Geschrieben am 07.07.2026 2026-07-07| Aktualisiert am
07.07.2026
Besucht am 04.07.20261 Personen
Rechnungsbetrag: 7 EUR
Wer im Remstal unterwegs ist, sollte sich schon am Wein erfreuen können. Sonst macht der Aufenthalt keinen Spass. Besenwirtschaften und Vinotheken säumen den Weg und laden zum Verkosten, zum Probieren ein. Auch während unseres Schorndorf-Trips konnten wir nicht Nein sagen, auch wenn die Zeit etwas knapp war.
Unweit unseres Hotels an der Stadtmauer liegt das Weinwerk, das erst im vergangenen Herbst eröffnet hat, im Gebäude einer ehemaligen Kaffeemühle an der ruhigen, jedoch sehr zentral gelegenen Neuen Straße. Beim Vorübergehen wirkt die Location angenehm schlicht, akkurat gepflegt und minimalistisch aufgestellt – weitab der sonst üblichen dunkel vertäfelten Weinstubenromantik. Und nach dem traurigen Service-Desaster am Marktplatz erlebe ich hier tatsächlich das pure Gegenteil. Das versöhnt mich erst mal mit dem Ort.
Auf einigen Holzfässern vor der Türe liegen Karten aus, die zum Blättern einladen und Lust aufs Probieren machen. Glas- oder flaschenweise kann man hier zwischen regionalen und internationalen Weinen wählen. Dazu ein kleines, feines Tapas-Angebot: Oliven, Gürkchen, Käsewürfel, Fleischliches und einiges mehr. Auf der Aussenterrasse einige Tische, von denen bereits zwei oder drei am späten Nachmittag belegt sind. Ein kleines Glas könnte ich jetzt schon vertragen. Kaum habe ich mich gesetzt, ist schon der Patron Helmar Jertschewske am Tisch, um sehr freundlich nach meinen Wünschen zu fragen. Ich wähle 0,1 Liter Grauburgunder (4,00 Euro) vom nahen Platzhirsch Ellwanger aus Weinstadt-Grossheppach und 0,3 Liter Mineralwasser classic (3,00 Euro).
Umgehend wird serviert. Auch hier strahlt alles Stil- und Formbewusstsein aus, bis hin zu den schwarzen Filzuntersetzern. Die Weingläser von Zwiesel sind ein sowieso ein Klassiker, doch heute begeistern mich auch die eleganten Wassergläser, die gut und leicht in der Hand liegen. Der sehr kraftvolle Grauburgunder hat erstaunlich viel Farbe und Dichte – die sonst übliche mineralische Note schmecke ich hier kaum raus. Aber die Lust auf den Vergleich ist geweckt und ich beschliesse, später am Abend noch mal wiederzukommen.
Der Patron sitzt bei einem (befreundeten?) Paar am Nebentisch, jedoch immer aufmerksam und bei der Sache. Wenn er ein leeres Glas wahrnimmt, kommt er gleich vorbei. Angenehm auch der Hinweis, dass Weine auch flaschenweise hier zum Mitnehmen gekauft werden können. Das Paar am Tisch hinter mir schlägt gleich zu.
Mein Weg zur Toilette im Obergeschoss führt durch den geschmackvoll eingerichteten Innenraum. Hier möchte man gerne sitzen, wenn es draussen nicht mehr so warm ist. Ein einheitliches Farbkonzept und hochwertige Materialien sorgen für einen harmonischen Aufenthalt, der nicht vom Weingenuss ablenkt. Die Treppe ins OG ist auch hier recht steil.
Da mir der Patron versichert, am heutigen Samstag bis 24 Uhr geöffnet zu haben, komme ich später am Abend mit Begleitung noch mal vorbei. Gäste sind jetzt keine mehr da, auch wir werden lange Zeit im Aussenbereich übersehen. Die jugendliche Servicekraft muss offenbar noch eingelernt werden und ist ihrer Rolle noch nicht ganz gewachsen. So verzichten wir auch auf eine ausgedruckte Rechnung. Doch der pfälzischen Grauburgunder von Pfaffmann und ein frisches, mit viel Eiswürfel versetztes Pampelle Spritz sind vorzüglich.
Wer im Remstal unterwegs ist, sollte sich schon am Wein erfreuen können. Sonst macht der Aufenthalt keinen Spass. Besenwirtschaften und Vinotheken säumen den Weg und laden zum Verkosten, zum Probieren ein. Auch während unseres Schorndorf-Trips konnten wir nicht Nein sagen, auch wenn die Zeit etwas knapp war.
Unweit unseres Hotels an der Stadtmauer liegt das Weinwerk, das erst im vergangenen Herbst eröffnet hat, im Gebäude einer ehemaligen Kaffeemühle an der ruhigen, jedoch sehr zentral gelegenen Neuen Straße. Beim Vorübergehen wirkt... mehr lesen
Das Weinwerk
Das Weinwerk€-€€€Bar, Weinstube+491638883719Neue Str. 10, 73614 Schorndorf
4.5 stars -
"Stilvolle Gastlichkeit und aufmerksamer Service" MinitarWer im Remstal unterwegs ist, sollte sich schon am Wein erfreuen können. Sonst macht der Aufenthalt keinen Spass. Besenwirtschaften und Vinotheken säumen den Weg und laden zum Verkosten, zum Probieren ein. Auch während unseres Schorndorf-Trips konnten wir nicht Nein sagen, auch wenn die Zeit etwas knapp war.
Unweit unseres Hotels an der Stadtmauer liegt das Weinwerk, das erst im vergangenen Herbst eröffnet hat, im Gebäude einer ehemaligen Kaffeemühle an der ruhigen, jedoch sehr zentral gelegenen Neuen Straße. Beim Vorübergehen wirkt
Besucht am 04.07.20261 Personen
Rechnungsbetrag: 12 EUR
Zugegeben: Die Überschrift ist von Gottlieb Daimler geklaut. Der ein paar Schritte vom Marktplatz entfernt zur Welt gekommen ist und ohne dessen Errungenschaften wir nicht erneut nach Schorndorf gefunden hätten. Auch wenn zu unserem letzten Besuch eine lange Pause liegt und sich manches verändert hat.
Einst residierte in diesem schmucken Haus am Markplatz das alteingesessene Bäckerei-Café Mack, nun versucht sich seit gut sechs Jahren das Ama Deli (für was steht wohl AMA?). Hier werden offenbar ganztägig tolle Frühstücksvariationen mit und ohne Ei, Müsli- und Kucheninterpretationen, Toasts, Bowls und Salate – und natürlich eine riesige Auswahl an kalten und warmen Getränken - gereicht. Ein Lokal inmitten des schmucken Vorzeigestädtchens dürfte ein Selbstläufer sein. Jeder Tourist kommt unweigerlich am Markplatz vorbei und wird von der einladenden Terrasse mit Oleanderbüschen, weissen Sonnenschirmen und gelben Lampions angezogen.
Auch ich lande hier. Zwischen reichhaltigem Frühstück und sicherlich wieder üppigem Abendessen steht mir der Sinn nach einer frischen nachmittäglichen Kleinigkeit jenseits von Kuchen, Torten und Eisbechern. Samstagnachmittags gegen 15:30 Uhr ist kaum mehr ein Terrassenplatz im Schatten zu bekommen. So schreibe ich meinem etwas versteckten Tisch auch erst mal den Umstand zu, dass sehr lange kein Service erscheint. Sehr, sehr lange. Dann entdecke ich zwei Serviceherren, die sichtlich verzweifelt an ihren digitalen Endgeräten rumdaddeln. Und noch mehr Gäste, die vermehrt die Hand erheben, um auf sich aufmerksam zu machen. Da auf den Tischen keine Speisekarte ausliegt, bin ich fast versucht, unverrichteter Dinge wieder zu gehen.
Dann ruft der ältere der Serviceherren „Ich komme gleich“ nach allen Seiten und kümmert sich um das Nötigste. Nach schneller Durchsicht der Karte bestelle ich ein Bircher Müsli (7,00 Euro) und eine grosse Pepsi Zero (5,00 Euro). Die Cola kommt mit reichlich Eiswürfeln, das Müsli ist hübsch angerichtet mit frischem Obst und einem Stängel Minze. Da gibt es nichts zu meckern. Orange, Melone, Weintrauben erfrischen, das beerige Bircher Müsli ist gut abgehangen und mit Sultaninen gesüsst. Jetzt kehrt Entspannung ein und ich kann beobachten, wie die restlichen aufgebrachten Gäste beschwichtigt werden.
Auf dem Weg zur Toilette (grün glitzernd neu gefliest und gut in Schuss) gilt es, eine halsbrecherische Wendeltreppe ins Untergeschoss zu überwinden. Hier ist Trittsicherheit gefragt. Was machen wohl die mobilitätseingeschränkten Gäste mit Rollstuhl, Rollator und Gehstöcken? Nebenbei werde ich des schmucken Innenraums ansichtig. Holzdielenböden, helle Wände und rote Samtsessel wirken einladend. Denn auch in Schorndorf ist nicht immer Sommer, kann nicht immer draussen gesessen werden.
Sonntags bis dienstags hat das Lokal von morgens 9 Uhr bis 18 Uhr, mittwochs bis samstags bis 21 Uhr geöffnet. Das klingt sehr grosszügig. Als ich später noch mal eine Runde drehe, ist das Ama Deli jedoch vollkommen verwaist. Vermutlich speist sich die Hauptklientel doch aus Tagestouristen, die das pittoreske Schorndorf besuchen. Das variable, international angehauchte Speisenangebot jenseits der üblichen festen Tellergerichte lockt natürlich ganztägig zu einem Besuch. Wie wärs mit einer BBQ-Quesadilla (19 Euro) oder einer kleinen Schwabenreise mit Kässpätzle, Schnitzel, Maultaschen und Kartoffelsalat (21 Euro)?
Verärgert hat mich trotzdem der lange abwesende, unzuverlässige Service, der den Betrieb fast lahmgelegt hat. An diesem prominenten Standort wäre doch mehr Präsenz gefragt.
Zugegeben: Die Überschrift ist von Gottlieb Daimler geklaut. Der ein paar Schritte vom Marktplatz entfernt zur Welt gekommen ist und ohne dessen Errungenschaften wir nicht erneut nach Schorndorf gefunden hätten. Auch wenn zu unserem letzten Besuch eine lange Pause liegt und sich manches verändert hat.
Einst residierte in diesem schmucken Haus am Markplatz das alteingesessene Bäckerei-Café Mack, nun versucht sich seit gut sechs Jahren das Ama Deli (für was steht wohl AMA?). Hier werden offenbar ganztägig tolle Frühstücksvariationen... mehr lesen
Restaurant Ama Deli
Restaurant Ama Deli€-€€€Restaurant071814735475Marktplatz 4-6, 73614 Schorndorf
4.0 stars -
"Das Beste oder Nichts" MinitarZugegeben: Die Überschrift ist von Gottlieb Daimler geklaut. Der ein paar Schritte vom Marktplatz entfernt zur Welt gekommen ist und ohne dessen Errungenschaften wir nicht erneut nach Schorndorf gefunden hätten. Auch wenn zu unserem letzten Besuch eine lange Pause liegt und sich manches verändert hat.
Einst residierte in diesem schmucken Haus am Markplatz das alteingesessene Bäckerei-Café Mack, nun versucht sich seit gut sechs Jahren das Ama Deli (für was steht wohl AMA?). Hier werden offenbar ganztägig tolle Frühstücksvariationen
Besucht am 04.07.2026Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 51 EUR
Manchmal lohnt sich ein erneuter Besuch unter veränderten Vorzeichen. Das Schorndorfer Traditionslokal hat neue Pächter, die sich mächtig ins Zeug legen. Schon gegen 18:30 Uhr am Samstagabend ist der schattige Gastgarten fast vollkommen ausgebucht und wir ergattern gefühlt den letzten freien Tisch. Der Patron wirbelt aufgedreht fast um die eigene Achse, die Köchin klopft, brutzelt und frittiert, was das Zeug hält. Die Portionen vom Schweinemedaillon (23,50 Euro) sind riesig, mit frischen Champignons und Spätzle gekrönt. Beim Weinschorle (4,50 Euro pro Viertelliter) wird unsere seltene Trollinger-Allergie anerkannt und auf Wunsch auch ein Zweigelt verwendet.
Manchmal lohnt sich ein erneuter Besuch unter veränderten Vorzeichen. Das Schorndorfer Traditionslokal hat neue Pächter, die sich mächtig ins Zeug legen. Schon gegen 18:30 Uhr am Samstagabend ist der schattige Gastgarten fast vollkommen ausgebucht und wir ergattern gefühlt den letzten freien Tisch. Der Patron wirbelt aufgedreht fast um die eigene Achse, die Köchin klopft, brutzelt und frittiert, was das Zeug hält. Die Portionen vom Schweinemedaillon (23,50 Euro) sind riesig, mit frischen Champignons und Spätzle gekrönt. Beim Weinschorle (4,50 Euro pro Viertelliter) wird unsere seltene Trollinger-Allergie anerkannt und auf Wunsch auch ein Zweigelt verwendet.
Gasthaus Weißes Lamm
Gasthaus Weißes Lamm€-€€€Restaurant, Gasthaus0718162240Neue Straße 21, 73614 Schorndorf
4.0 stars -
"Gut besucht!" MinitarManchmal lohnt sich ein erneuter Besuch unter veränderten Vorzeichen. Das Schorndorfer Traditionslokal hat neue Pächter, die sich mächtig ins Zeug legen. Schon gegen 18:30 Uhr am Samstagabend ist der schattige Gastgarten fast vollkommen ausgebucht und wir ergattern gefühlt den letzten freien Tisch. Der Patron wirbelt aufgedreht fast um die eigene Achse, die Köchin klopft, brutzelt und frittiert, was das Zeug hält. Die Portionen vom Schweinemedaillon (23,50 Euro) sind riesig, mit frischen Champignons und Spätzle gekrönt. Beim Weinschorle (4,50 Euro pro
Besucht am 22.06.2026Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 25 EUR
An manchen Lokalen fahre ich fast täglich vorbei, ohne sie jemals besucht zu haben. Als ob ich noch auf die passende Gelegenheit warten würde. Heute scheint der Tag für Troja gekommen: die dort gerade vermuteten 30 Grad Hitze messen wir auch hier – und die grosszügige trojanische Aussenterrasse erscheint mir geeignet für ein Mittagsmahl. Darüber hinaus gehört das Restaurant zu den wenigen, die montags geöffnet haben und die gar keinen Ruhetag haben. Keine Ahnung, wie das zu wuppen ist!
Wer auch immer von Schliemanns Nachnachnachfahren in 1000 Jahren dieses Lokal ausgraben wird, wird nicht schlecht staunen. Hier liegen mehrere architektonische Epochen übereinander geschichtet, hier wurden mehrere Ebenen angebaut, überklebt, ummauert, verkleidet, angedockt. Leider habe ich keine Erinnerung mehr, welcher gastronomische Betrieb hier früher ansässig war. Der grosse Coup des jetzigen Betreibers ist sicherlich die überdachte Aussenterrasse, die quadratmetermässig den Innenraum um einiges übersteigt. Dennoch zieht es uns in den inneren Gastraum, der angenehm klimatisiert ist. Draussen steht die Luft.
Die Servicedame bemerkt uns sofort und grüsst sehr freundlich. Offenbar verkehrt hier eine feste Community, ein bestimmtes Stammpublikum, zu dem wir noch nicht gehören. Das Speisenangebot ist durchweg fleischlastig und herzhaft, mit mediterran-albanischem (?) Anklang. In der Küche wird mächtig gegrillt und gebrutzelt – draussen genauso mächtig was weggeputzt. Unsere Wahl fällt auf 7 Cevapcici mit Fritten und Salatbeilage (11,90 Euro), sowie einen Bauernsalat (normal: 7 Euro, heute als Mittagsangebot: 6 Euro). Dazu Cola zero (die 0,33-Liter Flasche für 3,50 Euro) und ein Glas Rosewein (0,2 Liter für 4,50 Euro).
Die Cola kommt direkt aus dem Kühlschrank, die Eiswürfel dazu hätte es eigentlich nicht mehr gebraucht. Auch der Rosewein ist gut gekühlt und feinherb. Obwohl zur besten Mittagszeit der Laden brummt, bleibt die Servicedame ruhig, freundlich und gelassen, jedoch gleichbleibend zupackend. Nach einer Viertelstunde wird auch schon unser Essen serviert. Sieht optisch gut aus. Die Cevapcici haben gehörig Feuer abbekommen und sind schön kross, die dazu servierten Fritten eher unspektakulär und die Salatbeilage relativ geschmacksneutral. Ebenso der Bauernsalat: alle Bestandteile gut gekühlt (fast eisig), Tomate und Gurke jedoch in sehr grosse, unhandliche Stücke geschnitten und ziemlich wässrig. Dass der Käse darüber gehobelt wird, haben wir so noch nirgendwo gesehen. Dazu werden zwei Fladenbrote serviert, die allein schon satt machen würden.
Die Mengen sind beeindruckend, doch es fehlt an Raffinesse und am besonderen Kick. Mit Pfeffer+Salz, Essig+Öl sorgen wir für mehr Aroma. Den Bauernsalat kann man sich als Beilage denken – an heissen Tagen wie dem heutigen gibt er auf jeden Fall ein vollwertiges Mahl ab. Desserts (wie Baklava) finden sich auf der Karte und auch in der Auslage. Doch dafür hätten wir keinen Platz mehr.
Der Weg zur Toilette fühlt sich wie eine Zeitreise zurück in die 1970er an. Der Weg zurück wiederum wirkt geradezu futuristisch. Obwohl das Lokal im Erdgeschoss liegt, kann es durch seine architektonischen Tücken nicht als barrierefrei bezeichnet werden. Dafür gibt es genügend (kostenpflichtige) Parkplätze direkt vor der Türe und auf der gegenüber liegenden Strassenseite. Eine Sparkasse und eine Apotheke sind gleich nebenan zu finden. Unser Besuch in Troja wird trotz der Vorzüge wahrscheinlich einmalig bleiben.
An manchen Lokalen fahre ich fast täglich vorbei, ohne sie jemals besucht zu haben. Als ob ich noch auf die passende Gelegenheit warten würde. Heute scheint der Tag für Troja gekommen: die dort gerade vermuteten 30 Grad Hitze messen wir auch hier – und die grosszügige trojanische Aussenterrasse erscheint mir geeignet für ein Mittagsmahl. Darüber hinaus gehört das Restaurant zu den wenigen, die montags geöffnet haben und die gar keinen Ruhetag haben. Keine Ahnung, wie das zu wuppen ist!
Wer... mehr lesen
Bistro Troja Grill
Bistro Troja Grill€-€€€Bistro070312643680Berliner Str. 24, 71034 Böblingen
3.0 stars -
"Heinrich Schliemann wäre satt geworden" MinitarAn manchen Lokalen fahre ich fast täglich vorbei, ohne sie jemals besucht zu haben. Als ob ich noch auf die passende Gelegenheit warten würde. Heute scheint der Tag für Troja gekommen: die dort gerade vermuteten 30 Grad Hitze messen wir auch hier – und die grosszügige trojanische Aussenterrasse erscheint mir geeignet für ein Mittagsmahl. Darüber hinaus gehört das Restaurant zu den wenigen, die montags geöffnet haben und die gar keinen Ruhetag haben. Keine Ahnung, wie das zu wuppen ist!
Wer
Besucht am 07.06.20261 Personen
Rechnungsbetrag: 8 EUR
Schon Wochen, bevor Padeffke in Böblingen seine Tore geöffnet hat, gab es mächtig viel Vorschusslorbeeren. Auch mir waren die Padeffke-Cafés in Tübingen bekannt, mit guten Frühstücksoptionen, freundlichem Ambiente und Top-Personal. Dazu schien die Lage in Böblingen das zu sein, was der Schwabe „A gmähts Wiesle“ nennt: direkt in der Einflugschneise aus Richtung Tübingen / Weil im Schönbuch gelegen, dazu mitten zwischen Aldi und Lidl platziert. Klingt per se schon nach Erfolgsmodell, oder?
Dass ich genau einen Monat nach der Eröffnung schreibe, ist ein Glück für den Betreiber. So ist meine erste Empörung versiegt und die Anfangsprobleme haben sich etwas gelegt. Dass ich jetzt erst schreibe, liegt auch daran, dass man hier prinzipiell „vergisst“, dem Kunden einen Beleg auszuhändigen und ich erst heute die Nerven hatte, darauf zu pochen. Nun gut: hoffen wir, dass sich die Anlaufschwierigkeiten nun legen.
Das grosszügig konzipierte Gebäude kann vom Aldi-Parkplatz aus angesteuert werden. Der Andrang der ersten Wochen hat oft dazu geführt, dass die eigentlichen Aldi-Kunden keinen Parkplatz mehr gefunden haben. Wochenends kommen nun auch viele mit dem Fahrrad, die den Padeffke-Besuch als Ausflug ansehen – oder zu Fuss von den umliegenden Vierteln. Besonders gern werden hier die Frühstücksarrangement genutzt, im grossen Freundes- oder Familienkreis, als ob dieser Ort ein ausgelagertes Wohnzimmer wäre. Das liegt auch an der grosszügigen Möblierung und der einladenden Terrasse.
Die Kundschaft scheint also weniger das Mitnahmeangebot der Bäckerei (Brot, Brötchen, Kuchen und Torten) zu nutzen, als den Ort als Café zu nutzen. Dabei ist das Angebot nicht so dolle. Die Frühstücksarrangements (um die 10 Euro) beinhalten Heissgetränk, Orangensaft. Brötchen und einen Teller mit fertig abgepackten Wurst – und Käsescheiben (oder veganen Alternativen). Ist schon allein optisch nicht der Hit. Irgendeine besondere Leistung, wie warme Eierspeisen o.ä. konnte ich nicht finden. Die meisten Backwaren, die ich bislang probiert habe, wirkten altbacken, trocken, geschmacklos, wie zu lange im Ofen belassen. Dinkelprodukte sind rar. Als ich kürzlich für Besuch zuhause Kuchen kaufen wollte, waren nur Erdbeerkuchen und Sahnetorten im Angebot. Hinzu kommen strukturelle Schwierigkeiten in der Anfangszeit: überfordertes (aber stets um Freundlichkeit bemühtes) Personal, unkoordinierte Abläufe, Ware ohne Preisauszeichnung, unabgeräumte Tische, überall Brösel und leere Saftflaschen…
Nun zu meinem heutigen Konsum. Da inhouse nur eine Einheits-Kaffeegrösse angeboten wird (die kleine Portion), habe ich eine mittlere Grösse im Pappbecher zum Mitnehmen erworben (aber vor Ort konsumiert): 3,25 Euro. Schön, dass an der Theke neben Normalmilch und Kaffeesahne auch Hafermilch zur Verfügung steht. Das oben beschriebene Frühstücksangebot lockt mich nicht, attraktive andere Angebote gibt es nur wenige. Das Fladenbrot mit Tomate und Mozzarella (4,85 Euro) war bei meinem letzten Besuch noch bockelhart, altbacken und dümpelte eindeutig schon zu lange in der Auslage. Heute endlich Besserung: frisch gebacken, frisch belegt, mit etwas Frischkäse (oder Salatsauce?) aufgepeppt. Auf meinen Wunsch erhalte ich Pfeffer und Salz dazu – komme aber ohne aus.
Bislang bin ich nur auf der Terrasse gesessen. Das macht sonntags Spass – unter der Woche herrscht hier jedoch Mordsverkehr. Dass die Damen- und Herrentoiletten nur ein gemeinsames Waschbecken vorgelagert haben, ist wohl am falschen Platze gespart. Die Pflege und Wartung der noch neuen Toiletten scheint schon jetzt nicht immer gut zu funktionieren. Am Abräumen der Tische und an der Sauberkeit arbeitet man noch – so sehr, dass der Herr mit dem Abräumwagen allzu lange den einzigen Ausgang zur Terrasse blockiert und es leider auch nicht bemerkt. Nun gut: wir werden noch Gelegenheit haben, die weitere Entwicklung zu verfolgen. Begeistert bin ich jedoch nicht.
Schon Wochen, bevor Padeffke in Böblingen seine Tore geöffnet hat, gab es mächtig viel Vorschusslorbeeren. Auch mir waren die Padeffke-Cafés in Tübingen bekannt, mit guten Frühstücksoptionen, freundlichem Ambiente und Top-Personal. Dazu schien die Lage in Böblingen das zu sein, was der Schwabe „A gmähts Wiesle“ nennt: direkt in der Einflugschneise aus Richtung Tübingen / Weil im Schönbuch gelegen, dazu mitten zwischen Aldi und Lidl platziert. Klingt per se schon nach Erfolgsmodell, oder?
Dass ich genau einen Monat nach der Eröffnung... mehr lesen
Café in der Bäckerei Padeffke
Café in der Bäckerei Padeffke€-€€€Cafe, Konditorei015174314384Rudolf-Diesel-Str. 4, 71032 Böblingen
2.5 stars -
"Ausgelagertes Wohnzimmer" MinitarSchon Wochen, bevor Padeffke in Böblingen seine Tore geöffnet hat, gab es mächtig viel Vorschusslorbeeren. Auch mir waren die Padeffke-Cafés in Tübingen bekannt, mit guten Frühstücksoptionen, freundlichem Ambiente und Top-Personal. Dazu schien die Lage in Böblingen das zu sein, was der Schwabe „A gmähts Wiesle“ nennt: direkt in der Einflugschneise aus Richtung Tübingen / Weil im Schönbuch gelegen, dazu mitten zwischen Aldi und Lidl platziert. Klingt per se schon nach Erfolgsmodell, oder?
Dass ich genau einen Monat nach der Eröffnung
Besucht am 20.05.2026Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 53 EUR
Eine Reise in den Süden kann schon mal zu einem überraschenden Stop-over und interessanten neuen kulinarischen Entdeckungen führen. Doch nicht nur das. Ottobeuren im Unterallgäu lockt mit einer berauschend schönen Barockbasilika (samt hochrangig besetzten Konzerten), Sebastian Kneipp (der hier geboren wurde) und einer pittoresken Altstadt im Schatten des Klosters. So hübsch und einladend, dass wir beschliessen, hier zu Abend zu essen.
Die Brauereigaststätte des Hotels Hirsch residiert prominent direkt am Markplatz, mit einer grosszügigen Aussenterrasse und traditionsreichen, teilweise runderneuerten Gasträumen. Wir haben Glück und treffen noch vor dem grossen Andrang ein, so dass freie Tischwahl besteht. Rustikal und zünftig geht es hier zu: viel Holz bei Dielenboden, Tischen und Stühlen, dazu grün-weiss gewürfelte Tischläufer, alte Ortsansichten an den Wänden. Besteck und Servietten stecken in einem Bierseidel auf dem Tisch.
Der Service ist durchgehend jung und männlich – und obwohl wir zuerst nicht ganz sicher sind, ob unsere Bestellungen den richtigen Weg machen, klappt alles hervorragend, ohne lange Wartezeiten. Neben aktuellen Spargelangeboten (die esse ich lieber zuhause), lockt die Speisekarte mit deftigen Gerichten: von der Flädlesuppe in Rinderkraftbrühe über Obatzda und Wurstsalat bis zu Schweinebraten mit Semmelknödel und Biergulasch. Alles zu sehr humanen Preisen. Wer sich nicht recht entscheiden kann, greift am besten zu eine der gemischten Platten, die bei uns daheim wohl „Von Ällem Ebbes“ heissen würde. So schwanken wir zwischen der „Braumeisterplatte“ für 18,90 Euro (Krustenbraten, 1/4 Haxe, Fleischpflanzerl, Bierbratwurst, Kartoffelknödel und reichlich Sauerkraut) und dem „Bierkutscher“ für 15,90 Euro (Legendäre Fleischküchle, mit Kässpatzen, Krautsalat und Dunkelbierjus).
Die Entscheidung fällt auf letzteres – und wir können den Zusatz auf der Karte „Macht richtig satt“ durchaus bestätigen. Die Fleischküchle sind aussen schön kross gebraten, doch innen noch zart und fluffig. Beim Aufschneiden zeigt sich in der Mitte noch überraschend ein Crouton. Eine regionale Besonderheit, so wie der Würfelzucker im Marillenknödel? Oder sollte das eingeweichte Brötchen nicht ganz mit der Frikadellenmasse durchmengt worden sein? Egal. Die dazu servierten Kässpatzen (im Allgäu sollte man bitte nicht Spätzle sagen) gäben allein schon eine vollständige Portion her: sehr rezent, lange Käsefäden ziehend, immens sättigend. Das Ganze schwimmt in einer herrlichen dunklen Biersauce, mit der nicht gespart wurde. Dazu wird ein frischer, leicht süsslich angemachter Krautsalat serviert, mit etwas geraspelter Möhre on top.
Prima dazu: ein süffiges Ottobeurer Helles (4,50 Euro für den halben Liter) aus der hauseigenen Brauerei und ein kräftiges Rotweinschorle (4,40 Euro für 0,2 Liter – natürlich auch im Halblitergebinde bestellbar, wie es hier in Bayern üblich ist). Für die Daheimgebliebenen nehmen wir als Souvenir noch zwei Flaschen Bier mit. Wäre mehr Zeit, würde uns noch eine Brauereiführung mit Verkostung reizen. Danach müsste man aber schon die Hotelzimmer in den oberen Etagen nutzen. Fast bin ich versucht, mir eines davon zeigen zu lassen. Das Frühstückszimmer „Sebastian Kneipp“ wirkt auf jeden Fall sehr adrett, gepflegt und gut bestückt.
Wer deftige Speisen und ein zünftiges Ambiente mag, wird sich im Hirsch mit Sicherheit wohl fühlen. Vom grossen Parkplatz (kostenlos, jedoch bitte Parkscheibe benutzen) vor dem Kloster sind es nur wenige Schritte bis zum Gasthaus. Der kleine Spaziergang ist auch vonnöten, um die Portionen wenigstens ein bisschen zu verdauen.
Eine Reise in den Süden kann schon mal zu einem überraschenden Stop-over und interessanten neuen kulinarischen Entdeckungen führen. Doch nicht nur das. Ottobeuren im Unterallgäu lockt mit einer berauschend schönen Barockbasilika (samt hochrangig besetzten Konzerten), Sebastian Kneipp (der hier geboren wurde) und einer pittoresken Altstadt im Schatten des Klosters. So hübsch und einladend, dass wir beschliessen, hier zu Abend zu essen.
Die Brauereigaststätte des Hotels Hirsch residiert prominent direkt am Markplatz, mit einer grosszügigen Aussenterrasse und traditionsreichen, teilweise runderneuerten Gasträumen.... mehr lesen
Restaurant im Hotel Hirsch
Restaurant im Hotel Hirsch€-€€€Restaurant, Hausbrauerei08332796770Marktplatz 12, 87724 Ottobeuren
4.0 stars -
"Kloster, Kneipp und Kutscherpfännle" MinitarEine Reise in den Süden kann schon mal zu einem überraschenden Stop-over und interessanten neuen kulinarischen Entdeckungen führen. Doch nicht nur das. Ottobeuren im Unterallgäu lockt mit einer berauschend schönen Barockbasilika (samt hochrangig besetzten Konzerten), Sebastian Kneipp (der hier geboren wurde) und einer pittoresken Altstadt im Schatten des Klosters. So hübsch und einladend, dass wir beschliessen, hier zu Abend zu essen.
Die Brauereigaststätte des Hotels Hirsch residiert prominent direkt am Markplatz, mit einer grosszügigen Aussenterrasse und traditionsreichen, teilweise runderneuerten Gasträumen.
Besucht am 29.04.20261 Personen
Rechnungsbetrag: 8 EUR
Am Morgen ist es noch gross in der Stuttgarter Zeitung gestanden: Der Sky Beach auf dem Dach des Galeria-Kaufhof-Parkhauses in der unteren Königstrasse hat wieder geöffnet. 100 Tonnen Sand hoch über Stuttgart, mit Ausblick auf die Stadt und Umtrunk-Möglichkeit nach Gusto. Offenbar schon seit über 20 Jahren etabliert.
Genau genommen hat mich dies noch nie interessiert. Klang für mich immer nach bemühtem Strandfeeling für die armen Zuhausegebliebenen, nach fiesem Sand in den Schuhen und Horden von lärmenden Youngstern in Feierlaune. Wer will auch schon seine Einkäufe des Tages hier hochschleppen, in voller Montur in der Sonne braten?
Doch wieso sollte man sich den Ort nicht mal anschauen: möglichst zu Beginn der Saison, wenn der grosse Hype noch nicht ausgebrochen ist? Zwischen einem Mittagstermin in downtown Stuttgart und meiner Rückfahrt mit der Bahn liegt noch genügend Zeit. Und der Zugang zum Sky Beach ist tatsächlich nur wenige Schritte von der S-Bahn-Haltestelle am Bahnhof entfernt.
Die vollmundige Ankündigung, dass die Location nun wieder mit dem Aufzug erreichbar sei (was offenbar die letzten zwei Jahre nicht der Fall war), ist mit Vorsicht zu geniessen. Von drei Aufzügen, die in die vielen Etagen des Parkhauses und des Kaufhofes führen, funktioniert derzeit nur einer. Eine lange Schlange bildet sich davor, viele Kunden rollen schon entnervt mit den Augen. In der obersten Etage (D2) angekommen, blickt man erst mal auf ein blankes Flachdach – ohne Hinweis auf den Sky Beach. Zu besser frequentierten Zeiten dürfte man wohl der Menschenmenge nachgehen, an einem schnöden Mittwochnachmittag gegen 14 Uhr darf man sich selbst den Weg suchen. Der führt durch ein mit Stacheldrahtzaun umwehrtes Tor. Doch dann: Woww! Geblendet von reinweissem Sand und noch weisseren Liegenstühlen verliert man fast den Boden unter den Füssen. Tatsächlich ist der Ort beeindruckend, das muss ich unumwunden zugeben. Einzigartige Ausblicke auf die Innenstadt und auf die Höhen, inklusive Fernsehturm. Unmengen von Liegestühlen, Sonnenschirmen, Holztischchen und etwas ausrangiertem (oder nur inspiriertem?) Mobiliar vom Wiener Museumsquartier. Sogenannte „Chill-out-Betten“ können reserviert werden, aber das interessiert jetzt im späten April wohl noch niemanden. Über allem weht unaufdringliche Easy-Listening-Musik.
Denn ich kann den fast menschenleeren Sky Beach noch in voller Ruhe geniessen. Ausser mir nur zwei Rentnerpärchen und einige Spanisch sprechende Touris oder Studenten. Holzbohlen führen über den Sand bis hin zur Getränkeausgabe. Vom einfachen Mineralwasser bis zu exklusiven Cocktails ist hier alles geboten. Ich wähle ein Glas Riesling (7,80 Euro für 0,2 Liter). Ein Glas Wein oder Weinschorle kosten gleich viel. Merkwürdige Kalkulation. Hat das Wasser vielleicht die gleiche Wertigkeit wie der Wein? Eiswürfel gäbe es gratis dazu, aber für solchen Frevel bin ich nicht zu haben. Überraschenderweise kann am Tresen auch bar bezahlt werden (mit Karte sowieso), auch einen Kassenbeleg bekommt man anstandslos. 1 Euro Pfand fürs Glas ist okay.
Das Abhängen bei sommerlichen Temperaturen und frischem Wind, mit beeindruckenden Ausblicken, macht dann doch ungeahnten Spass. Als Touri fände ich Stuttgart wohl ziemlich cool. Auch wenn die Sicht auf den massakrierten Bahnhof doch sehr ernüchtert. Doch von 25 Metern Höhe blickt man auf blühende Kastanienbäume und eine wuselnde Menschenmenge auf der Königstrasse. Und keine Sorge: hier oben gibt es sogar Toiletten. Allerdings kann die Location nicht unbedingt als barrierefrei bezeichnet werden. Immer wieder gilt es Hindernisse, Stufen und Stolperfallen zu überwinden. Und eine Sonnenbrille braucht es unbedingt. Dafür kann man das Auto getrost zu Hause lassen. Denn S-Bahn- und U-Bahn-Haltestellen, sowie der Bahnhof liegen förmlich vor der Türe. Die jeweiligen Öffnungszeiten sollte man googeln. Denn die variieren je nach Wetterlage.
Am Morgen ist es noch gross in der Stuttgarter Zeitung gestanden: Der Sky Beach auf dem Dach des Galeria-Kaufhof-Parkhauses in der unteren Königstrasse hat wieder geöffnet. 100 Tonnen Sand hoch über Stuttgart, mit Ausblick auf die Stadt und Umtrunk-Möglichkeit nach Gusto. Offenbar schon seit über 20 Jahren etabliert.
Genau genommen hat mich dies noch nie interessiert. Klang für mich immer nach bemühtem Strandfeeling für die armen Zuhausegebliebenen, nach fiesem Sand in den Schuhen und Horden von lärmenden Youngstern in... mehr lesen
4.0 stars -
"Blinded by the light" MinitarAm Morgen ist es noch gross in der Stuttgarter Zeitung gestanden: Der Sky Beach auf dem Dach des Galeria-Kaufhof-Parkhauses in der unteren Königstrasse hat wieder geöffnet. 100 Tonnen Sand hoch über Stuttgart, mit Ausblick auf die Stadt und Umtrunk-Möglichkeit nach Gusto. Offenbar schon seit über 20 Jahren etabliert.
Genau genommen hat mich dies noch nie interessiert. Klang für mich immer nach bemühtem Strandfeeling für die armen Zuhausegebliebenen, nach fiesem Sand in den Schuhen und Horden von lärmenden Youngstern in
Besucht am 18.04.20262 Personen
Rechnungsbetrag: 66 EUR
Unser Besuch im Rebstöckle steht der Massenabfertigung am Vorabend in einem anderen Reutlinger Lokal komplett konträr gegenüber. Und zeigt zudem: Manches entwickelt sich tatsächlich zum (noch) Besseren hin. Denn die Portionen haben sich gegenüber den Berichten unseres Vorredners an Menge gefühlt verdreifacht. Wobei sich die Preise immer noch im sehr anständigen Bereich befinden.
Lokale mit genuin schwäbischer Küche muss man erst mal finden. Wir folgen der Empfehlung von Bekannten und tun gut darin. Kurz nach der samstäglichen Öffnung um 17Uhr30 stehen wir schon auf der Matte, haben jedoch unsere liebe Mühe, ohne Reservierung noch einen freien Tisch zu ergattern. Der wird uns allerdings nur bis 19 Uhr gestattet. Das Essen runterzuschlingen, ist zwar nicht unsere Art – doch wir hoffen auf einen enthusiastischen Einsatz in der Küche.
Rein optisch wirkt das Rebstöckle genau so, wie man sich ein gepflegtes Landgasthaus vorstellt: gediegenes Mobiliar, viel Holz an Boden, Decke, Tisch und Bänken, ein bisschen Zierrat, ein paar Blümchen auf dem Tisch und in den Makramee-Blumenampeln. Dazu ein schöner, lauschiger Biergarten vor der Türe. Beim Eintreten wird man noch freundlich begrüsst und willkommen geheissen.
Wir sind noch früh dran, sind jedoch mit einem megamässigen Hunger gesegnet. Die Karte verspricht ein kulinarisches Eldorado: Flädlesuppe und Salat mit gratiniertem Ziegenkäse, Zwiebelrostbraten, Sauerbraten und Schwabenteller mit Maultaschen, Südtiroler Schlutzkrapfen und schwäbische Käsespätzle, gebackene Apfelringe und spanischer Manchego-Käse zum Ausklang. Schwäbisch-mediterrane Küche nennt sich das hier. Ganz nach unserem Geschmack. Dazu ein kleines, internationales Weinangebot und Biere aus der Region.
Schnell haben wir uns für den Sauerbraten (26,90 Euro) und die Käsespätzle (18,90 Euro) entschieden – und es nicht bereut. Der Sauerbraten vom Jungrind ist so butterzart, dass jeder Bissen fast schon auf der Zunge zergeht. Drei Scheiben schwimmen in einer tiefdunklen, sämigen, rotweinlastigen Sauce, die man am liebsten halbliterweise auslöffeln würde. Das vermeintliche Kartoffelpüree auf dem Teller schmeckt im ersten Moment überraschend würzig, entpuppt sich dann jedoch als vom Sellerie stammend. Gute Idee! Zum Auffassen der Sauce wird jedoch noch eine Schale Spätzle gereicht, die zwar sicherlich nicht handgeschabt sind, jedoch von geschmälzten Semmelbröseln gekrönt werden, ganz so, wie ich es aus meiner Jugend kenne. Ein wahres Sonntagsessen, obwohl wir doch erst Samstagabend haben…
Auch die Käsespätzle-Version (mit aromatischem Bergkäse) mundet sehr. Vor allem, weil man mit den herzhaft angebräunten Röstzwiebeln wirklich nicht gegeizt hat, man alles in allem für diese Speise jedoch schon einen robusten Magen braucht. Herrlich leicht gesellt sich dazu ein kleiner, extrem frischer Beilagensalat mit viel Essig. Die Portion ist so riesig, dass davon glattwegs zwei Esser satt würden. Getrunken werden muss auf jeden Fall auch einiges. Wir testen nacheinander einen mächtigen italienischen Primitivo (6,30 Euro), einen luftigen Rose aus dem Luberon (6,50 Euro) und ein kleines, helles Hefeweizen von der Baisinger Biermanufaktur (3,90 Euro), dazwischen viel spritziges Hauswasser (4,20 Euro für den halben Liter).
Letztendlich pokern wir noch um zeitliche Verlängerung unseres Tisches, was schliesslich gewährt wird. Wir danken dem engagierten, überaus freundlichen Service, der sich sichtlich über unser Lob freut. Und natürlich auch den Meistern in der Küche, die es schaffen, traditionellen Gerichten noch ein eigenes I-Tüpfelchen zu verleihen. So fühlt sich unser Besuch rundum gelungen an: beste Qualität, üppige Portionen, angemessene Preise, ein adrettes, picobello sauberes Ambiente (bis hin zu den gepflegten Toiletten) und eine gut erreichbare Lage mit zwei Bushaltestellen in allernächster Fusslaufnähe. Wer sich nun zu einem eigenen Besuch inspiriert fühlt, sollte jedoch unbedingt vorab einen Tisch reservieren. Es lohnt sich!
Unser Besuch im Rebstöckle steht der Massenabfertigung am Vorabend in einem anderen Reutlinger Lokal komplett konträr gegenüber. Und zeigt zudem: Manches entwickelt sich tatsächlich zum (noch) Besseren hin. Denn die Portionen haben sich gegenüber den Berichten unseres Vorredners an Menge gefühlt verdreifacht. Wobei sich die Preise immer noch im sehr anständigen Bereich befinden.
Lokale mit genuin schwäbischer Küche muss man erst mal finden. Wir folgen der Empfehlung von Bekannten und tun gut darin. Kurz nach der samstäglichen Öffnung um 17Uhr30... mehr lesen
4.5 stars -
"Schwäbische Küche par excellence" MinitarUnser Besuch im Rebstöckle steht der Massenabfertigung am Vorabend in einem anderen Reutlinger Lokal komplett konträr gegenüber. Und zeigt zudem: Manches entwickelt sich tatsächlich zum (noch) Besseren hin. Denn die Portionen haben sich gegenüber den Berichten unseres Vorredners an Menge gefühlt verdreifacht. Wobei sich die Preise immer noch im sehr anständigen Bereich befinden.
Lokale mit genuin schwäbischer Küche muss man erst mal finden. Wir folgen der Empfehlung von Bekannten und tun gut darin. Kurz nach der samstäglichen Öffnung um 17Uhr30
Besucht am 17.04.20264 Personen
Rechnungsbetrag: 104 EUR
April in Reutlingen: blühende Hänge an der Achalm, aufgedrehte Menschen in Feierlaune angesichts ungeahnt sommerlicher Temperaturen. Wir treffen uns mit Freunden auf halbem Weg zwischen unseren Heimatorten und stranden bei beiderseitiger Unorganisiertheit einfach im nächstgelegenen Lokal neben unserem Hotel. Das scheint bei den Einheimischen sichtlich der derzeit angesagte Hit zu sein, so proppevoll wie das Haus (und die angrenzende, großzügige Aussenterrasse) schon am frühen Abend ist. Aber vermutlich fast rund um die Uhr? Denn das QMuh hat tatsächlich an 7 Tagen in der Woche von 9 bis 23 Uhr (beziehungsweise am Samstag und Sonntag sogar bis Mitternacht) geöffnet. Unvorstellbar, wieviel Personal hier in Küche und Service benötigt wird.
Denn von Anmutung und Quadratmeterzahl wirkt das QMuh wie ein riesiges bayrisches Brauhaus: eine grosse Halle mit viel Holz, gepolsterten Sitzbänken und rustikalem Interieur. So weitläufig, dass man sich sorgt, nach dem Toilettengang wieder an den eigenen Tisch zurückzufinden. Bei Gelegenheit wüsste ich schon mal gern, wie Innenarchitekten dieses Restaurant-Genres eigentlich ticken.
Wir haben auf jeden Fall noch das grosse Los gezogen und eines der wenigen „Séparées“ ergattert. Ein etwas abgeschirmtes Abteil, mit Pseudolederbänken, funzeliger Beleuchtung und relativer Ruhe angesichts der lauten Musikbeschallung und des Lärmpegels im restlichen Raum. Sehr häufig verirrt sich eine Bedienung auch nicht in diese Ecke – aber für unsere Bedürfnisse reicht es voll und ganz.
Das Speisenangebot am Abend besteht aus: Burger, Steaks, Salate, Bowls und das, was sich neudeutsch „Sides“ nennt. Da sind wir uns schnell einig und bestellen 3 verschiedene Burger (zwischen 12,50 und 12,90 Euro), eine Bowl (17,90 Euro), frittierte Zwiebelringe und Fritten. Das alles wird vermutlich förmlich im Akkord in der Küche fabriziert und überraschend schnell an die Tische ausgeliefert. Wir staunen! Viel Individualität darf natürlich nicht erwartet werden. Die Bowls (Ob „Chili“, „Crispy Chicken“ oder „Pulled Pork BBQ“) gleichen sich alle irgendwie. Wer nicht aufpasst, erhält das Standard-Brötchen: ein sogenanntes „Vintage Brioche“ mit „Sesame on top“. Wirkt optisch wie ein aufgedunsener Pilz und gibt natürlich nicht viel zum Kauen her. Die Patties dagegen sind alle vollmundig, schön kross gebraten und von guter Qualität. Die Chili-Variante glänzt durch herrlich scharfe Jalapenos – ein gutes Gegenspiel zu den eher faden Brioches. Bei der Bowl (die man mit verschiedenen tierischen und pflanzlichen Proteinquellen bestellen kann: Huhn, Lachs, Falafel, Tofu) harmonieren dagegen nicht alle Bestandteile: die sehr üppig bemessene Menge an Räuchertofu (leider nicht angebraten und von einem leicht unangenehmen Odeur heimgesucht) kollidiert mit den vielen zu süssen Goji-Beeren und der scharfen Harissa-Sauce. Begeistert sind wir von den mächtigen Zwiebelringen (6,90 Euro), die uns sehr an unsere Jugend erinnern. Weniger gelungen scheinen die etwas lätschigen Süsskartoffelfritten (5,90 Euro) zu sein. Die kriegen unsere Freunde viel krosser in ihrem Airfryer hin – behaupten sie zumindest. Da hab ich persönlich keine Erfahrungswerte. Und brauche sie auch nicht.
Bei den Getränken überzeugt neben sehr viel Tafelwasser (0,3 Liter für 3,30 Euro) und einer spritzigen Lemon&Lime Limonade (für nicht ganz gerechtfertigte 5,70 Euro) vor allem ein sensationeller, tiefgründiger Primitivo (6,50 Euro für das Glas). Bei so viel Flüssigkeit müssen wir nacheinander die Toiletten aufsuchen, die sich leider alle im Obergeschoss befinden. Im Aufgang (und auch andernorts) irrlichtern überflüssige Neon-Sinnsprüche wie „Fuck Social Media, I´m dope in real life“. Wer braucht das denn?
Zur ersten Sättigung hatte dieser Ort durchaus seine Berechtigung. Die hohe Auslastung des Lokals dürfte der zentralen Lage am Bahnhof und den erschwinglichen Preisen von Burger & Co. geschuldet sein. Denn die Steaks liegen schon bei ca. 30 Euro. Wir danken allen Akteuren für ihren Einsatz. Der kulinarische Genuss hat sich allerdings in Grenzen gehalten. Aber Reutlingen hat ja auch noch mehr zu bieten.
April in Reutlingen: blühende Hänge an der Achalm, aufgedrehte Menschen in Feierlaune angesichts ungeahnt sommerlicher Temperaturen. Wir treffen uns mit Freunden auf halbem Weg zwischen unseren Heimatorten und stranden bei beiderseitiger Unorganisiertheit einfach im nächstgelegenen Lokal neben unserem Hotel. Das scheint bei den Einheimischen sichtlich der derzeit angesagte Hit zu sein, so proppevoll wie das Haus (und die angrenzende, großzügige Aussenterrasse) schon am frühen Abend ist. Aber vermutlich fast rund um die Uhr? Denn das QMuh hat tatsächlich an 7... mehr lesen
3.0 stars -
"Burger im Akkord" MinitarApril in Reutlingen: blühende Hänge an der Achalm, aufgedrehte Menschen in Feierlaune angesichts ungeahnt sommerlicher Temperaturen. Wir treffen uns mit Freunden auf halbem Weg zwischen unseren Heimatorten und stranden bei beiderseitiger Unorganisiertheit einfach im nächstgelegenen Lokal neben unserem Hotel. Das scheint bei den Einheimischen sichtlich der derzeit angesagte Hit zu sein, so proppevoll wie das Haus (und die angrenzende, großzügige Aussenterrasse) schon am frühen Abend ist. Aber vermutlich fast rund um die Uhr? Denn das QMuh hat tatsächlich an 7
Besucht am 25.02.20261 Personen
Rechnungsbetrag: 4 EUR
Die Stuttgarter Stadtbücherei gehört zu den most instagrammable Places in Stuggitown. Doch nicht nur Architekturfans und Bücherwürmer kommen hier auf ihre Kosten. Im 8. Obergeschoss (wer nicht zu Fuß hochschnaufen will, hat leider längere Zeit auf einen der Aufzüge zu warten, von denen meist einer grad defekt ist) des ikonischen Gebäudes befindet sich die „Lesbar“ mit geradezu atemberaubender Aussicht nach allen Seiten. Einerseits ins Innere der hochgradig artifiziell wirkenden Bibliothek, andererseits hinaus ins Europaviertel, dessen kühler Charme nicht jedermanns Sache ist (meine jedenfalls nicht).
Früher wurde der gastronomische Betrieb von der Caritas bespielt, seit einiger Zeit von Bubeck & Bubeck, einem kleinen regionalen Familienbetrieb, der auch schon das Bistro am Wirtemberg nebst einigen Weinbergen bewirtschaftet. Sehr sympathisch. Das hat zur positiven Ausweitung des Angebots geführt. Frühstück und Mittagessen werden allerdings wochentags nur bis 14 Uhr 30 angeboten (samstags freundlicherweise bis 17 Uhr) – und ich war bei meinem Besuch an einem schnöden Mittwochnachmittag eindeutig zu spät dran. Statt Kartoffelsuppe mit Brot (8,90 Euro) oder rotem Linsencurry (8,90 Euro) oder Croffles (Croissants aus dem Waffeleisen – herrje, wer braucht denn so was?) oder Maultaschen mit Kartoffelsalat (12,90 Euro) konnte ich mich nur noch an Kuchen und Gebäck erfreuen, zumindest optisch: gut ausgeleuchtet und fein präsentiert kann man sie an der Theke bestaunen.
Dort wird auch bestellt. Obwohl draussen frühlingshafte Temperaturen um 20 Grad herrschen, gilt hier noch die winterliche Getränkeauswahl mit Lebkuchen Latte mit Sahne (5,90 Euro), Glühwein (4,90 Euro) oder heißer Ingwer Zitrone (4,50 Euro). Hat bestimmt viele Anhänger gehabt. Natürlich werden auch Kaffee-Spezialitäten in allen Ausprägungen ausgeschenkt – die Bohnen stammen von der Herrenberger Privatrösterei Maycoffee, die Kaffetassen sind von einer Stuttgarter Keramikerin handgefertigt. Mir steht der Sinn allerdings eher nach Frischem. Das Weißwein-Schorle (4,20 Euro) wird vom knackig trockenen Riesling vom örtlichen Collegium Wirtenberg gemischt. Und obwohl auf der Karte nur 0,2 Liter ausgewiesen sind, landet dann doch ein großzügiges Viertele im Glas. Die beiden jungen Servicedamen sind überaus freundlich und zuvorkommend, so wie´s auf der Karte ausgewiesen ist: „Ein Lächeln: gratis“.
Leider darf man Speisen und Getränke nicht auf die sehr beliebte Dachterrasse einen Stock höher mitnehmen, obwohl das auch mir verlockend erschienen wäre – lediglich in die kleine, schmale, gut gesicherte Loggia mit Blick aufs Europaviertel und sogar den Fernsehturm in der Ferne. Doch das Café Lesbar imponiert selbst mit einem hellen, lichten Ambiente: ungeheuer propper, ohne einzigem Krümelchen auf dem Tisch, mit schneeweissem Mobiliar, viel Glas und einigen blauen Akzenten, nebst Blumen auf dem Tisch. Fast transparent erscheint der Raum. Und unter Höhenangst sollte man hier auch nicht leiden. Auch für Veranstaltungen (wie Hochzeitsfeiern) ist ein Raum im Haus mit Bewirtung von der Cafe Lesbar zu mieten. Die Toiletten befinden sich bequem auf derselben Ebene und sind selbstredend genauso tipptopp sauber und gepflegt wie das Café.
Auch wenn ich für ein Essen leider schon zu spät dran war, überlege ich mir, ob ich mit dem nächsten auswärtigen Besuch nicht zu einem Frühstück hierher komme. Hier zeigt sich Stuttgart von seiner schönen Seite.
Die Stuttgarter Stadtbücherei gehört zu den most instagrammable Places in Stuggitown. Doch nicht nur Architekturfans und Bücherwürmer kommen hier auf ihre Kosten. Im 8. Obergeschoss (wer nicht zu Fuß hochschnaufen will, hat leider längere Zeit auf einen der Aufzüge zu warten, von denen meist einer grad defekt ist) des ikonischen Gebäudes befindet sich die „Lesbar“ mit geradezu atemberaubender Aussicht nach allen Seiten. Einerseits ins Innere der hochgradig artifiziell wirkenden Bibliothek, andererseits hinaus ins Europaviertel, dessen kühler Charme nicht jedermanns Sache... mehr lesen
Café Lesbar
Café Lesbar€-€€€Cafe, Catering, Eventlocation071157716300Mailänder Platz 1, 70173 Stuttgart
4.5 stars -
"Atemberaubender Ausblick" MinitarDie Stuttgarter Stadtbücherei gehört zu den most instagrammable Places in Stuggitown. Doch nicht nur Architekturfans und Bücherwürmer kommen hier auf ihre Kosten. Im 8. Obergeschoss (wer nicht zu Fuß hochschnaufen will, hat leider längere Zeit auf einen der Aufzüge zu warten, von denen meist einer grad defekt ist) des ikonischen Gebäudes befindet sich die „Lesbar“ mit geradezu atemberaubender Aussicht nach allen Seiten. Einerseits ins Innere der hochgradig artifiziell wirkenden Bibliothek, andererseits hinaus ins Europaviertel, dessen kühler Charme nicht jedermanns Sache
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Unweit unseres Hotels an der Stadtmauer liegt das Weinwerk, das erst im vergangenen Herbst eröffnet hat, im Gebäude einer ehemaligen Kaffeemühle an der ruhigen, jedoch sehr zentral gelegenen Neuen Straße. Beim Vorübergehen wirkt die Location angenehm schlicht, akkurat gepflegt und minimalistisch aufgestellt – weitab der sonst üblichen dunkel vertäfelten Weinstubenromantik. Und nach dem traurigen Service-Desaster am Marktplatz erlebe ich hier tatsächlich das pure Gegenteil. Das versöhnt mich erst mal mit dem Ort.
Auf einigen Holzfässern vor der Türe liegen Karten aus, die zum Blättern einladen und Lust aufs Probieren machen. Glas- oder flaschenweise kann man hier zwischen regionalen und internationalen Weinen wählen. Dazu ein kleines, feines Tapas-Angebot: Oliven, Gürkchen, Käsewürfel, Fleischliches und einiges mehr. Auf der Aussenterrasse einige Tische, von denen bereits zwei oder drei am späten Nachmittag belegt sind. Ein kleines Glas könnte ich jetzt schon vertragen. Kaum habe ich mich gesetzt, ist schon der Patron Helmar Jertschewske am Tisch, um sehr freundlich nach meinen Wünschen zu fragen. Ich wähle 0,1 Liter Grauburgunder (4,00 Euro) vom nahen Platzhirsch Ellwanger aus Weinstadt-Grossheppach und 0,3 Liter Mineralwasser classic (3,00 Euro).
Umgehend wird serviert. Auch hier strahlt alles Stil- und Formbewusstsein aus, bis hin zu den schwarzen Filzuntersetzern. Die Weingläser von Zwiesel sind ein sowieso ein Klassiker, doch heute begeistern mich auch die eleganten Wassergläser, die gut und leicht in der Hand liegen. Der sehr kraftvolle Grauburgunder hat erstaunlich viel Farbe und Dichte – die sonst übliche mineralische Note schmecke ich hier kaum raus. Aber die Lust auf den Vergleich ist geweckt und ich beschliesse, später am Abend noch mal wiederzukommen.
Der Patron sitzt bei einem (befreundeten?) Paar am Nebentisch, jedoch immer aufmerksam und bei der Sache. Wenn er ein leeres Glas wahrnimmt, kommt er gleich vorbei. Angenehm auch der Hinweis, dass Weine auch flaschenweise hier zum Mitnehmen gekauft werden können. Das Paar am Tisch hinter mir schlägt gleich zu.
Mein Weg zur Toilette im Obergeschoss führt durch den geschmackvoll eingerichteten Innenraum. Hier möchte man gerne sitzen, wenn es draussen nicht mehr so warm ist. Ein einheitliches Farbkonzept und hochwertige Materialien sorgen für einen harmonischen Aufenthalt, der nicht vom Weingenuss ablenkt. Die Treppe ins OG ist auch hier recht steil.
Da mir der Patron versichert, am heutigen Samstag bis 24 Uhr geöffnet zu haben, komme ich später am Abend mit Begleitung noch mal vorbei. Gäste sind jetzt keine mehr da, auch wir werden lange Zeit im Aussenbereich übersehen. Die jugendliche Servicekraft muss offenbar noch eingelernt werden und ist ihrer Rolle noch nicht ganz gewachsen. So verzichten wir auch auf eine ausgedruckte Rechnung. Doch der pfälzischen Grauburgunder von Pfaffmann und ein frisches, mit viel Eiswürfel versetztes Pampelle Spritz sind vorzüglich.