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GastroGuide-User: Gourmäggler
Gourmäggler hat Zur alten Schmiede in 76768 Berg (Pfalz) bewertet.
vor 9 Stunden
"Solide deutsche Hausmannskost zu sehr fairen Preisen"

Geschrieben am 19.01.2026
Besucht am 01.11.2025 Besuchszeit: Abendessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 29 EUR
In dem zur Verbandsgemeinde Hagenbach zählenden Ort Berg, den ich jedes Mal auf der Fahrt ins direkt an der Grenze gelegene, elsässische Lauterbourg passiere, befindet sich seit rund 43 (!) Jahren eine gutbürgerliche Einkehradresse, die nur von Freitag bis Sonntag geöffnet ist.
 
Die Rede ist von der „Alten Schmiede“, die seit 1982 von der Familie Schwarz geführt wird. Mittlerweile hat hier der Sohn Christian Schwarz das Sagen. Seine Eltern Ursula und Erwin helfen aber immer noch gerne mit. Egal, ob im Service oder in der Küche.
 
Fleischesser aus der Umgebung (aber auch aus dem Badischen) schätzen die urige Dorfwirtschaft aufgrund ihrer „ordentlichen Portionen“ bei den Rumpsteaks und Schnitzelvariationen. Aber auch die Käsespätzle sollen hier angeblich besonders gut schmecken. Meine letzte Einkehr lag mindestens 20 Jahre zurück. An das Verzehrte von damals konnte ich mich jedoch beim besten Willen nicht mehr erinnern.
 
An Allerheiligen, das in diesem Jahr auf einen Samstag fiel, gähnte mich der heimische Kühlschrank frugal von der Seite an. Gattin und Töchterchen waren zu müde, um noch einen abendlichen Restaurantbesuch in Betracht zu ziehen. Da rief ich spontan in der „Alten Schmiede“ an und machte mich allein auf den Weg nach Berg.
 
Ich parkte direkt vor dem Haus, das von außen wie ein etwas zu groß geratenes Wohnhaus wirkt. Drinnen war im Hauptgastraum einiges los. Man platzierte mich im Nebenzimmer, das auch keinen ungemütlichen Eindruck machte.
 
Der Terracotta-Fliesenboden aus der guten alten Zeit störte nicht weiter. Die einfachen Holztische waren in crèmefarbenes Leinen gehüllt. 
Rustikale Gastraum-Nostalgie
Ein nostalgischer Kachelofen grüßte stumm von Gegenüber. Ein alter Amboss wies auf die damalige Nutzung der Räumlichkeiten hin. 
 
Ein auf sympathische Art antiquiert anmutendes Ambiente, in dem ich rückblickend durchaus auch meine Erstkommunion oder meine Firmung hätte feiern können.  
Ansicht Nebenraum
Die Chefin, Frau Ursula Schwarz, versorgte mich zeitnah mit der Speisenkarte, auf deren ersten Seite mit Kürbissuppe, Sauerbraten, Putengeschnetzeltem an Gorgonzolasauce und Hirschbraten in Pfifferlingrahmsauce und handgeschabten Spätzle eine kleine Auswahl an Empfehlungen gelistet war.
 
Bei den Schnecken in Knoblauchsauce huldigte man der Nähe zum Elsass. Die Brühe mit Markklößchen klang dagegen wie nach längst vergessener, gutbürgerlicher Supp-Kultur. Das Rumpsteak gab es in drei Varianten (mit Zwiebeln, mit Kräuterbutter oder in Knoblauchsauce). Das Schweinefilet badete entweder in Pfefferrahmsauce oder wurde als „Williams“ mit Birne und Cambozola-Blauschimmelkäse überbacken angeboten.
 
Schnitzel vom Schwein, Geschnetzeltes vom Schwein und Rind sowie ein in Ei gebackenes Zanderfilet komplettierten das nicht übermäßig große Angebot an deftigen Gutbürgerlichkeiten. Ach so, fast hätte ich es vergessen. Die Tiroler Käsespätzle – wir sind ja schließlich in Berg! (Kalauer…) – wurden hier mit Speck annonciert.
 
Ein Teil der zuvor georderten Flasche Peterstaler Mineralwasser (0,75l) blubberte bald für faire 3,90 Euro in meinem Glas. Die anderen Getränkepreise waren genauso gastfreundlich kalkuliert. Der halbe Liter Bellheimer Lord-Pils belief sich auf 4,20 Euro, eine große Apfelsaftschorle (0,5l) war für nachvollziehbare 3,90 Euro zu haben.
 
Auch die Preise fürs Essen waren keinesfalls unverschämt oder überzogen. Ganz im Gegenteil, hier bekommt man sein Rumpsteak mit Pommes- oder Krokettenbeilage noch für rund 25 Euro serviert. Das Jägerschnitzel mit Kroketten ist sogar schon für schmale 14 Euro zu haben. Und die Qualität scheint ja zu stimmen, sonst würde sich dieses Lokal nicht schon so lange halten.
 
Als Freund orangefarbener Herbstgewächse, kam mir das unter einem ordentlichen Schuss Sahne versteckte Kürbissüppchen (4,50 Euro) gerade Recht. 
Where's the pumpkin?
Da wäre zwar etwas weniger Sprührahm mehr gewesen, aber die mit Kürbiskernöl und Kürbiskernen verfeinerte Terrine ließ sich ganz gut weglöffeln. Ein wärmendes, durchaus anständiges Süppchen, das ich mir da vorweg eingebrockt hatte. Zusammen mit ein wenig Baguette genossen, hielt es den ersten Hunger gut in Schach.
 
Weiter ging es mit dem in Pfifferlingrahmsauce schwimmenden Hirschbraten (21,30 Euro), dem man eine erkleckliche Spätzle-Portion vom Brett an die Seite geschabt hatte. 
Hirsch mit Sooß unn Spätzle
Die fluffigen Teigwaren aus Eiern und Mehl fanden in der Rahmsauce ihren ädaquaten Partner. Schade nur, dass es sich bei den Pfifferlingen nicht um frische Exemplare handelte. Die kamen definitiv aus dem Glas, weshalb ihnen jeglicher Biss fehlte. Diese schwammige Konsistenz mag ich bei Pilzen generell nicht.
 
Das lange geschmorte Fleisch vom heimischen Geweihträger geriet dagegen tadellos und hatte eine angenehme, nicht allzu zarte Textur. Auch von der Menge her passte dieser solide aufs Porzellan gebrachte Hubertusteller. Auf ein Dessert verzichtete ich genauso wie auf einen kräftigen Rotwein.
 
Den würde ich aber beim nächsten Besuch – dann aber mit der Familie, denn beide Damen können zu guten Spätzle nicht nein sagen – zu einem medium rare gebratenen Rumpsteak mit Kräuterbutter durchaus in Erwägung ziehen.
 
Für Fleischfreunde und Spätzle-Spezis ist die „Alte Schmiede“ in Berg zweifellos eine Empfehlung. An robuster Hausmannskost in bodenständig-rustikaler Umgebung ist schließlich nichts auszusetzen. Und bei den dafür aufgerufenen Preisen übrigens auch nicht. Ein Besuch im Sommer mit dem Rad ist schon in Planung.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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