Zurück zu Soho Sushi
GastroGuide-User: DerBorgfelder
hat Soho Sushi in 28195 Bremen bewertet.
vor 2 Monaten
"Tatsächlich ganz ordentlich"
Verifiziert

Geschrieben am 12.05.2020 | Aktualisiert am 13.05.2020
Besucht am 10.05.2020 Besuchszeit: Abendessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 14 EUR
Manche Lobeshymnen klingen so grotesk übertrieben, dass ich mich geradezu herausgefordert fühle, selbst nachzuschauen, welchen versteckten Diamanten ich da bislang übersehen habe...

Das Soho Sushi befindet sich gegenüber des Hauptbahnhofs in einem jüngst fertig gestellten Einkaufs- und Bürokomplex. Die modernen Arkaden vor dem Eingang freuen sicherlich die vielen Pendler, die hier auf Bus und Bahn warten. Den schmalen, hohen Raum des Soho machen sie dunkel. Innen können zu normalen Zeiten 6-8 Personen an Hochtischen sitzen, dazu noch zwei kleine Stehtische, vermutlich für draußen. Das Angebot ist aber auf eilige Gäste ausgelegt, to-go dürfte auch schon vor Corona der wesentliche Vertriebsweg gewesen sein.

Damit ist auch klar, an welchem Maßstab die „überragend hohe Qualität“ und der „beste Sushi-Geschmack“, die Peter getestet hat, zu messen ist. Natürlich nicht an japanischen Qualitätsvorstellungen und auch nicht an dem einen oder anderen „normalen“ Restaurant. Vielmehr an den vielen, vielen kleinen Verkaufsständen, die in deutschen Einkaufszentren, Bahnhöfen und Innenstadt-Fußgängerzonen ihre immer gleichen maki und nigiri (Wer hier sashimi bestellt, ist selber schuld...) in Plastikboxen verkaufen; dazu die unvermeidliche Instant-Misosuppe im Styropor-Eimerchen und natürlich der quietschgrüne wakame Algensalat.

In dieser Liga spielt das Soho - und das ist die Überraschung - tatsächlich sehr weit oben mit.

Das Angebot ist leicht erweitert, es gibt z. B. auch eine scharfe Suppe mit Reis und statt rotem wird eher selten anzutreffender weißer Thunfisch verwendet. Es gibt auch Bowls und Salat. Das Betreiber-(Ehe?Geschwister?)-Paar, dessen familiären Wurzeln ursprünglich vielleicht eher am Fuße des Libanon denn am Fuji wuchsen, ist freundlich und kompetent; die Kommunikation gelingt mühelos. Was für Labsal gegen die Zwei-Wort-„Sätze“ anderen Ortes. Man gibt gern Auskunft und ist stolz auf „alles selbst gemacht“.

O.k., dann schauen wir mal genauer hin, denn „selbst“ ist ja noch lange nicht „gut“ gemacht. Jedes sushi steht und fällt mit dem Reis. Die Qualität der Toppings hängt auf diesem Niveau allein vom Einkauf, sprich Preisniveau ab. Produkte und Bezugsquellen sind austauschbar. Schneidtechniken, Temperatur, winzige Aroma-Beigaben spielen überhaupt keine Rolle. Aber der Reis, mit dem kannst du auch hier überzeugen oder es versauen. Und ausgerechnet dabei leistet sich das Soho die einzige Schwäche. Geschmacklich noch zufriedenstellend mit leichter Essigsäure, fiel das Mundgefühl brutal ab. Völlig verkocht, kein Korn mehr erkennbar, zu einem klebrigen, schnittfesten Klumpen gematscht.

Gut, dass beim nigiri wenigstens die Größe zu den Auflagen passte, die zumindest nicht enttäuschten. Schon mal gar nicht bei der Geruchsprobe, alles frisch und unauffällig. Die Garnele geschmacklich leidlich erkennbar, hatte sogar einen leichten Knack. Beim Thunfisch, der sehr sparsam geschnitten war, konnte ich keinen Unterschied zwischen weiß und rot in der üblichen Geschmacklosigkeit dieser Qualitätsstufe erkennen. Der Lachs enttäuschte etwas, das geht schon etwas fetter und aussagekräftiger.

Hosomaki, die große Rolle war besser, gefüllt mit Avocado, die nur ganz leicht braun an den Kanten geworden war und statt des unsäglichen kanibo/surimi erneut die gute Garnele. Sogar der Reis gewann ein wenig, der aufgrund der großen Schnittfläche häufig etwas trocken in diesen Boxen wird. Das war ja hier nicht zu befürchten... Gerollt als uramaki inside-out steuerte sogar der helle Sesam außen noch etwas Textur und einen Hauch von Körnergeschmack bei.

Und selbst die Allerweltszutaten wasabi und gari konnten was. Die Merrettichpaste war zwar einen Tick zu wässrig geworden, aber mit ordentlich Wumms versehen. Und der Ingwer war nicht zu hart oder holzig und steuerte seine typische reinigende Frische bei. Da hab ich schon übel muffiges Zeug erlebt...

Zu zahlen waren 12,95€. Das kam mir erst etwas zu hoch vor. Aber die Ware war in allen Belangen frisch und gut ausgesucht. Daher angemessen.

War noch was? Ach ja, der beste Kaffee. Mit ;-), warum auch immer. Der beste Kaffee wird auf einer Cimbali Siebträgermaschine gebrüht, war als Cafe Crema m.E. ein (überwiegender) Arabica von mittlerer Röstung, ganz nach meinem Geschmack ohne Säure und hatte tatsächlich eine wirklich schöne Crema. Auch da hat der Peter also nicht sehr zu viel versprochen.

So, jetzt hat das Soho Sushi bekommen, was es verdient. Und ich eine Rezi über Essen aus der Plastikschachtel hinter mir. Crazy times...
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


kgsbus und 21 andere finden diese Bewertung hilfreich.

kgsbus und 22 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.