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GastroGuide-User: Henningsoer
hat Pantanal Rodizio in 51379 Leverkusen bewertet.
vor 1 Jahr
"Samba pa ti ! oder besser nicht ?"
Verifiziert

Geschrieben am 07.02.2018 | Aktualisiert am 07.02.2018
Besucht am 27.01.2018 Besuchszeit: Abendessen 12 Personen Rechnungsbetrag: 89 EUR
Prolog:
Nach einigen Wochen Vorlaufzeit und diversen Termin-absprachen, -änderungen und finaler Fixierung sollte es so sein, das wir an einem Samstag einen Tisch mit 12 Personen um 20:00Uhr im Pantanal Rodizio in Leverkusen-Opladen reserviert haben. Warum gerade Samstags?
Na, da ist die SAMBA Show mit inkludiert. Rio wir kommen!
Da genügend Zeit zur Vorbereitung bestand, habe ich schon mal ein wenig I-net Recherche betrieben. Es gibt eine ansehnliche Homepage mit übergroßen Bildern von saftigen Fleischspießen, die sogar mit einer Qualitätsgarantie angepriesen werden.
www.pantanal-rodizio.de/ueber-uns/fleisch/
Der Inhaber betreibt zwei Restaurationen. Stammsitz in Köln und die zweite in Leverkusen. In der Kategorie „Galerie“ tummeln sich ausgelassen diverse Kicker vom 1.FC und wo es ordentlich was zu Futtern gibt, darf unser Calli (Reiner Callmund) schwergewichtiger, ehem. Manager von Bayer Leverkusen und Autor von „Eine Kalorie kommt selten allein“, auch nicht fehlen.
„Na ja, dann werden die Futter Mengen schon mal passen“, dachte ich.
Des Weiteren wurde auch die Bedeutung des Namens Rodizio erklärt: „das sich drehende“
Der Vollständigkeit habe ich noch Pantanal gegockelt: „Sumpfland“. Ich hätte im Sumpf jetzt nicht die besten Rinderfarmen vermutet, aber ich war ja auch noch nie in Brasilien…
Das Pantanal liegt direkt in der Innenstadt von Opladen und verfügt über keinen hauseigenen Parkplatz. Also wurde der Autokonvoi vorher strategisch aufgeteilt, so dass sich jeder einen Platz in den angrenzenden Bereichen suchen kann. (Die zwei von mir angefahrenen Parkhäuser machen um 22:00 Uhr dicht! also besser vermeiden)
Der Frontbereich ist mit kleinen Butzenscheiben ausgestattet und beheimate schon ein Handvoll schnatternde Raucher, die sich um den nicht überdachten, schon jetzt überquellen Ascheneimer drängelten. Durch eine Doppeltüre mit 2m² Zwischenraum gelangt man in den Gastraum.
Eine Ampel für Blockabfertigung wäre hilfreich – gibt es aber nicht.
 
Innen sind grob kellenverputzte Wände, offenen Klinkerbögen und künstliche Palmen, die vermutlich einen südamerikanischen Bodega-Style simulieren sollen. In den einzelnen Verwinkelungen des Innenbereiches befinden sich die Sitzplätze in diversen hölzernen Bestuhlungen, zwischendrin sind  noch zwei Bufettinseln (eine mit Salat und Vorspeisen und eine kleinere für die Nachspeisen).
Bodega-Style
 Nach knapper Begrüßung vom Kellner weist er uns grob die Richtung zu unserem 12er Tisch und verschwindet postwendend wieder in den Küchenbereich.
Wir haben die Jacken noch nicht ausgezogen ist er schon wieder zugegen: „Wo is Cheffin?“
„Noch auf Parkplatzsuche?!?“ lautet meine erstaunte Antwort.
„Wenn ihr nix 12 Personen, ich Tische anderweitig verwende muss“, sagt es und verschwindet wieder.
Ich denke „Bleib ruhig, Brauner – wir haben erst 10min vor Acht!“ und kümmere mich um das finale Ablegen der Garderobe. Millisekunden später ist er wieder da „Trinke wolle?“
Ohne jemals in die Karte blicken zu können, frage ich nach rein spekulativ nach einem alkoholfreien Pils.
„Nix, nur Kölsch und Weizen“
„Ok, dann Weizen“ und wusch ist er wieder weg nachdem er die restlichen Bestellungen in der gleichen Zeit abgefragt hat.
Zeitgleich mit unserer Nachhut kommen unsere Biere. Die Interviews zu den Getränken der Neuankömmlinge finden in gleicher Manier statt.
„Und Esse wolle?“
„Rodizio*“
kommt es mehrkehlig. (*Rodizio: Für eine Flat-rate von 29,50€ pro Person kommen die Cortadores so lange mit ihren diversen Fleischspießen am Tisch vorbei und schneiden gekonnt mit ihren Küchensäbeln am Tisch individuelle Scheiben herunter. Zwischendurch kommen immer mal wieder Bedienungen aus der Küche mit verschiedenen Beilagen.)
 „OK, alle Rodizio“ bongt Gastone, sammelt flink die ausgelegten Speisekarten ein und dampft schiffschraubenartig wieder Richtung Tresen.
Hmm, ich hätte gerne noch einen Blick in die Karte geworfen – aber dann eben nicht.


So wende ich mich dem „Gruß aus der Küche“ zu, der schon vor unsere Ankunft auf dem Tisch stand.
Das brasilianische Dreigestirn besteht aus einer neutralen Kräuterbutter, die vermutlich Meggle nicht besser machen kann, einer Knobitunke mit der Konsistenz eines holländischen Fla und einer ganz akzeptablen, mildscharfen Salsa. Begleitet von ein 5 Scheiben konventionellem Stangenweißbrot.
Gruß aus der Küche
Die Menge auf dem Foto ist für 4 Personen! und sollte den ganzen Abend ausreichen, da sie auch nicht nachgereicht wird. Fairer Weise muss man sagen, dass wir aus vorgenannten Gründen auch nicht darum gebeten haben.
Speedy Gonzales ist mit der zweiten Charge der Getränke zurück und weist im Vorbeiflug darauf hin, dass wir uns am Vorspeisenbuffet schadlos halten können.
Vorspeisenbuffet
Beginnen wir also mit dem
Essen:
Grob gesagt besteht die Hälfte des Buffets aus Rohkost, Doseninhalten, diversen Salatdressings und zum anderen aus verschieden Teigtäschlein. Da keinerlei Schildchen den Hinweis gaben, was die Hüllen in sich verbargen, habe ich kurzerhand jeweils ein Exponat auf den Teller gepackt. Begleitet von einem geschmorten Bohnen-Paprikagemüse und einem Löffelchen selbstgemachten! Gurkensalat.
div. Teigexponate
 Die Fritierhüllen enthielten mal Kartoffeln, Hühnchen und diverse pastöse Inhalte. Sie schmeckten ganz akzeptabel, waren aber auf Grund ihres vorherigen Aufenthaltes in der Kühlung nicht mal annähernd bei Raumtemperatur angekommen. Also auf zum Schmorgemüse – auch kalt und eher blanchiert als geschmort. Vollkommen ohne Würze oder Salz. Nee, geht nicht. Weiter mit dem Gurkensalat – Oh, ich weiß wo das Salz abgeblieben ist! Schmeckte wie ein Meerschweinchen Leckstein. Der Rest blieb unangetastet auf dem Teller zurück. Sahen meine Tischnachbarn ähnlich. Hoffentlich kann es das Rodizo rausreißen…
 
Kurz darauf erklingt in meinem rechten Ohr eine Stimme: „Bohnen wolle?“
Als ich mich zur besagten Seite umdrehe wird mir von der linken Seite eine Kelle schwarze Bohnen auf dem Teller platziert.
„Äh, ja danke“ (Arbeitet Speedies Schwester auch hier ?!?)
Zu Glück kommt der Spießmann von der anderen Seite des Tisches und schnibbelt schon fleißig die ersten gerillten Variationen auf die Teller meiner Tischnachbarn.
El Contadores
Schweinefleisch und eine Art Chorizo aber mit sehr verhaltenem Geschmack. Unbemerkt hatte sich auch noch ein Löffel Reis auf meinen Teller niedergelassen. „Oh, schon wieder eine Bedienung verpasst“

 Nun denn, jetzt aber schnell aufessen bevor mir der Teller vollends zugebaggert wird. Das Schwein war lecker, die Wurst ging so, die Bohnen vollkommen geschmacklos und ohne Salz (da wusste ich ja wo es abgeblieben war und der Reis körnig und eher gedünstet als gekocht. Wow – irgendwie zieht sich das wie ein roter Faden durch…
 
Nach knapp 20min dreht die Musikbox voll auf und es erscheinen zwei Copa-Cabana-Hupfdolls incl. einem trommelnden Tänzer zu Bellini „Samba do Brasil“.
Zappeln die Erste
Gekonnt wurden hier die Hüften geschwenkt um den brasilianischen Life Style den Wikingern schmackhaft vorzuführen. Nach knapp 5min war der Spuk wieder vorbei und das Trio verschwand in den hinteren Gefilden der Restauration.
Direkt gefolgt von einer weiteren Brigade Cortadores – jetzt mit augenscheinlich Rindfleisch am Spieß.
Da der Spieß aber schon das halbe Restaurant durchwandert hat, sind die vermeintlich gegrillten Außenteile auf den anderen Tellern gelandet, herstellungsbedingt ist das Fleisch zur Mitte hin nicht wirklich durchgegart. Folglich tropft einem der blutige Fleischsaft bei Abschneiden direkt auf den Teller. (Ab hier habe ich keine Fotos mehr gemacht, weil der Teller mittlerweile wie eine Nierenschale aus dem OP-Bereich aussah – war wohl im Nachhinein ein Fehler?)

Hatte ich schon erwähnt, dass hier jeglicher Einsatz von Gewürzen anscheinend verpönt ist? Wäre auch verschmerzbar gewesen, hätte das Fleisch noch einen Eigengeschmack gehabt. Einzig die Textur ließ mich vermuten, daß es mal ein Stück Hüfte gewesen war. Auf dem Tisch standen noch zwei Salz- und Pfefferstreuer, die man schon mal auf den veralteten Autoraststätten aus den 80ern gesehen hat. Davon hielt ich aber Abstand, da ich diesem staubkorngroßen, gräulichen Pfefferpulver nichts Geschmackliches abverlangen kann.
Die weiteren Impressionen werde ich stakkatoartig abkürzen.
Nächster Fleischspieß (wieder irgendwas aus dem Hüftbereich/Tafelspitz), dazu gedünster Brokkoli, gegarte Kartoffelecken(leider ohne Salz) oder fast rohe Paprikadeckel usw. usw….
Zwischendurch die bekannten Funkenmariechen vom Zuckerhut – im dritten Durchgang sogar mit Zwangspolonaise, der nicht sehr wehrhaften Gäste.
Rio-Funkenmariechen
Nach zwei weiteren Durchgängen Fleisch (wobei ich mir nur noch die Menge eines Cräckers abschneiden lies) war für mich der Abend geschmacks- und geräuschtechnisch gelaufen.
Beim Gang zur Frustfluppe gönnte ich mir noch einen schnellen Blick auf das schon halb gefledderte Nachspeisenbuffet – Tiramisu, Milchreis mit Kakau und ein Panna Cotta mit Erdbeersauce obendrauf.
Es gab noch andere Nachspeisen, die aber aufgrund ihres  Zustandes nur noch von einem geschulten Pathologen zu identifizieren gewesen wären.
Keine Ahnung ob man in Brasilien diese Dessertvariationen auch kredenzt -  Ich bin raus – im Wahrsten Sinne des Wortes!
Eine Nikotinspritze später ordere ich noch zwei doppelte Espressi mit Sambuca für mich und mein auch so begeistertes Weibchen und gemeinsam bestaunen wir die unermüdlichen Nachbartische, die sich fortwährend die Teller vollschaufeln lassen.
Zu unserem Glück ist die brasilianische Rennmaus genau so zügig beim Kassieren, damit wir schnell den Heimweg antreten können.
Kommen wir nun zu meiner Endabrechnung.
Ambiente:
Für Bodega Style – Kunstpalmen und für die zappelnden Badenixen will ich fair sein
3 Punkte
Der Service:
Schnell waren sie – keine Frage. Aber das hatte mehr den Anschein einer Druckbetankung.
1Punkt
Das Essen:
Ich kann mich nicht erinnern, jemals so unbefriedigt ein Restaurant verlassen zu haben. Falsche Temperatur, falscher Garpunkt, geschmack- und ideenlos. Einzig die Zutaten waren nicht verdorben und dafür gibt es bei mir äußerst wohlwollende  
2 Punkte
Sauberkeit: vorher 3 Punkte, durch die Schnetzelaktion am Tisch waren nach dem Essen alle Tischutensilien incl. der Gäste vollgekleckert 1 Punkt macht summierend
2 Punkte
PLV: 89,50€ (2 Personen) für 2 Rodizio, 2 Weizen, 2 Espressi, 1 Alsterwasser und 2 Sambuca
 1 Punkt
Gesamtfazit: 1,5 Punkte.
Wer sich hier Ballermann mäßig vollschaufeln will und auf leicht bekleidete (Re-) Animationsdamen abfährt, ist hier genau richtig. Ich hab mich in den sprichwörtlich in den A… gebissen, als ich auf der Rücktour überschlagen habe, was man für 45€ hätte lecker essen können. (z.B. im D´Aquila...)
Meine Bewertung ist in immer in Relation zur Restaurantkategorie und meiner individuellen Beurteilung der Speisenqualität zu sehen.
Gesamteindruck: 1 – sicher nicht wieder

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder - nach "Küchenreise")
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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