. Der Weg zu den Toiletten beginnt gleich hinter der Theke und changiert zwischen „Stairway to heaven“ und „Highway to hell“. Also Vorsicht bei Gleichgewichtsstörungen!

Die Speisekarte ist netterweise zweisprachig gehalten, komplettiert durch aktuelle Tagesgerichte, die auf handbeschriebenen Tafeln über der Theke auf Spanisch angepriesen werden (eher was für Insider…) Da sich unser hispanophil ausgebender Freund bei zahlreichen Übersetzungsversuchen jedoch leicht vergreift, muss die freundlich schwäbelnde Bedienung mit spanischer Muttersprache einspringen. Sie übersetzt und interpretiert souverän, gibt zudem kleine Erläuterungen zur Zubereitung. Wunderbar! Wir trinken spanischen Hauswein unbekannter Herkunft und unbekannter Rebsorte, das kleine Glas für 3,50 Euro – und Schorle zum gleichen Preis. Vermutlich liegen Wein und Wasser im selben Preissegment. Übermütig verlieren wir sehr schnell den Überblick, aber das gehört hier einfach dazu… Nach mehreren Bestellrunden haben wir vergessen, was wir schon hatten. Erst die Rechnung am Ende gibt einen umfassenden Überblick…

Die Tapas-Portion bewegt sich zwischen 4,00 und 8,00 Euro, wobei die Preisgestaltung nicht immer ganz nachvollziehbar ist. Egal. Sehr günstig sind die kleinen Kartöffelchen in würziger roter Mojosauce (4,00 Euro), wie wir es von den Kanaren her kennen. Unser Freund liebt die „Terra y mar“- Spießchen, die von der Bedienung charmant als im Stile von „Surf and turf“ übersetzt werden. Ein bisschen enttäuschend ist leider meine an der Tagestafel angekündigte Spargel-Terrine für 5,50 Euro. Erinnert optisch zwar hübsch an Guacamole, lässt jedoch an Würze und Umfang vermissen.
 Ein Hit: die herzhafte Tortilla español, mit Tomaten, Knoblauch und Krautsalat serviert, für günstige 5,50 Euro. Auch die Gambas in Aioli für 8,00 Euro schmecken sicherlich bei jedem Besuch gleichermaßen lecker und verschlingen jede Menge Weissbrot zum Auftunken des Öls. Auch die niedliche kleine Paella (aber mit allem Drum und Dran!) für sensationelle 5,00 Euro hat das Zeug zum Evergreen.  Mein Favorit könnte der hier zum ersten Mal gegessene Salat aus roter Paprika, Thunfisch und Zwiebelringen werden: herzhaft, reichhaltig, perfekt kombiniert (4,50 Euro). Nur die Manchego-Portion, die wir als Quasi-Dessert bestellen und die mit grandiosem Quittenbrot arrangiert wird, könnte ruhig etwas umfangreicher ausfallen (5,00 Euro). Eigentlich überflüssig sind die Muslitos (4,00 Euro), da nur aus Krebsfleisch-Imitat bestehend – dafür überzeugen die knackig frittierten Sardellen, mit reichlich Mayo und Krautsalat, für 5,00 Euro.

Am Ende haben wir wirklich den Überblick verloren. Auch ein milder Brandy Veterano (für sehr günstige 2,50 Euro, dazu absolut grosszügig eingegossen) oder ein Espresso (für noch günstigere 1,90 Euro) helfen kaum mehr. Dafür, dass Tapas eher als Warming Up für ein nachfolgendes spätes Abendessen rangieren, haben wir reichlich Geld ausgegeben. Doch der Abend in einem besonderen Ambiente mit authentischen Speisen war gelungen, ausgelassen, anregend. Gerne wieder!

Ps. Man sehe mir eventuelle Schreib- und Übersetzungsfehler nach. Spanisch war nie mein Hauptfach!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
keine Wertung
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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simba47533 und 5 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.