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GastroGuide-User: DaueresserGK0712
hat Arens Restaurant · Hotel Haus am Weinberg in 67487 Sankt Martin bewertet.
vor 5 Jahren
"13 Feinschmecker-, 14 GaultMillau-Punkte dazu der BIP Siegel vom Michelin Guide ... eine ambitionierte Weinstube mitten in Hainfeld !!"

Geschrieben am 21.02.2015 | Aktualisiert am 22.02.2015
Es existiert eine neue Bewertung von diesem User zu Arens Restaurant · Hotel Haus am Weinberg
Besucht am 20.02.2015
"Ein junger Endzwanziger, der es kann und das selbstbewusst auch zeigt. Was ist daran falsch?" um hier meinen geschätzten Kollegen Marc074 zu zitieren. Der junge Koch hat mit unserem gestrigen Besuch unseren Horizont in der Kategorie "ambitionierte regionale Küche" erweitert. Marc074 war es auch, der für den gestrigen Freitagabend einen Tisch für 3 reservieren sollte.

Aber nicht nur Familie Arens auch der Franzose weiß wo es schön ist, daher besetzten die Franzosen im 17 Jahrhundert den Weinanbau Ort Hainfeld, welcher zur Verbandsgemeinde Edenkoben gehört. In dem katholischen Ort befinden sich zahlreiche historische Gebäude im Stil der Renaissance, des Rokoko und des Barock. Als das Wahrzeichen gilt die Kirche mit einem im Jahr 1886 umgestalteten Turm, der Röhrenbrunnen stammt sogar aus dem Jahr 1561. Vom Parkplatz hat man freie Sicht in die Rheinebene (das Atomkraftwerk Phillipsburg ist gut zu erkennen) in nördlicher Richtung ragt das Hambacher Schloss hervor. In Südwestlicher Richtung die bekannte Michaeliskirche.
Der Außenbereich in den Sommermonaten ist eine Wucht. Sämtliche Stühle haben Armlehnen, Sitzkissen. An jedem Tisch auch eine Decke. Die Tische selbst hochwertig gedeckt. Stoffservietten, hochwertiges Besteck, Wein und Wassergläser. Innen sieht es ähnlich ambitioniert aus: polierte Holztische, edles Geschirr. Stoffservietten, die zu einem Turm gerollt sind. Eine extra Menükarte – 4 Gang Hummermenü für 44 Euro, sowie das Arens 5 Gang Menü komplettieren das Ganze.

Die Sanitäranlagen frühe 80er, topp in Schuss. Überall stehen Kerzen mit Duftöl, Desinfektionsspray, Creme für die Hände, Stoffhandtücher. Klare 5 Sterne in den Kategorien Lage, Ambiente und Sauberkeit.

Unsere blonde weibliche Bedienung umkurvt die Gäste mit ihren jungen Jahren derart gelernt und herzlich, dass man meinen könnte, man sitzt in einem Sterne Restaurant. Änderungswünsche sind kein Problem, sie gibt Weinempfehlungen, den Gast immer fest im Blick, aber nie aufdringlich wirkend. Die Mutter des Kochs passt hier ebenso wie die" Faust aufs Auge". Sie kennt die Karte, weiß was auf dem Teller ist und wie es gemacht wurde. Auch funkelt sie gerne mit dem männlichen Gast, das passt sehr gut ins Gesamtbild.

Um die Wartezeit zu verkürzen bekommen wir frisch auf gebackenes Brot in diversen Arten mit einer Limetten-Creme, Senf- sowie Salzbutter. Als Aperitiv sollte es bei uns allen der alkoholfreie Secco vom Weingut Raumland sein. Der schmeckte sensationell.
Wir studieren die Karte und werfen auch einen Blick in die Weinkarte die sehr pfalz lastig, vor allem sehr regional ist. Viele Winzer aus Hainfeld, also nehmen wir einen Roten Syrah vom Weingut Klein in Hainfeld, erfreulich fair mit 38 Euro angeboten, liegt der Einkaufspreis um die 20 Euro.

Wir bestellen unsere Essen, 2x ein selbst zusammengestelltes 3 Gang Menü, sowie einmal das 5 Gang Arens Menü (55 Euro). Immer wieder wurde vom aufmerksamen Service Wein (der Syrah schmeckte sensationell) und Wasser nach geschenkt. Inzwischen kam der Gruß aus der Küche eine geräucherte Scheibe Entenbrust, auf einer Art Zwetschgen Marmelade und feinem Blumenkohl-Schaum. Gerade der Schaum schmeckte original italienisch – nicht umsonst auch „Italien-Kohl“ genannt

Nach einer angenehmen Wartezeit kam der erste Gang. Cremesuppe von der Schwarzwurzel mit Hagebuttenschaum und Riesengarnele (7,50) sehr gut abgebunden, hervorragender Schwarzwurzelgeschmack; vom Hummermenü das „Hummerschaumsüppchen“ mit gebackener Praline (7,80), etwas pfeffrig abgeschmeckt – passte also ideal zum pfeffrigen Syrah :-); sowie das erste große Highlight: Allerlei von der Gänsestopfleber mit Topinambur und Passionsfrucht. Die Vorspeise hatte enormes Suchtpotential, angerichtet wie in einem Sternerestaurant (siehe Bild), diverse Arten der Zubereitung, als Chip oder als Mouse. Im Anschluss kamen zwei Zwischengänge vom bestellten 5 Gang Menü:
Duett von der Schwertmuschel mit Safran und Grapefruit – Nage & sowie Seezunge mit Kapuzinerknolle und Mangold . Beide Fischgerichte von der Anrichte eine Augenweide. Alle am Tisch merken prompt: Hier kocht einer der Mut zur kreativen Küche hat, mutig ist auf neue Kreationen. Mein Kollege darf extra Fotos machen in der Küche und erzählt uns freudestrahlend am Tisch, dass Herr Arens direkt aus der Pfanne mit einer Pinzette die Herzen in die Muschelschale exakt einlegte. Am Tisch wird dann von der Bedienung der selbst gemachte Fischsud in den Teller gegossen. - Die Seezunge ist wie eine Art Sushi im Mangoldblatt angerichtet auf einem Türmchen von Fischspätzlen und Kapuziner Knollen, dazu eine Soße zum niederknien.

Wir stoßen an und sind uns einig. In einem Sterne-Restaurant würden wir es auch nicht besser bekommen.

Es folgen die 3 Hauptgänge: Raviolo mit Schafskäse gefüllt auf jungem Spinat, Pinienkerne und Nussbutterschaum 15,00 / Rinderfilet mit Rotkohl, Kartoffelkrapfen und Birne 26,00 / Das Beste vom Salzwiesenlamm mit Variation mit bunter Bete. 3 große Ravioli gefüllt mit Spinat und Schafskäse auf gut gegartem Spinat ( 2 verschiedene Arten einer Zutat in einem Gericht) und herrlichem luftigem Nussbutterchaum. Die Pinienkerne waren leicht angeröstet, so dass sie perfekt zum Gericht gepasst haben.

Das Rinderfilet war perfekt gebraten, angerichtet auf sehr leckerem Rotkraut. Das Aushängeschild dieses Gerichts sind Kartoffelkrapfen die in Butter ausgebacken/frittiert werden. Wirklich sensationell, abgerundet wird das Gericht von den salzigen Birnen. Wir genießen mit jedem Biss und müssen leider feststellen dass irgendwann auch jede Flasche Wein leer wird. Ab einer gewisssen Menge Essen wird man dann auch satt, allerdings war das Beste vom Salzwiesenlamm derart ambitioniert angerichtet, dass wir mehrere Bilder machen mussten. Eine Augenweide die Inszenierung von Lammbauch – extrem knusprig auf pfeffriger Beete, dazu eine Lammbolognese in einer Art Kaki Frucht. Die Bolognese der Lamm-Hammer, schön gewürzt … dazu Lammfilet sowie eine Lammfarce. Alles natürlich in doppelter Ausführung !!

Jedes Menü endet irgendwann, aber Familie Arens spannt den Bogen bewusst und serviert als „Pre Dessert“ eine lauwarme Vollmichschokoladen-Tarte mit dunkler Soße. Das eigentliche Dessert „Variationen von der Kondensmilch und der Mandarine“ (Einzelpreis 12,50) ist eine Wucht. Spanische Kondensmilch als Maccharon mit fruchtiger Füllung, Kondensmilch-Rahm-Eis, eingelegte Mandarine, als Eis und geleert, warm und kalt dazu beidseitig durchgebackene frische Waffeln. Mir gehen so langsam die Superlative aus …

Bevor wir die Heimfahrt antreten werden wir nochmals mit 4 süßen Versuchungen konfrontiert. 4 kulinarische süße selbstgemachte Pralinen dazu ein heißer Espresso … und das mitten in der Pfalz :-)

Fazit:
Auch wenn Philipp Arens nach dem Essen bei uns am Tisch sitzt und ein wenig mit uns plaudert, er hält den Michelin Stern für überbewertet, waren wir uns alle einig. Den ersten Stern müsste er sich mit diesem Menü verdient haben – und 55 Euro für ein derart sensationelles Menü ist auch für uns, nicht nur für den Michelin Guide, ein besonderes herausragendes Preis-Leistungsverhältnis.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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