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Nachdem wir im Hotel Frisia eingecheckt hatten ( problemlose Anreise aus Rheine mit einem direkten Regionalzug ) erkundeten wir am Samstag die auch bei Schietwedder sehr sehenswerte Altstadt von Leer mit dem Hafengebiet. Abends standen wir dann, es war ein dunkler Winterabend, zur vereinbarten Zeit vor dem Gebäude der alten Waage am Hafen von Leer.
Man kann es nur ansatzweise erkennen, aber das Gebäude ist ein wunderschön renoviertes Gebäude aus der Blütezeit der recht wohlhabenden Hafenstadt. Im Inneren befindet sich seit langer Zeit das Restaurant zur alten Waage. Homepage und Berichte im Netz lassen eine ambitionierte Küche vermuten und ich freute mich auf den Abend. Im Inneren präsentierte sich der Gastraum ebenso wunderschön renoviert.
Eine Dame aus dem Service nahm uns in Empfang und wir hatten die Auswahl unter ein paar Tischen. Es würde über den Abend nicht sehr voll werden, hoffentlich Saisonbedingt waren nur eine Handvoll Tische über den Abend belegt. Die Dame überreichte die Karten und fragte nach einem ersten Wunsch. Wasser wurde bestellt und wir schauten in der Weinkarte nach einer uns zusagenden Flasche Wein.
Ein fränkischer Weißburgunder wurde erwählt und wir erhofften uns durch einen Holzbetonten Ausbau eine gute Begleitung für das sich in unseren Köpfen zusammensetzende Menü. Mit dem Wein grüßte die Küche mit Brot und einer Currycreme. Wie so häufig und weil nicht so viel los war, wichen wir vom klassischen Drei-Gang Menü ab und fragten nach der Möglichkeit vier Gänge zu bestellen. Das war kein Problem für den Service. Also orderten wir entsprechend und die Küche schickte noch einen zweiten Gruß.
Graupen gab es auf einem Löffel, im Stil wohl bekannt aus einer Fernsehkochshow. Der Happs schmeckte gut, hinterließ aber auch keine weiter reichenden Emotionen. Ich hoffte auf etwas mehr kulinarische Emotion in den von uns bestellten Gängen. Im ersten Gang hatten wir unterschiedliche Speisen erwählt. Frau entschied sich für Piz, Pilz & Pilz, als Zutaten verriet die Karte Buchweizen, Kartoffelschaum & Rote Grütze über das Gericht.
Vegetarische Küche im Strudel Stil, so gab sich der Teller. Es duftete nach Pilzen, nach Umami ( kein Wunder ) und gebackenem Strudel. Das war schon eine verlockende Aromen-Welt. Frau war zu zufrieden und ich rätsele immer noch ob Piz ein Tippfehler oder ein friesischer Name für eine Zutaten war. Wir waren quasi an der Nordsee, und dann möchte ich Krabben, wenn ich da schon bin.
Krabbencocktail war also meine Wahl für den ersten Gang. Und meine Hoffnung auf ein erfreulichere Kulinarik in den Gängen erwies sich als berechtigt. Die Karte verkündete als Zutaten Waage-Remo(ulade), Tomaten, Sorbet & Gurke. So weit, so klassisch, aber anstatt des schon erwarteten Glas gefüllt mit in Remoulade ertränkten Krabben ergab sich ein fein angerichteter Teller, der Platz ließ, die einzelnen Zutaten zu erschmecken. Ich war hoch erfreut und genoss. Gang zwei für uns beide gleich, wie alle weiteren folgenden Gänge.
Krabben kann man ja nicht häufig genug essen, wenn man nicht am Meer lebt und nur ab und zu Besucher an der Küste ist. Marios Krabbensuppe mit Fenchelschaum war eine Empfehlung des Service für Gang zwei und wir hatten keine Gelegenheit, das befolgen dieser Empfehlung zu bedauern. Lecker! Im besten Sinn, wir genossen ein fein abgeschmeckte Krabbensuppe, die ihre Basis in einem guten Fisch- und Meeresfrüchte-Fond hatte. Fisch im dritten (Haupt)Gang ist ja bei uns keine große Überraschung.
Gelbschwanzmakrele aus Zeeland mit Kürbis, Grünkohlgraupen & Bouillabaisse-Sud fanden wir beide spannend. Als Hamachi kennt man diesen Fisch aus der japanischen Küche. Und weil wir in Rheine eine sehr ambitionierte Fischhändlerin auf dem Markt haben, findet dieser Fisch des Öfteren den Weg in unsere Küche, genossen als Ceviche, Sushi, Tataki, Sushimi. Hier nun in der Waage eher klassisch, gebraten und mit jahreszeitlichen Zutaten. Graupen sind eine wohlige Erinnerung an Omas Eintöpfe in Kindheitstagen, Kürbis passt, und wenn die Sauce so gut ist wie hier, dann wird ein ein wirklicher Genuss. Der Fisch stammt aus holländischer Zucht und ist dann auch mit gutem Gewissen verzehrbar.
"Bratapfel" mit Sellerie-Vanille-Creme, Strudelteig, Tonkabohne & Apfel-Tee-Sud war unser Dessert. Passend zur Jahreszeit kam das Dessert in Mille Feuille Optik. Ein harmonischer Abschluss eines im Ganzen wirklich guten Menüs. Der Küchengruß war noch zu brav, da darf sich die Küche ruhig mehr Intensität zutrauen, aber die folgenden Gänge schmeckten nach ambitionierter Küche. Wir waren zufrieden und teilten das Küchenchef Mario Brüggemann im persönlichen Gespräch auch so mit. Ebenso erfreulich der Service, der sich zugewandt und freundlich über den Abend um uns kümmerte.
Komme ich zum Abschluss meines Berichts zum Fazit meines ersten Besuchs in Leer und der alten Waage. Wir kommen sicher noch mal wieder, in Stadt und Restaurant. Beide sind einen weiteren Besuch wert.