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GastroGuide-User: Carsten1972
hat Hotel & Restaurant Alte Schule Fürstenhagen in 17258 Feldberger Seenlandschaft bewertet.
vor 1 Monat
"Pflichttermin in der schönsten Einsamkeit......"

Geschrieben am 03.06.2019 | Aktualisiert am 11.06.2019
Besucht am 01.06.2019 Besuchszeit: Abendessen 4 Personen Rechnungsbetrag: 775 EUR
...die ich kenne! Und diese Einsamkeit umgibt das Ensemble von Kirche und alter Schule in Fürstenhagen, Ortsteil der Feldberger Seenlandschaft. In diesem alten Schulgebäude, renoviert und angepasst an die neuen Bedürfnisse haben seit 10 Jahren Frau und Herr Schmidthaler ihr Domizil. Und seit recht langer Zeit begleiten meine Frau und ich ihre Entwicklung mit regelmäßigen Besuchen in Hotel und Restaurant. War da zu Anfang einfach nur Staunen über den Mut in dieser wirklich abgeschiedenen Gegend eine gehobene Küche zu etablieren, ist nun das Verfolgen der kulinarischen Entwicklung von Daniel Schmidthaler als Chef der Küche ein Grund, bei jedem Aufenthalt in der Feldberger Seenlandschaft einen Besuch in der alten Schule einzuplanen.

Noch besser ist es natürlich, wenn man sich dort gleich einquartiert, und zu dem Besuch im Sternerestaurant noch die schönen Zimmer und das am Tisch servierte außergewöhnlich gute Frühstück (und ich bin auf meinen Reisen in Sachen Frühstück viel Kummer gewohnt) genießen darf. Wenn ich also in der Feldberger Seenlandschaft nicht mit meinem besten Freund zum angeln bin, dann quartiert uns meine Frau bevorzugt dort ein.

So beschreibt Daniel Schmidthaler seine Küche selber: Bei uns schmecken Sie die Region............Genießen Sie frische, regionale Küche, im Restaurant Klassenzimmer ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern.  Daniel Schmidthaler und sein Küchenteam kochen fast ausschließlich mit frischen Zutaten aus der Region Feldberger Seenlandschaft, genauer gesagt mit allem, was aus den Wälder und Seen oder von den Feldern und Wiesen kommt. Lassen Sie sich kulinarisch überraschen von dem, was die Natur hervorbringt und was unsere Küche daraus macht. Wir legen sehr großen Wert auf hochwertige Zutaten und verwenden stets frische und überwiegend regionale Produkte. So entstehen feine Kreationen beispielsweise aus Wild der heimischen Jagdgefilde, fangfrischem Fisch der Seenplatte, erlesenen Waldpilz- und Naturkräutergattungen unserer Wälder sowie frisches Obst und Gemüse in ökologischer Gartenqualität. Wenn andere Produkte, wie fernöstliche Gewürze, einem Gericht den perfekten Geschmack verleihen, dann benutzen wir dieses selbstverständlich auch. Schließlich geht es uns ja auch um den Geschmack!

Am Samstagabend, dem 1. Juni 2019 war es wieder soweit, diese "Aus- und Ansagen" zu verkosten, wir Vier, unsere Freunde, meine Frau und ich nahmen Kurs auf das Klassenzimmer, so heißt das Restaurant in der alten Schule. Ein sonnengefluteter Gastraum erwartete uns am Besuchsabend.

Und Frau Schmidthaler platzierte uns an meinem Lieblingsplatz, direkt an den Fenstern, aus denen man über den Ort Fürstenhagen nach Osten blickt.

Dann die Frage nach einem Aperitif, den nehmen wir natürlich an so einem Abend gerne und aus dieser Flasche wurde edel filigranes Glaswerk gefüllt

Mit dem Aperitif der erste Küchengruß aus vier Komponenten, auf einem Holzbrett  

Spargel in den geschlitzten Astabschnitten, fast roh, mit geröstetem Mohn. Zahnzwischenraumalarm bei den Frauen, bei den Männern war der schon verzehrt! Kohlrabi, extrem dünn gehobelt und gefüllt, wie Tortellini serviert, innen drin eine Zucchinicreme. Last, but not least, gefüllte Radieschen, innen drin fermentierte Karotten, Sieger dieses Tellers! Teil vier des ersten Küchengrußes

Krapfen, da kann der Österreicher Daniel Schmidthaler nicht aus seiner Haut, es darf nicht nur gesund sein. Aber auch hier wieder was ungewöhnliches, die waren aromatisiert mit jungen Tannentrieben. Schon vor dem Blick in das Menü weiß man schon wieder, es wird alles eingesammelt, was die Feldberger Natur so zu bieten hat in der jeweiligen Zeit. So sagt es Herr Schmidthaler selber:
Wir wollen, dass Sie die Region schmecken und das heißt: steter Wandel und Überraschungen. Stellen Sie sich die blühenden Rapsfelder vor oder den feuchten Waldboden oder nasses Gras. Diese Sinneseindrücke wollen wir in der Küche wiedergeben. Dabei nutzen wir die Produkte der Region und kredenzen auch mal Speisen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht passend wirken, wie zum Beispiel Pfirsich, Kohlrabi und Birke. Wagen Sie mit unserem Sternkoch Daniel Schmidthaler die kulinarische Reise durch die Feldberger Seenlandschaft. Die Natur braucht ihre Zeit und genau das respektieren wir. Da wir hauptsächlich mit frischen Zutaten aus der Region kochen, bleibt uns gar nichts anderes übrig, als mit dem zu kochen, was die Natur und unsere Produzenten gerade für uns bereit halten.
Darum gibt es bei uns keine Menükarte.


Somit wird zwar eine Menükarte vor den Gast gelegt

Aber aus der kann man nur die Ganganzahl auswählen und einen Überblick über die Weinbegleitung bekommen. Und clever ist natürlich, die obigen Appetitanreger (im wahrsten Sinne des Wortes) vor die Entscheidung zu setzen, denn so kann man als ängstlicher Mensch nicht anders als alle Gänge zu wählen! Sonst verpasst man garantiert den einen ultimativen Gang, der unbedingt probiert gehört! Ich habe immer Angst, dass ich das leckerste verpasse, also 9 Gänge für mich! Die beiden Damen knickten bei 6 Gängen ein, mein männlicher Tischnachbar bei 8 Gängen. Hatte ich Angst, dass man mich der Völlerei bezichtigen würde? Nein, ich war sicher, das Bedauern würde bei den Anderen beginnen! Hah!

Wie immer beginnt das Menü im Klassenzimmer mit Brot, selbst gebacken, ein Kartoffelbrot und das auch zum Frühstück servierte fulminante Sauerteigbrot.

Dazu Butter, schlicht gesalzen mit Schnittlauch und mit Kürbiskernen, Favorit der Damen. Die Güte des Brotes verlangte Nachbestellung zur Mitte des Menüs, was kein Problem war, wir brauchten noch "Saucenaufsauger"! Dann der zweite Gruß der Küche als formeller Beginn des Menüs.

Ziegenfrischkäsecreme, Kräuter, Chiasamenchip. Dazu Okraschote, auch die aus der Uckermark. Irgendein unbekanntes Kraut war noch drauf mit intensiven Geschmack. Lecker, frische Frühjahrsküche. Dann folgte Gang 1,
Hecht-Holunder-Kopfsalat

Das Hechtfilet war ganz leicht mit Limettensaft a la Ceviche gegart worden, topfrisch und in dieser Form habe ich diesen Fisch noch nie gegessen. Auf dem Hecht frische Holunderblüten, ich hatte gesehen, dass die Küche sich am späten Nachmittag am Busch an der Kirche eingedeckt hatte. Weiter auf dem Teller ein angebratener Kopfsalat, und angegossen eine Sauce vom Kopfsalat. Großartig, einer der besten Gänge des Abends! Mandel-Kräuter-Radieschen war Gang 2 betitelt beim servieren.

Radieschen angebraten, warm, und in sehr dünnen Scheiben kalt. Dazwischen ein Mandelcreme, eher Milch. Und getoppt nach dem servieren mit einer Kräutergranite. Vegetarische Küche in ihrer besten Darbietung. Gang 3 war wieder ein Fischgang (wer braucht schon Fleisch) Saibling-Erbse-Radicchio-Dougasie-Beurre blanc

Augenweide trifft es am Besten! Fischfilet, tadellos saftig gegart, dazwischen Erbsen, in der Schote gegrillt und dadurch gegart, danach gedöppt. Das hauchzarte Raucharoma fügte sich gut  zum Fisch ebenso wie die ungewöhnlich aromatisierte Beurre blanc. Was an der Douglasie kann man dafür verwenden? Ich vermute auch hier frische Triebspitzen. Gang 4 war wieder ein leichtes sommerliches vegetarisches Gericht, Spargel-Röstgemüse-Gurke

Spargel gehört zu einem Menü im Monat Mai. Der lag unten im Teller, recht schlicht serviert, interessant wurde es durch Gurken in verschiedenen Texturen, am Stück gefroren, ein Schaum, und leicht gepickelt. Dazu wieder Aromen von Kräutern, deren Namen ich noch nie gehört habe. Ich muss unbedingt mal den Kräuterlieferanten von den Schmidthalers besuchen. Bon, Gang 5 war exklusiv für mich, Huhn-Linde-Fichtentriebe

Ich könnte jetzt von einem perfekt gegarten Stück Huhn berichten, oder von crispy Beilage, mach ich aber nicht, denn ich habe gelernt, das die Linde nicht nur von meiner Hobbyimkernden Frau geschätzt wird, sondern auch noch essbar ist, nämlich Blüten und Blätter, roh und frittiert! Blick aufs Foto macht klug! Die Blicke meiner Tischgenossen waren verlangend, es fiel aber leicht sie zu ignorieren, wenn man sich auf diesen Teller konzentriert. Lammherz-grüner Spargel-Renekloden war die Bezeichnung von Gang 6

Nochmal Spargel, kann ja niemals schaden, diesmal grün! Und dann kurzgebratenes Herz eines Lamms. Auch hier kann er nicht anders, der Österreicher serviert immer Innereien! Zusammen mit einer Sardellenbutter und einer fingerabschlotzend leckeren Jus vom Lamm ein toller Innereiengang. Der nächste Gang (sieben) wieder etwas leichter, Kohlrabi-Apfel-Sonnenblumenkerne

Böse Zungen würden vielleicht sagen, dass ist Kohlrabioverkill und das verdient dieses Standardgemüse deutscher Küche nicht. Einspruch. Nicht so, wenn es wie hier serviert wird. Unten gebratene Scheibe, oben als rohe Röllchen, mariniert. Dazwischen ein Creme aus Kernen, es können Sonnenblumenkerne gewesen sein, es schmeckte wie Erdnusscreme. Kontrapunkt hier eine säuerliche Apfelcreme. Gang 8 fuhr dann den Anspruch wieder hoch zu Maibock-Igelstachelbart-Kamille

Igelstachelbart ist wieder eines dieser Geheimnisumwitterten Pflänzchen, die sich in der Schmidthaler'schen Küche finden und von deren Existenz ich vorher keine Ahnung hatte. Dazu noch wilder Spargel, wie er sein muss, Hinweis an zwei Kollegen, mit denen wir angeblichen wilden Spargel serviert bekommen haben. Pfifferlinge waren noch drauf, eine umwerfende Jus auch. Aber absoluter Knaller dieses Tellers war die recht säuerliche Aprikosenbutter, der dicke gelbe Fleck auf dem Teller! Besser geht nicht! Herzhaft konnte sich nicht mehr steigern, also zum süßen Teil des Abends, Petersilie-Rhabarber-Mispel

Mispel kann man auch essen? Wusste ich bisher nicht. Unten drunter eine Praline aus Petersiliencreme, darüber dünn aufgeschnittener Rhabarber mariniert in Räucheraal-Öl. Wie kommt man darauf? Und warum weiß man, dass das eine geniale Kombi ist? Die Mispel war im Sorbet, dann noch Crunch und meine ermüdeten Geschmacksnerven machten mich darauf aufmerksam, dass es ein Ende haben sollte mit den neuen Sinneseindrücken. Also schickte uns die Küche mit drei Petit fours in den Feierabend.

Eins......Petersilie

Zwei....Pfirsich

Drei.....Erdbeere, und man weiß, dass ein gut kreiertes Menü den Intellekt wirklich fordert. Ich hatte viele neue und spannende Geschmackseindrücke zu verarbeiten und war ein bisschen down deswegen! Großartig und anstrengend! Daniel Schmidthaler entwickelt seine Küche immer weiter weg vom Sternemainstream, vielleicht könnte man es am ehesten mit puristischer nordischer Küche vergleichen, die sich auch sehr auf reine Aromen konzentriert und nicht zu viel zusammenfügt! Ich bin mir aber auch sehr sicher, dass diese Küche nicht überall gleich gut ankommt. Bei mir ist der Küchenstil des Herrn Schmidthaler ein absoluter Favorit! Jetzt muss er sich nur noch manchmal trauen und seine heiligen Hallen verlassen nach dem Essen, damit ihm die Gäste huldigen können! Spaß beiseite, bisher musste ich ihn jedes mal an der Küchentür abfangen um ihm kurz meinen Dank für seine Leistung überbringen zu können.

Das Serviceteam agierte auf bekannt hohem Niveau ohne Fehl und Tadel, da gibt es meinen vorherigen Bewertungen nichts hin zu fügen. Die Wein Begleitung konzentrierte sich an unserem Abend auf die von mir nicht so geliebten Orange- und Naturweine, deswegen ging ich diesmal fremd und im Budgetbereich der 9 Gang Wein Begleitung fand sich dieser Tropfen

Vorne

Hinten. Von 2013, dem gibt es nichts hinzu fügen. Das war ein außergewöhnlicher, kulinarisch extrem inspirierender Abend, den ich gerne immer wieder wiederhole. Dieser Ort ist ein perfekter für ein weiteres Treffen der GG Geniesserrunde! Wink mit dem Zaunpfahl!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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