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GastroGuide-User: Kiwikatze
hat Abessina in 37073 Göttingen bewertet.
vor 5 Jahren
"Allgemein Um 19 Uhr hatte ich mich..."

Geschrieben am 12.01.2015
Besucht am 30.05.2014
Allgemein
Um 19 Uhr hatte ich mich mit meiner Kollegin im "Abessina" verabredet. Das afrikanische Restaurant hat erst seit Kurzem geöffnet und erfreut sich schon großer Beliebtheit. Reservieren wird hier dringend empfohlen. Meine Kollegin war schon mal zu Gast und ich war einfach neugierig.

Gegen 16 Uhr hatte ich also einen Tisch für uns reserviert. Am Telefon klang die Aufnahme der Reservierung noch etwas holprig, es hat dann aber alles wunderbar geklappt und wir durften neben einer Säule mit Blick auf die Fenster Platz nehmen.

Ambiente & Lage

Das "Abessina" versucht nach zwei gescheiterten Vorgängern (Italiener und ?) nun sein Glück an diesem Standort. Man ist nur einen Katzensprung von der Haupteinkaufsstraße entfernt, das Auto sollte man besser in einiger Entfernung abstellen, alles ist per pedes erreichbar.

Man betritt das Restaurant und fühlt sich gleich geborgen. Warme Farben dominieren (Tischdecken und Wandfarben); Baststühle und afrikanische Poster mit lächelnden Damen sowie die mit Bast verkleidete Theke lassen Urlaubsstimmung aufkommen. Am besten hat mir das fröhliche Bild mit dem Zebra und den bunten Luftballons gefallen. Im Hintergrund läuft fröhliche, afrikanische Musik, die wirklich gute Laune macht. Ein Bereich ist mit einem Schemel und kleinem Tisch für die Kaffeezeremonie vorbereitet. Mir gefiel es, ich fand es gemütlich!

Auf jedem Tisch liegt eine dicke Glasplatte. In unserem Fall war vor Kurzem ein Stück abgebrochen, was notdürftig vom Kellner mit Tesafilm abgeklebt wurde. Er entschuldigte sich dafür. Kann ja mal passieren. Trotzdem behinderte mich die Tischplatte durchgehend. Vielleicht kann man die Platten ja weglassen oder auch besser montieren?

Hier hatte ich während unseres Besuchs allzeit das Gefühl, dass wirklich versucht wird, die eigene Kultur weiterzugeben und man gerne die Göttinger daran teilhaben lassen möchte. Diese Einstellung gefällt mir.

Das "Abessina" wirkt auf mich authentisch und nicht wie ein Konzept einer Marketingabteilung, das einzig und allein darauf abzielt, durch Exotik einen möglichst großen Gewinn herauszuschlagen. Der kleine, sich im Laufe des Abends konstant füllende einzige Gastraum unterstützt meine These.

Wer Sterneservice und weiße Tischdecken erwartet, ist hier sicherlich falsch. Einen launigen Abend mit Freunden oder dem Partner kann man hier aber auf jeden Fall verbringen! 4 Sterne!

Service & Essen

Freundlich wurden wir von einem jungen Herrn in traditionellen Gewändern begrüßt und zu unserem Tisch gebracht. Eine weitere Dame war ebenfalls für die Bedienung der weiteren Gäste eingesetzt.

Geschwind bekamen wir die farbenfrohen, laminierten Karten ausgehändigt. Einige Gerichte sind auch mit Fotos abgebildet. In der Karte wird auch erklärt, wie man richtig mit dem immer dazu gereichten Injera isst. Neben Lamm-, Rind- und Hühnchengerichten findet sich auch eine Vielzahl an vegetarischen bzw. veganen Gerichten, außerdem noch eine landestypische Auswahl an Vorspeisen und einige nationale Biersorten und Weine. Weiterhin konnte man für die Probierfreudigen auch Platten für 2 bis 4 Personen mit verschiedenen Köstlichkeiten bestellen. Die Desserts habe ich leider nicht angeschaut, es soll aber Bananenartiges geben. Schön!

Meine Kollegin entschied sich für einen großen Guavennektar 0,5 l zu 3,50 €. Sie war freudig überrascht, dass es sich um einen halben Liter handelte. Ich hatte mich erst für eine Glas Rose aus Afrika entschieden, stolperte dann aber über den Aufsteller auf dem Tisch. Unser Kellner wies mich auch nochmal darauf hin, dass nur noch zwei der drei angebotenen Sorten Bier vorrätig seien (Mango- und Bananenbier). Sehr aufmerksam! Ja, das wollte ich probieren! Also ein Mangobier 0,3 l von Djudju für mich zu 3,50 € (auf der Rechnung als Mangonektar 0,5 l zu 3,50 € verzeichnet?). Ich hätte sehr gerne die Flasche gesehen, leider wurde in einem Bierkelch mit nicht passendem Emblem serviert. Wow! Es riecht nach Mango und schmeckt fantastisch! Njam! Wir überlegten, wie viele man wohl davon im Heimatland ohne Kollaps konsumieren könnte ;-)

Mit unseren Getränken hatten wir uns auch für unsere Hauptgerichte entschieden. Ich hatte schon so ein Gefühl, dass eine Vorspeise ein bisschen zu viel des Guten sein könnte - und meine Vermutung erwies sich später als richtig! Meine Kollegin wählte als Hauptgericht Sukini zu 8 € (Zuchini und Kürbisstücke in Sauce) und ich entschied mich für eins der Nationalgerichte: Barei-Zigni zu 10,50 € (Rindfleischstückchen in scharfer Tomatensauce mit Zwiebeln, Knoblauch, Berbere (Gewürzmischung) und Gewürzbutter).

Unser lustiger und auch überaus freundlicher Kellner fragte beim Bestellen, ob wir das erste Mal afrikanisch essen würden oder ich die unterschiedlichen Zubereitungsarten (es gibt wohl mindestens zwei :-) ) fotografieren würde. Ich wurde ehrlich gesagt eher beim Fotografieren erwischt und lächelte einfach freundlich.

Noch mit dem Genuss meines hervorragenden Mangobiers beschäftigt, wurde jedem von uns schon ein appetitlicher Teller mit einem halbtellergroßen dünnen Fladen und einem kleinen Salat serviert. Unser Kellner erklärte uns bereitwillig die ostafrikanische Küche und die für uns neue Art der Nahrungsaufnahme: Das Injera - eine Art Fladenbrot - besteht aus drei verschiedenen Getreidesorten (25 % Weizenmehl, 25 % Maismehl und 50 % Teff-Getreide) und wird als "essbares Esswerkzeug" missbraucht. Messer und Gabel werden so gut wie nie verwendet. Wir bekamen aber trotzdem Besteck (in eine dünne, weiße Papierserviette eingewickelt). Mit dem zu jedem Gericht servierten Injera kann man als sogennanter "Kenner" dann anschließend Couscous, Reis, Salat, das Hauptgericht oder auch alles zusammen möglichst gelungen einwickeln und stückchenweise mit den Händen verzehren.

Wir übten erstmal mit Injera und Salat und freuten uns umso mehr, als wenig später eine Platte mit gelbem Reis und Couscous serviert wurde, dazu bekam jeder noch sein bestelltes Gericht in einem kleinen Tontöpfchen auf einer Art Stövchen mit Löffel zum Portionieren.

Barei-Zigni (Rindfleischstückchen in scharfer Tomatensauce mit Zwiebeln, Knoblauch, Berbere (Gewürzmischung) und Gewürzbutter: Mein Gericht war erstmal ziemlich heiß. Das Rindfleisch schwamm butterzart in der gut gewürzten Tomatensauce. Für meinen Geschmack war es vom Schärfegrad gerade noch am Rand eines leckeren Geschmackserlebnisses. Für Liebhaber der milden Küche ist das Gericht nicht geeignet. Ich kann es kaum mit anderer scharfen Küche vergleichen. Generell habe ich diese Gewürzkombination noch nie gegessen. Wirklich mal exotisch! Leider ist das Ganze auch sehr fettig und ich hätte gerne dickere Servietten gehabt. Mir bleibt es ein Rätsel, wie man dabei saubere Finger behält. Ich muss wohl noch üben. Mir hat es geschmeckt. 4 Sterne.

Wir saßen schon einige Zeit vor unseren leeren Tellern, als unser Kellner fragte, ob er uns aufs Haus noch ein paar scharfe Linsen bringen dürfte. Sehr aufmerksam! Wollten wir! Dazu gab es dann auch nochmal Injera! Die Linsen waren in einer Art Tomatencreme und nur leicht scharf im Gegensatz zu meinem Gericht. Hat uns auch sehr gut geschmeckt. 4 Sterne.

Meiner Kollegin hat ihr Gericht ebenfalls wieder gut gemundet, es war wohl auch nicht ganz so fettig wie mein Gericht. Das Essen hat mich überzeugt! Ich komme gerne wieder und probiere weitere Gerichte.

Für einen Nachtisch hatten wir weder Zeit noch Platz, den angebotenen Anisschnaps aufs Haus probierten wir noch (ähnlich Raki/Ouzo)! Meiner Kollegin stieg der Schnappes anscheinend schnell zu Kopf. Unser Kellner bemerkte dies und brachte schnell ein kleines Glas mit Guavensaft.

Der freundliche und lustige Service gleicht einige Patzer wie z.B. sehr lange Wartezeiten beim Abräumen der Gläser und Teller und einige Fehler bei der Bedienung aus. Das Restaurant hat auch noch nicht lange geöffnet und alles muss sich erst einspielen, deshalb runde ich diesmal auf 4 Sterne auf. Ich habe mich willkommen und umsorgt gefühlt. Auch Familien mit Kindern werden herzlich empfangen!

Leider konnten wir die Kaffeezeremonie nicht mehr erleben - diese findet immer statt, wenn genügend Gäste anwesend sind.

PLV & Sauberkeit

Für das gebotene Ambiente, super Essen und freundlichen Service sind die Preise angemessen. 4 Sterne.

Die Toiletten habe ich nicht besucht. Es wirkte subjektiv aber nicht alles pico bello. 3 Sterne.

Fazit

Ambiente, Service und Essen ergänzen sich hier einfach so gut, dass man über kleinere Patzer hinwegsieht. Ich habe das "Abessina" mit guter Laune verlassen und wir kommen sicher bald wieder, um weitere uns unbekannte Gerichte zu testen. Ein völlig neues Geschmackserlebnis ist hier garantiert!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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