Johanneshof
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Seewaldsiedlung 5, 68766 Hockenheim
Restaurant Besenwirtschaft Biergarten Gästezimmer
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GastroGuide-User: Gast im Haus
hat Johanneshof in 68766 Hockenheim bewertet.
vor 6 Jahren
"Agro-Gastronomie auf dem Aussliedlerhof"
Verifiziert

Geschrieben am 03.05.2015
Besucht am 30.04.2015
Am frühen Nachmittag vor der Walpurgisnacht sind wir besorgungsmäßig in Hockenheim unterwegs – und schon lange geistert eine Aussage aus einer Rezension zu Wimmers Buffet-Konzept eines selbstvermarktenden Hofbetriebs in Wiesloch in meinem Kopf, die besagte, der Johanneshof in Hockenheim das wäre besser.

 
Und aus dem Industriegebiet Talhaus geht es weit hinaus, zunächst Richtung BAB A61 – dann ab zu den Aussiedlerhöfen der Seewaldsiedlung. Mir fällt an diesem Tag die Wanderung von Faust und Mephisto zum Brocken ein – das Labyrinth der Täler – hier ist es nur ein sehr breites – das des Rheins, der gar nicht so weit weg ist. (Ich hab die Szene noch mal nachgeblättert :-0 ).
 
Ich erhoffe mir zumindest die Stärkung durch ein gutes Essen auf dem Johanneshof. Es erscheint wirklich der letzte Hof in der Kette der Aussiedlerhöfe zu sein, Fremdenzimmer, Gästehäuser  lassen auf Agrotourismus, die nahe Rennstrecke oder feuchtfröhliche Bewirtungen schließen. Und endlich  sind wir angekommen am Parkbereich, auf dem schon viele Autos stehen. Offen gesagt, bei absoluter Dunkelheit möchte ich die gut anderthalb Kilometer von der L722  zum Hof nicht fahren müssen. 
 
 
Der Johanneshof besteht seit 25 Jahren – wir kommen von der Rückseite an Gästehaus, Toiletten, Hofladen vorbei in den geschlossenen Lokalbereich, in dem massive Holztische und Holzbänke ohne Rückenlehnen in Reihe und Quer dazu aufgestellt sind – schlicht und einfach. Auf den Bänken sind lose Sitzkissen, bei den wand- und fensterseitig gestellten Bänken auch noch lose Kissen für den Rücken.
 
 
Noch ist es hier gut besetzt und viele Plätze reserviert – wie wir sehen für den Abend.  Obwohl es draußen doch recht kühl ist, sind auch dort die doch an Biergärten erinnernde Aufstellung der Bänke teilweise besetzt.  Wir bleiben an einem Tisch im Innenbereich, der erst wieder ab 20:00 besetzt sein wird. Auf dem Tisch steht jeweils eine relativ große Holzbox mit Unterteilung: darin Salz und Pfefferstreuer, die diversen Karten, Besteck und Servietten.
 
 
Wir setzen uns fensterseitig mit Blick in den Raum, sehen einen kleinen Kaminofen neben der Tür die sowohl für die vom Service abgetragenen Teller zum sichtbaren Spülbereich der Küche führt als auch in Fortsetzung dahinter den Pass. So ist pragmatisch nicht immer auch schön – aber man kann sehen, dass und wie alle Kräfte auch im Spülbereich sauber und recht leise arbeiten.
 
 
Wir haben erst mal kurz in die vielen verschiedenen Mappen und Flyer geschaut, die Karte, in der es eine Auswahl einfacher Standards gibt sowie eine Tageskarte (siehe Bild), die aktuell spargellastig ist, sich aber nicht darauf beschränkt. Weiter gibt es eine umfangreiche Getränkekarte und Flyer, in dem zu Ehren des 25jährigen Bestehens, in verschiedenen Zeitfenstern Weine aus deutschen Weingegenden  präsentiert und angeboten werden.
 
 
Aktuell sind das ein Franke in Form eines dafür recht preiswerten 2014 Iphöfer Kalb vom Weingut Wirsching  und ein Elbling gleichen Jahrgangs vom Schloss Proschwitz aus Sachsen.  Das Angebot ist in jeder Hinsicht sehr angenehm zu nennen – aber ich werde heute keinen Wein und schon keinen Franken hier bestellen.  Und Spargel – trotz  angenehmer Preise, heute auch nicht – zum einen bin ich da auch aus eigener Küche verwöhnt, da es aktuell relativ günstig Spargel gibt – und mich reizt doch mehr, das zu bestellen, was ich nicht überall bekomme.
 
 
Wir sind mit den diversen Lektüren noch nicht ganz durch, als die junge freundliche Servicekraft (im fortgeschrittenen Schüleralter) an den Tisch kommt.  Zumindest weiß ich, dass wir ein Glas trockenen Riesling-Sekt, eine alkfreies spritziges Saft-Cocktail Mischgetränk gleicher Größe als Aperitif möchten. Ich möchte weiter ein Wasser und für meine Frau ordere ich gleich den ersten offen angebotenen Weißwein – einen trockenen Riesling vom Weingut Gaul zu sagenhaften 2,90 für 0,25l.
 
 
Essensmäßig denkt meine allerbeste Frau vermutlich so ähnlich wie ich und möchte die hausgemachte Pasta – deutet auf die mit Soße Bolognese, ich mich für die ebenso „hausgemachten Gemüse-Ravioli mit Spargel-Erbsen-Ragout und Salat“ für den ich zwischen Vinaigrette oder Joghurtdressing auswählen kann und mich für erstere entscheide. Schnell wird das von der freundlichen Servicekraft in ihren kleinen Handheld eingeklickt und schon geht sie weiter. Sie hat zwar mit wenigen Worten nett auf die Tageskarte verwiesen, aber das war keine Beratung im Sinne eines Tipps – zugegeben in der Altersklasse auch nicht zu erwarten – da war es schon sehr geschickt, wie sie das gemacht hat.
 
Nach sehr angenehm kurzer Wartezeit bringt ein ebenso junger Kollege die Getränke.  Der Aperitif ist sehr angenehm und der Riesling für 2,90 schon sensationell zu nennen – das hätte ich nicht erwartet und da könnte ich fast bedauern, so gut wie keinen Alk zu trinken. Nur mein Wasser fehlt noch. Wir holen uns das Besteck aus der Holzbox und ich bin angenehm überrascht, welch hochwertiges Besteck da in einer Hofwirtschaft auf den Tisch kommt – zumindest macht es einen gewichtigen Eindruck.
 
Dann bringt die Servicekraft auch schon das Essen, einen stylish großen tiefen Teller mit Spaghetti Bolognese, meine Gemüseravioli sind modern auf einer rechteckigen Platte angerichtet und dazu gibt es in einer sehr tiefen Schale den Salat. Die Portionen sehen zunächst nicht so groß aus, wie sie sich dann beim Essen doch erweisen und mein Salat hat zumindest in der Grundversion der Salatblätter in der Schale wohl schon mehr als zwei Stunden trocken gestanden, die anderen Bestandteile sind frischer dazugemixt. Doch nachdem ich nach ein paar Bissen alles etwas durchheben kann, kommt auch das blättrige Grün sehr gut und frisch. Die Ravioli sind spitzenmäßig, so blass sie optisch daherkommen, im Mund blühen sie geschmacklich auf, ohne aufzutrumpfen. Das Spargel-Erbsen-Ragout kommt verhalten in einer Art Bechamelsoße, die scheinbar frischen Erbsen knacken sich fast so frisch wie eben aus der Schote gepellt, auch wenn deren nicht ganz glatte Haut mich auf gute TK Ware schließen lässt, denn Erbsenzeit dürfte noch nicht sein. Der recht dünne Spargel ist in feine Scheiben geschnitten – sagen wir so, ich würde den als Einzelleistung nicht gerade vermissen – aber in der Mischung lecker. Und die Gemüseravioli – toll.
 
 
Mein Wasser fehlt leider immer noch – so wende ich mich an eine zweite junge Bedienung mit einem sehr hübschen Gesicht und der Bitte, doch noch mal bei der Kollegin deshalb anzufragen – sie kommt schnell zurück –  das Wasser wäre wohl nicht getippt worden – und was ich da möchte – 0,5l Glas bitte, lebendig – und schon bringt sie es.
 
 
Klar muss ich auch von der Pasta meiner Frau probieren – und ich merke, die Soße Bologne ist die 100% vegane Soja-Bolognese mit dem ebenso fast 100% Bolognese Geschmack, die ich als Produkt meines bevorzugten Würz- und Suppenpulverlieferanten (mit G am Anfang und o am Ende) daheim habe – wenn meine Frau weiß, dass ich das nehme, findet sie es nicht so lecker – wenn nicht, ist die damit schnell gemachte Soße Bolognese doch ganz gut – so wie hier – und ich muss im stillen darüber lachen, weil sie genau das bestätigt, allerdings doch gerne die Pasta mit Pesto bestellt haben wollte. Als ich das mit der 100% vegan ihr auch in der Karte zeige lacht sie mit. Die hübsche zweite Servicekraft steht plötzlich hilflos mit einem Glas Wasser vor mir – offensichtlich war da wohl das Wasser doch eingetippt – und zieht wieder von dannen.
 
 
An sich wollte ich nach dem Hauptgang mir noch als kleinen Nachtisch was rhabarberartiges – entweder das Kompott oder den Kuchen gönnen. Doch am Nebentisch bekommen die jungen Frauen (in dem Moment fällt mir auf – in dem nun etwas leereren Restaurant wie auch im Außenbereich sitzen haufenweise junge Frauen, teilweise mit kleinen Kindern. wofür sich der Johanneshof sicher gut eignet) – bekommen die jungen Frauen zwei Tortenstücke in einer Größe aus der normale Stadtcafe’s locker drei Stücke machen – so verzichte ich dann doch darauf – so einen Klopfer würde ich dann jetzt doch nicht packen.
 
 
Wir essen fertig, trinken aus – zahlen –  34,30€ wenn ich den Betrag ohne Tipp noch erinnere.
 
 
Fazit:  Johanneshof und Wimmer’s sind zwei völlig verschiedene Konzepte  für Hofrestaurants. Wimmer’s bietet ein extrem breites Selbstbedienngs-Buffet - ein Großbetrieb mit Restaurant- Gartenstuhl oder Bierbank-Ambiente – je nachdem, wo man sitzt und ist für viele Geschmäcker und Gelegenheiten nutzbar,  wegen des Self-Service aber weniger für Kinder geeignet.
Der Johanneshof dagegen hat die Ausmaße eines großen Biergartens, (wohl halb so groß wie Wimmer’s)  wirkt und hat wohl mit Spielplatz und der gewissen „Urigkeit“ der stabilen Voll-Holzgarnituren und Bedienungskonzept ein Publikum junger Familien aus der Stadt im Sinn.
Auch wenn der Johanneshof uns nicht so ganz als Zielgruppe trifft und dafür zudem etwas abseits liegt – wir werden gerne wiederkommen – besonders dann, wenn sich ein Chauffeur finden sollte -  und da der Schoppen auch meiner Frau so gut geschmeckt hat, wird das wohl auf Kinderarbeit rauslaufen müssen. ( Hast  Du‘s gelesen, Sohn?)
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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