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GastroGuide-User: Minitar
Minitar hat Restaurant Kreta in 78224 Singen bewertet.
vor 5 Stunden
"Kreter leben länger"

Geschrieben am 01.09.2026
Besucht am 30.08.2026 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 56 EUR
Okay, Singen am Hohentwiel zählt wahrscheinlich nicht zu den kulinarischen Hotspots Süddeutschlands – es sei denn, man gehört zu den ausgewiesenen Maggi-Aficionados. Dennoch ist man von hier aus schnell am See und auf der Höri, so dass wir uns seit Jahren mit einem grösseren Freundeskreis zu einem verlängerten Wochenende hier treffen.

Am Vorabend haben einige der Freunde bereits sehr negative Erfahrungen in einem nahen Lokal (jedoch einer anderen Landsmannschaft zugehörig) gemacht, so dass das heutige Abendessen unbedingt ein Erfolg werden muss. Ein Tisch für 10 Personen im Aussenbereich ist reserviert worden und ich treffe zuerst ein. Zwei der Damen im Service lehnen bereits erwartungsfroh am Fenster und rufen: Wir haben Sie erwartet! Wir haben alles vorbereitet! Na, so einen Empfang hat man selten! Die Freude auf beiden Seiten ist gross, ich werde zum Tisch geleitet und darf in Augenschein nehmen, wie sorgfältig und akkurat eingedeckt wird. Man sitzt hier sehr schön auf einem ruhigen Platz, teilweise unter mächtigen Trompetenbäumen.

Als wir schliesslich komplett sind, werden rasch die Speisekarten verteilt und auch schon bald die Bestellungen aufgenommen. Die Damen sprühen vor Herzlichkeit und scheinen geradezu darauf zu brennen, uns die Schätze ihrer Küche zu servieren. Dass dann schliesslich die Gerichte von 10 Personen sehr schnell hintereinander aufgetragen werden, ist wirklich eine Meisterleistung. Meine kalte Vorspeisenplatte (17,90 Euro) ist so üppig, dass ich danach keinen Hauptgang mehr bestellen kann: frisches Grünzeug und Oliven, gefüllte Weinblätter, Gigantes, Kopanisti, Tsatsiki, Auberginensalat, Schafkäse. Meine Begleitung ist rundum glücklich mit dem Olympiateller (20,90 Euro) – mit Gyros, Souflaki, Lammkotelett, Reis, Tsatsiki und gemischtem Salat. Und meine Nebensitzerin erfreut sich an Sardinen mit Tsatsiki und Salat (18,90 Euro). Man sieht den Speisen an, dass sie frisch zubereitet worden sind und nichts schon länger in der Küche vor sich hindümpeln konnte. Wichtig an einem der letzten heissen Sommertage in diesem Jahr. Leider konnte ich nicht alle Gerichte en detail begutachten. Kleine Umbestellungen, Änderungen bei den Beilagen (Fritten statt Reis) und Sonderwünsche wurden auf jeden Fall ohne Aufpreis und ohne Schwierigkeiten ausgeführt. Einige meiner Mitesser meinten jedoch, sie hätten mehr Würze und mehr Knoblauch bei den Speisen erwartet. Das habe ich selbst nicht so empfunden. Den Knofi-Geschmack hatte ich noch lange am Gaumen – einen gewaltigen Durst erst in der Nacht.
Unser Weinschorle weiss (4,80 Euro pro Viertelliter) war frisch, knackig und gefällig – doch auch die Flasche Retsina unserer Nebensitzer kam gut an. Kleine Verwirrung: den Retsina trinkt man hier in kleinen dickwandigen Gläsern, die vielleicht ein Fassungsvermögen von 0,1 Liter haben, wohingegen zum reichlich bestellten Mineralwasser Stielgläser serviert werden. Fast alle am Tisch probieren vom Retsina und sind der Meinung: längst nicht so harzig, wie wir diesen Wein in Erinnerung haben! Wir bestellen sogar eine kleine Karaffe (7,90 Euro) nach und sind sehr angetan. Etwas kühler wäre allerdings noch besser gewesen. Zu den restlichen hier angebotenen Weinsorten möchte ich mich nicht äussern – habe ich doch in diesem Jahr bereits selbst die Insel Kreta besucht und noch ganz anderes erlebt… 

Nachdem wir alle das Besteck zur Seite gelegt haben, scharren die Ersten mit den Hufen. Das wird auch im Lokal verstanden. Umgehend erscheinen die Servicedamen mit dem obligatorischen Ouzo aufs Haus. Selbst der erscheint mir wohlschmeckender und anisetter als in Erinnerung. Eine Täuschung? Die wundervolle Abendstimmung, der ruhige Ort und die überaus freundliche, herzliche Bedienung haben uns alle glücklich gemacht. Der Service überzeugt durch Authentizität, hier ist keine Floskel geschäftsmässig aufgesetzt. Wenig sagen kann ich allerdings zum Gastraum im Inneren (den ich nur kurz auf dem Weg zur Toilette im Untergeschoss quere) oder zu den Anfahrtswegen oder der Parksituation (da wir alle zu Fuss unterwegs sind). Wir sind alle der Meinung: dieses Lokal besuchen wir im nächsten Jahr wieder. Alles bestens: Preis, Geschmack und Portionsgrösse. Und was habe ich kürzlich gelesen: die Kreter leben aufgrund ihrer Ernährungsform rund vier Jahre länger als die restlichen Europäer. Da sind wir dabei!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung