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GastroGuide-User: AndiHa
hat Restaurant Wiesental in 71409 Schwaikheim bewertet.
vor 1 Jahr
"Der Vorgänger war sagenumwoben aber der Nachfolger startet mit Handicap"
Verifiziert

Geschrieben am 22.07.2018 | Aktualisiert am 22.07.2018
Besucht am 15.07.2018 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 38 EUR
Finale der Fußball-WM 2018.
Eigentlich wollten wir ja in den Biergarten des VfL Waiblingen, betrieben vom La Nonna. Dort im Biergarten waren zwar mehrere große Leinwände für das Finale installiert aber das Speisenangebot recht eingeschränkt. Und im Vereinsheim drinnen (was mir gut gefiel und daher auf der Liste bleibt) eine geschlossene Gesellschaft.
 
Mußte eben Plan B her.
Schwaikheim. Gaststätte Wiesental.
 
Ich erinnere mich, daß das Haus früher einen sehr guten Leumund hatte. Was in der Zwischenzeit geschah kann ich leider nicht sagen.
Aber dieses Frühjahr rückte es mal wieder in die Schlagzeilen der örtlichen und regionalen Presse.
 
Indirekt.
 
Es sollte zum 1. März ein neuer Pächter dort anfangen. Dieser betrieb schon zuvor mal eine Pizzeria in WN-Neustadt und damals aktuell auch in Winnenden.
Dem machte die italienische Polizei einen Strich durch die Rechnung.
Am 9.01.2018 wurden in einer konzertierten Aktion in Deutschland (11) und in Italien (158) mutmaßliche Mafiosi einer bestimmten Gruppierung festgesetzt.
Darunter (gerade in Italien weilend) auch der zukünftige Wirt.
Dieser hatte sowieso schon eine gewisse schillernde Vorgeschichte. Bekannt wie ein bunter Hund und beste Verbindungen in die politische High-Society (Duzfreund von Günther Oettinger) und war in der 90ern schon einmal ins Fadenkreuz der Ermittler geraten. Mangels Beweisen wurden die Vorwürfe damals aber fallen gelassen.
 
Der Verein wurde eiskalt erwischt und ruderte. Glücklicherweise gab es viele Bewerbungen für das Haus (es hatte zuvor ja 30 Jahre einen hervorragenden Namen) und so gab es für den Verein doch nur ein leichtes Veilchen statt eines langen Leerstandes und eines damit einhergehenden finanziell dunkelblauen Auges.
 
Ob der Gast mit einem blauen Auge oder einem glücklichen Lächeln das Haus verlässt obliegt nun uns Euch zu berichten.
 
Vereinsheim, Sporthalle, Fußballplätze = großzügiges Parkplatzangebot.
So parkten wir einfach mal auf einem der vielen freien Plätze an einem Finalsonntagabend.
Ja, das Finale zog mich weniger in Bann. War meine persönliche Anspannung doch schon zwei Wochen zuvor beim fußballerischen Offenbarungseid gegen Süd-Korea deutlich abgefallen.
 
Die Terrasse vor dem gemütlich eingerichteten und großzügigen Vereinsheim lockte bei der drückenden Hitze aber dankbarer Weise mittlerweile zugezogenem Himmel doch deutlich.
Ja, die Terrasse war zwar nicht außergewöhnlich hübsch aber es ließ sich sehr gut auf den bequemen Stühlen und an den stabilen Tischen sitzen. Zumal ein ordentlicher Dachvorsprung über unserer Tischreihe auch vor plötzlichem Wehklagen des Himmels ob des falschen Spielverlaufes doch ausreichend Schutz versprach.


 
Es gab zu unserer Ankunft schon zwei oder drei Parteien die ebenfalls finalflüchtig eine gemütliche Einkehr zum Essen gesucht hatten. Gegen später kamen noch weitere hinzu.
Dafür, daß keine Glotze (zumindest nicht offensichtlich) lief war fast schon was los und diese frühe Zeit.
Kurzer Blick ins Haus und ein netter Kellner gab uns die Wahl zwischen den freien Tischen.
Die Karten kamen umgehend und da wir durstig waren platzierten wir auch umgehend unsere Getränkewünsche.
Ein Spezi (3,20) und ein Weizenbier (3,50) zu je einem halben Liter sollten es sein. Begleitet von einem Mineralwasser (zwovierzig der viertel Liter).
Ob das Aqua Morelli jetzt was Besonderes hätte sein sollen erstreckte sich mir nicht. Sah aus wie Sprudel und schmeckte auch so. Aber die Flasche sah wenigstens schön aus.
 
Schön ausgesehen hatte auch das Angebot welches die Karte offerierte.
Neben bekannten Pastavariationen durchaus auch etwas ausgefallenere Offerten.
Natürlich Pizza gefolgt von einigen Fleisch- und Fischangeboten.
Zuvorderst gab es noch ein Einlegeblatt mit Tagesempfehlungen wie Pizza Bianca, Roastbeef oder Wolfsbarschfilet.
 
Klang gut, mich interessierte aber vornehmlich: Kann  Gianluca Manta, welcher zuvor eine Trattoria in Bad-Cannstadt betrieben hatte, auch Pizza?
Seltsamer Weise folgte meine Lieblingsfrau ebenso dieser Denke. Isst sie doch sehr gerne Pasta und wäre hier mit diesem Angebot sicher auch fernab von Teigfladen glücklich geworden. Irgendwie fühlte sie sich davon an dem Tag (oder hier?) aber nicht angesprochen.
 
Die Getränke kamen und AndiHa liebäugelte mit einer Pizza Diavola (9.-). Oh Wunder.
Dieser solle man aber neben der obligatorischen scharfen Salami, den Oliven und den Pepperoni doch bitte auch noch etwas Knoblauch angedeien lassen. So mein Wunsch bei der Bestellung.
Meine liebe Frau wählte die Pizza Funghi (7.-) und fragte nach ob es auch mit Hackfleischsoße (zu deutsch: Bolognese, ital. Ragou ;-)) gehe.
Ein „Selbstverständlich“ aus dem Brustton der Überzeugung kam vom Kellner. Knoblauch, natürlich nur in seiner Eigenschaft als Blutdrucksenker (in unserem Alter), wurde auch hier gewünscht.
 
Mit der Zeit füllte sich die Terrasse doch zusehends. Das Spiel war noch nicht zu Ende und das Streicheltelefon hatte regelmäßig den Spielstand zur Verfügung. Mit zunehmender Dauer auch zu meiner ebenfalls zunehmenden Zufriedenheit.
 
Nach angemessener Zeit kam ein Insalata Estiva.

Von dem Blatt mit den Tagesempfehlungen sollte es ein „großer gemischter Salat mit Kapern, FETA und grünen Peperoni Lombardi“  (7,50) zuvor für uns gemeinsam sein.
War es irgendwie auch. Sah schon mal gut aus aber für einen „großen“ Salat dann doch etwas zurückhaltend in Bezug auf die Quantität.
Zwei Extrateller wurden zuvor schon erbeten und kamen umgehend mit dem Salat.
Jo, war ok, sehr zurückhaltend angemacht aber ok.
Mithilfe der bereitgestellten Hilfsmittel wie Essig und Öl gelang es ihn weitgehend genug zu pimpen. Irgendwie erwarte ich aber von einem Salat immer, daß er genussfertig an den Tisch kommt. Immer gelingt das in nichtdeutschen Küchen irgendwie nicht.
Was letztlich aber irgendwie weniger ok war, war die Tatsache, daß die Fetastückchen unterschiedlich intensiv schmeckten.
Ich will es mitnichten behaupten, aber uns drängte sich massiv der Verdacht auf, daß hier Schafs- und Kuhmilchkäse munter gemischt wurden.
Beim Preis von Siebenfuffzig schon eine nicht so schöne Geschmackserfahrung.
 
Mitgelieferte Pizzabrötchen waren… ja was eigentlich?
Superwürziggenial! Ein Träumchen diesbezüglich.
Aber zäh wie wie eine Regierungserklärung von der Mutter der Nation.


Wir erwähnten natürlich beide Seiten der würzigen Schuhsohle und bekamen zur Antwort: „ja die sind von heute morgen 8 Uhr“.
Geht’s noch?
 
Na hoffentlich haben sie die Pizza nicht letzte Woche gemacht und wärmen sie auf Abruf auf.
 
Aber bis die Pizzen kamen dauerte es. Und dauerte.
Es ist immer semierheiternd wenn Parteien welche später kommen früher berücksichtig werden. So auch hier. Wir fragten uns schon ob wohl unser Essenswunsch die Küche nicht vollständig erreicht habe oder beim fernsehkucken in der Küche aus Ärger zerrissen wurde. Dies ist natürlich eine Annahme die auf keinerlei Fakten beruht und ausschließlich meine persönlichen Mutmaßungen beinhaltet. Aber blöd isses dennoch.
 
Richtig blöd ist es auch, wenn der Kellner die leeren Teller und das leere Weizenglas abräumt und nicht auf die Idee kommt nachzufragen ob man noch eines wolle.
Gelernt in der Baumschule Du hast?
 
Nun, die Macht war wieder mit ihm als die Pizzen dann endlich kamen.
Zumindest teilweise. Zwiebeln welche meine Frau noch zusätzlich auf der Pizza orderte wurden ebenfalls Opfer der Inkompe.. äh Vergesslichkeit des Service.
 
Egal, wichtig ist auf dem Teller!
Und das machte optisch schon mal was her.




Aber das war’s dann auch schon.
Der würzige und über alles erhabene Teig war spitze. Das hatten die Pizzabrötchen schon angedeutet.
Aber der Rest war geschmacklich derart belanglos, daß es einem die Tränen in die Augen trieb. Der komplette Belag, bei meiner Frau ging es noch halbwegs wegen der Bolognesesoße aber ansonsten konnte auf den Pizzen gar nichts auch nur halbwegs glänzen. Vielleicht wurde aber ein vorhandener Geschmack auch nur durch den knochentrockenen Rand und dem Pizzaboden, welcher wohl auch einen Marathon überstehen würde, überschattet. Und dabei war die scharfe Salami auf meiner Pizza dankbarer weise einmal nicht von der Fraktion der Seifenhersteller. Sie war scharf und nett. Aber brachte auch nicht viel mehr mit. Und nett ist bekanntlich ja die kleine Schwester …
 
Gut erzogen und diplomatisch genug wahrten wir die Contenance und verabschiedeten uns auf ein (insgeheimes) Nimmerwiedersehen.
 
Vielleicht hatten wir einfach den falschen Tag erwischt.
Vielleicht ist es dort doch ganz ok und die Pizzen sind sonst i.O.
Vielleicht wäre der (mutm.) Mafiosi doch die bessere Wahl gewesen (blödn Staatsanwaltn;-)).
Vielleicht braucht es auch nur seine Zeit.
Vielleicht gibt es aber genug Wettbewerber denen wir nach diesem Erlebnis lieber den Vorzug geben.
Die Zeit wird es zeigen ob wir jemals wieder dort aufschlagen.
Eine starke Bewerbung dafür sieht jedenfalls anders aus.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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