Zurück zu El Cid II
GastroGuide-User: ClausVonDerKueste
hat El Cid II in 68199 Mannheim bewertet.
vor 5 Jahren
"Beste spanische Küche bei Meeresfrüchtevorspeisen im Rhein-Neckar-Raum"

Geschrieben am 19.11.2014
Besucht am 25.08.2014
Allgemein

Fazit: für uns bisher beste spanische Küche bei Meeresfrüchtevorspeisen.

Anders als in Mainz gibt es im Rhein-Neckar-Raum unseres Wissens nur eine kleine portugiesische Gemeinde und damit auch nur ein authentisches portugiesisches Restaurant (das Quinta da Luz in Edingen-Neckarhausen). Ähnliches aber nicht Identisches bietet das spanische El Cid II. Es steht in der Tradition des ehemaligen El Cid I am anderen Ort in Mannheim. Die Philosophie des Restaurants („ … basiert unsere Küche auf überlieferten Familienrezepten und reicht von Nord- bis Südspanien, mitten durch Castillia La Manche…“) ist kein leeres Gerede sondern basiert auf für uns nachvollziehbaren Tatsachen. Das letzte Mal waren wir vor anderthalb Jahren dort. Zeit um wieder einzukehren.

Bedienung

männlich, kompetent, flink, beratend, selbstsicher; gilt für den Wirt und für seine Servicekraft. Zum Schluss gab's noch einen spanischen Likör (auf der spanischen Flasche stand tatsächlich "Schnaps"). Ich meine , es war die Geschmacksrichtung Quitte-Honig; meine Frau hat Pfirsich-Honigmelone in Erinnerung. Eine nette Geste.

Das Essen

Wir bestellten unsere Standardtestvorspeisen Gambas al Ajillo (€ 9,00, Foto) und Sepia a la Plancha (€ 7,90, Foto). Die Gambas wurden in einer Sauce mit frisch gehacktem Knobi und italienischer Petersilie serviert. Köstlich und besser als beim letzten Mal. Eigentlich wollte ich keine Calamaris oder Sepia mehr bestellen, weil ich in letzter Zeit sowohl in Norddeutschland wie auch im Süden bei diesem Rezept nur miese Ergebnisse vorgesetzt bekam. Entweder schmeckten die Meeresfrüchte fischig oder waren zäh ohne appetitlichem Geschmack. Daher habe ich oft die Portion nur gekostet und dann zurückgegeben. El Cid war sozusagen meine letzte Hoffnung. Die Teller kamen mit der Warnung „Vorsicht, Teller ist heiß!“. Die Gambas und Sepien schmeckten frisch und köstlich. Die Sepien – frisch, aussen kross, innen saftig, würzig. Wir wurden für unsere Risikobereitschaft belohnt. Ich habe dann zuhause noch ein wenig im Web gesurft (http://www.chefkoch.de/forum/2,56,431971/Sepia-a-la-plancha.html), um die Finesse der Plancha und des Rezeptes auszuloten: Salz, Pfeffer, Olivenöl, Knobi, Chilli, Rosmarin, Thymian, Zitrone und die weiteren Geheimnisse der Küche.

Jetzt wird mir auch klar, dass man so einen Geschmackseindruck nicht mit einen Teflonpfanne hinbekommen kann. Auch dürfte autodidaktische Küchenkunst fehlschlagen. Das Küchenpersonal hatte ganz offensichtlich von der Pike auf in einem spanischen Familienbetrieb gelernt.

Danach gab's auf Empfehlung des Chefs als weitere Vorspeise Chipirones (€ 8,50, Foto) und sein Leibgericht Pulpo Frito (€ 10,50, Foto). Widerwillig folgten wir dem Chef mit seiner Empfehlung des Pulpo Frito. „Frito“ klang nicht gut. Aber wir hatten heute Vertrauen zum Haus. Die Chipirones hatten einen köstlichen Eigengeschmack, der durch die Soße dezent unterstrichen wurde. Richtige Begeisterung lösten aber die Pulpi Friti aus. Der leichte Teigmantel störte nicht. Das Ganze hatte einen Touch von scharf angebratenem Hühnerfleisch mit einer Prise See. Da wir diese Portion nicht mehr schafften, ließen wir uns den Rest einpacken. Am nächsten Tag nochmalig aufgewärmt war der Pfiff natürlich weg. Dazu haben wir den trockenen Hauswein (rose, weiß) zum Preise von € 7,20 bzw € 6,40 pro ½ Liter getrunken.

Gab's Abstriche? Ja, der Tischwein war etwas flach und nichtssagend. Da hätten wir ein paar Euronen in eine bessere Qualität investieren sollen.

Das Ambiente

Das Navi führte uns ins tiefste Mannheim-Neckarau. Wir fanden um 19:00 gegenüber dem Lokal (Foto) noch einen legalen Parkplatz. Anderenfalls sollte man sich vom Wirt einen Geheimtipp bezüglich der Parkmöglichkeit abholen. Der Wirt (mit Pferdeschwänzchen) stand draußen und schaute uns mit unbewegter Miene beim Rangieren zu. Stolz auf den ergatterten Platz sagte ich noch zu ihm: „So das wäre geschafft, jetzt schicken Sie uns trotzdem wieder weg.“ Er dann: „Ja, genau; es sei, sie hätten reserviert.“ Unsere langen Gesichter schienen ihn nicht zu rühren. Wir blieben unschlüssig stehen und mochten dieses böse Schicksal (am Samstag um 19:00 !) nicht akzeptieren. Ich dann stoisch: „Dann gucken wir woanders.“ Irgendwie klingelte es bei ihm (vielleicht Empathie von Stoiker zu Bluesmann?). Er: „Ich schau mal. Ich hab da einen Tisch, den wollen die anderen meist nicht. An der da Tür, da ziehts.“ Wir: „Der ist genau richtig; wir lieben frische Luft!“ Wir sind gleich hinein, zum Tisch an der Tür, bevor er sich das wieder anders überlegte. Das Lokal hat eine linke pubartige Hälfte mit Theke und Zapfhähne, Fernseher mit runder Stammtischecke und rechter restaurantartige Hälfte mit Reihen rustikaler Holztische (Foto). Man sitzt auf unbequemen Holzstühlen mit gerader (!) Lehne. Je nach Gunst des Personals, bekommt man ein Kissen untergeschoben.

Sauberkeit

Wir fanden im Lokal alles pikobello. Auf der Toilette waren wir nicht.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung