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GastroGuide-User: Huck
hat Scampino in 51063 Köln bewertet.
vor 5 Jahren
"Im Scampino überzeugt die Qualität des Fisches – aber das hat auch seinen Preis!"
Verifiziert

Geschrieben am 14.03.2015
Besucht am 12.03.2015
Vor der Rückreise aus dem Bergischen (Land) haben wir uns bereits für einen Abend mit Fisch entschieden. Es sollte keine Fischbude sein, kein Schnellrestaurant, kein Restaurant, das wochenlang das Seegetier eingefroren auf Vorrat hält. Es sollte schon ein veritables Fischrestaurant mit großem Fischumsatz sein, bei dem die Wahrscheinlichkeit gegen null tendiert, daß der Gast aus der Tiefkühlung entnommenen Fisch erhält, der zuvor eingefroren, dann wieder aufgetaut, mit Wasser aufgespritzt und wieder eingefroren um die halbe Welt geschippert worden ist. 

Aber wo anlanden bei diesen Prämissen? 

Wir entscheiden uns für das Scampino in Köln-Mülheim – ein reines Fischrestaurant "op d'r schäl Sick", wie der Kölner die rechte Rheinseite als die "falsche" Rheinseite abqualifiziert.


Das Ambiente ****
Genügend Parkplätze findet man bei einem Besuch des Scampino auf der Hafenstraße direkt an der Mülheimer Rheinpromenade. Das Scampino liegt nämlich in Rheinufernähe in Höhe der Schiffseinfahrt in den Mülheimer Hafen im Erdgeschoß eines Wohngebäudes. Das Wohngebäude ist in dem Stil, wie es solventen Eigentumswohnungsliebhabern in bevorzugten Wohngegenden angeboten wird. Eine große Freifläche vor dem Eingang des Scampino  bietet Raum für eine sommers nutzbare Terrasse mit seitlichem Blick über die Mülheimer Rheinpromenade auf eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt.

Der äußerlich moderne Gebäudestil setzt sich im Innern des Restaurants fort. Im Eingang fällt der erste Blick auf ein Aquarium mit vielen bunten Fischen. Klare Linien in der Raumaufteilung, LED-Spots in der weißen Decke, mehrere Säulen mit brauner Holzvertäfelung im unteren Drittel, ansonsten weiß, Wände, genauso gehalten wie die Säulen, und eine an eine Bar erinnernde lange Theke geben dem großen Gastraum ein modernes, mediterranes Aussehen. Zwei große schwarze Tafeln an den Seitenwänden listen die Tagesgerichte auf, Tafeln über der Theke geben Auskunft über das Weinangebot. Um beigefarbige, blanke Holztische reihen sich braune Stühle. Tische und Stühle erinneren an einen Brauhausstil.

Über die Theke hat der Gast einen Blick in die Küche. Er kann den Köchen gerne zusehen.

Es ist ein angenehmes Ambiente, hier kann man sich gut aufgehoben fühlen, deshalb die Note "gut" und vier Sterne. 

Der Service ****
Beim Betreten des Restaurants schauen wir über vorbildlich eingedeckte Tische, auf denen weiße Stoffservietten regimentsartig strammstehen. Einige Tische sind besetzt, ein freundlicher Kellner – offensichtlich aus dem mediterranen Raum – begrüßt uns, fragt nach einer Reservierung, denn das Lokal sei heute ausgebucht. Wir haben nicht reserviert, der dienstbare Südländer diskutiert mit einem Kollegen, dann bieten sie uns einen Zweier- und einen Vierertisch zur Auswahl an. Wir entscheiden uns für den Vierertisch und werden den Abend über von den beiden dynamischen Servierkräften professionell, freundlich, schnell und zuvorkommend bedient. Die beiden haben ihr Handwerk gelernt, deshalb auch hier vier Sterne und ein  "Gut".

Das Essen ****
Noch studieren wir die gar nicht kurze Liste an Tagesgerichten auf einer der großen Tafeln an der Wand, als einer der beiden Kellner schon nach den Getränken fragt und zwei Speisekarten überreicht. Meine Frau entscheidet sich für ein Mineralwasser italienischer Provenienz (4,50 € die Halbliterflasche), und ich nehme einen Sauvignon blanc (0,2 l für beachtliche 6,80€).

Nicht so schnell können wir uns für die Gerichte entscheiden, denn die Wandtafeln listen allerhand auf: Schwertfischsteak, Filet vom weißen Heilbutt, Steinbeißerfilet, gegrillte Dorade, Seeteufelmedaillons, jeweils mit Reis- und Gemüsebeilagen, einige Gerichte aus Meeresfrüchten als Vorspeisen und auch wenige Nachspeisen. Diese schon umfangreiche Auswahl wird noch ergänzt durch ein ähnliches Angebot in der Speisekarte. Preislich liegen die Hauptspeisen um die zwanzig Euro, mal etwas darunter, aber auch schon deutlich darüber. Die Preise der Vorspeisen pendeln um die zehn Euro.

Die Getränke sind serviert, dazu ein großer Korb mit frischem Brot, allerdings nichts Weiteres – ein karger Gruß aus der Küche. Wir entscheiden uns für das

Filet vom weißen Heilbutt mit feiner Senfsauce zu 24,80 € und
– das Schwertfischsteak mit Trüffelbutter zu 21,90 €.

Zu beiden Speisen gibt es Gemüse und Reis.

Während der Wartezeit kommen mehr und mehr Gäste, aber nicht so viele, daß alle Tische belegt wären. Wir merken, wie der Geräuschpegel im Gastraum zunimmt. Wenn's hier richtig voll ist, wird der Lautstärkepegel vermutlich schon ein ganzes Stück ausschlagen.

Zwei Platten werden zeitgleich serviert, der Heilbutt und der Schwertfisch. Die Speisen sind optisch ansprechend angerichtet. Das Rot der Möhren kontrastiert mit dem Dunkelgrün des Spinats, dem hellen Grün des Weißkohls und dem weiß-gelblichen Reis. Der sanft gebräunte Fisch ist mit gelblichen Soßen garniert.

Die Beilagen sind mengenmäßig knapp bemessen, die Fischportionen sind in Ordnung. 

Wie abgesprochen stellen meine Frau und ich bei der ersten Gabel Weißkohl fest: "Warm, fast lau, nicht heiß!" Anders ist unser Urteil auch nicht bei den Möhren, dem Spinat und dem Reis. Die Beilagen haben vermutlich eine Zeitlang auf den nicht angewärmten Tellern gelegen, während der Fisch zubereitet wurde. Denn der Fisch ist heiß.

Und er schmeckt sehr gut, sowohl der Heilbutt als auch der Schwertfisch. Beide Stücke sind knusprig gebraten, sanftbraun und liegen in einem Soßenspiegel. Meine Frau beurteilt die Senfsoße als ausgezeichnet, die Sauce zum Schwertfischsteak – könnte eine Weißweinsauce sein – schmeckt auch ausgesprochen gut. Eine große Scheibe Trüffelbutter gibt dem Fisch mit dem Schwert einen besonderen, guten Geschmack. 

Die Beilagen schmecken auch gut, und das Gemüse ist frisch zubereitet. Aber die fehlende Temperatur wird im Urteil ihren Niederschlag finden. 

Wie es sich gehört, fragt einer der Bedienenden, ob es geschmeckt habe. Wir bejahen dies, bemängeln aber die fehlende Hitze bei den Beilagen. Er bedauert es. 

Es soll nach dem leckeren Fisch noch etwas Süßes sein. Beide entscheiden wir uns für 

Schoko-Profiteroles, das "kleine Geschenk", übergossen mit Schokolade und in einem Spiegel von Vanillesauce zu 6,90 €.

Auch hier lacht das Auge beim Servieren. Die Profiteroles sind umkreist von frischen Obststücken, Erdbeere, Kiwi, Orange, und einer Kapstachelbeere, gemeinhin auch Physalis genannt. Und der erste Eindruck trügt nicht: Die Nachspeise ist ausgezeichnet zubereitet, der Geschmack vorzüglich. Nicht zuletzt tragen auch die Vanillesauce und die Schokocreme zu diesem Geschmackserlebnis bei.

Meine bessere Hälfte dürstet noch nach einem Espresso (2,50 €), der schön heiß serviert wird, gut, weil stark im Geschmack, und begleitet von einem Amarettino. 

Fisch und Nachspeise haben zweifelsohne ihre fünf Sterne und ein "Sehr gut" verdient. Doch die Temperatur der Beilagen zu den Hauptgerichten werten insbesondere angesichts des gehobenen und Erwartungen weckenden Preisniveaus so stark ab, daß wir das Essen insgesamt mit nicht mehr als einem "Gut", also mit vier Sternen bewerten. 

Schade, bei den Gerichten hätte das Scampino wirklich punkten können.

Die Sauberkeit ****
Tische, das Geschirr und die Bestecke sind sauber, der Gastraum auch. Die Toiletten sind ebenfalls gepflegt und sauber, sowohl bei den Damen als auch bei den Herren. In beiden Toiletten sticht eine moderne edelstählerne Ausstattung hervor. Für die Sauberkeit gibt es von uns vier Sterne.

Das Preis-/Leistungsverhältnis *** (3 Sterne)
Bei "Preis versus Leistung" hätte es bei heißen Beilagen gut und gerne mehr als vier Sterne geben können. Doch die nur warmen, fast lauwarmen Beilagen mindern gerade hier das Urteil. Bei diesem Preisniveau haben wir natürlich heiße Beilagen auf heißen Tellern erwartet, gerade angesichts der Ankündigung des Restaurants, "sich in unserem mediteranen Fischrestaurant rechts des Rheins verwöhnen und von unserer großen Auswahl an fangfrischem Fisch und Meeresfrüchten überzeugen" zu lassen, wie es auf der Homepage des Scampino heißt. Zum Verwöhnen gehören bei diesem Preisniveau heiße Beilagen, deshalb noch ein "o.k.", also drei Punkte.

Das Fazit **** (3,8 Sterne)
Insgesamt hat uns der Abend im Scampino gefallen. Wir empfehlen es für einen Besuch und werden gelegentlich auch wieder hingehen in der Erwartung, dann heiße Beilagen zu bekommen. Der Fisch ist ja ausgezeichnet und ambiente- und servicemäßig stimmt ja wie bei der Sauberkeit alles. Aber mit unserem Beilagenerlebnis gibt es "nur" aufgerundete vier Sterne. 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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