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GastroGuide-User: Huck
hat Zum Ännchen in 53639 Königswinter bewertet.
vor 6 Monaten
"Ännchen von Oberpleis ist’s, die mir gefällt, …"
Verifiziert

Geschrieben am 22.01.2019 | Aktualisiert am 22.01.2019
Besucht am 19.01.2019 Besuchszeit: Abendessen 4 Personen Rechnungsbetrag: 144 EUR
Schön, dass man bei Überschriften auch auf deutsches Liedgut zurückgreifen kann. Diesmal passt der Text aus dem „Ännchen von Tharau“ bestens zu den Erfahrungen unseres Besuches im Restaurant „Zum Ännchen“ in Königswinter-Oberpleis. Wir – ein befreundetes Paar, meine Frau und meine Wenigkeit– hatten Mal wieder Lust, gemeinsam essen zu gehen. 

Das Restaurant liegt am Pleisbach im Flecken Herresbach, der zu Oberpleis, einem Ortsteil von Königswinter, gehört. Schon seit weit über 100 Jahren werden in dem Fachwerkhaus, in dem das Restaurant im Erdgeschoss liegt, Gäste bedient. Im November 2017 ist das Restaurant wiedereröffnet worden, nachdem über längere Zeit umgebaut und renoviert worden ist. Dieser Umbau hat sich gelohnt, wie man schon feststellt, wenn man sich dem Restaurant nähert.

Das Ambiente ****
Wir haben reserviert und stellen unseren fahrbaren Untersatz auf dem geräumigen Parkplatz vor dem Restaurant ab. Ein grün leuchtender Schriftzug „Zum Ännchen“ an einer weißen Wand weist uns den Weg zum Eingang eines neuen Anbaus an das alte Fachwerkhaus.
Eingangsbereich
Vor dem Anbau lädt eine große Terrasse im Sommer zum Verweilen ein.
Blick von der Terrasse auf den Eingangsbereich
Im Anbau selbst befinden sich zwei modern gestaltete Gasträume, lichtdurchflutet wegen großer Fensterwände. Die Räume sind modern und ansprechend möbliert – braune Tische, grau gepolsterte Stühle und Sessel. Hier ist Wert auf Funktionalität gelegt worden. Tinnef sucht man vergebens.

Wir werden freundlich begrüßt und von einer Dame, augenscheinlich die Chefin, zu unserem Tisch im alten Teil das Restaurants, in dem ein weiterer großer Gastraum liegt, geleitet. Dieser Gastraum ist ähnlich ausgestattet wie die beiden anderen, funktionell mit blanken braunen Tischen und braunen gepolsterten Stühlen. An der Decke erinnern dicke Balken an das Alter des Hauses.
Tische im alten Teil des Restaurants
Die Dame lässt uns an einem Vierertisch Platz nehmen. Hier sitzen wir ganz gemütlich. Vier Sterne für das Ambiente.

Der Service ****/*****
Die Dame umsorgt uns den Abend über, gelegentlich unterstützt von einer jungen Dame. Beide sind freundlich, gastzugewandt und insbesondere die vermutliche Chefin kümmert sich vorbildlich um unser Wohl. Sie fragt, ob bei den Gerichten alles recht sei, und später, ob es uns geschmeckt habe. Sie  ist aufmerksam und fragt rechtzeitig nach weiteren Wünschen bei den Getränken. Bei Nachfragen zu den Gerichten gibt sie ausführlich Auskunft, sie weiß, was in der Küche läuft. Viereinhalb Sterne für den Service sind voll gerechtfertigt.

Die Gerichte und die Getränke ***/****
Die kleine, aber feine Speisekarte bietet Traditionelles wie auch Modernes – vom rheinischen Sauerbraten bis zum Steakburger. Saisonales gibt es auch, beispielsweise Muscheln in verschiedenen Variationen. Die Preise sind angemessen.

Wir studieren eine Weile die Speisekarte, die Entscheidung fällt schwer. Zwischenzeitlich versorgt uns die Dame mit den ersten Getränken,
– ein Hefeweizen (3,80 € für 0,5 l) für unseren Freund,
– ein alkoholfreies Hefeweizen  (ebenfalls 3,80 € für 0,5 l) für mich als Chauffeur und 
– eine Flasche Tönissteiner Sprudel (0,75 l zu 6,80 €) für die Damen.

Was lange währt, wird endlich gut. Wir haben gewählt, und die Dame nimmt unsere Wünsche auf. Meine Frau wählt
– Barbarie Entenbrust, Süßkartoffelpüree, Lauchzwiebeln, rote Zwiebeln, Kirschtomaten (24,80 €),
– „Ännchens Pfännchen“, Schweinemedaillons, Bratkartoffeln und Marktgemüse mit Sauce Hollandaise (19,80 €) für unseren Freund und 
– hauseingelegter Sauerbraten, Kartoffelklöße, Apfelrotkohl (18,80 €) für dessen Frau und mich.

Unsere Freundin und meine Frau haben inzwischen auch einen Wein in der Karte gefunden. Sie entscheiden sich für 
– eine Flasche Sardasol, Crianza, Jahrgang 2014, 100% Tempranillo-Trauben vom Weingut Bodegas Alconde, Lerin, Navarra (0,75 l / 28,90 €).

Kurz nach unserer Bestellung schenkt  die Dame meiner Angetrauten den Schluck zum Probieren ein. Im Gesicht meiner Frau lese ich Wohlgefallen.
Sardasol, Crianza, Jahrgang 2014
Der Wein schmeckt unseren beiden Damen ausgezeichnet. „Weich“ und „vollmundig“ höre ich sie schwärmen.

Der Gruß aus der Küche, den uns die Dame des Hauses serviert, entlockt dann allen am Tisch ein hoffnungsvolles „Oh!“. Es ist eine Pflaume im Speckmantel auf Tomatenchutney. Der Gruß wird sehr ansprechend in einem Glastöpfchen präsentiert. 
Gruß aus der Küche
Die unterschiedlichen Aromen von Pflaume und Speck wecken die Geschmacksnerven, das würzige Chutney tut das Seinige dazu – ein sehr leckerer, geschmacksintensiver Auftakt.

Das Lokal ist mittlerweile proppevoll, dennoch läuft der Service wie geschmiert. Die Wartezeit auf unsere Gerichte ist angemessen. Auf einem heißen Teller serviert die Dame meiner Angetrauten die Barbarie Entenbrust.
Barbarie Entenbrust, Süßkartoffelpüree, Lauchzwiebeln, rote Zwiebeln, Kirschtomaten
Die Entenbrust – es sind zwei dicke Scheiben – ist rosa gebraten, zart und saftig. So hat meine Frau sie erwartet, und so schmeckt sie ihr ausgezeichnet. Das Gemüse ist eine Komposition aus geschmorten Lauchzwiebeln, einigen Streifen roter Zwiebeln und halbierten Kirschtomaten, ergänzt durch einige Scheiben Fenchel. Das Süßkartoffelpüree, das meine Frau zum ersten Mal isst, ist gut zubereitet, mundet meiner Frau aber wegen der innewohnenden Süße nicht ganz so gut. Aber das ist Geschmackssache. Insgesamt ist meine Liebste sehr zufrieden mit ihrer Wahl.

Unserer Freundin und mir serviert die Dame des Hauses den Sauerbraten.
Hauseingelegter Sauerbraten, Kartoffelklöße, Apfelrotkohl
Der Sauerbraten ist mit einer leckeren, leicht säuerlichen Sauce mit etlichen Rosinen bedeckt. Ich probiere den Rotkohl: wunderbar, leicht säuerlich, so wie ich ihn gerne esse. Die Klöße sind wohl hausgemacht, „Fabrikklöße“ wären wohl gleichgroß, sie schmecken mit der Sauce gut. Der Sauerbraten ist geschmacklich auch gut zubereitet, allerdings hat das Fleisch zu viel Biss. Stellenweise ist es fest, und es fehlt die Mürbe, die Sauerbraten nach ausreichender Einlegezeit gewöhnlich hat. Ich habe schon Sauerbraten gegessen, der auf der Zunge zerfällt, hier ist das anders. Die Kauwerkzeuge sind gefragt. Unsere Freundin bestätigt meine Einschätzung, auch ihr Sauerbraten ist nicht mürbe.

Beim Abservieren sage ich unserer Dame, dass das Fleisch fest gewesen sei. Sie gibt die Erklärung, die wir schon erahnt haben. Manchmal laufe der Sauerbraten so gut, dass kurzfristig nacheingelegt werden müsse und die „Reifezeit“ für den Sauerbraten dann nicht ganz ausreichend sei.

Unser Freund bekommt „Ännchens Pfännchen“. 
„Ännchens Pfännchen“, Schweinemedaillons, Bratkartoffeln und Marktgemüse mit Sauce Hollandaise
Er ist mit seinem Gericht vollauf zufrieden. Die Medaillons, die Bratkartoffeln und der Blumenkohl schmecken ihm gut. Dementsprechend ist seine Bewertung für „Ännchens Pfännchen“.

Die Damen haben wie üblich Lust auf Süßes. Nachdem uns die Dame des Hauses noch einmal die Speisekarte zur Auswahl der Desserts gegeben hat, wählt meine Liebste 
– ein hausgemachtes Sorbet der Saison  (Blutorange  und Zimt/Pflaume, 6,80 €) und unsere Freundin
– ein hausgemachtes Sorbet der Saison  (nur Blutorange, 6,80 €). 

Unser Freund will flüssigen Nachtisch,
– Alter Williams (3,00 € für 2 cl), und ich muss mich auch hier alkoholisch zurückhalten, deshalb
– ein Espresso (2,00 €) für mich.

Kaum bestellt und schon bekommen die beiden Damen ihre Sorbets.
Hausgemachtes Sorbet der Saison (Blutorange und Zimt/Pflaume)
Das Sorbet wird in einem hohen Weiglas serviert, aus dem beiliegende, am Stiel hängende Johannisbeeren  mit Geschick und einem langen Löffel herausgefischt werden müssen. Das Zimt-Pflaume-Sorbet schmeckt meiner Frau am besten, und sie bedauert, nur ein Bällchen davon bestellt zu haben. Unsere Freundin lobt ihr Blutorangen-Sorbet.

Während unser Freund den „Alten Williams“ genießt, labe ich mich am Espresso.
Espresso
Er ist schön heiß und kräftig.

Die Gerichte haben uns durchweg gut geschmeckt. Die Entenbrust, „Ännchens Pfännchen“ und die Desserts verdienen eine gute Bewertung. Beim Sauerbraten  ziehe ich wegen der Zubereitung einen  Punkt von der ansonsten guten Bewertung ab, so dass es hier „nur“ drei Sterne gibt. Insgesamt bleibt somit für Essen und Getränke ein knappes „Gut“.

Die Sauberkeit ****/*****
Der Gastraum ist gepflegt und sauber. Auch auf den Tischen, beim Geschirr und den Bestecken gibt es nichts zu bemängeln. Die Toiletten sind neu, sehr gepflegt und tadellos sauber. Es liegen Gästetücher aus Frottee zum Händeabtrocknen bereit. Viereinhalb Sterne für die Sauberkeit.

Das Preis-/Leistungsverhältnis ****
Die Preise im „Ännchen“ liegen geringfügig über dem ortsüblichen Rahmen, sind aber angesichts der erbrachten Leistung auch durchaus gerechtfertigt. Unterm Strich bewerten wir das Preis-/Leistungsverhältnis als gut, also vier Sterne.

Das Fazit ****
„Das war ein schöner Abend“, so sind wir Vier uns einig, als wir die Heimfahrt antreten. Wir empfehlen das „Ännchen“ und kehren gerne dort wieder ein. Vier Sterne für das Fazit scheinen uns angemessen. 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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