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GastroGuide-User: DerSilberneLoeffel
hat Goldener Anker in 96110 Scheßlitz bewertet.
vor 4 Jahren
"Mal so, mal so, es ist ein Vabanque-Spiel"
Verifiziert

Geschrieben am 08.07.2016
Besucht am 06.07.2016 Besuchszeit: Mittagessen 4 Personen Rechnungsbetrag: 33 EUR
Mittwoch, auf dem Weg in das Klinikum Bamberg. Der Termin lässt genug Zeit, um die Teevorräte bei Florapharm im Ort (Werksverkauf, kleiner Tipp) aufzufüllen. Und trotz des Einkaufes ist noch mehr als genug Zeit übrig. Zudem rückt die Mittagszeit näher, was uns veranlasst, in den Ort zu fahren und ein Lokal zu suchen.

Nachdem die ersten Restaurants leider über Mittag geschlossen haben, lockt uns der "Goldener Anker" an. Die Karte bestätigt das Äußere, so bleibt uns nichts übrig, als das Innere zu inspizieren.

Durch eine ehemalige Hofeinfahrt betreten wir das Anwesen. Ebenerdig. Oder - nein, leider nicht. Eine besonders hohe, wenn auch einzelne, Stufe ist das Aus für Rollstuhfahrer. Wer diese überwinden kann, hat die Wahl, entweder rechter Hand die Hauptstube zu besuchen, geradeaus weiter in den Biergarten (ein ehemaliger Innenhof) zu gehen oder sich linker Hand in eine Art Zirbelstube zu setzen.

Wir - bzw. die mich überstimmenden Begleiterinnen - entschieden uns für die Stube. Sehr hell, freundlich, pikobello sauber, hier lässt es sich aushalten. An der Decke ein Beamer, das Zimmer kann also auch für Versammlungen und Ähnliches genutzt werden. Neben uns im Raum ein Rudel Bauarbeiter, welche meist ein Indiz für große Portionen deftigen Essens sind.

Die Karte wurde von einer sehr netten Dame gereicht, die Getränke abgefragt. Die Karte ist sehr fränkisch-umfangreich, zudem mit einem Blatt Tagesgerichte, welche sehr fleischlastig sind. Was ich nicht als schlecht empfinde, wir sind eben in der fränkischen Region in der Fleischküche zuhause.

2 x Mineralwasser groß á 2,20 €
2 x Mineralwasser klein á 1,60 €

Was das kredenzt wurde? Keine Ahnung, aber immer öfter wünsche ich mir, die Gastwirte würden sich nur EIN EINZIGES MAL die "Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung – TrinkwV 2001)" vor und dann zu Herzen nehmen. Diese ist hier https://www.gesetze-im-internet.de/min_tafelwv/BJNR010360984.html zu finden und sollte eigentlich dazu führen, dass dem Kunden die unverschlossene Flasche an den Tisch gebracht und dort erst geöffnet wird. Leider hat sich in unseren Breiten eingeschlichen, dass die Mineralwässer in Gläsern an den Tisch gebracht werden.

Weiter im Text, das Essen will besprochen werden.

2 x Fitnessteller á 5,90 €
2 x Kaiserfleisch á 6,90 €

Kontroverse Empfindungen, aber immer je gegessener Speise.

Zuerst das Kaiserfleisch, welches mit einem Beilagensalat und hausgemachtem Kartoffelsalat serviert wurde.
Die Menge? Jenseits von Gut und Böse, eigentlich kaum zu schaffen. Dabei extrem zart, perfekt im Geschmack. Toll, dass es so etwas noch gibt, zudem zu einem mehr als fairen Preis. Der Kartoffelsalat hervorragend, der beste in letzter Zeit gegessene. Der Beilagensalat? Für diesen gilt dasselbe, wie für den Fitnessteller.

Und dieser war folgendermaßen aufgebaut:
- Krautsalat: toll. Ich liebe Kraut in allen Varianten, dieser Salat gehört eindeutig zu den besseren.
- Gurkensalat. Schnittfestes Wasser, was aber in der Natur des Produktes liegt. Aromatisiert mit einem klaren Dressing. Essbar, aber keine Offenbarung.
- Kartoffelsalat: Ein Gedicht. Dummerweise hat sich dessen Lake mit den extrem saueren Säften des
- Bohnensalates vermischt. Dosenbohnen, sehr sauer, der Essiggeschmack hat leider fast alles übertönt. Lieber einen Euro mehr genommen vom Kunden, von mir aus auch gerne zwei Euro, dafür aber bitte diese unsäglichen Quietscheteile vom Teller verbannen. Eine eines Koches unwürdige Sache aus den 70er Jahren.

Und wenn ich schon so deutlich bin: Diese Säure hat mir den ganzen Teller versaut. Oft wische ich das Dressing mit den "mitgelieferten" Weißbrotscheiben auf, hier aber gab ich das Weißmehlbrötchen ohne es zu bereuen gerne weiter. Obenauf - das mag ich gerne lobend erwähnen und mich dafür bedanken: Salat. Richtiger Salat, keine Schnetzel vom Eisbergsalat. Dieser hat gut geschmeckt, zumindest an den Stellen, an denen nicht ein "Topping" vom Balsamicodingsirgendwas klebte. Leute, ich kaufe für Zuhause gute Ware, achte darauf, dass es sich wirklich um Balsamico handelt und dann wird mir immer wieder so ein Zeug vorgesetzt? Eine Balsamicocreme? Ernsthaft? Abgesehen davon, dass das soooo Oldschool ist, schmeckt es einfach nicht.

Zeigt doch euer Können, ihr Köche, rührt ein anständiges Dressing an, dann bedarf es keines phantasielosen Gebräus aus der Industrieproduktion.

Obenauf noch etwas Geflügel in Streifen. Wenig gewürzt, wie es bei salzarmer Ernährung wünschenswert ist. Und wieder mit Balsamicoglibber zugedeckt. WARUM? Warum wird für die Optik immer und immer wieder der Geschmack geopfert? Und bitte, sagt mir nicht, dass es Euch gut schmeckt.

Positiv bleibt also zu erwähnen, dass der Preis recht günstig war. Was aber wieder in der Relation zum Genuss zu sehen ist, somit steigt das Empfinden in Richtung teuer, weil es eben kein Genuss war. Ach, au contraire....

So, Zeit für das Fazit:
Das Lokal selbst ist eigentlich gemütlich, besonders auch der Biergarten. Die Toiletten habe ich nicht besucht, hier kann ich kein Urteil abgeben. Schade ist, dass an der Seite der Eingangsstufe keine Rollstuhlrampe installiert ist, zumindest eine kleine Überfahrhilfe. Das Fleisch und der Kartoffelsalat sind toll, jedoch sollte um den Salat ansich (Beilagensalat und eben auch der Fitnessteller) ein großer Bogen gemacht werden. Es sei denn, der Esser steht auf sauer. Die weibliche Bedienung war sehr nett, der männliche Part eher wortkarg. Macht aber nix, isso in Frangn.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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